Beiträge getaggt mit Amin al-Husseini

Amin al-Husseini und die Kufiya

Amin al-Husseini (1893 – 1974) war eine der Schlüsselfiguren des 20. Jahrhunderts im „Nahen Osten“.  Amin al-Husseini  vergötterte den Holocaust, weil sein Lebensziel die Vernichtung der Juden war. Für die Ausbreitung des modernen Antisemitismus im arabischen Raum und die Zusammenarbeit  mit dem NS- Regime in Deutschland spielte er die entscheidende Rolle. Der extreme Antisemit war dreißig Jahre der politische Führer und sechzehn Jahre das religiöse Oberhaupt der palästinensischen Muslime. Zeitweilig war er der wichtigste Repräsentant der arabischen Welt. Er war Mitglied der „SS“ und betrieb NS-Propaganda für Deutschland in arabischer Sprache, er war persönlich verantwortlich für die Tötung von tausenden jüdischen  Kindern aus Rumänien, Bulgarien und Ungarn im Holocaust. Über den deutschen Kurzwellensender Radio Zeesen rief der Mufti zum Dschihad gegen die Juden auf: „Ich erkläre einen heiligen Krieg, meine Brüder im Islam! Tötet die Juden! Tötet sie alle!“Unermüdlich nutzte al-Husseini sein Amt, um den Antizionismus zu islamisieren und den Hass auf Juden religiös zu motivieren. Offen und in vollem Wissen um Auschwitz propagierte er die Shoah. Während des 2. Weltkrieges mobilisierte der „Großmufti“ auf dem Balkan Muslime für die „Handschar“ Waffen-SS, die unter seinem Befehl durch ihre Gräueltaten traurige Berühmtheit erlangte. Außerdem beteiligte sich Amin al-Husseini an Pogromen gegen irakische Juden. Als der Kriegsverbrecher Amin al-Husseini im Juni 1946 aus französischer Gefangenschaft fliehen konnte wurden die arabischen Dörfer in Palästina mit Girlanden und Flaggen geschmückt. Indem die Alliierten, wegen der arabischen Ölvorkommen den Mufti amnestierten, wurde sein Antisemitismus rehabilitiert. Scharenweise strömten die in Europa gesuchten Nazis in die arabische Welt. Massenhaft wurden in den folgenden Jahrzehnten die „Protokolle der Weisen von Zion“ und Hitlers „Mein Kampf“ verbreitet. Die Araber sahen in der Straflosigkeit des Muftis nicht nur eine Schwäche der Europäer, sondern eine Absolution für geschehene und kommende Ereignisse, bemerkte 1947 Simon Wiesental.

1936 begann Amin al-Husseini, das sogenannte Palästinensertuch, die Kufiya  bei der männlichen Bevölkerung durchzusetzen, gleichzeitig wurde den Frauen der Schleier auferlegt. Der türkische Fez oder europäische Hüte wurden vom Mufti verboten. Wer sich weigerte die Kufiya zu tragen wurde von al-Husseinis Schergen gefoltert und/oder getötet. Die Kufiya war ursprünglich eine von vielen Kopfbedeckungen aus ländlichen arabischen Gebieten, die vor intensiver Sonneneinstrahlung und bei Wüstenstürmen getragen wurde. Bereits während des faschistischen Aufstandes von 1936 bis 1939 trugen die Truppen des Mufti von Jerusalem als Erkennungszeichen die Kufiya. Das Palästinensertuch war und ist ein Symbol für die gewünschte Vertreibung der Juden aus Palästina,  gegen die westliche Welt und gegen die Moderne. Seither steht das Palästinenser-Tuch politisch für gewalttätigen bis mörderischen Antisemitismus mit dem Ziel der Zerstörung Israels, sowie für die Unterdrückung von Frauen, von Homosexuellen und Kritikern der Islamisten. International bekannt wurde die Kufiya durch Amin al-Husseinis Neffen Jassir Arafat und andere Terroristen der PLO.  In den 1970er Jahren wurde die Kufiya das Markenzeichen der antiimperialistischen, antizionistischen Linken. Diese „Linken“ ignorierten offensichtlich, damals wie heute den offenkundigen mörderischen Antisemitismus der arabischen „Freiheitskämpfer“, wobei die Hitler-Bilder in den Ausbildungslagern der PLO so manchen RAF-Genossen der ersten Generation zum Umdenken veranlassten. Für viele „Linke“ in den siebziger Jahren sollte die Kufiya ihren „Widerstand“ gegen die USA und den Zionismus bis hin zur Solidarisierung, nach ihrer Meinung, „revolutionären“ PLO ausdrücken. In den neunziger Jahren entdeckten folgerichtig die Neo-Nazis das Palästinenser-Tuch als Symbol  ihrer Feindschaft gegen die Juden.

Wer heute in Deutschland dieses Tuch trägt, entscheidet sich für die antisemitische Seite im Nahostkonflikt. Jugendliche und Teenager dürften sich wenig mit dem Nahostkonflikt auseinandergesetzt haben, kennen vermutlich Amin al-Husseini überhaupt nicht, sie tragen wahrscheinlich mehrheitlich die Kufya um alternativ auszusehen. Ob diese Jugendlichen wollen oder nicht, wenn sie dieses Tuch tragen, symbolisieren sie ihr Einverständnis und ihre Unterstützung im antisemitischen Kampf gegen die Juden in Israel und die faschistischen Mittel, mit welchen dieser Kampf von Islamisten geführt wird, sowie die dazugehörige Ideologie dieser antizionistischen, antiwestlichen Kämpfer.

Ein Parlamentarier der Piratenpartei trägt nun nach dem triumphalen Einzug dieser Gruppierung im Abgeordnetenhaus von  Berlin die Kufiya. Auf die freundliche Kritik einer Holocaust-Überlebenden an seinem antizionistischen Outfit antwortete der Pirat: „Ich werde das Tuch erst ablegen – und dann mit sehr großer Freude – wenn beide Parteien im Nahost-Konflikt einen Kompromiss gefunden haben und Frieden herrscht“. Belegt der „Pirat“ damit nicht eindrucksvoll welch Geistes Kind er ist? Oder wie ist seine Aussage zu werten? Was sagen seine Parteifreunde zu Islamismus und Antisemitismus? Ist es sinnvoll die Piratenpartei zu wählen, wenn Abgeordnete dieser Partei anscheinend mit Amin al-Husseini, Jassir Arafat, deren Nachfolger und den Ansichten und Methoden dieser Judenhasser sympathisieren?

Quellen: Klaus Gensicke, Der Mufti von Jerusalem und die Nationalsozialisten – Robert S. Wistrich, Der alte Antisemitismus in neum Gewand

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Erstveröffentlichung mit Diskussion am 12.11.11 unter  http://thinktankboy.wordpress.com/2011/11/12/amin-al-husseini-und-die-kufiya/

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Vom Zerfall des „Osmanischen Reiches“ bis zur Gründung Israels

Eine Trilogie – Teil 1

„Land für Frieden“ – unter diesem Motto stand die Regierungszeit von Rabin und Peres. Das kleine Israel, kleiner als Belize und kaum größer als Kuwait (dafür ohne Öl), das gerade mal ein Prozent der Fläche Saudi Arabiens ein nimmt – und 1,5 Promille(!) der Fläche der 18 Staaten der Arabischen Liga – gab Land, doch Frieden bekam es dafür nicht.“ (Tilman Tarach – Der ewige Sündenbock)

Von 1516-1918 kontrollierte das Osmanische Reich große Teile des Nahen Ostens, darunter ebenso die Region „Palästina“. Während des ersten Weltkriegs (1914-1918), standen die Osmanen auf Seiten Deutschlands und damit auf der Verliererseite. Die Dynastie der Osmanen zerfiel, das Sultanat wurde abgeschafft und Atatürk wurde 1923 der erste Staatpräsident der Türkei. Im „Sykes-Picot-Abkommen“ von 1916 zwischen Frankreich und Großbritannien wurde die arabische Region in zwei Zonen geteilt. „Palästina“, das heutige Jordanien, Israel, Gaza und die „West Bank“ wurden in der „Konferenz von San Remo“ im Jahre 1920 britisches Mandatsgebiet. Anfang des 19. Jahrhunderts lebten knapp 300.000 Menschen in Palästina. Das Gebiet war unterbevölkert und stagnierte wirtschaftlich. 1868 schrieb Mark Twain der Palästina besuchte: “Palästina sitzt in Sack und Asche … diese unterbevölkerten Wüsten, diese rosafarbenen Erdhügel … Jericho, das verfluchte, liegt heute als zerfallene Ruine da …über ihm brütet der Bann eines Fluches, der seine Felder hat verdorren lassen, und seine Tatkraft gefesselt hat. … das berühmte Jerusalem selbst, der erhabenste Name in der Geschichte, hat all seine Größe verloren und ist ein Bettlerdorf geworden; die Reichtümer Salomos sind nicht mehr vorhanden, um die Bewunderung zu Besuch weilender orientalischer Königinnen zu erregen. Palästina ist verlassen und hässlich“. Erst mit der Ankunft jüdischer Siedler um das Jahr 1880 änderte sich die Situation spürbar. Bekanntlich lebten bereits vor dem 19. Jahrhundert Juden in Palästina, die in Abgrenzung zu den jüdischen Einwanderern der 1880er Jahre als „alter Yishuv“ bezeichnet wurden. Die Triebfeder für die jüdische Einwanderung war in Russland zu suchen. Nach der Ermordung des Zaren Alexander II und den folgenden  antijüdischen Pogromen in Russland kam es ab 1881 zur ersten Alijah mit circa 70.000 jüdischen Immigranten nach Palästina. Diese Juden hatten sich in „Palästina“ niedergelassen um von palästinensischen Großgrundbesitzern Land zu kaufen und unter anderem Malariasümpfe zu kultivierten. Die Idee einer „Produktivierung“ des jüdischen Menschen, viele waren a-religiöse Sozialisten, durch körperliche Arbeit und Handwerk, verbunden mit einer „Colonisierung“ von Eretz Israel, war Teil des emanzipatorischen Projekts, das bereits von Vertretern der jüdischen Aufklärung propagiert und gegen Ende des 19. Jahrhunderts in  die Tat umgesetzt wurde. Beispielsweise hatte 1870 nahe Jaffa eine jüdische  Landwirtschaftsschule eröffnet, in der die jüdischen Neuankömmlinge ausgebildet wurden. Nachdem die Siedlungen der Juden aufzublühen begannen, nahm ebenfalls die Einwanderung von Muslimen zu. Viele Araber fühlten sich neben dem wirtschaftlichen Aufschwung, von der besseren medizinischen Versorgung, wodurch sich Kindersterblichkeit reduzierte und die Lebenserwartung anstieg, angezogen.  Um das Jahr 1900 war Palästina immer noch eine abgelegene osmanische Provinz und sehr schwach besiedelt. Schätzungen gehen von 400.000 Einwohnern aus.  Bereits 1896 erschien das Buch „Der Judenstaat“ von Theodor Herzl. Für Herzl, der als Begründer des modernen politischen Zionismus gilt, war ein jüdischer Staat wegen des weltweit vorhandenen Antisemitismus notwendig. Der Zionismus wurde durch andere Nationalismen und moderne soziale Bewegungen beeinflusst, vor allem durch die der Arbeiterbewegung. Die sozialistische Kibbuzbewegung wurde 1909 gegründet. Die ländlichen Kollektivsiedlungen mit gemeinsamem Eigentum und basisdemokratischen Strukturen funktionierten nach der Devise: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen! Bereits 1909 wurde die jüdische Stadt Tel Aviv gegründet,  eine Stadt, die sehr schnell wuchs, im Jahre 1947 lebten dort bereits 230.000 Einwohner. Noch während sich Palästina im Machtbereich der Osmanen befand erklärten die Briten in der „Balfour-Deklaration“ in Palästina eine „nationale Heimstätte“ für das jüdische Volkes zu errichten.

1923 teilten die Briten das Land „Palästina“ in zwei administrative Zonen. Der arabisch-palästinensische Staat Transjordanien, das heutige Jordanien, wurde abgetrennt. Transjordanien entsprach knapp 80 Prozent der Landfläche Palästinas. In diesem abgetrennten Teil, so die Auflage der Briten,  durften sich keine Juden niederlassen. Transjordanien musste laut der britischen Mandatsmacht „judenrein“ sein, was bis heute der Fall ist und von kaum jemandem beanstandet wird. Die vollständige Unabhängigkeit erreichte Jordanien 1946, bis dahin gab es noch einheitliche Mandatsgesetze, eine einheitliche Währung und Pässe. Die restlichen 20 Prozent, das heutige Israel, die „Westbank“ und der Gazastreifen wurden den palästinensischen Juden, durch  diverse Zusagen und Versprechungen der Briten und des Völkerbundes in der Zeit von 1920 bis 1923, für ihre „nationale Heimstatt“ versprochen. Den gemäßigten Zionisten schien der Kompromiss eine pragmatische Notwendigkeit, obwohl auch Teile des Ostjordanlands für die „Heimstätte“ vorgesehen waren. Die  Gruppe um Wladimir Jabotinsky lehnte diese Einschränkung ab und forderte weiterhin die verstärkte Besiedlung auch der Gebiete östlich des Jordan. Trotz dieser Abtrennung Transjordaniens versuchten die palästinensischen Araber mit mörderischen, terroristischen Aktionen die jüdischen Einwohner zu vertreiben. Beispielsweise während des „Hebron-Massakers“ am 23. August 1929, das unter dem Zeichen des muslimischen  Schlachtrufs, „das Gesetz Mohammads wird mit dem Schwert durchgesetzt“ stand, kamen 67 jüdische Zivilisten ums Leben.  In Safed wurden zur selben Zeit  45 Juden ermordet, insgesamt wurde durch das vom Großmufti von Jerusalem, Amin al-Husseini, dem unumschränkten Führer der „Palästinenser“,  inszenierte Blutvergießen in diesen Tagen 133 Juden ermordet und 339 verletzt. Viele arabische Einwohner in Hebron versteckten ihre jüdischen Nachbarn, so dass einige Juden das Massaker überlebten. Die Teilnahmslosigkeit, beziehungsweise die Unfähigkeit der Briten die jüdische Bevölkerung zu schützen, dürfte mit den Entdeckungen neuer Ölquellen im arabischen Raum zu tun gehabt haben. Spätestens jetzt wurde der jüdischen Bevölkerung klar, dass sie sich selbst zu wehren hatte. Die Hagana, eine zionistische Organisation zum Schutz für die jüdische Zivilbevölkerung wurde nach einem  Judenpogrom in Jerusalem, 1920 gegründet. Nach den Massakern  des Jahres 1929, die insgesamt zu 133 Toten auf jüdischer Seite führten, begann die Hagana sich ausländische Waffen zu besorgen und  wandelte sie sich von einer untrainierten Miliz zu einer ernstzunehmenden paramilitärischen Vereinigung. 1931 spaltete sich die Irgun, die politisch Wladimir Jabotinsky nahe stand, von der Hagana ab. Sie führte ihren Verteidigungskampf, auch mit terroristischen Mitteln, gegen die britische Mandatsmacht, aber auch gegen die arabische Seite.

Auf palästinensischer Seite war Amin al-Husseini (1893–1974) die treibende und entscheidende Kraft, er war die Schlüsselfigur des 20. Jahrhunderts im „Nahen Osten“.  Der extreme Antisemit Amin el-Husseini  wurde 1921 der politische Führer und das religiöse Oberhaupt der palästinensischen Muslime. Für die Ausbreitung des modernen Antisemitismus im arabischen Raum und die Zusammenarbeit mit dem NS Regime in Deutschland spielte er die entscheidende Rolle. Als Mufti hat er den Islam auf dreierlei Weise instrumentalisiert, erstens als Basis für einen islamisch motivierten Judenhass, zweitens als Waffe gegen die Moderne und drittens als Vorwand für Terrorismus und Gewalt. Hitler unterstütze Amin al-Husseini politisch, finanziell und militärisch. Der Mufti war Mitglied der „SS“ und betrieb NS-Propaganda für Deutschland in arabischer Sprache. Während des 2. Weltkrieges half der „Großmufti“ auf dem Balkan bei der Mobilisierung von Moslems für die Waffen-SS. Die bekanntesten muslimischen SS-Divisionen waren „Skanderberg“ und die 13. Waffen-Gebirgs-Division, die „Handschar“-Division.  Der gemeinsame Gegner, die den Islam mit dem Faschismus verbinde, sei das „Weltjudentum“, so der Mufti bei Ansprachen vor seinen SS Divisionen. Die Nazis versuchten ab 1937 mit ihrem Antisemitismus deutsche „Überzeugungsarbeit“ in Palästina zu leisten. Es war in den Jahren freilich ein Antisemitismus besonderer Art, welcher den antijüdischen Kampf Mohammeds aus dem siebten Jahrhundert mit der vermeintlichen jüdischen Weltverschwörung des 20. Jahrhunderts unmittelbar verknüpfte. Himmler schwärmte von der „weltanschaulicher Verbundenheit“ zwischen dem Nationalsozialismus und dem Islam. Während des von Amin al-Husseini organisierten „Arabischen Aufstands“ (1936-1939),  welcher nach Aussagen des Muftis ohne NS-Gelder nicht stattfinden hätte können, wurden über 10.000 Juden aus jüdisch-arabisch gemischten Städten vertrieben.  Der Aufstand richtete sich gegen die Briten und vor allem gegen die jüdische Einwanderung. Mit der fünften Alija kamen etwa 200.000 jüdische Immigranten vor allem aus NS-Deutschland. 1937 betrug die Gesamtbevölkerung in ganz Palästina, also westlich und östlich des Jordan 1.401.794 Menschen, davon 883.446 Muslime und 395.836 Juden. Trotz der hohen Opfer waren die Juden Palästinas nicht die einzigen Ziele des „Arabischen Aufstands“. Der arabische Terror in den eigenen Reihen forderte die annähernd gleiche Anzahl an Opfern. Die um Ausgleich mit den Juden interessierten Familienmitglieder der Nashashibis waren hauptsächlich die Leidtragenden. Amin al-Husseini bekämpfte, massiv unterstützt von Adolf Hitler, die Nashashibis, die Juden und alle prowestlichen, antiislamischen Einstellungen. Durch den nach innen gerichteten Terror wurde eine Entwicklung hin zu einer bürgerlichen Gesellschaft jäh unterbrochen. Zensur, Gesinnungsterror und eine Überwachungsgesellschaft etablierte sich. Im August 1938 erließ der Mufti eine neue Kleiderordnung für die arabische Bevölkerung, Kaffieh und Agal.  Kopftuch und doppelte Kordel war für die gesamte palästinensisch-arabische Bevölkerung, Mohammedaner und Christen, Effendis wie Fellachen Pflicht. Diese Anordnung wurde terroristisch durchgesetzt, wer sich widersetzte wurde von den Handlangern des Muftis  erschossen. Die Araberinnen hatten auf westliche Kleidung zu verzichten und ihre Gesichter zu verschleiern. Während des „Arabischen Aufstandes“ lehnte die britische Peel-Kommission die Umsetzung der Balfourdeklaration ab und legte im Juli 1937 einen Teilungsplan vor, wonach ein Großteil Palästinas den Arabern, der kleinere Teil mit den meisten jüdischen Siedlungen den Juden zugeteilt werden sollte.  Jerusalem und ein Küstenstreifen sollte britisches Mandatsgebiet bleiben. Chaim Weizmann sprach  sich für die Annahme dieses Plans aus, um so viele verfolgte Juden wie möglich zu retten. Die Palästinenser lehnten den Plan ab und verlangten ganz Palästina zu einem arabischen Staat zu machen.

Während des „2. Weltkrieges“ kämpften über zwei Millionen Juden auf der Seite der Alliierten gegen die Achsenmächte um NS-Deutschland. Im Gegensatz dazu stand die überwältigende Mehrheit der „arabischen Welt“ auf der Seite Hitlers. Die Araber und Hitler hatten gemeinsame Feinde, die Briten, die Franzosen und vor allem die Juden. Von Juli 1940 bis Mai 1941 bombardierte die faschistische italienische Luftwaffe Tel Aviv mit dem Ziel möglichst viele Juden zu ermorden.  Erwin Rommel überschritt 1941 mit seinen Soldaten die ägyptische Grenze, Palästina lag in Reichweite. Hitler meinte zu der Zeit: „Der Versuch einen Judenstaat zu gründen wird ein Fehlschlag sein.“ Am 30. Juni erreichte Rommel, wenige Tagesmärsche von Palästina entfernt, Al Alamein. SS Einsatzkommandos standen bereits für den Mord an den ägyptischen und vor allem an den palästinensischen Juden bereit. SS-Obersturmbannführer Walther Rauff stand diesem, kurz zuvor gebildeten Einsatzkommando vor und wartete  in Athen mit seinen Mördern auf den Einsatz in Palästina. Rauff war der Erfinder der sogenannten Gaswagen, mit welchen zu hunderttausenden sowjetische und serbische Juden ermordet wurden. Der Mufti wählte für die „Endlösung“ der Judenfrage in Palästina bereits einheimische Kollaborateure aus.  Die ansässige muslimische Bevölkerung in Palästina kennzeichnete mit „mysteriösen Kalkzeichen“ die jüdischen Häuser um ihre Besitzansprüche für die Zeit nach der „Säuberung“ in Palästina geltend zu machen. Dass es nicht dazu kam, lag nur der Tatsache geschuldet, dass die Briten, unterstützt von palästinensisch-jüdischen Kompanien, Anfang September 1942 die deutschen Truppen bei Al Alamein schlagen konnten. Walther Rauff musste mit seinen Männern unverrichteter Dinge abreisen. Nach dem Krieg setzte er sich mit Hilfe des Vatikans nach Syrien ab und kämpfte als Nachrichtenoffizier gegen den neu gegründeten Staat Israel. Die Israel umgebenden Länder waren nach 1945 ein wahres Mekka für Alt-Nazis. Neben Rauff, dem polnischen Gestapo-Chef Leopold Gleim und Alois Brunner waren dutzende NS-Größen nach dem 2. Weltkrieg im Nahen Osten gegen Israel im Einsatz. Aber nicht nur Alt-Nazis und Araber bekämpften die Juden in der Zeit in der Region. Viele  Juden, die den Holocaust überlebten, wollten nach Palästina auszuwandern. 4515 jüdische Flüchtlinge, darunter 955 Kinder waren  im Juli 1947 mit dem Flüchtlingsschiff „Exodus“ unterwegs in Richtung Palästina. Die Briten versuchten das Schiff zu entern, dabei kam es zu 200 Verletzten und vier Toten unter den Überlebenden von Auschwitz. In Haifa wurden die Flüchtlinge von den Briten auf drei Gefangenenschiffe verladen und wieder nach Frankreich zurückgeschickt. Das britische Ansehen in  der Weltöffentlichkeit war, schon seit der sogenannten „La-Spezia-Affäre“, stark  angeschlagen. Beide Affären hatten großen Anteil an der Mandatsaufgabe Großbritanniens.

Die Sowjetunion nahm die entschiedenste Position für Israel ein. Der sowjetische Delegierte Andrej Gromyko erklärte auf der UN Vollversammlung im  Mai 1947: “Der Umstand das kein abendländisches Land in der Lage gewesen ist, die Grundrechte des jüdischen Volkes zu verteidigen und es gegen die von den faschistischen Henkern ausgelösten Gewalttätigkeit zu beschützen, erklärt den Wunsch der Juden einen eigenen Staat zu gründen“.  Der UN-Teilungsplan für Palästina wurde am 29. November 1947, mit der Resolution 181 von der UN-Generalversammlung angenommen,  die verbleibenden 20% Palästinas nochmals zu teilen: In einen jüdisch-palästinensischen Staat, und in einen weiteren arabisch-palästinensischen Staat. Zu diesem Zeitpunkt bewohnten 538 000 Juden und  397.000 Araber, Christen und Drusen das von der UN Israel zugesprochene Gebiet. Nicht dazugerechnet sind die 100.000 Juden in West Jerusalem und Hebron. Westjerusalem sollte unter internationale Kontrolle kommen.  Was die Fläche anbelangt so bekamen die Juden laut UN-Teilungsplan etwas mehr als die Palästinenser, aber nur wenn man die ganze Negevwüste einberechnet, die als unbewohnbar und nicht kultivierbar galt. Zieht man dies ab, war das den Arabern zugewiesene Land größer. Nicht vergessen werden darf, das ein Großteil des den Juden zugeteilten Landes ursprünglich malariaverseuchtes Sumpf- oder Wüstenland war und erst durch Arbeit und große Investitionen fruchtbar gemacht worden war. Die Juden  akzeptierten den Vertrag. Die  Palästinenser lehnten kategorisch ab, sie wollten ganz Palästina,  östlich und westlich des Jordan. Hätten die Palästinenser damals akzeptiert, hätten sie seit dem ihren zweiten Palästinenserstaat.

So aber kam es zum zionistisch-arabische Bürgerkrieg. Die “Armee des Heiligen Krieges“ unter  Großmufti al-Husseini,  wollte Palästina von den Juden befreien und sie „ins Meer treiben“. Im November 1947 kulminierten die Kämpfe zwischen Juden und palästinensischen Arabern, wobei diese arabischen Kämpfer von entflohenen deutschen Kriegsgefangenen, spanischen Franco-Anhängern, kroatisch-faschistischen Ustascha-Kämpfern und mindestens 900 muslimischen Bosniern aus der SS Einheit „Handschar“ unterstützt wurden. Es kam zu Massakern auf beiden Seiten. Im palästinensischen Deir Jassin wurden 100 Araber, davon mindestens zehn Kämpfer des Mufti, von der Irgun, die von Menachim Begin kommandiert wurde, getötet. Hagana und Jewish Agency verurteilten das Massaker. Vier Tage später ermordeten Palästinenser bei einem Angriff auf einen jüdischen Sanitätskonvoi 77 jüdische Zivilisten. Die palästinensischen Drusen schlossen sich den jüdischen Verbänden an, denn schon 1938 hatten Mufti-Truppen drusische Dörfer überfallen und zahlreiche Einwohner ermordet. Paul Merker, seit 1927 Mitglied des ZK der KPD und danach Mitglied des Politbüros der SED schrieb 1948 im „Neuen Deutschland“ zu den Kämpfen in Palästina: „Der jüdischen Bevölkerung gehören die Sympathien und die tatkräftige Hilfe aller fortschrittlichen Kräfte. Die Errichtung eines jüdischen Staates in einem Teil Palästinas mit seinen fortschrittlichen Ideen und sozialistischen Bestrebungen seiner Arbeiterbewegung wird nicht ohne Auswirkungen gegen die feudale Reaktion der arabischen Könige, Fürsten und Muftis bleiben“. Nachdem die USA im Frühjahr 1948 mit ihrer antiisraelischen Politik versucht hat den „Zwei-Staaten-Beschluss“ in Palästina zu kippen, kam es zu Demonstrationen in New York, die sich gegen das Waffenembargo für die Zionisten richtete. Der sowjetische Vertreter erklärte vor der UNO, die US amerikanische Haltung sei durch ihre Öl Interessen diktiert. Nachdem die Briten den arabischen Truppen Waffenlieferungen ermöglichten und den Juden diese so schwer wie möglich machten, schrieb David Ben Gurion, wie kurz zuvor Leopold Trepper:“Jeder Tropfen Blut, der in diesem Krieg verschüttet wurde, fällt auf die Häupter der britischen Regierung“.

Am 14. Mai 1948 wurde der Staat Israel von David Ben Gurion ausgerufen. Noch in der Gründungsnacht erklärten Ägypten, Saudi-Arabien, Jordanien, Libanon, Irak und Syrien dem neuen Staat Israel den Krieg. Waffenlieferungen für die Israelis kamen nicht von den USA, sondern ausschließlich, auf Anweisung der Sowjetunion, von der  Tschechoslowakei durch ihren KP Generalsekretär Rudolf Slánský. Ohne diese Waffenlieferungen, gegen die die USA und Großbritannien scharf protestierten, gäbe es heute den Staat Israel nicht. Die „Weltbühne“ schrieb zu jener Zeit: „Ein imperialistischer Krieg an sich ist schon verwerflich. Aber man muss sich einmal vorstellen, was es bedeutet, wenn heute Verbrecher gegen die Menschlichkeit, die Hunderttausende von Juden auf dem Gewissen haben, statt vor Gericht an der Spitze einer Armee stehen und sie wiederum Krieg gegen Juden führen dürfen“. Vor allem die syrischen und ägyptischen Truppen waren massiv mit Alt-Nazis durchsetzt. Der Oberbefehlshaber der „Arabischen Legion“ Transjordaniens war der britische General John Glubb, das Offizierskorps war britisch, die Finanzierung ebenfalls. Der erste Angriff auf Israel erfolgte aus der Luft. Die ägyptische Luftwaffe bombardierte Israels größtes ziviles Zentrum, Tel Aviv. So setzte sich der Krieg fort. Die Araber nahmen „weiche Ziele“, Städte und Kibbuzim, um möglichst viele Frauen, Kinder, alte Menschen und sonstige Zivilisten zu töten, während Israelis damit reagierten Militär, Soldaten, Gerät und andere „erlaubte Ziele“ aufs Korn zu nehmen. Angefangen haben den israelischen Unabhängigkeitskrieg die Araber, mit dem erklärten Ziel des Völkermords. Nahmen für Israel kämpfende Auschwitz-Überlebende arabische Offiziere gefangen, dann fanden sie nicht selten ihn ihrem Marschgepäck Hitlers „Mein Kampf“.  Die Palästinenser, die im neugegründeten Israel lebten, wurden von den umliegenden arabischen Ländern aufgefordert Israel  zu verlassen, um von den angreifenden arabischen Truppen nicht verletzt zu werden. So verließen rund 80 Prozent der israelischen Palästinenser Israel. Viele davon folgten dem Aufruf der arabischen Staaten, viele Palästinenser flüchteten aus Angst vor Übergriffen und  einige wurden von israelischen Einheiten  vertrieben. Der Krieg, in dem Israel ein Prozent seiner Gesamtbevölkerung verlor, dauerte 19 Monate! Die Palästinenser die damals nicht flohen, leben heute als israelische Staatsbürger in Israel. Die Palästinenser nennen ihre Flucht und Vertreibung aus Israel, nach Gaza, in die Westbank und in die angrenzenden arabischen Länder, „Nakba“ (Katastrophe). Sie geben Israel die Schuld für diese „Katastrophe“ und ignorieren dabei, dass sie selbst und ihre arabischen „Brüder“ die alleinige Schuld dafür tragen. Beim Sieg über die arabischen Armeen eroberte Israel etwas  Land über die früheren Grenzen, ein Großteil dieser Gebiete verfügte über nennenswerte jüdische Bevölkerung. Dieses Land musste genommen werden um die dortige jüdische Zivilbevölkerung zu schützen.

Nach dem Krieg besetzten Jordanien und Ägypten die „Westbank“ und Gaza. Diese Besetzung war nie Gegenstand einer Verurteilung durch die Vereinten Nationen oder irgendeiner Menschenrechtsorganisation. Bemerkenswert ist weniger, dass die „Palästinenser“, der Begriff wurde erst 1970 von der PLO erfunden, und die mit ihnen verbundenen arabischen Einheiten mit Nazideutschland paktierten, im Verbund mit Ustascha-Faschisten, bosnischen SS-Soldaten und entflohenen NS-Wehrmachtssoldaten gegen Auschwitz-Überlebende Krieg führten, bezeichnend und absonderlich ist die heutige Solidarität großer Teile der deutschen „Linken“ mit diesen damaligen und heutigen antiemanzipatorischen, judenfeindlichen Gruppen.

Quellen: Tilman Tarach – Der ewige Sündenbock  |  Alan M. Dershowitz – Plädoyer für Israel    | Klaus-Michael Mallmann/Marin Cüppers – Halbmond und Hakenkreuz | Klaus Gensicke – Der Mufti von Jerusalem und die Nationalsozialisten |  Gudrun Krämer – Geschichte Palästinas |  Léon Poliakov – Am Vorabend des Holocaust

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Update 19.5.11: Den Satz, „Die restlichen 20 Prozent, das heutige Israel, die „Westbank“ und der Gazastreifen wurden den palästinensischen Juden zugesprochen“, habe ich präzisiert in: „Die restlichen 20 Prozent, das heutige Israel, die „Westbank“ und der Gazastreifen wurden den palästinensischen Juden, durch  diverse Zusagen und Versprechungen der Briten und des Völkerbundes in der Zeit von 1920 bis 1923, für ihre „nationale Heimstatt“ versprochen.“

 

Erstveröffentlichung in Mission Impossible

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