Beiträge getaggt mit Wolfgang Pohrt

Grass und der antisemitische Spießerstammtisch

Günter Grass, Literaturnobelpreisträger und Mitglied der Waffen-SS hat ein antisemitisches „Gedicht“ in der israelkritischen „Süddeutschen Zeitung“ veröffentlicht, nachdem er bereits im Sommer letzten Jahres auf sich aufmerksam machte, als er  in Israel von sechs Millionen durch die Sowjetunion liquidierter deutscher Kriegsgefangenen sprach. Tatsächlich gerieten etwa drei Millionen deutsche Soldaten in sowjetische Kriegsgefangenschaft, von denen etwa 1,1 Millionen nicht überlebten. Was Günter Grass mit der Zahl „sechs Millionen“ bezwecken wollte, liegt auf der Hand. Nachdem Grass seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS bis zum Jahre 2006 verschwiegen hatte, wollte er mit seiner „Anklage“ gegen Israel  nicht mehr länger schweigen.

In seinem „Gedicht“ behauptet Grass, neben vielen anderen Lügen und Dummheiten, Israel wolle den Iran auslöschen und die Atommacht Israel gefährde den ohnehin brüchigen Weltfrieden. Abgesehen davon, dass Israel den Iran nicht „auslöschen“ könnte, hat Israel im Gegensatz zum Iran nie angedroht irgendein Land „auszulöschen“. Revolutionsführer Chamenei hat Israel als „Krebsgeschwür“, das zu beseitigen sei, bezeichnet. Ahmadinejad will bekanntlich das zionistische Gebilde von der Landkarte entfernen. Entsprechende Aussagen von iranischen Verantwortlichen ließen sich beliebig fortsetzen. Grass unterschlägt in seinem „Gedicht“, dass der klerikalfaschistische Iran antisemitische Terrorgruppen wie die palästinensische Hamas und die libanesische Hisbollah, die das Existenzrechts Israels ablehnen und den jüdischen Staat bekämpfen, unterstützt und die eigene Bevölkerung mit terroristischen Methoden unterdrückt. Der angebliche Tabubruch von Grass ist keiner, täglich wird seit Jahrzehnten in der deutschen Berichterstattung  überwiegend gegen den Staat Israel gehetzt. Das „Gedicht“ wird zwar in der deutschen Rezeption überwiegend kritisiert, aber das „Volk“ steht mehrheitlich hinter seinem Dichter.

Mit „man wird ja wohl noch mal sagen dürfen“ und „einige meiner besten Freunde sind Juden“ beginnen meist die Einlassungen von „Israelkritikeren“. Bei Sigmar Gabriel, der kürzlich Israel ein „Apartheid-Regime, für das es keinerlei Rechtfertigung gibt” nannte, war es nicht anders. Vor drei Monaten rief der von Palästinenserpräsident und Fatah-Vorsitzenden Mahmud Abbas ernannte Mufti der Palästinensischen Autonomiebehörde, Muhammad Hussein zur Ermordung aller Juden auf. Grass, Gabriel und ihr „Volk“ schwiegen dazu. Geschwiegen  haben Grass, Gabriel auch als vor drei Wochen im französischen Toulouse der islamistische Terrorist Mohammed Merah in einer jüdischen Schule drei jüdische Kinder und einen jüdischen Lehrer jeweils mit einem aufgesetzten Kopfschuss ermordet hat. Nach seiner Tat sagte Mohammed Merah: „Ich wollte Rache nehmen für die palästinensischen Kinder“. Antisemitismus ist nicht nur in den islamistischen Communitys die vorherrschende Ideologie, Antizionismus ist längst in der Mitte der europäischen, insbesondere der deutschen Gesellschaft angekommen. Laut einer EU-Umfrage aus dem Jahre 2003 sehen über 65 Prozent der Deutschen Israel als die größte Gefahr für den Weltfrieden. In Zeiten von Wirtschaftkrisen und Schuldenkrisen, mit der damit einhergehenden Befürchtung sozialen Abstiegs, ist die Sehnsucht nach Sündenböcken größer den je. Seit 2000 Jahren sind Juden für die Rolle des Sündenbocks auserkoren, der jüdische Staat Israel, der „Jude unter den Staaten“, ist weltweit der einzige Staat, dessen Existenzrecht öffentlich angezweifelt wird.

Vor vielen Jahrzehnten sprach Dieter Kunzelmann vom „Judenknacks“, den es zu überwinden gelte und legte 1969 durch die „Tupamaros West-Berlin“ eine Bombe im jüdischen Gemeindehaus in Berlin. Die „Vorherrschaft des Judenkomplexes“ in der Linken ist längst bei vielen „Genossen“ gebrochen, auf der Rechten gab es diese „Vorherrschaft“ nie. Antisemitische und antizionistische Ideologie wie sie aktuell in allen gesellschaftlichen Schichten Einzug hält, spielte sich früher so offen nur an den Rändern des politischen Spektrums ab. Wenn aktuell der SPD Vorsitzende und ein deutscher Literaturnobelpreisträger gegen den Judenstaat hetzen, dann fühlt sich natürlich erst recht der antisemitische Stammtisch berufen in die Offensive zu gehen. In Jakob Augsteins antizionistischer „Freitagscommunity“ bindet ein Georg von Grote das „Grass-Gedicht“ in einen Artikel ein und schreibt: „Über die Jahrhunderte der Diaspora hat sich bei Juden – und ich sag jetzt bewußt Juden und nicht Israelis – ein fast schizophrener Verfolgungswahn entwickelt. Verständlich bei dem, was da über Jahrhunderte und in Deutschland passiert ist. Aber für die Zukunft nicht gerade förderlich.“ Sein „Werk“ schließt Grote im „Freitag“ mit folgenden bedeutungsschweren Worten ab: “Grass hat nun den Anfang gemacht. Wir sollten mitmachen!“ So wittert der antisemitische Spießer-Stammtisch endlich seine Chance und bläst zum vermeintlich letzten Gefecht.

Bereits 1982 warnte Wolfgang Pohrt vor Weltfriedensrichtern wie Grass, Gabriel und Co : „Vormundschaft und Sorgerecht für das Opfer werden dem Täter zugesprochen. Mit den Verbrechen, die Deutschland an den Juden und an der Menschheit beging, hat es sich eigenem Selbstverständnis gemäß das Vorrecht, die Auszeichnung und die Ehre erworben, fortan besondere Verantwortung zu tragen. Der Massenmord an den Juden verpflichte, so meint man, Deutschland dazu, Israel mit Lob und Tadel moralisch beizustehen, damit das Opfer nicht rückfällig werde. Zwei angezettelte Weltkriege böten, so meint man weiter, die besten Startbedingungen, wenn es um den ersten Platz unter den Weltfriedensrichtern und Weltfriedensstiftern geht — frei nach der jesuitischen Devise, dass nur ein großer Sünder das Zeug zum großen Moralisten habe“

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„Operation Thunderbolt“ und der deutsche „Heimatvertriebenenverband“

Israelische Fallschirmjäger stürmen aus dem Herkules TransporterAm 27. Juni 1976 entführten die linksradikalen deutschen Terroristen Wilfried Böse und Brigitte Kuhlmann mit zwei palästinensischen Kämpfern, der „Volksfront zur Befreiung Palästinas“, ein Flugzeug der Air France über Athen mit 250 Passagieren an Bord. Geplant und angeordnet wurde die Aktion vom Militärchef der PFLP, dem Kinderarzt Abu Hani. Nach einem Zwischenstopp in Bengasi wurde der französische Pilot gezwungen, die Maschine auf dem Flughafen Entebbe in Uganda zu landen. In Entebbe wurden die Geiseln von der ugandischen Armee und sechs weiteren palästinensischen Terroristen empfangen. Die ugandische Armee übernahm für eine Nacht die Bewachung der Geiseln, damit sich die Entführer etwas ausruhen konnten.

In Entebbe erreichten Antizionismus und Judenhass einen neuen zwischenzeitlichen Höhepunkt. In dem Moment, als Wilfried Böse Juden von Nicht-Juden trennte, war nichts mehr wie es vorher war. Die „Revolutionären Zellen“  zerbrachen moralisch an den Ereignissen von Entebbe und lösten sich 1991 auf.  Am Dienstag, den 29. Juni 1976, um kurz vor 19 Uhr, beginnt der „antiimperialistische Kämpfer“ Wilfried Böse die erste deutsche Selektion an Juden nach 1945.  „Wenn Sie ihren Namen hören stehen Sie auf und gehen in den Nebenraum“, sagte Wilfried Böse nachdem er an dem Tisch, auf dem die Pässe der Passagiere lagen, platzgenommen hatte.  Eine israelische Frau mit eintätowierter Lagernummer brach in Tränen aus, als wieder jüdische Namen mit deutschem Akzent verlesen wurden, während die 28-jährige Pädagogikstudentin aus Hannover, Brigitte Kuhlmann, eiskalt mit einer Handgranate bewaffnet am Eingang des Nebenraumes stand. Die verbliebenen 143 nichtjüdischen Geiseln und die französische Crew wurden freigelassen. Kapitän, Michel Bacos, und seine Crew lehnten ihre Freilassung ab, da sie sich allen Passagieren verantwortlich fühlten. Für dieses Verhalten wurde Bacos später von der Air France bestraft und von seinen Aufgaben entbunden. Die 103 jüdischen Geiseln (83 Israelis sowie 20 französische Juden) wurden in dem mit Sprengsätzen gesicherten Terminal von Entebbe, mit der Drohung in drei Tagen erschossen zu werden, weiter gefangen gehalten. Während dieser Gefangenschaft hatten die meisten Geiseln Durchfall und Erbrechen, die Toiletten waren verdreckt, da es in den Leitungen kein Wasser gab. Idi Amin besuchte die Geiseln täglich, verbunden mit bizarren Auftritten und grotesken Reden. Während der Selektion zeigten jüdische Geiseln ihre eintätowierten „Auschwitz-Häftlingsnummern“ und erklärten Wilfried Böse, dass seine Handlungen identisch mit den Taten der Nazis sind. Wilfried Böse meinte, „er sei kein Nazi, er sei Idealist, er bereite die Weltrevolution vor“. Laut Wilfried Böse führe der imperialistische Staat Israel einen dauernden Expansionskrieg gegen die Palästinenser und seine Nachbarn. Die Forderung der „Revolutionäre“ war die Freilassung von anfangs 53, später über 70 Inhaftierten aus Gefängnissen in Israel, Frankreich, Deutschland und der Schweiz, sowie fünf Millionen US-Dollar von der französischen Regierung für die Rückgabe des Flugzeuges.

Nachdem Schimon Peres, der israelische Verteidigungsminister, vier Herkules Transportflugzeuge und zwei Boeing 707, wegen der achtsündigen Flugzeit und dem damit verbundenen Zeitdrucks, vorsichtshalber schon in die Luft geschickt hatte, gab am 3. Juli Ministerpräsident Jitzchak Rabin, der bis zuletzt auf eine diplomatische Lösung hoffte, nach einer turbulenten Kabinettsitzung, der israelischen Armee grünes Licht für die „Operation Thunderbolt“. Zuvor sammelten Militär und „Mossad“ mehrere Tage Informationen über den Flughafen in Entebbe. Die israelische Spezialeinheit trainierte mehrfach die geplante Rettungsaktion in einer mittels Attrappen  nachgebauten „Transithalle“.  Kenia erlaubte die Landung der beiden Boeing  Maschinen und das Auftanken für den Rückflug der vier Herkules Transportmaschinen. In einem der Transportflugzeuge wurde ein schwarzer Mercedes mitgeführt, mit welchem die Ankunft Idi Amins vorgetäuscht werden sollte. Die eigentlichen, 90-minütigen, Kampfhandlungen begannen mitten in der Nacht, als  Jonathan Netanjahus Männer in die Transithalle eindrangen. Über Megafone riefen die israelischen Soldaten, dass sich die Geiseln auf den Boden liegen sollen. Für kurze Zeit brach ein Chaos aus. Mütter warfen sich schützend über ihre Kinder. Schüsse flogen über die Köpfe der Geiseln, die Palästinenser feuerten wild zurück, Böse und Kuhlmann waren bereits tot. Drei Geiseln wurden getötet. Am Ende der Aktion eröffneten, die mittlerweile eingetroffenen ugandischen Truppen das Feuer auf die israelischen Befreier, wobei Oberstleutnant Netanjahu, ein Bruder des aktuellen israelischen Ministerpräsidenten, getötet wurde. Die 75-jährige Dora Bloch, die Auschwitz überlebte,  hatte drei Tage zuvor schwere Atemprobleme und befand sich deshalb in einem Krankenhaus in Kampala. Sie wurde am folgenden Tag von ugandischen Soldaten ermordet. 45 ugandische Soldaten wurden während des Angriffs getötet, alle ugandischen Kampfjets, die sich auf dem Flugfeld befanden, wurden am Boden zerstört um die anschließende Flucht zu gewährleisten. Libyens Staatschef Gaddafi schickte kurz darauf seinem bedrückten Freund Idi Amin zwanzig Mirage-Jäger. Für Israel war die Rettungsaktion die Neudefinition des Staates Israel. Wilfried Böses Selektion berührte den Gründungsmythos des jüdischen Staates. „Ich sehe in Entebbe das Wesen des Zionismus“, sagt Muki Betzer, einer der Kommandeure der „Operation Donnerschlag“. „Hätten wir vor dem Zweiten Weltkrieg einen Staat und eine Armee gehabt, hätte es den Holocaust in Deutschland so nicht gegeben.“ Wilfried Böses und Brigitte Kuhlmanns „Denken“, sowie ihre  Geschichtsvergessenheit bezüglich des Nahostkonfliktes, lebt in großen Teilen der Deutschen, vor allem der „Linken“ weiter.

Von der britischen Aufteilung  Palästinas 1923 in ein „judenfreies“ Transjordanien, von den Verbindungen der Palästinenser mit dem Nationalsozialismus, während des „Arabischen Aufstandes“ 1936 bis 1939 und lange darüber hinaus, von der faschistoiden, antisemitischen Politik des Großmuftis von Jerusalem, vom Angriff 1948 der arabischen Staaten auf den neugegründeten Staat Israel, vom Jom-Kippur-Krieg 1973, den arabischen Aggressionen vor dem 6-Tage Krieg bis zu dem einzigartigen, vererbbaren Flüchtlingsstatus der palästinensischen Flüchtlinge von 1948 wollten Wilfried Böse und Brigitte Kuhlmann nichts wissen. Das 1970 der jordanische König Hussein den Aufstand der Palästinenser in Jordanien niederschlagen und dabei ungefähr 5000 Palästinenser töten ließ, in dem er unter anderem palästinensische Flüchtlingslager in Amman bombardierte, interessierte die „Revolutionären Zellen“, wie ihre aktuellen antizionistischen Adepten wenig. Heutzutage regen sich „Israelkritiker“ über den Sperrzaun auf, der palästinensische Selbstmordattentäter und Terroristen abhalten soll, israelische Zivilisten zu ermorden. Sie bezeichnen ihn als „Schandmauer“! Mit Hilfe dieser „Schandmauer“ werden, so meinen diese „Israelkritiker“, die Palästinenser im Gazastreifen oder in der Westbank wie in einem großen „Freiluftkonzentrationslager“ oder wie in einem „Ghetto“ gehalten. Sie verurteilen jede legitime israelische Abwehrreaktion gegen Raketenbeschuss oder Waffenschmuggel  als „faschistische Barbarei“, während islamistischer Terror bagatellisiert oder gerechtfertigt wird. Dass sich Israel nicht einen einzigen verlorenen Krieg leisten kann, weil die weitere Existenz des jüdischen Staates damit Makulatur wäre und es für die jüdischen Bewohner Israels keine Möglichkeit zu einer Flucht gäbe, ist für Antizionisten und Israelgegner ohnehin kein Problem. Nach „Entebbe“ hatten die „Revolutionären Zellen“ vor,  Heinz Galinski, den damaligen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Berlin zu entführen, was nur durch Hans-Joachim Kleins Intervention verhindert wurde! Die „Operation Thunderbolt“ mit der ihr vorausgegangenen Flugzeugentführung und anschließenden Selektion wurde mehrmals verfilmt. Horst Buchholz und Klaus Kinski brillierten in der Rolle des Wilfried Böse. In mehreren westdeutschen Kinos, die den Film „Unternehmen Entebbe“ spielten,  legten die „Revolutionären Zellen“ Feuer. Diese Brandstiftungen sollten eine Warnung an Kinobesitzer und Zuschauer gegen die angebliche „rassistische Hetze“ sein. Der damalige UN-Generalsekretär und Ex-Nazi Kurt Waldheim verurteilte 1976, unter dem Beifall großer Teile der westdeutschen Linken, die israelische Befreiungsaktion als ernsthafte Verletzung der Souveränität des Mitgliedsstaates Uganda. Die deutsche Öffentlichkeit und große Teile der „Linken“ wissen bis heute, im Gegensatz zu den Ereignissen um die „Landshut“ in Mogadischu, kaum etwas über die Geschehnisse um die „Operation Thunderbolt“, was nicht weiter verwundert, in Entebbe wurde ihnen der Spiegel vorgehalten.

Der Antizionismus, den Wilfried Böse mit seinem Leben bezahlte, ist eine Möglichkeit nicht nur für Linke und „Heimatbewegte“, sich von ihrer „phantasierten“ Schuld zu befreien. Das heutige Linkparteimitglied Norman Paech sprach in den 1990er Jahren davon, dass er endlich „von der Aura der Kollektivschuld“ erlöst wurde, als er Mitte der 1960er Jahre nach Israel fuhr und dort das Leid der Palästinenser sah. Denn nun konnte er aus dem „Schatten Hitlers“ heraustreten. Von den eigenen Schuldgefühlen wurde er deswegen befreit, weil er erkannt zu haben glaubte, dass die Israelis genauso schlimm seien wie die Deutschen. Dieses Ziel sich von der „Aura der Kollektivschuld“ zu erlösen, klagen NPD, „Neue Rechte“, sowie ihre Parteiorgane „Nationalzeitung“ und  „Junge Freiheit“ auch heute ein. Wolfgang Pohrt schrieb einst sinngemäß: “Es ist nicht die Glorie Herzls die über Israel schwebt, sondern der traumatisierende Schatten Hitlers, und aus diesem Vergessen erhebt sich der Antisemitismus in neuer Gestalt. Da es in Deutschland aber kaum noch Juden gibt, richtet sich dieser Hass auf Israel. Die Solidarität mit der PLO ist eine Parteinahme für einen „großen militanten Heimatvertriebenenverband“ und Ausdruck des Bedürfnisses, die beschädigte nationale Identität wiederherzustellen.“ So wird der Nationalsozialismus gerne in diesen Kreisen mit dem Staat Israel gleichgesetzt. In einer Erklärung der „Revolutionären Zellen“ steht:“ Die Zionisten haben unheilvolle Lehren aus ihrer Verfolgung gezogen; sie haben gut gelernt und verfolgen, unterdrücken, vertreiben, beuten die Palästinenser und Araber heute aus, wie sie einst selbst verfolgt wurden.“ Mit diesem Vergleich entschwindet die Singularität von Auschwitz. Die deutschen Verbrechen werden reingewaschen, da doch angeblich die Opfer der Deutschen auch nicht besser seien. Die Opfer werden zu Tätern gemacht. Mit diesen Ansichten steht die „antizionistische Linke“ der „Neuen Rechten“ in nichts nach. Der „alte rechte“ und der neue „linke Antisemitismus“ bewegen sich aufeinander zu. Mit ihrer Schuldumkehr, mit ihrer Verharmlosung des Nationalsozialismus und ihrer Ablehnung des Staates Israels sind sich Paech, Kuhlmann und Böse mit dem überwiegenden Teil der deutschen Bevölkerung einig.  Die Speerspitze dieses „Denkens“ um die nationalbolschewistischen, antizionistischen Zeitschriften „Junge Welt“, „Junge Freiheit“ und „derFreitag“, mit ihren „jüdischen Kronzeugen“ Moshe Zuckermann, Avraham Burg und Felicia Langer ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Unter den bürgerlichen Zeitungen präsentiert sich seit langer Zeit die „Süddeutsche Zeitung“ als die „israelkritischste“.  Wenn es um Israels Verteidigungsmaßnahmen geht, herrscht im „Hause des Henkers“ ohnehin eine nationale Einigkeit wie sie in keinem anderen Politikfeld auch nur annähernd erreichbar ist. Beispielsweise die antisemitische Walser-Rede 1998 in der Paulskirche, die Verhinderung des Lanzmanns Films, „Warum Israel“ in Hamburg, Norbert Blüms Aussage vom „hemmungslosen Vernichtungskrieg“, Israels gegen die Palästinenser, der einstimmige Bundestagsbeschluss gegen Israel nach den Vorfällen auf der „Mavi Marmara“ belegen dies eindrucksvoll. Der Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland, Ignaz Bubis, der als einer der wenigen energisch gegen Walser protestierte, wollte in Israel, nicht in Deutschland beerdigt werden. Die antisemitischen Auffassungen der Deutschen waren, laut Daniel Jonah Goldhagen, die zentrale Triebkraft für den Holocaust. Die Vernichtung der Juden war nicht nur das Projekt von „Nazis“ oder SS-Männern, sie war ein  „nationales Projekt“ der Deutschen, das 1945 von den Alliierten gestoppt wurde. Der seit der deutschen Wiedervereinigung immer fiebriger werdende Antizionismus, dieser „unschuldige, ehrbare Antisemitismus“ ist unerlässlich für die „Wiedergutwerdung“ der Deutschen.

Jean Améry schrieb 1976 in „Der ehrbare Antisemitismus“: „Und spreche ich von Zuflucht, fällt schon ein weiteres Stichwort. Denn es geht in der Tat um mehr als nur den aufrechten Gang. Israel ist nicht nur das Land, in dem der Jude sich nicht mehr im Sinne Sartres das Eigenbild vom Feinde aufprägen lässt; es ist auch das virtuelle Obdach für alle erniedrigten und beleidigten Juden der Welt. Man denke nur an die Juden der Sowjetunion und anderer Ostblockländer, für die ein Ausreisevisum nach Israel die letzte Hoffnung schon Verzweifelnder ist, ein Leben in Würde und Anstand zu führen. […] Der ehrbare Antisemit hat ein beneidenswert reines Gewissen, ein meerstilles Gemüt. Er fühlt sich zudem, was seinem Gewissensfrieden noch zuträglich ist, im Einverständnis mit der geschichtlichen Entwicklung. Erwacht er gelegentlich aus der Dumpfheit seines Dämmerns, stellt er die rituellen Fragen. Ob Israel denn nicht ein expansionistischer Staat sei, ein imperialistischer Vorposten. Ob es nicht durch den „Immobilismus“, seiner Politik das Ungemach, das von allen Seiten hereinbricht, selbst verursacht habe. Ob nicht die ganze zionistische Idee die Erbsünde des Kolonialismus trage und damit jeder mit diesem Lande solidarische Jude selber schuldhaft werde. Hier lohnt es kaum noch zu diskutieren. Israels Expansion war die Folge des kriegerischen arabischen Fanatismus, der schon 1948 nichts anderes den Juden versprach, als sie „ins Meer zu werfen.“

Quellen: Jean Améry  – Aufsätze zu Politik und Zeitgeschichte  |  Eike Geisel – Die Banalität der Guten  |  William Stevenson – 90 Minuten in Entebbe  |  Wolfgang Pohrt – Gewalt und Politik. Ausgewählte Reden & Schriften

Parallel veröffentlicht unter: Mission Impossible

Siehe auch: Lizas Welt – Undank ist der Welten Lohn

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Der deutsche linke Antisemitismus

1973: „Der Konflikt im Nahen Osten kann nicht anders gelöst werden als durch die Zerschlagung, des Zionistischen Staates“ (AK)
1974: Israel – „die blutrünstige und machtgierige Bastion gegen die Völker“ (Roter Morgen (KPD/ML), 23.11.1974)
1989: Der Zionismus –„der Feind aller Menschen“ (Autonome Nahostgruppe Hamburg,2)
1992: „Sieg im Volkskrieg“; Israel muss weg! (Interim,6)
06.03.2010: „ Es gibt keinen linken Antisemitismus.“ (Freitags-Publizist Uwe Theel)

Am 08.01.2009 fordern Sahra Wagenknecht, Ellen Brombacher und andere Linksparteimitglieder das Ende der israelischen Aggression und einen gerechten Frieden im Nahen Osten: „Im Gaza-Streifen herrschen Tod, Qual und Angst. Die durch nichts zu rechtfertigende Aggression der israelischen Armee, die Blockade-Haltung der USA im UN-Sicherheitsrat, die die israelischen Kriegshandlungen tolerierende EU und auch die faktische Gleichgültigkeit der Herrschenden in den meisten arabischen Staaten zeichnen verantwortlich für das unvorstellbare Grauen. […] Nichts rechtfertigte und rechtfertigt die grausame Blockade gegen 1,5 Millionen Menschen, nichts rechtfertigt den mörderischen, schon jetzt mehr als siebenhundert Opfer und Tausende Verwundete fordernden Krieg. […]Unsere uneingeschränkte Solidarität gehört dem geschundenen palästinensischen Volk, der israelischen Friedensbewegung und den ungezählten Menschen in aller Welt, die das Ende der israelischen Aggression fordern. Fest an ihrer Seite, verlangen wir einen gerechten Frieden im Nahen Osten.“

Am 27. Januar 2010, 65 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz sprach Schimon Peres im Deutschen Bundestag. Sahra Wagenknecht verweigerte nach Peres Rede die stehenden Ovationen und begründete dies unter anderem damit, „weil dieser Staatsmann, selbst für Krieg verantwortlich ist.“ Sie verneige sich zwar vor den Opfern des Holocaust aber nicht vor dem „kriegsverantwortlichen“ Peres. Wenn Frau W. ihr Auftreten im Bundestag zu erklären versucht, ist der interessierte Beobachter, unangenehm an den „Leitspruch“: “Tote Juden sind gute Juden – lebende Juden sind böse Juden“ erinnert. Welchen Nah-Ost-Krieg meinte tatsächlich Sarah Wagenknecht? Den Arabisch-Israelischen Krieg 1948, den 6 Tage-Krieg 1968, den Yom-Kippur Krieg 1973 oder den Gaza Krieg 2009. Oder meinte Wagenknecht die Befreiung der jüdischen Geiseln in Entebbe 1976, die Oberstleutnant Jonathan Netanyahu (der Bruder des jetzigen Ministerpräsidenten), der an der Spitze der Aktion stand mit seinem Leben bezahlte. Der damalige Verteidigungsminister Schimon Peres gehörte zu den Hauptverantwortlichen für die damalige Befreiungsaktion. Falls Sarah Wagenknecht an den Gaza-Krieg dachte, ist Shimon Peres dann deshalb verantwortlich für den Gaza-Krieg, weil er Staatspräsident von Israel ist? Shimon Peres, sprach in Davos zum Gaza-Krieg, den er als richtig verteidigt und betonte Israel wolle Frieden und hätte nicht einseitig die Initiative aufgenommen sondern wurde vorher beschossen. Er richtete an Erdogan die Frage: „Was hätten Sie getan, wenn jeden Abend Raketen auf Istanbul niedergegangen wären“. Er betonte, die Schuld allein trägt die Hamas die Schulen und Kindergärten zu Kriegsschauplätzen machen würde. Haben Frau Wagenknecht diese Aussagen von Peres nicht zugesagt, war er deshalb verantwortlich für den Gaza-Krieg? Der Linksparteiabgeordnete Lederer kritisierte Wagenknecht scharf für ihr Verhalten. Der NPD Landtagsabgeordnete Gansel lobte hingegen Frau Wagenknecht. Wem steht Frau Wagenknecht außenpolitisch näher? Dem Nationalisten Gansel oder dem Sozialisten Lederer? Man müsste Frau Wagenknecht fragen: Welcher Staat, dieser Welt würde nicht auf die Kassam-Raketen reagieren? Wie hätte Israel reagieren sollen? Wäre es Einsatz verhältnismäßiger Mittel gewesen, wenn Israel mit selbstgebastelten Kassam-Raketen zurückgeschossen hätte? Oder hätte Israel Selbstmordattentäter auf einen belebten Markt in Gaza-Stadt schicken sollen?  Sind doppelte Standards in den Aussagen bezüglich der Israelkritik Wagenknechts zu erkennen? Gibt es eine Ungleichbehandlung des Staates Israel gegenüber anderen Staaten bei Wagenknecht?
Beide Fragen sind meines Erachtens eindeutig zu bejahen. Sind die Aussagen Wagenknechts, sekundärer oder struktureller Antisemitismus oder ist es Antizionismus? Ist ihr Antizionismus mit dem Flugblatt des Antisemiten Möllemann vergleichbar? Diese Fragen sollten die Links-Parteifreunde mit Frau W. diskutieren.  Im Spanischen Bürgerkrieg war der Kampfruf der Falangisten „Viva la Muerte“ (Es lebe der Tod). Der spanische Philosoph Unamuno nannte diese Haltung im Jahre 1936 Nekrophilie. Eindeutig gilt Erich Fromm der Ruf „Es lebe der Tod!“ als Hinweis auf und Ausdruck für den nekrophilen Charakter, der von allem Toten, Unlebendigen fasziniert ist. Wenn im Jahre 2010 die Hamas ruft:“ Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod“, würde Fromm sehr wahrscheinlich Vergleichbares diagnostizieren.

Linker Antisemitismus“ und Judenhass ist ebenso, sehr leicht nach dem Angriff, am 31.5.2010, der israelischen Spezialeinheit auf  die sogenannte Gaza „Solidaritätsflotte“ und den Toten auf der „Mavi Marmara“ zu diagnostizieren.  Die selbst ernannten Kämpfer für Menschenrechte pochten und pochen auf ihr „legitimes“ Recht, Israel zu kritisieren, und tarnen ihren Antisemitismus, indem sie sich als Kämpfer für Frieden, Fortschritt und Gerechtigkeit gerieren. „Ich habe nichts gegen Juden, einige meiner besten Freunde sind Juden.“ Mit diesem Satz verriet sich, in den ersten Jahrzehnten nach Auschwitz, der deutsche Antisemit. In der aktuellen Form funktioniert dieser Satz so: „Man wird ja wohl noch Kritik an Israel üben dürfen, ohne gleich als Antisemit zu gelten.“ Wer genau liest, erkennt zwischen den Zeilen, dass da eine Macht ist, jeden zu strafen, der etwas gegen Israel sagt. Diese Macht dürfte, nach Ansicht dieser Antisemiten,  die jüdische Lobby sein, oder das Weltjudentum mit seinen Agenten. Unter den Teilnehmern der „Free-Gaza-Solidaritätsflotte“ waren die deutschen Linkspartei-Parlamentarier Paech, Höger und Groth und islamfaschistische Djihadisten, die sich bereits in der Türkei von ihren Familien verabschiedeten, da sie als Selbstmordattentäter in ihr Paradies einkehren wollten. Paech, Höger und Groth haben die sich de facto als Kombattanten der Hamas betätigt. Die nachfolgende einseitige Diskussion in den Medien war ebenso abstoßend wie das Verhalten von Paech und Co. Einige linke Medien bilden die Speerspitze in diesem Kampf gegen Israel. Die islamistische Hamas strebt unverhüllt die Vernichtung Israels an und beweist dies eindrucksvoll, unter anderem, mit Raketenbeschuss und Selbstmordattentaten. Um „bessere“ Hamas-Raketen zu verhindern muss Israel den Weg nach Gaza kontrollieren. Wer Israel das verwehren möchte, spricht den dort lebenden Juden das universale Menschenrecht auf Selbstverteidigung ab, er oder sie will den „Tod des Juden.“

Die, angeblich linken, Friedensfreunde sind nicht in der Lage zu begreifen, dass Israel nicht Krieg führt wie imperialistische Staaten Krieg führen. Israel führt seine Kriege, nicht um Raum für ihr Volk ohne Raum, nicht um den Zugriff auf Rohstoffe oder um weltpolitische Bedeutung. Israel führt Krieg, um den Juden, also seiner Bevölkerung, endlich ein Leben in Sicherheit zu bieten. Israel versucht nicht, andere unter ihre Herrschaft zu zwingen oder zu ihrem Gott zu bekehren. Im Gegensatz dazu erklären die Feinde Israels im Nahen Osten ihren sehnlichsten Wunsch die Juden zu vernichten oder sie ins Meer zu treiben. „Die Fahne Allahs soll, laut der Hamas-Charta, über ganz Palästina wehen.“ Die „sogenannten friedlichen Lösungen“ der Palästinafrage, sagt die Charta der Hamas, stehen sämtlich im Widerspruch zu den Auffassungen der Islamischen Widerstandsbewegung. Denn auf irgendeinen Teil Palästinas zu verzichten bedeutet, auf einen Teil der Religion zu verzichten. Hätte die Hamas oder ein arabischer Nachbarstaat die Möglichkeit Israel zu vernichten, würde diese Möglichkeit sofort „genutzt“. Hätten die Juden vor dem zweiten Weltkrieg einen Staat und eine Armee gehabt, wäre der Holocaust so nicht möglich gewesen. Der Staat Israel ist ein Ort an dem Juden endlich frei von Angst vor Pogromen leben können. Solidarität mit den Palästinensern, spätestens nach 1990, bedeutet Solidarität mit den Gotteskriegern, mit der Hamas, mit der Hisbollah. Die Palästinenser haben sich verändert, von einer Bevölkerung  zu einem Volk, von einer säkularisierten Gesellschaft zum religiösen antisemitischen Mob. Von deutschen linken Friedensfreunden, sprich linken Antisemiten hörte und hört man immer wieder den Satz: “Ebenso wie den Israelis ist das deutsche Volk den arabischen Palästinensern verpflichtet!“

Wolfgang Pohrt schrieb seinerzeit zu identischem Schwachsinn: “Oder anders gesagt: Vormundschaft und Sorgerecht für das Opfer werden dem Täter zugesprochen. Mit den Verbrechen, die Deutschland an den Juden und an der Menschheit beging, hat es sich eigenem Selbstverständnis gemäß das Vorrecht, die Auszeichnung und die Ehre erworben, fortan besondere Verantwortung zu tragen. Der Massenmord an den Juden verpflichtete, so meint man, Deutschland dazu, Israel mit Lob und Tadel moralisch beizustehen, damit das Opfer nicht rückfällig werde. Zwei angezettelte Weltkriege böten, so meint man weiter, die besten Startbedingungen, wenn es um den ersten Platz unter der Weltfriedensrichtern und Weltfriedensstiftern geht, frei nach der jesuitischen Devise, das nur ein großer Sünder das Zeug zum großen Moralisten habe.“

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