Beiträge getaggt mit Pax Christi

Judenboykott gestern und heute

Die „Solidarische Kirche im Rheinland“ unterstützt den Aufruf zum Kaufverzicht auf Waren aus israelischen Siedlungen, genauer die katholische Pax-Christi-Aktion „Besatzung schmeckt bitter. Auf der Homepage der Evangelischen Kirche steht, nachdem die Gruppierung eine eindeutige Kennzeichnung von Waren aus israelischen Siedlungen gefordert hat: „Die Solidarische Kirche, die ihre Wurzeln im Widerstand gegen die von den Nationalsozialisten dominierte Reichskirche hat, ist im Konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung engagiert.“Der Landespfarrer Dr. Volker Haarmann, der bei der Tagung zugegen war, wandte sich als einziger ausdrücklich gegen diesen Beschluss seiner „Solidarischen Kirche“. Wenn es um Antisemitismus geht, scheint es mit der Ökumene im Großen und Ganzen recht gut zu klappen.

Boykotte jüdischer Unternehmen und Geschäfte gibt es im deutschen Antisemitismus seit etwa 1890. Beispielsweise rief der evangelische Pfarrer Friedrich Wilhelm Auer aus der bayerischen Landeskirche bereits 1921 öffentlich zum Boykott jüdischer Geschäfte auf. In seinem „Abwehrkampf gegen rassische und geistige Überfremdung“ erhob es der Evangelische Bund 1924 zur „christlichen Pflicht“ nicht bei Juden zu kaufen. 1927 schrieb das evangelische Wochenblatt Licht und Leben von der „wohlbegründeten Abneigung der Völker“ gegen die Juden. „Deutsche! Wehrt euch! Kauft nicht bei Juden!“, war der Slogan und die erste reichsweite Maßnahme gegen die deutschen Juden nach der nationalsozialistischen Machtübernahme während des „Aprilboykotts“ am 1. April 1933. Das „Zentralkomitee zur Abwehr der jüdischen Gräuel – und Boykotthetze“, unter der Leitung von  Julius Streichers, bezeichnete den „Kaufverzicht“ als Vergeltungsaktion und Warnung für das Weltjudentum. Kein Bischof, keine Kirchenleitung, keine Synode protestierte gegen die Verfolgung der Juden in Deutschland. Nur Einzelne wie der katholische Pfarrer Josef Knichel verurteilten den Judenboykott in einer Predigt, wofür er prompt verhaftet wurde.

Nicht nur die Evangelische und die Katholische Kirche sowie die Nationalsozialisten, riefen und rufen seit 1890 zum Boykott jüdischer Waren auf, seit einigen Jahren machen auch Politiker und Anhänger der Linken diesbezüglich auf sich aufmerksam. Beispielsweise rief die Bremer Linkspartei, unterstützt mit Protesten vor Supermärkten zum Boykott von Produkten auf, die mit dem Herkunftsland Israel gekennzeichnet sind. Darunter fallen Datteln, Blumen, Trauben, Kräuter, Cherry-Tomaten, Gurken, Paprika, Avocados, Peperoni, und Zitrusfrüchte. Als Begründung gaben die Nachahmer die israelische Besetzung des Westjordanlandes, die dortigen jüdischen Siedlungen und die dort geernteten Früchte an. Eine Minderheit in der Linkpartei kämpft gegen diesen Antisemitismus an. Petra Pau schrieb empört auf ihrer Homepage: „Die Assoziation, „Kauft nicht bei Juden!“, liegt nah, allemal in Deutschland. Entweder sie übersahen, was ihre Aktion auslösen könnte. Das wäre kurzsichtig. Oder sie nahmen es bewusst in Kauf. Das wäre antisemitisch.“

An der Siedlungspolitik Israels gibt es durchaus einiges zu kritisieren, vom Verlauf der Schnellstraßen bis zu den wenigen Siedlungen auf privatem Boden.  Wie alle Staaten dieser Welt machen auch israelische Regierungen Fehler. Die Kritiker Israels übersehen allerdings die Weigerung der arabischen Staaten, nach dem  im Sechs-Tage-Krieg über Frieden auch nur zu verhandeln. Diese Weigerung hält bis heute an. Nach der Gegenleistung „Land für Frieden“ zog sich Israel aus den vormals besetzten Gebieten der Sinaihalbinsel zurück. Ariel Sharon gab im Jahr 2005 ohne Gegenleistung die Siedlungen im Gazasteifen auf, was Israel mit tausendfachem Raketenbeschuss bis heute gedankt wird. Ministerpräsident Barak bot in Camp David im Jahre 2000 an, über 100 Siedlungen, was zwei Drittel der Siedlungen ausmacht,  aufzugeben und den Palästinensern die Kontrolle über fast 96 Prozent der Westbank zu überlassen. Die Palästinenser lehnten den Vorschlag ab und starteten stattdessen ihre „Intifada“. Die israelische Siedlungspolitik in einem legalen Vakuum entstand aus der Frage, was mit diesen Gebieten geschehen solle. Auch wenn die Westbank heutzutage häufig als „palästinensisches“ Land bezeichnet wird, so waren doch zu keinem Zeitpunkt in der Geschichte Jerusalem oder das Westjordanland unter palästinensisch-arabischer Souveränität. David M. Phillips schreibt dazu: „Das eigentliche Ziel eines rechtswidrigen Versuches, das Völkerrecht zur Delegitimation der Siedlungen zu verwenden, scheint klar –  es ist das gleiche Argument, mit dem Feinde Israels versuchen, den jüdischen Staat als Ganzes zu delegitimieren.“   Schon von alters her lebten in der Westbank und im Gazastreifen, mit Ausnahme  der jordanischen und ägyptischen Besatzung von 1948 bis 1967, Juden. Die überwiegende Mehrheit der Siedlungen ist zudem in unbewohnten Landstrichen errichtet. Die israelischen Siedlungen sind nicht das Hindernis für den Frieden, es ist der prinzipielle palästinensische Unwille, Israel anzuerkennen. Um es mit Yaacov Lozowick zu sagen: „Seit 1967 übte Israel die Herrschaft über einen großen Teil der palästinensischen Bevölkerung aus, und sein Verhalten kann in vieler Hinsicht kritisiert werden. Dennoch könnte nur ein Narr behaupten, dass sich die Palästinenser in der umgekehrten Situation mit den Maßnahmen, wie sie die Israelis getroffen haben, zufrieden geben würden. Sollten die Palästinenser jemals Herrschaft über die Juden erlangen, wird Palästina ebenso judenrein werden, wie es der größte Teil Europas heute ist: eine kleine Gemeinde hier und dort und Gespenster überall. Um es so deutlich wie möglich zu sagen: Israel blockiert lediglich die nationalen Ambitionen der Palästinenser (beziehungsweise hat das früher getan), die Palästinenser hingegen bedrohen die nackte Existenz der Juden.“ Die Siedlungsfrage wird im Rahmen der Status-Endverhandlungen geregelt werden müssen. Dazu müssen beide Parteien an den Verhandlungstisch. Selbstverständlich muss der anschließende Friedensvertrag ausdrücklich gestatten, dass in der Westbank Juden leben dürfen, wie heute in Israel auch Araber leben.

Diese geschichtlichen Zusammenhänge und juristischen Fragen interessieren freilich „Pax Christi“, die „Solidarische Kirche im Rheinland“ und die anderen Judenboykotteure nicht. Sie fordern ihre deutschen „Volksgenossen“ auf, sich zu „wehren“ und nicht bei jüdischen Händlern und Herstellern etwas zu kaufen. Sie fordern das auf ihren aus China stammenden Notebooks, in ihren mit russischem Erdgas beheizten Häusern, wie es Alan Posener kürzlich so ähnlich ausdrückte.

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"Deutsche Mentalität" auf der Mavi Marmara

Gastbeitrag von Manfred Breitenberger.

Diesen Text stellte Manfred Breitenberger am 22.6.2010 als Blog unter dem Titel, „Gleichschaltung und „feiger Hass“ nach dem „Stopp“ der „Mavi Marmara„, in die Freitags-Community. Nach 214 Kommentaren wurde das Blog am 1.7.2010 für weitere Kommentare gesperrt. Bemerkenswerte Kommentare natürlich auch wieder in diesem Blog von „thinktankgirl“, „Rahab“, „Alien59“, „Phineas Freek“ und Co. In etwas veränderter und vor allem erweiterter Fassung, präsentiere ich hier den Text von Manfred Breitenberger mit neuer Überschrift:

In seinem Kommentar in der taz, „Feiger Hass“ schreibt der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer:
„Es gibt in der deutschen Öffentlichkeit eine besondere Sorte von Menschen, die von einem dunklen, nicht offen eingestandenen Motiv gelenkt werden: Judenhass. Man kann diese Menschen zum Beispiel in Teilen der antizionistisch geprägten extremen Linken und propalästinensischen Unterstützergruppen finden. Auch einzelne Mitglieder der Linkspartei gehören dazu. Im Gegensatz zum unverblümten Antisemitismus von Rechtextremisten und Neonazis pochen diese selbst ernannten Kämpfer für Menschenrechte auf ihr „legitimes“ Recht, Israel zu kritisieren, und tarnen ihren Antisemitismus, indem sie sich als Kämpfer für Fortschritt und Gerechtigkeit gerieren.“ weiterlesen… Natürlich gibt es in der deutschen Öffentlichkeit auch „Judenhasser“ in der FDP, SPD, bei den Grünen und in den Unionsparteien. Wenn es um Israel und den Nahostkonflikt geht, gibt es keine Parteien mehr, sondern nur noch Deutsche. So kritisiert aktuell der verhinderte Blockadebrecher und FDP Mann Dirk Niebel Israel wegen seiner Gaza Politik und Linken-Fraktionschef Gregor Gysi meinte kurz nach den Vorkommnissen auf der Mavi Marmara: „Ohne im Einzelnen beurteilen zu können, was bei der Besetzung geschah, ist es niemals und durch nichts zu rechtfertigen und deshalb verbrecherisch, dass einseitig das Feuer eröffnet wird und friedliche Menschen getötet oder verletzt werden.“ Von der Jungen Welt bis zur FAZ sind sich alle einig, über  den „Blutigen Angriff Israels auf die Gaza-Hilfsflotte“. Die deutsche Volksgemeinschaft gegen Israel stand gestern und steht heute, heute so fest vereint wie nie zuvor. Es war nicht die israelische Spezialeinheit die die Flotte angegriffen hat, sondern umgekehrt. Den mehrmaligen Aufforderungen der Israelis, die Seeblockade des Gazastreifens zu akzeptieren und die Ladung in Ashdod kontrollieren zu lassen, wollten die „Friedensfreunde“ nicht nachkommen. Die Djihadisten, mit denen die deutschen „Friedensfreunde“ um Pax Christi, Norman Paech, Höger und  Groth in See gestochen sind, hatten anderes vor. Sie verabschiedeten sich bereit in der Türkei von ihren Familien und wollten als Selbstmordattentäter in ihr Paradies einkehren. Israels antisemitische Feinde wissen, dass es in einem asymmetrischen Krieg darum geht, über Medien und Weltmeinung, Israel zu isolieren und letztlich zu besiegen.
Auf der Mavi Marmara wurden die israelischen Soldaten mit Knüppeln, Metallrohren und Messern  massiv angegriffen. Mehrere Videoaufnahmen zeigen diese Attacken deutlich. Nach Angaben eines Armeesprechers setzten die israelischen Spezialkräfte zunächst keine Schusswaffen ein, um das Schiff unter Kontrolle zu bekommen, jedoch ohne Erfolg. Nachdem ihnen schließlich zwei Handfeuerwaffen „abgenommen“ worden seien, hätten sie mit scharfer Munition zurück geschossen. Denn die Besatzung der Mavi Marmara habe vorgehabt, die Soldaten zu lynchen. Die unter türkischer Flagge fahrende Mavi Marmara wurde maßgeblich von der radikalislamischen türkischen Organisation IHH organisiert und finanziert. Der Vorsitzende der IHH Bülent Yildirim hielt in Istanbul bei der Einweihungszeremonie für das Schiff, an der Topterroristen der Hamas, Mahmad Tzoalha und Sahar Albirawi, sowie Hamam Said, ein Führer der Muslimbruderschaft aus Jordanien, teilnahmen, eine Rede, in der er sagte, „Israel verhält sich, wie Hitler sich gegenüber den Juden verhalten hat. Hitler baute Konzentrationslager in Deutschland, und heute baut das zionistische Gebilde Konzentrationslager in Palästina.“ Einen Fehler muss man den israelischen Streitkräften vorwerfen. Sie haben ihre Soldaten schlecht ausgerüstet und schlecht vorbereitet in diese Aktion geschickt. Die IDF hätte wissen müssen, wenn deutsche Katholiken, verbündet mit „durch geknallten“ Linksparteimitgliedern, gemeinsam mit türkischen faschistischen „Grauen Wölfen“ und islamistischen IHH Mitgliedern in Richtung Gaza steuern, haben die nichts Friedliches im Sinn. Die Teilnehmer der  „Free-Gaza-Solidaritätsflotte“, die deutschen Linkspartei-Parlamentarier Paech, Höger und Groth haben die sich de facto als Kombattanten der Hamas betätigt, was unerträglich genug ist. Mindestens so abstoßend ist die  einseitige Diskussion in den Deutschen Medien, vor allem in einigen „linken“ Medien. Reportagen, wie die von Report Mainz, („Fragwürdige Friedensmission„) bilden die Ausnahme in der, bezüglich des Nahostkonfliktes, gleichgeschalteten deutschen Medienlandschaft. Eine annähernd gleichgeschaltete Medienlandschaft die der Deutschen Mentalität angepasst ist.

Die deutsche Mentalität bezüglich der „Juden“ ist neben einigen anderen Ursachen, wie religiösen Überlieferungen, geprägt, von Auschwitz. Die Deutschen haben nach dem Krieg verschämt „mitbekommen“  (viele wussten es bereits lange zuvor) was in den Gaskammern geschah. Sie hörten von Müttern in den Gaskammern, die ihren Kleinkindern sagten, „atme schnell tief ein“, sie sahen die Bilder von überlebenden KZ-Häftlingen und so manches mehr. Diese Schuld und diese Scham wollten die Deutschen spätestens nach dem 6-Tage-Krieg, oder allerspätestens nach der Wiedervereinigung „abgelegen“. „Die Deutschen“ hielten und halten den Juden (in Israel) ihre angeblich selben „Verbrechen“ vor. Damit wollten und wollen sie die deutschen NS-Verbrechen relativieren um damit ihre eigene Schuld/Scham ablegen zu können. Sie waren und sind „unfähig zu trauern“ (Mitscherlich). Nach dem Sechstagekrieg titelte die Bildzeitung von Blitzkrieg, Blüm sprach vor einigen Jahren vom „israelischen Vernichtungskrieg“. Deutsche Politiker und Kirchenführer sprechen vom  „Konzentrationslager Gaza“. An deutschen Stammtischen, im deutschen Feuilleton und in der Freitags-Community wird  Israel unterstellt ein Groß-Israel anzusteuern, es wird von Genozid an den Palästinensern gesprochen. Psychoanalytiker sprechen davon, „dass die Deutschen den Juden Auschwitz nie verzeihen werden.“

Im Jahre 2006 schrieb Konkret Herausgeber Hermann L. Gremliza  über „Israels Krieg“:„Dass die Welt ein antisemitischer Ort ist, liegt, sagt der Antisemit, an den Juden. Und was er da ausnahmsweise hat, ist: recht. Tatsächlich resultiert sein allgegenwärtiger Hass aus der erlebten Überlegenheit seines durch Jahrtausende unfreiwilliger Welterfahrung zur geistigen und materiellen Elite erwachsenen Feindes. Das hört der Antisemit aber gar nicht gern. Und so versuchte er – wie Abgeordnete der Union im November 2003 anlässlich des Falls ihres Kollegen Martin Hohmann -, den Antisemitismus als „Ausdruck eines Minderwertigkeitskomplexes“ herunterzuspielen. Es ist aber kein Komplex, keine Fehlleistung, Neurose oder Zwangsvorstellung, es ist wirkliche, historisch erworbene Minderwertigkeit, die ja der Antisemit wie selbstverständlich anerkennt, wenn er, ohne Auftrag vertreten durch seine Hisbollah, verlangt, Israel solle die zwei entführten Soldaten für eine Vielzahl arabischer Kämpfer austauschen. Vor zwei Jahren bezifferte Scheich Nasrallah den Wert von 435 seiner Gotteskrieger auf den eines jüdischen Geschäftsmanns und der Leichen dreier israelischer Soldaten. Der Antisemit, sagt Sartre, will den Tod des Juden. Der arabische Antisemit will ihn hier und jetzt. Mancher mag, wenn er ein Geschäft wittert, die Entschärfung oder gar Streichung dieses Programmpunkts sich abhandeln lassen – es geschieht stets mit dem Augenzwinkern: nicht so gemeint. Die Liquidierung Israels stand auf dem Programm der PLO, sie steht auf dem Programm der Hamas, des Dschihad und der Hisbollah, ja sie ist ihr idealer Lebenszweck. Die iranischen Sponsoren ihres Terrors wiederholen es täglich: „Wir hatten das ja schon immer gesagt, dem zionistischen Regime kann man nicht trauen, und weder Roadmap noch Anerkennung Israels können zu einem gerechten und anhaltenden Frieden führen … Israel war, ist und bleibt ein Krebstumor in der Region.“ Der jüngste Konflikt sei „ein Verzweiflungsakt der Zionisten, deren verfaultes und geschwächtes Regime am Rande des Zusammenbruchs steht … Die erneuten zionistischen Verbrechen haben bewiesen, dass der Widerstand dieser Gruppen (Hamas, Dschihad und Hisbollah) der einzige Weg zum endgültigen Sieg ist.“ Der Krieg, dessen jüngste Schlacht gerade begonnen hat, war mit der Gründung des Staates Israel erklärt. Er ist mit der Wende der Weltpolitik, die den Paten der arabischen Sache, der auch ihr Vormund war, frühpensioniert hat, an allen Fronten ausgebrochen. Ob es ihn führen will, ist Israel nicht gefragt, nur, wie es ihn führen kann. Es hat sich bei israelischen Politikern die Ansicht durchgesetzt, dass die Juden nur dann in ihrem Staat in Sicherheit seien, wenn sie auf dem Flecken Wüste am Rand des Osmanischen Reichs und des britischen Mandatsgebiets, das die Vereinten Nationen ihnen nach dem Holocaust als Staatsgebiet zugewiesen und das sie durch eigene Tüchtigkeit und mit Hilfe der USA zu einer Oase gemacht haben, für sich blieben, geschützt durch einen Zaun vor jenen, die – dem Gesäusel mancher ihrer Diplomaten zum Trotz – nichts sehnlicher wünschen als der Juden Tod. So schwer es dem Freund des Friedens fallen mag, das zu begreifen: Israel führt nicht Krieg, wie die Deutschen ihre Kriege geführt haben und führen, nicht um Raum für ihr Volk ohne Raum, um den Zugriff auf Rohstoffe oder um weltpolitische Bedeutung. Israel führt Krieg, um den Juden, die der Hass der Völker nach Palästina getrieben hat, endlich ein Leben in Sicherheit zu bieten. Die Juden versuchen nicht, andere unter ihre Herrschaft zu zwingen oder zu ihrem Gott zu bekehren. Sie versuchen, sich zu retten. Ob ihre Regierung das immer auf die vernünftigste Weise tut, mag bezweifelt werden. Welche Regierung täte das? Israel, heißt es zwischen Paris und Moskau, habe zwar das Recht, sich zu verteidigen, reagiere aber überzogen und ohne Rücksicht auf unschuldige Zivilisten. Welche Reaktion auf Angreifer, die mit den Juden verfahren wollen wie der Chirurg mit dem Tumor, halten die Herren Chirac und Putin wohl für angemessen? Tatsächlich sind gestern allein 43 Libanesen ums Leben gekommen, an einem Tag, an dem muslimische Gotteskrieger in dem irakischen Flecken Mahmudija 56 muslimische Marktbesucher ermordet haben. Tage zuvor hatten in Bombay andere muslimische Kämpfer in einer Minute 182 Menschen getötet – Taten, von denen die Regierungen in Paris, Berlin und Moskau so wenig Aufhebens machen, dass man meinen könnte, sie hielten die Opfer nicht für Menschen. Nie vergessen Nachrichtensprecher den Hinweis, es seien Zivilisten gewesen, die durch israelische Waffen getötet wurden. Jeder tote Zivilist verdient Trauer. Immerhin könnte bedacht werden, daß die Leute von der Hamas, der Hisbollah, vom Dschihad und den Al-Aksa-Brigaden, bis zu dem Augenblick, da sie den Sprenggürtel zünden, um eine jüdische Hochzeitsgesellschaft in Blut zu ersäufen, unschuldige Zivilisten sind, Jugendliche, Abiturienten, Schüler und, erwischt sie eine Kugel vor ihrer Tat, in den Nachrichten fast noch Kinder. Nur selten wagen sich die Gotteskrieger an israelische Militärpersonen, es ist nicht der Soldat, den sie töten wollen, es ist der Jude. Auch die israelische Armee tötet leider Zivilisten, aber nicht weil sie Araber töten will, sondern weil Allahs Helden sich am liebsten hinter ihren Frauen und Kindern verstecken. Mit Israels Krieg beginnt eine neue Zeit. Der Plan, den Staat der Juden durch seinen Rückzug erst aus dem Süden des Libanon, dann aus Gaza und der Westbank von seinen Feinden zu separieren, sich hinter einem Zaun in Sicherheit zu bringen und die Palästinenser ihren Dreck alleine machen zu lassen, konnte nur gelingen, wenn der Feind nicht über Waffen verfügte, über die Grenze hinweg zuzuschlagen. Nun hat sich gezeigt, dass in Gaza große Mengen Granaten bereitliegen, mit denen israelischen Dörfer angegriffen werden, und dass die Hisbollah vom Iran mit Raketen aufgerüstet wurde, die Jerusalem treffen können. Und nicht nur die großen Töne, die Ahmadinedjad und Nasrallah spucken, sondern Fortschritt der Technik und Skrupellosigkeit des Waffenhandels lassen befürchten, dass bald jede antisemitische Zelle in der Umgebung sich in den Besitz gefährlichster Waffen bringen kann. Das Ziel des Kriegs, den Israel jetzt führt, ist deshalb die dauerhafte Entwaffnung derjenigen seiner Feinde, die nicht als Staaten handeln und zur Verantwortung gezogen werden können. Dieser Krieg, der lange dauern und mit sehr wechselndem Einsatz geführt werden kann, endet entweder – und im besten Fall – mit der vollständigen Entwaffnung von Hamas, Dschihad, Al-Aksa-Brigaden und Hisbollah oder mit einem ganz anderen Krieg, in dem Israel jene Staaten, die eine zweite „Endlösung der Judenfrage“ betreiben, Syrien und den Iran allen voran, mit jeder Waffe angriffe, die ihm zu Gebote steht. Oder aber, Kriege können auch verlorengehen, mit Israels Untergang und also dem einer besseren Welt.

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