M. Breitenberger

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Late Night Soko am 10. Februar um 4.17 Uhr

kay1bEs ist erstaunlich und beinahe bewundernswert mit welcher Hingabe Kay Sokolowsky bis sehr sehr tief in die Nacht an seinen Texten tüftelt und feilt, um einerseits seine tiefsten Gefühle preiszugeben und andererseits um seine Anhänger mit den Texten zu verwöhnen, die sie verdient haben.

Kay Sokolowsky am 10. Februar um 04:13: „Manfred Breitenberger Ws für ein wirrer, denunziatorischer, Idiotenscheiß – Glückwunsch! Sie sind der mit Abstand blödeste Typ, der mich jemals angepißt hat. Leider muß ich mich nun selber trockenlegen, Sie inkontinente Null.“

Eine Minute später ist der Kay noch unzufrieden mit seinem Werk und schreibt am 10. Februar um 04:14: “Manfred Breitenberger Ws für ein wirrer, denunziatorischer, Idiotenscheiß – Glückwunsch! Sie sind der mit Abstand blödeste Typ, der mich jemals angepißt hat. Leider muß ich mich nun selber trockenlegen – Sie können ja nicht mal gleichzeitig rufmorden und einen Schuh binden, Sie Null.“

Wenig später meint Kay sein Text könnte noch besser sein und so  ändert er am 10. Februar um 04:14 sein großes Gefühlswerk wie folgt ab: „Manfred Breitenberger Was für ein wirrer, denunziatorischer, Idiotenscheiß – Glückwunsch! Sie sind der mit Abstand gemeinste Typ, der mich jemals angepißt hat. Leider muß ich mich nun selber trockenlegen – Sie können ja nicht mal gleichzeitig rufmorden und einen Schuh binden, Sie Null.“

Endlich, am 10. Februar um 04:17, nach beinahe übermenschlichen Anstrengungen gelingt es Kay Sokolowsky über sich hinauszuwachsen und schreibt in der endgültigen Fassung: „Manfred Breitenberger Was für ein wirrer, denunziatorischer Idiotenscheiß – Glückwunsch! Sie sind der mit Abstand irrste Typ, der mich jemals angepißt hat. Leider muß ich mich nun selber trockenlegen – Sie können ja nicht mal gleichzeitig rufmorden und einen Schuh binden, Sie arme Null.“  

Da schreibe ich einen runden Text über das tolle Engagement des freien Journalisten Kay Sokolowsky beim Muslim-Markt und anderswo um seinen Bekanntheitsgrad zu maximieren und was ist die Wertschätzung? Mich überfällt der schreckliche Verdacht, dass mich der Kay überhaupt nicht mag. Undank ist der Welten Lohn. Darauf einen der Besten. Darauf einen Dujardin.

Lesen Sie hier weiter:

Kay Sokolowsky, seine Islamophilie und das „blütenweiße Hemd aufgeknöpft bis zum Nabel der Welt“

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Die Lebensreformbewegung und die Wutbürger von gestern

„So fruchtbar auch die Übernahme des Freudschen Regressionsbegriffes für die Sozialpsychologie sich erweist, er hat seinen Stellenwert lediglich im dialektischen Zusammenhang der Verdrängung; nicht als eine Art von autonomem, wenn auch durch die „Krise“ vorgezeichnetem Rückgriff. Echt regressiv und eben darum unbewußt sind jene anal-sadistischen Motive, die von der Kontrolle der Kochtöpfe an Sonntagen über Rasse-Denunziationen und Sumpfentwässerungen zu Säuberungsaktionen und dem Schlimmsten führen. Dagegen ist die Romantik der Beschwörung alter Gesellschafts- und Bewußtseinsformen als „manifester Trauminhalt“, wie Deutschglaube, Sippe, Allodialverfassung, germanisches Recht bloß verhüllend: sie sollen die sonst unerträgliche Verdinglichung durch ein freilich unbewußt gespeistes Zeremonial in den Zustand der Unmittelbarkeit umdeuten und damit psychologisch das Leiden unter dem Kapitalismus paralysieren, ohne am gesellschaftlichen Zustand etwas zu ändern.“ Theodor W. Adorno: Vermischte Schriften I/II: Neue wertfreie Soziologie

lebensreform

Seit Jahrhunderten lechzen Menschen inmitten wirtschaftlicher Krisen oder gesellschaftlichen Umbrüchen nach einfachen Erklärungen und rettenden Auswegen. So entstand in Reaktion auf Industrialisierung, Materialismus und Urbanisierung Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland  die sogenannte Lebensreformbewegung. Die Entwicklungen der Moderne wurden in dieser Bewegung als Verfallserscheinungen angesehen und eine “Erlösung” versprachen sich die überwiegend völkischen, antisemitischen und eugenischen Esoteriker mit ihren “Reformen”.  Die Lebensreformbewegung propagierte ein einfaches, natürliches Leben mit gesunder Ernährung, frischer Luft und Bewegung, statt Erotik eine nordische Freikörperkultur plus Rassenhygiene und Eugenik, einer Menschenzucht, die sich am Ideal blond, groß, muskulös orientierte. Ihr angeblicher dritter Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus beinhaltete einen agrarisch-handwerk­lichen “fairen” Kleinkapitalismus, vor­zugsweise in ländlichen Siedlungen und mit zinsfreiem Geld.

Im Jahr 1883 wurde der “Deutsche Verein für Naturheilkunde und für volksverständliche Gesundheitspflege” gegründet und gleichzeitig erfuhr die “alternativmedizinische Methode” der Homöopathie verstärkten Zulauf. Der Maler und Kulturreformer Karl Wilhelm Diefenbach (1851–1913) gilt mit Heinrich Pudor (1865-1943) als Pionier der völkisch-nationalen Freikörperkultur, die Teil der Lebensreformbewegung war. Nacktheit war das Gegenmittel gegen die angebliche Degeneration der Menschen als Folge der Zivilisation. Der völkische Antisemit Richard Ungewitter (1869-1958) gründete 1910 die Loge für “aufsteigendes Leben” und warb für „strenge Leibeszucht“ und „nackte Gattenwahl“ mit dem Ziel, gesunde und „rassereine“ Nachkommen zu zeugen. Ungewitter meinte: „Würde jedes deutsche Weib öfter einen nackten germanischen Mann sehen, so würden nicht so viele exotischen fremden Rassen nachlaufen. Aus Gründen der gesunden Zuchtwahl fordere ich deshalb die Nacktkultur, damit Starke und Gesunde sich paaren, Schwächlinge aber nicht zur Vermehrung kommen.“ Die Werte der FKK Bewegung, die von der Wandervogelbewegung unterstützt wurde, waren kompatibel mit der NS-Ideologie.

Die Ernährungsreform, Landkommunen, die Gartenstadtbewegung, die Anthroposophie von Rudolf Steiner (1861-1925), Silvio Gesells Freiland- und Freigeldlehre sowie die Reformpädagogik  waren weitere wichtige Bereiche der Lebensreform. Rudolf Steiners “völkische Revolution”, war durchtränkt von Antihumanismus, Irrationalität, Rassismus und Antisemitismus. Er gab einflussreiche Anregungen für die Waldorfpädagogik, die anthroposophische Architektur,  Medizin,  sowie für die biologisch-dynamische Landwirtschaft. In Silvio Gesells (1862-1930)   Hauptwerk “Die natürliche Wirtschaftsordnung”  versprach der Zinskritiker, der in „gutes schaffendes“ und „böses raffendes Kapital“ unterschied,  die Lösung der kapitalistischen Widersprüche. Mit Einführung eines “Schwundgeldes” wollte Gesell verhindern, dass Geld gehortet und Zins abgeschöpft wird. Einer der engsten Mitarbeiter Gesells war der Ernährungsreformer Gustav Simons, ein Mitglied des „Ordens des Neuen Tempels“ von Lanz von Liebenfels (1874-1954), der Antisemitismus, Arierwahn und Germanenmythen verknüpfte und die Hakenkreuzfahne führte. 1895 war Simons auch Gründungsmitglied der Lebensreformer-Obstbaugenossenschaft Oranienburg-Eden bei Berlin. In einem Programmheft von Eden heißt es 1917: „Zum „natürlichen“ Leben in der Siedlung sei vegetarische Ernährung und „deutschvölkische Gesinnung Voraussetzung. Und dazu befähigt nur deutsches Ariertum“.  Ein enger Mitarbeiter Gesells, Rolf Engert (1889-1962) formulierte 1919 eindeutig: „Völkisches Empfinden duldet keine Zinsknechtschaft.“ Ebenso kooperierte Gesell mit Theodor Fritsch, der den Hammer Verlag gründete und dort zahlreiche antisemitische Propagandaschriften, darunter die deutsche Übersetzung der Protokolle der Weisen von Zion sowie seinen Antisemiten-Katechismus „Handbuch der Judenfrage“ herausgab. Gesell zog 1911 erstmals nach Eden, wo er auch seine letzten Jahre verbrachte. 1918 beteiligte sich Gesell mit einem Text an dem Buch „Deutschlands Wiedergeburt durch Blut und Eisen“, das Richard Ungewitter herausgab. Gesell lehnte Frauenemanzipation ab und behauptete, die natürliche Berufung einer Frau sei die Mutterschaft. Seine Mutterrente sollte Frauen sowohl von der Erwerbsarbeit als auch von der Versorgungsehe befreien. Sie sollten sich voll und ganz auf eine „Hochzucht“ der Menschheit konzentrieren und nur erbbiologisch wertvolle Männer als Partner akzeptieren.

Die Lebensreformbewegung lieferte den Nazis nicht nur Ideen sondern auch Personal. Der führende NS-Rassenhygieniker Alfred Ploetz kam aus der Lebensreformbewegung, der Eugeniker und Antisemit Theodor Fritsch engagierte sich in der Gartenstadt-Bewegung. Der Landschaftsarchitekt Alwin Seifert  sorgte als „Reichslandschaftsanwalt“ dafür, dass die Seitenstreifen der neuen Autobahnen mit heimischen Bäumen bepflanzt wurden. Steppenlandschaften bezeichnete er als „undeutsch“ und forderte, von der Wehrmacht die im Osten eroberten Gebiete mittels Feldhecken „einzudeutschen“. Außerdem war Seifert für den Kräutergarten der SS im KZ Dachau beteiligt, in dem biologisch-dynamische Anbaumethoden getestet wurden. Seifert wurde nach dem Krieg Ehrenvorsitzender des Bundes Naturschutz. Der „grüne Flügel“ in der NSDAP  um Walther Darré und Alwin Seifert  schwärmte für regenerative Energien, alternative Heilkunst und biologische Landwirtschaft. Landwirtschaftsminister Walther Darré kooperierte mit Demeter, Weleda und den anthroposophischen, biologisch-dynamischen Landwirten. Die Artamanen innerhalb der NSDAP verbanden den völkischen Okkultismus der Ariosophie mit der Naturschwärmerei der Lebensreform, den Ideen der Naturschutzbewegung und dem Kulturpessimismus Oswald Spenglers. Sie verherrlichten die Bauern als die einzigen “organischen Menschen” und predigten die Abkehr von der “internationalen Asphaltkultur der Großstädte”.

Mit der NSDAP erlebte die verkürzte Kapitalismuskritik einen zwischenzeitlichen Höhepunkt. Gottfried Feder schrieb im 25 Punkte-Programm der NSDAP ab Seite 22: „Die Wirtschaft, ob groß oder klein, Schwerindustrie oder Kleingewerbetreibender, kennen nur ein Ziel: “Profit”, sie haben nur eine Sehnsucht: “Kredit”, nur eine Aufwallung: die “gegen die Steuern”, nur eine Furcht und namenlose Hochachtung: die “vor den Banken” und nur ein überlegenes Achselzucken über die nationalsozialistischen Forderung der “Brechung der Zinsknechtschaft”. Alle drängen sich danach, “Schulden zu machen”. Die maßlosen Wuchergewinne der Banken, die ohne Müh und Arbeit, als Tribut vom Leihkapital erpreßt werden, findet man durchaus in der Ordnung. Man gründet eigene “Wirtschaftsparteien” und stimmt für die Dawesgesetze, die die Grundursache für die maßlosen Steuerlasten sind. Man stürzt sich in tiefe Zinsknechtschaft, schimpft über Steuern und Zinsen und erstirbt vor Hochachtung vor jedem Bankier und Börsenpriaten. Verwirrt sind die Hirne! Die Ganze Wirtschaft ist entedelt, entpersönlicht, in Aktiengesellschaften umgewandelt worden. Die Schaffenden haben sich selbst ihren größten Feinden in die Hände gegeben, dem Finanzkapital. Tief verschuldet, bleibt den Werteschaffenden in Werkstatt, Fabrik und Kontor nur karger Lohn, jeder Gewinn der Arbeit fließt in die Taschen der anonymen Geldmacht als Zins und Dividende. Die Leute, die die wirtschaftliche Vernunft in Pacht genommen haben, wissen das entstandene Chaos nicht zu bändigen. Von oben ausgepreßt durch Steuern und Zinsen, von unten bedroht durch das unterirdische Grollen der betrogenen Arbeitermassen, haben sie sich in wahnwitziger Verblendung dem Finanzkapital und seinem “Staat” an den Hals geworfen und werden von den Nutznießern und Ausbeutern des heutigen Chaos doch nur als Sklavenhalter über die Massen des arbeitenden Volkes geduldet. […] Das Volk in allen seinen Berufsständen bekommt die Zinspeitsche zu schmecken, jeder Bevölkerungsschicht sitzt der Steuereintreiber im Nacken, – aber wer wagt der Allmacht des Bank- und Börsenkapitals entgegenzutreten? Diese Allmacht des Leihkapitals zeigt sich darin, daß es, entgegen allen sonstigen irdischen Erfahrungen, ohne Mühe und Arbeit durch Zins, Dividende und Rente aus sich selbst heraus gewissermaßen wächst, immer größer und gewaltiger wird. Der teuflische Grundsatz der Lüge siegt über den Ordnungsgrundsatz der schaffenden Arbeit. Brechung der Zinsknechtschaft heißt hier unser Feldgeschrei. […] Der Kampf gegen das internationale Finanz- und Leihkapital ist zum wichtigsten Programmpunkte des Kampfes der deutschen Nation um ihre Unabhängigkeit und Freiheit geworden.”

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der anschließenden wirtschaftlichen  Globalisierung veränderte sich das politische Koordinatensystem. Es folgten die Anschläge vom 11. September und eine Weltwirtschaftskrise mit schwerwiegenden gesellschaftlichen Umbrüchen, weshalb sich viele Menschen wieder nach einfachen Erklärungen und rettenden Auswegen sehnten. Die Wutbürger von gestern kämpfen heute, oftmals mit antiwestlichem Furor, den Juchtenkäfer beschützend, gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 oder mit einem Faible für Irrationalität gegen das die “Welt aussaugende Finanzkapital”. Die Zinskritiker und Freiwirte sind bei Attac oder der sogenannten Occupy-Bewegung angekommen. Mit ihrer regressiven Kapitalismuskritk docken die Wutbürger bei Antiglobalisierungs-Vordenker Silvio Gesell und dem NSDAP “Wirtschaftsexperten” Gottfried Feder an. Bei den Wutbürgern gegen den Zins wird die Aversion gegen das Abstrakte überdeutlich. Das auch die Ware Geld ihren Preis hat, verdrängen die neuen Revolutionäre, ihr Hass gegen die Spekulanten ist zu groß. Das große Idol vieler Wutbürger ist der Kabarettist Georg Schramm, seines Zeichens „zorniger Bürger“, Kleinkünstler, Zinskritiker und Freund von Silvio Gesells Regionalgeld.

Georg Schramm bewies sein Gespür für den Zeitgeist, als er am 12. November 2011 vor dem Frankfurter Sitz der europäischen Zentralbank im zinskritischen Zeltlager von “Blockupy Frankfurt” eine Rede hielt, in der er unter anderem meinte: „Wenn Gott seine Welt liebt und die Menschen auch und wenn er ein alttestamentarischer, zorniger Gott ist, dann war sein Timing für die Katastrophe perfekt […]. Wenn die Kernschmelze [im Finanzbereich] solche Folgen hätte wie Fukushima, her mit der Kernschmelze! […] Ich habe übrigens den Begriff des zornigen Gottes gewählt, weil es ein Klassiker ist [!], die jungen Leute hier können das nicht wissen. […]  Das ist lange her, das war zu den Zeiten, wo die Päpste noch nicht mit der Macht liiert waren und noch gegen den Zinswucher [!] gepredigt haben. Papst Gregor hat damals gesagt, die Vernunft kann sich mit größerer Wucht dem Bösen entgegenstellen, wenn der Zorn ihr dienstbar zur Hand geht. […] Für alle, die missmutig sind, dass ich hier Päpste zitiere, das kann ich im Prinzip verstehen, sei darauf hingewiesen: Das bis zu Beginn der Mittelalters nicht nur die katholische Kirche, sondern das überhaupt alle Weltreligionen immer über viele Jahrhunderte den Zinswucher als einer der größten Sünden bezeichnet haben. Die katholische Kirche ist erst dann davon abgerückt, als sie mit den ersten Banken die es  gab, nämlich mit den katholischen Banken, angefangen hat, damit Geld zu verdienen. Erst dann ist es schief gegangen. Früher war der Banker noch Geldverleiher, diesen Ruf, diesen gesellschaftlichen Status […] sollten wir ihm wieder besorgen! Es war ein unehrenhafter Beruf, den ein ehrbarer Mensch nicht ausüben wollte und die Nonnenmacher und Ackermänner dieser Erde mussten den  Dienstboteneingang nehmen um ins Schloss der Mächtigen zu kommen.“

Dominique Goubelle schreibt über diese Rede in “Bohème und Brettl revisited” treffend: “Georg Schramm, der mit seinem autoritären Parteisoldatenimage im neuen Deutschland gar nicht so recht für diese Rolle prädestiniert erscheint, gar schon anachronistisch wirkt, repräsentiert in seiner Funktion als Kabarettist und deutscher Kleinkünstler doch auch exemplarisch ein Milieu, eine Melange aus Künstlerimage und politischem Engagement, das meist zielsicher beim Antisemitismus landet. (..) Hinzugefügt sei noch mit Blick auf die heutige (klein)künstlerisch verbrämte Politikmacherei, wie man sie bei Schramm oder diversen Occupy-Aktivitäten findet, dass sie auf Eso-Kitsch und Lebensreform zugunsten eines sich militant gebenden Antikapitalismus ganz gut verzichten kann, den Hass auf die Agenten der Zirkulation und die mit ihnen als westlich gebrandmarkte Zivilisation aber als einendes Moment und Welterklärung beerbt, wie es auch im Verhältnis vieler Nazis zur Lebensreformbewegung der Fall war.”

Im Jahre 2008 schwamm Georg Schramm in der „Anstalt“ des ZDF wieder einmal mit dem Strom indem er die antiisraelischen Vernichtungsdrohungen des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinejad wahrheitswidrig, aber zum Gefallen rechter und linker „Israelkritiker“ negierte: „Israel muß von der Landkarte getilgt werden – falsch!!“ – „Das Besatzungsregime Israels muß Geschichte werden – richtig“. Der beliebte „Wutbürger“ spricht von einem Übersetzungsfehler und vom „israelischen Besatzungsregime“ und damit seinen Anhängern aus der Seele.

Anstatt sich dieser „Ontologie der Reklame“ zu erwehren , anstatt sich wegen der stetig steigenden Arbeitsproduktivität um eine Arbeitszeitverkürzung zu bemühen, anstatt sich für eine Verkürzung des Renteneitrittalters einzusetzen, anstatt für höhere Löhne zu demonstrieren, anstatt sich mit den Regeln der Kapitalverwertung auseinanderzusetzen, träumen die Wutbürger von gelynchten „Gierigen“ und erwählen wieder einmal einen Sündenbock für die Krisen und Konflikte dieser Welt.  Die selbsternannten „99 Prozent“ interessieren sich kaum für die Überwindung der Kapitalverhältnisse,  ihren ist vermutlich nicht bewußt wie regressive Kapitalismuskritik und reaktionäre, antisemitische Ideologie die Menschheit schon einmal an den Abgrund führte.

Obwohl Theodor W. Adorno den „Oberstleutnant Sanftleben“, bzw. „Lothar Dombrowski“ nicht kannte schrieb er in „Spengler nach dem Untergang“: “Unterdessen gilt bereits an Auschwitz zu erinnern für langweiliges Ressentiment. Keiner gibt mehr etwas fürs Vergangene. Was auf das von Spengler so genannte Zeitalter der kämpfenden Staaten folgt, ist seiner Konstruktion zufolge eine im dämonischen Sinne geschichtslose Zeit: die Tendenz der gegenwärtigen Wirtschaft, unter Eliminierung des Marktes und der Dynamik der Konkurrenz einen statischen und im eigentlich ökonomischen Sinn „krisenlosen“ Zustand unmittelbarer Verfügung herbeizuführen, kommt mit Spenglers Prognose deutlich genug überein. Mehr und sinnfälliger noch erfüllt sie sich in der Statik der »Kultur«, deren avancierten Versuchen seit dem neunzehnten Jahrhundert schon die Gesellschaft Verständnis und eigentliche Rezeption verweigert, die unablässige und tödliche Wiederholung des einmal Akzeptierten erzwingend, während die standardisierte Massenkunst vermöge ihrer „gefrorenen“ Modelle Geschichte ausschließt. „

Erstveröffentlichung in Mission Impossible

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Die Reservisten des Freitag

Über Sinn und Funktion eine beständigen Gefühls

Über Sinn und Funktion eine beständigen Gefühls

Eigentlich ist das Thema längst abgearbeitet, aber im Zusammenhang mit dem antisemitischen Grass-Gedicht tat sich die antizionistische Wochenzeitung „derFreitag“ mit seinem Herausgeber wieder einmal höchst unrühmlich hervor. Der Herausgeber des Freitag, Jakob Augstein bezeichnete den Satz von Grass, “Die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden”, als richtig und dankte Grass dafür und in der Community des „Freitag“ meinte Georg von Grote: “Je öfter ich in Israel war, desto unschuldiger fühlte ich mich.” Henryk M. Broder schrieb darauf auf seiner „Achse des Guten“ in Jakob und seine Brüder: „Und „wenn’s Judenblut vom Messer spritzt“, dann gehts Jakob und seinen Brüdern gleich “nochmal so gut”, dann haben sie ihren Judenknacks endlich überwunden. „

Henryk M. Broder  machte mir den Vorschlag doch auf der „Achse des Guten“ etwas über den „Freitag“ zu schreiben. Da fidelche bereits in Erwägung zog mit Henryk M. Broder ein Buch über den „Freitag“ zu schreiben, mit Uwe Theel als einen wichtigen Protagonisten, dachte ich, dass ich das Angebot gerne annehme. Heraus kam dabei folgendes, was seit vorgestern auf der „Achse des Guten“ (ohne Links) nachzulesen ist:

Die Reservisten des Freitag

Vor zwei Jahren wagte ich mich in Jakob Augsteins „Freitagscommunity“, dem Bloggotop des Meinungsmagazins, den Versuch zu starten, über Antizionismus und Antisemitismus aufzuklären durch eigene Beiträge und Kommentare. Ein gutes halbes Jahr und sieben vielkommentierte Beiträge lang war ich dabei, bis zu meinem Ausschluss im Sommer 2010. Dass sich seitdem nicht viel getan hat in der Ausrichtung des Blattes und seiner Online- Version, zeigen die aktuellen Diskussionen über das „Gedicht“ von Günter Grass.

Über den „derFreitag“, den Augstein 2008 als Marke von einer  ost-west-deutschen linken Zeitungstradition übernommen hatte, wusste ich damals nur, dass er ein israelkritisches Blatt ist, in dem die obligatorischen “jüdischen Kronzeugen” von Uri Avnery, Felicia Langer, Avraham Burg bis Moshe Zuckermann und „Israelkritiker“ von Ludwig Watzal, Norman Paech bis Mohssen Massarrat zu Wort kamen und der „Ressortleiter Politik“ ein gewisser  Lutz Herden ist.

Herden z.B. bezeichnet Israel in seinen Artikeln als Paria-Staat, vergleicht Israel mit dem Apartheitstaat Südafrika, zitiert eine Aussage der PLO, die Zionismus mit Rassismus gleichsetzt,  behauptet, dass die israelische Armee den Gaza-Streifen eingeäschert habe, nachdem sie ihn zuvor jahrelang blockiert und belagert hätte,  schreibt vom “Vernichtungsfeldzug gegen die palästinensische Bevölkerung im Gaza-Streifen”,  fordert eine Verurteilung Israels im Weltsicherheitsrat, weil Israel „die kleine Flottille mit Hilfsgütern für den isolierten und systematisch ausgehungerten Gaza-Streifen in internationalen Gewässern“ aufbrachte, und Lutz Herden beklagt sich, dass „das Existenzrecht Israels in fast jeder Hinsicht über dem Völkerrecht“ steht.
Wenn ein  „Ressortleiter Politik“ eine solche Sicht auf den Nahostkonflikt verbreitet, war fast voraussehbar, wie die dem „Freitag“ seit Anfang 2009 angeschlossene Community der Blogger, welche mit dem Online- und Print-Freitag verknüpft ist, sich mehrheitlich äußern würde. Die überwiegende Feindseligkeit in diesem Forum gegen den Staat Israel war und ist heute noch atemberaubend. In den zahllosen Artikeln dieser Community gegen Israel werden Boykottaufrufe gegen den Judenstaat initiiert und so gut wie jede israelische Verteidigungsmaßnahme wird im Gegensatz zu den Terrorangriffen und Selbstmordattentaten der Hamas und Dschihadisten aufs schärfste verurteilt. Durch meine Beiträge gegen Antisemitismus geriet ich in der „FC“ genannten Schreiberschaft rasch unter Beschuss.

Folgende Reihung von Kommentaren im Bloggerbereich (in originaler Orthografie) ist durchaus beispielhaft für die Tendenz dieser Community: „… Jeder weiß es: Israel hat den Palästinensern ihr Land genommen. Sie sollten sich dafür, nach 60 Jahren Unrecht, bei den Palästinensern entschuldigen und es als natürlich anerkennen, dass so etwas zu einer agressiven Gegenwehr führt – gerade sie müssten es eigentlich verstehen. s gibt keinen Grund, weniger von Israel zu verlangen. …“ (Fro), „Israel ist ein Staat, der systematisch Tausende von Menschen umbringt,  obdachlos macht, Familien auseinander reißt und bei Menschen, die nicht  sterben Traumata herbeiführt“ (BOT), „Der Zionismus ist rein ideologisch der Zwillingsbruder des nationaldeutschen Imperialismus“ (zelotti), „Ich könnte Ihnen jetzt Opferzahlen aufführen und noch so Zeugs, aber ich will es wirklich nicht mehr. 1,5 Millionen (oder waren es mehr – weniger?) im Gaza-Streifen eingeschlossene Menschen, die KEINERLEI Fluchtmöglichkeit hatten, zusammenzuschiessen,das war wirklich ne tolle Leistung. Sind eigentlich inzwischen alle dort verhungert? Man hört ja nichts mehr?“ (thinktankgirl), “Wenn ein Terrorist eine Bombe auf einen israelischen Bus schmeißt, wird er keine Unschuldigen treffen” (Fritz Teich, mittlerweile durch die Moderation der Community gelöscht), „abgesehen davon, dass es in Hama nicht sehr viel heimeliger ausgesehen haben wird als in Bergen-Belsen und in Sinjar nicht sehr viel appetitlicher als in Dresden” (Rahab),  “Man kann die Free Gaza Kampagne online unterstützen und einen Aufruf unterzeichnen, der das Ende der völkerrechtswidrigen Blockade fordert.  Auch Spenden sind willkommen“ (Freiheitsliebender), “die Einstaatenlösung ist das einzig Mögliche und muss unterstützt werden!!“ (Emma in Uniform), „Ist der Rassismus irgendwiedings zu rechtfertigen, den M. Begin und Gurion an den Tag legten?“ (Emma in Uniform).

Es gibt natürlich auch heute Blogger in diesem Forum, die dem obligaten linken Antisemitismus entgegentreten. Ob sie noch mit solchen Beleidigungen rechnen müssen (geduldet von der Redaktion, entgegen den eigenen AGB)? Etwa: bezahlter Propaganda-Schreiberling (thinktankgirl), rechtes Torpedo (Uwe Theel), männer stehen auf nem balkon und holen sich einen runter (Rahab), Du Wicht! (TomGard), du betreibst „Selektion“! in meinen augen trittst du hier in der fc als ein dr. mengele und ein eichmann auf (Rahab), einfältiges Kerlchen (Magda), dagegen fällt dir und gremliza auch nix besseres ein als der vorschlag, frauen sollten sich doch ihrerseits auch zu durchfickerinnen emanzipieren (Rahab)

Kaum verwunderlich war und ist in dieser seit Februar 2009 sich in die Welt verbreitende Community, dass die antisemitischen und sozialdarwinistischen Theorien auch von Silvio Gesell als „emanzipatorisch“ (thinktankgirl) gefeiert werden oder Rudolf Steiner „für die guten Dinge, die er der Welt geschenkt hat“ (Wurzelrassentheorien etwa) gedankt wird (Ehrlicher). Abgerundet wird das Bild durch die Trauer des Freitags-Herausgebers zum Tod von Osama Bin Laden und wie jüngst, sein Dank an Grass für sein israelfeindliches Gedicht.

So verwunderlich es ist, mit welcher Inbrunst diese Leute 65 Jahre nach Auschwitz gegen Juden agitieren, so unmöglich scheint es fanatische Antizionisten und Esoteriker von ihrem Wahn zu befreien. Die Flakhelfergeneration um Günter Grass muss sich jedenfalls um Nachwuchs nicht sorgen, weil die deutschen Weltfriedensrichter nach dem deutschen Massenmord an den Juden Israel mehr denn je mit Lob und Tadel  beiseite stehen, damit das Opfer nicht rückfällig werde.

Das Anschreiben gegen und immer wieder Benennen von Antizionismus, Israelhass  und Schuldabwehrantisemitismus ist eine „Mission Impossible“. Betrieben werden muss sie aber trotzdem!

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/die_reservisten_des_freitag/

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Offener Brief an die israelische Botschaft

Botschaft des Staates Israel
Auguste-Viktoria-Str. 74-76   
14193 Berlin

Sehr geehrte Damen und Herren,

Judenfeindschaft hat in Deutschland nach 1945 leider nicht aufgehört zu existieren, was die aktuelle Diskussion über Antisemitismus in der Linkspartei abermals belegt. Linker Antisemitismus ist ein altes Phänomen, der nicht nur in der Linkspartei weit verbreitet, sondern auch in diversen, einschlägigen Medien gängig ist. Neben der nationalbolschewistischen „Jungen Welt“, in der fast täglich gegen den Staat Israel gehetzt wird, steht die kleine Berliner Wochenzeitung „derFreitag“ an „vorderster Front“, wenn es gegen den Staat Israel geht. In Jakob Augsteins Medium „derFreitag“ wird Israel mit Nazi-Vergleichen dämonisiert, so gut wie jede israelische Verteidigungsmaßnahme scharf verurteilt und dadurch Israels Existenz wiederholt delegitimiert.  65 Jahre nach Auschwitz wird im Land der Täter in dieser angeblich linksliberalen Wochenzeitung mit seinem integrierten, moderierten Forum scheinbar hemmungslos gegen den Staat Israel angeschrieben. Die Gründe für diesen Zustand sind vielfältig, der alte Antizionismus der DDR, tief verwurzelte religiöse Vorurteile, ein überholtes antiimperialistisches Weltbild, offensichtlicher Schuldabwehrantisemitismus, also Antisemitismus wegen Auschwitz sowie durch die Medien transportierter „struktureller Antisemitismus“ sind aus meiner Sicht zu konstatieren.

Neben den obligatorischen Israelgegnern Ludwig Watzal, Norman Paech, Mohssen Massarrat, neben den definitiven „jüdischen Kronzeugen“ gegen den Staat Israel Uri Avnery, Felicia Langer, Avraham Burg, Moshe Zuckermann, schreibt im „Freitag“ bezüglich des Nahostkonfliktes der „Ressortleiter Politik“ des „Freitag“ Lutz Herden. Dieser Lutz Herden bezeichnet Israel in seinen Artikeln als Paria-Staat, vergleicht Israel mit dem Apartheitsstaat Südafrika, er zitiert eine Aussage der PLO, die Zionismus mit Rassismus gleichsetzt, er meint, „Israel kann sich in seiner rücksichtslosen Kriegführung gegenüber der Zivilbevölkerung bestätigt fühlen“, er behauptet, dass die israelische Armee den Gaza-Streifen eingeäschert hat, nachdem sie ihn zuvor jahrelang blockiert und belagert hat“, er schreibt vom „Vernichtungsfeldzug gegen die palästinensische Bevölkerung im Gaza-Streifen“, er fordert eine Verurteilung Israels im Weltsicherheitsrat, weil Israel „die kleine Flottille mit Hilfsgütern für den isolierten und systematisch ausgehungerten Gaza-Streifen in internationalen Gewässern“ aufbrachte und Lutz Herden beklagt sich, dass  „das Existenzrecht Israels in fast jeder Hinsicht über dem Völkerrecht“ steht.  Die Journalistin Susann Witt-Stahl schreibt ebenfalls im „Freitag“, ist Mitglied der Gruppe “Tierrechts Aktion Nord”, welche am 25. Oktober, zusammen mit der Hamburger Gruppe “B 5″, die Aufführung des Claude Lanzmann Films “Warum Israel”, mit Aussagen wie “Judenschweine” verhinderte. Im „Freitag“ zitiert Frau Witt-Stahl palästinensische Künstler mit den Worten:“ „Links oder rechts – der Zionismus bleibt eine Ideologie, die auf ethnischen Säuberungen basiert.“ Kritische Artikel über palästinensische Selbstmordattentate gegen israelische Zivilisten, über die antisemitischen Reden des iranischen Präsidenten, über Raketenangriffe der Hamas aus dem Gazastreifen, über die „Charta der Hamas“, über die Rolle und die NS-Verbindungen des Großmufti von Jerusalem in Palästina, über die antisemitische Muslimbruderschaft, über den arabischen Antisemitismus  sucht man im „Freitag“ vergebens.

Dem „Freitag“ angeschlossen ist eine sogenannte Community, welche mit dem Online- und Print-Freitag verknüpft ist. Das Freitagsforum  wird von der Redaktion und von einem speziellen Moderatoren-Team kontrolliert und moderiert. Auffällig bei dieser Moderation ist meiner Meinung, dass Gegenpositionen zu antiisraelischen Mainstream schnell zensiert werden, während selbst ihre Form verlierende Kommentare der Gegenseite stehen bleiben. Die überwiegende Feindseligkeit in diesem Forum gegen den Staat Israel ist bemerkenswert. Boykottaufrufe gegen Israel , der Fauxpas von Sarah Wagenknecht im Bundestag, die sogenannte „Gaza-Hilfsflotte“,  werden im  Freitagsforum überwiegend beklatscht und gerechtfertigt. So gut wie jede israelische Verteidigungsmaßnahme wird im Gegensatz zu den Terrorangriffen und Selbstmordattentaten der Hamas aufs schärfste verurteilt. Der Beschluss der Linkspartei Boykottaufrufe gegen Israel abzulehnen, die Forderung eine „Einstaatenlösung“ aufzugeben und bei der kommenden „Gaza Hilfsflotte“ nicht mehr mitzufahren, löste tiefe Bestürzung bei vielen Freitagsbloggern aus. Die Linkspartei sei so nicht mehr wählbar, das vorerst letzte „Projekt“ der Linken sei  gescheitert, so der einhellige Tenor im Blog von „Freiheitsliebender“.

Nur auszugsweise einige Kommentare, die ähnlich in hundertfacher Weise im „Freitag so nachzulesen sind. Der Freitagsblogger Zelotti schrieb am 12.02.2010 um 18:12: “Der Zionismus ist rein ideologisch der Zwillingsbruder des nationaldeutschen Imperialismus, und genauso wie der fühlt er sich immer zu kurz gekommen.“ Der Freitagsblogger BOT schrieb am 14.02.2010 um 14:19: “Israel ist ein Staat, der systematisch Tausende von Menschen umbringt, obdachlos macht, Familien auseinanderreißt und bei Menschen, die nicht streben Traumata herbeiführt“. „Thinktankgirl“, die laut eigenen Angaben stolz wäre Felicia Langer zu sein, schrieb am 11.02.2010 um 20:20: “Was halten Sie davon, das heutige Israel und was noch von dem palästinensischen Pseudo-Staat übrig ist, zusammenzulegen und EINEN STAAT für beide Ethnien zu schafften, in dem beide Gruppen GLEICHBERECHTIGT zusammenleben können“. Ein „Fro“ publizierte ein Blog am 09.03.2010 um 18:53 mit der Aussage:“ … Jeder weiß es: Israel hat den Palästinensern ihr Land genommen. Sie sollten sich dafür, nach 60 Jahren Unrecht, bei den Palästinensern entschuldigen und es als natürlich anerkennen, dass so etwas zu einer aggressiven Gegenwehr führt – gerade sie müssten es eigentlich verstehen. Es gibt keinen Grund, weniger von Israel zu verlangen.“ Ein gewisser TomGard schrieb am 07.04.2010 um 11:55: “Systematisch codierst Du das in Deine Parteinahme für den Zionismus und die viehische Gewalttätigkeit seiner realen Vertreter…“  Zu den Vorkommnissen auf der Mavi Marmara schrieb eine Alien59 am 31.05.2010 um 12:11 im „Freitag“: „Die Angreifer haben sich aufgeführt wie Piraten und wundern sich, dass man sie nicht mit Küsschen begrüßt hat. Ich fass es nicht!“  Der Freitagsblogger „weinsztein„, laut eigenen Angaben  TV-Journalist und WDR-Mitarbeiter, konnte in den Aussagen von Frau-Hecht-Galinsky, “Im Namen des Holocaust sollten wir eine Lehre daraus ziehen und uns gegen diesen Blockade-Siedlungs-Krieg und die Ausrottungspolitik des jüdischen Apartheid-Staates stellen“, am 07.03.2010 um 23:54 keinen Antisemitismus erkennen. Derselbe Freitagsblogger unterstellt am 15.07.2011 um 01:31 Innenminister Friedrich, den Salafisten-Prediger Pierre Vogel zu bezahlen, was die Freitagsbloggerin Rahab, laut eigenen Angaben eine Juristin aus Berlin, kurz zuvor am 12.07.2011 um 20:40 ebenfalls in den Raum stellte.

Im Februar 2010 versuchte beispielsweise der Blogger fidelche ein Gegengewicht zu den israelfeindlichen Kommentaren und Blogs herzustellen. Er stellte ein Blog über „Jean Améry und den ehrbaren Antisemitismus“  und ein Blog über „Slánský, Stalin und den linke Antisemitismus“ ein. In diesen beiden Blogs kam es zu über 750 Kommentaren, die aus meiner Sicht überwiegend von pathologischem Israelhass, wie bereits beschrieben, geprägt waren. Interessant in diesem Zusammenhang sind die hundertfachen, fast systematisch scheinenden, Beleidigungen die der „Pro-Israel-Blogger“ fidelche unter Duldung der Freitagsmoderation ertragen musste. Vonbezahlter Propaganda-Schreiberling“ über „rechtes Torpedo“ bis „Dr. Mengele / Eichmannreichten diese Beleidigungen. Der Blogger fidelche ließ sich trotz dieser systematischen Affronts in dem moderierten Forum zu keiner Gegenreaktion hinreißen. In seinem letzten Blog versuchte fidelche sich dem Thema verkürzte Kapitalismuskritik zu nähern. Mit den antisemitischen Aussagen von Proudhon, der falschen Unterscheidung von „gutem“ Produktionskapital und „bösem“ Finanzkapital, der entsprechenden  Freigeld und Freilandtheorie von Silvio Gesell, versuchte er diese Diskussion anzustoßen. Dabei entpuppten sich einige der Israelgegner gar als Gesellianer, welche die sozialdarwinistische, völkische Menschenzucht von Silvio Gesell wörtlich – emanzipatorisch – empfanden. Weil fidelche in einem Kommentar schrieb, „Wer Begrifflichkeiten wie, „Hochzucht des Menschengeschlechts“, „Zuchtwahlrecht der Frauen“ oder „Erlösung von all dem Minderwertigen, mit dem die seit Jahrtausenden von Geld und Vorrecht geleitete Fehlzucht die Menschheit belastet hat“ um nur einige aufzuzählen, emanzipatorisch nennt, disqualifiziert sich, um es mal vorsichtig auszudrücken“, wurde er offensichtlich aus dem Freitagsforum ausgeschlossen. Scheinbar wollen die Israelgegner des „Freitags“ unter sich bleiben. Widerspruch wird kaum zugelassen im Forum für „echte Meinungsvielfalt“.

In puncto Israel wird im „Freitag“ scheinbar systematisch ein anderer, deutlich höherer Maßstab angelegt, als dies bei anderen Staaten der Fall ist. Ich bitte Sie darum, sich Ihr eigenes Bild zu machen. Diese, für mich unter Antisemitismus einzustufende Verhaltensweise muss meines Erachtens offen angesprochen werden. Um dies klar herauszustellen: Der Antizionismus des „Freitag“ ist nicht identisch mit dem Antizionismus der NPD und entsprechenden rechtsradikalen Medien. Im nicht mehr zeitgemäßen antiimperialistischen Weltbild dieser „Freitagslinken“ haben die Islamisten des Nahen Ostens, wie beispielsweise die Hamas scheinbar den Platz der Sowjetunion eingenommen, beide hatten schließlich denselben Feind, die USA und Israel. Die meist religiösen Israelgegner des „Freitag“ sind überwiegend im Namen des Friedens gegen den Staat Israel, zumindest hat es oft diesen Anschein. Dieser aus einer Friedenssehnsucht entstandene Antisemitismus ist kaum mit Paragraphen zu bekämpfen.  So schwierig es erscheint, obwohl die Freitagsredaktion auf alle möglichen Anfragen diesbezüglich nicht reagierte, sollte meiner Ansicht immer wieder das Gespräch mit den Verantwortlichen gesucht werden. Vielleicht kann jemand aus der israelischen Botschaft der Freitagsredaktion oder dem Herausgeber des Blattes verständlich machen, dass der Staat Israel größtenteils aus Überlebenden des deutschen Holocaust und deren Nachfahren, sowie aus Opfern von Judenpogromen und deren Nachfahren besteht, dass der Staat Israel ein Zufluchtsort für alle Juden ist und dass die israelischen Regierungen und die israelische Bevölkerung aus Menschen besteht, deren größter Wunsch es ist, endlich in Frieden leben zu dürfen, was jedoch von großen Teilen der palästinensischen und arabischen Nachbarn seit der Staatsgründung Israels nicht akzeptiert wird.

Hoffnungsvoll und mit solidarischen Grüßen
Ihr Manfred Breitenberger

Quellen:

http://www.freitag.de/politik/0903-gaza-krieg-steinmeier-diplomatie

http://www.freitag.de/community/blogs/freiheitsliebender/die-linke-will-einigkeit–keine-eigene-meinung-

http://www.freitag.de/community/blogs/fidelche/die-linke-israel-jean-amry-und-der-ehrbare-antisemitismus-

http://www.freitag.de/community/blogs/fidelche/slnsk-stalin-und-der-linke-antisemitismus

http://www.freitag.de/community/blogs/alien59/israelischer-angriff-auf-hilfsschiffe-

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„Gottesstaat Iran“ : Regime Change statt Dialog!

AlQudAuf Mahmud Ahmadinedschad soll am 4.8.2010 ein Attentat per Handgranate verübt worden sein. Staatliche iranische Medien weisen entsprechende Berichte zurück. Eventuell ist der Widerstand gegen den Gottesstaat noch nicht völlig zum Erliegen gekommen. Andererseits hätte der Tod Ahmadinedschads die Politik des Irans nicht wirklich verändert. Die größte Macht im Staate liegt wohl in den Händen von Ali Chameini. In der Geschichte Irans gab es durchaus Möglichkeiten für eine menschenwürdigere Politik.  Irans Beziehungen zu Deutschland und dem „Westen“ standen diesem Weg oft entgegen. Eine große Hürde für einen „besseren Weg“ ist die iranische Staatsreligion. Fazlollah Nuris Sätze,“ Der Islam verlangt Gehorsam und nicht Freiheit, Ungleichheit und nicht Egalität“ und „Was ich will ist ein islamisches Parlament, das kein Gesetz verabschiedet, dessen Inhalt mit den Gesetzen des Koran nicht übereinstimmt.“ bestimmen bis heute die Politik. Gibt es aktuell politische Alternativen im Iran? Hatte Mossadegh 1953 eine Chance?  Ist der „Kritische Dialog“ Deutschlands mit dem Iran gescheitert? Würden die angeblichen Reformer  Hashemi Rafsandschani oder Hossein Mussawi das iranische Atomprogramm stoppen oder für eine menschenwürdige Innenpolitik eintreten? Diese Fragen versuche ich „anzureißen“.Hashemi Rafsandschani, von 1989 bis 1997 iranischer Präsident, gilt in Deutschland als gemäßigt. Am „Al-Quds-Tag“ 2009  sagte er: “Hitler sei dazu gezwungen gewesen, die europäischen Juden zu ermorden, da sie ein „Schmerz im Nacken“ gewesen seien und den europäischen Regierungen nur Probleme bereitet hätten, weil sie „viel Besitz“ und ein „Propagandaimperium“ besessen hätten. […] der Nationalsozialismus habe Europa vom Schrecken des Zionismus befreit.“ Wie er sich die Befreiung vom Zionismus heute vorstellt, hat er 2003 erklärt, als er sagte, eine einzige in Israel gezündete Atombombe würde „alles zerstören“.  Auch der vermeintliche Reformer Mussawi gehörte stets zur herrschenden islamischen Kaste im Iran. Mussawi war ein treuer Anhänger Khomeinis, war im Revolutionsrat, dem Vorgänger des Wächterrats. 1981 wurde Mussawi für knapp vier Monate iranischer Außenminister und verteidigte die Besetzung der amerikanischen Botschaft in Teheran durch regimetreue Studenten. In seine Amtszeit als Premierminister fielen zum einen der iranisch-irakische Krieg mit hunderttausenden Toten – darunter zahllose Kinder und Jugendliche, die als Minenräumer bei den Bassidschi-Milizen missbraucht wurden und zum anderen die Ermordung Zehntausender Oppositioneller und Regimekritiker. Mussawi begrüßte den Terror der Hisbollah im Libanon und lehnte jegliche Verhandlungen mit den USA ab. Die Entwicklung des Irans zu einem islamfaschistischen Gottesstaat war nicht „gottgegeben“. Es gab in der Geschichte Irans des Öfteren die Möglichkeit die vorhandenen Potentiale zu nutzen. Die wohl fortschrittlichste Regierung die der Iran in der Neuzeit hatte, war die Regierung von Mohammad Mossadegh in der Zeit von 1951 bis 1953.Am 29. April 1951 ernannte der Schah Mossadegh zum Premierminister, nachdem am 7. März 1951 ein tödliches Attentat auf Premierminister Haj Ali Razmara begangen worden war. Bereits am 15. März 1951, hatte das Parlament das Gesetz zur Verstaatlichung der Ölförder- und Raffinerieanlagen verabschiedet. In den folgenden zwei Jahren der Amtszeit Mossadeghs tobte diplomatischer Kampf zwischen den Briten, die die Verstaatlichung rückgängig machen wollten. Mossadegh ließ erfolgreich das Parlament über ein Referendum auflösen um weitreichende Befugnisse als Ministerpräsident zu erhalten. Damit schien der Schah die Kontrolle über den Iran zu verlieren. Mossadeghs wichtigste Stütze war der damals populärste Geistliche, Ayatolla Abdul-Quasem Kashani. Der 1882 geborene Kashani gehörte zu den schillerndsten Figuren im Iran. Im 2. Weltkieg war er Naziagent und von den Briten inhaftiert. Er unterstützte Fadayan-i Islam. Er war antiwestlich orientiert und propagierte die Rückkehr zur Sharia. Durch seine wiederholten Verhaftungen kam er zu großer Popularität in den Armenvierteln Teherans. Mit Mossadegh und Kashani war erstmals ein antiimperialistisches Bündnis an der Macht. Das Bündnis zwischen Navvab Safawi und Abdul-Kasim Kashani zerbrach. Kashani hatte Navvab Safawi als Religionsminister abgelehnt und damit die Fadayan gegen die Regierung aufgebracht. Als Mossadegh die Teheraner Verkehrsbetriebe verstaatlichen und das Frauenwahlrecht einführen wollte, zerbrach das Bündnis zwischen Kashani und Mossadegh. Die Religionsführer des Iran schlossen sich Kashani an und organisierten Demonstrationen gegen das Frauenwahlrecht. Aus Quom rief auch Khomeni zum Widerstand gegen Mossadegh auf. Am 19.8.1953 wurde Mossadegh gestürzt. Dafür gab es drei Gründe: Der innenpolitisch organisierte Aufstand, geführt von den religösen Kräften des Landes, Kashani, Navvab Safawi und Khomeini. Das Zentralorgan der Fayayan rühmte die Bewegung gegen Mossadegh als islamische  Revolution. Zum zweiten hatten die USA und England (Operation Ajax) einen Putsch gegen Mossadegh politisch, moralisch und finanziell unterstützt. Ohne diese Rückendeckung hätte General Zahedi die gewaltsame Absetzung Mossadeghs nicht riskiert. Der dritte Grund war das zögerliche Verhalten der Tudeh-Partei. Sie allein hätte den Ansturm der konservativen Geistlichkeit verhindern können. Dazu kam, dass Mossadegh sich eine Unterstützung der Tudeh-Partei ausdrücklich verbeten hat. Nach dem Putsch stand Mossadegh bis zu seinem Tod unter Hausarrest. Auf die Ermahnung des Schahs nicht mehr in die Politik einzugreifen, soll Mossadegh geantwortet haben: „Ich wäre ganz schön verrückt, mich um ein Volk zu kümmern, dass mich in der Not im Stich gelassen hat!“

Der Schah wollte mit seiner „Weißen Revolution“ aus dem feudal geprägten Agrarstaat Iran einen modernen Industriestaat machen. Es gab ein 1963 Referendum über das Reformprogramm gegen den Widerstand der Geistlichkeit. Trotz einer Fatwa gegen das Programm (u.a. aktives und passives Frauenwahlrecht) wurde es mit überwältigender Mehrheit angenommen. Am 3. Juni 1963 griff Khomeini während der Aschura-Feierlichkeiten den Schah in einer Rede in Qom persönlich an, indem er eine Rede gegen den Tyrannen unserer Zeit hielt: „Diese Regierung ist gegen den Islam gerichtet. Israel ist dagegen, dass im Iran die Gesetze des Korans gelten. Israel ist gegen die erleuchtete Geistlichkeit … Israel benutzt seine Agenten in diesem Land, um den gegen Israel gerichteten Widerstand zu beseitigen … der Koran, die Geistlichkeit … Oh Mr. Schah, oh erhabener Schah, ich gebe Ihnen den guten Rat nachzugeben und (von diesen Reformen) abzulassen. Ich will keine Freudentänze der Bevölkerung sehen, an dem Tag, an dem Sie das Land auf Befehl Eurer Meister verlassen werden, so wie alle jubelten, als Ihr Vater das Land einst verlassen hat.“ Nach dieser Rede wurde Khomeini am 5. Juni 1963 verhaftet. Der iranische Geheimdienst  des Schahs, SAVAK schreckte nicht vor Mordanschlägen und Folterungen zurück. So war der Schah unfähig, das autoritäre System im Gleichschritt mit der Modernisierung zu lockern und in freiere politische Formen zu überführen. Khomeini hatte vor der islamischen Revolution von hunderttausenden Toten gesprochen, die das Regime des Schahs zu verantworten habe. Während der Nationalist Mossadegh zumindest im Ansatz republikanische Forderungen verfocht, wollte Khomeini stets das Gegenteil: Er wollte die Herrschaft des Schah durch die Herrschaft der Scharia zu ersetzen. Khomeini hat sich bei der Entwicklung seiner politischen Konzepte  auf Fazlollah Nuri berufen. Khomeini hat Fazlollah Nuri Ziel, einen iranischen Staat zu gründen, dessen Parlament kein Gesetz verabschiedet, dessen Inhalt nicht mit dem Koran übereinstimmt, in die Realität umgesetzt. Eine der zentralen Themen Khomeinis war es, das die Revolte und besonders der Kampf des Märtyrers gegen Ungerechtigkeit und Tyrannei zentraler Bestandteil Teil des schiitischen Islam sei, und dass Muslime dem Islam und nicht dem Weg des westlichen Liberalismus und Kapitalismus noch dem des östlichen Kommunismus folgen sollten. Am 4. November 1979 begann der „Aufstand aus dem Geist der Religion“. Am Vormittag dieses Tages brechen 400 mit Schlagstöcken und Ketten bewaffnete Khomeini-Anhänger das Tor zur amerikanischen Botschaft in Teheran auf, stürmen das Gelände und nehmen die 66 anwesenden Botschaftsmitarbeiter als Geiseln. Die 444 tägige Geiselhaft, mit Scheinerschießungen und Schlägen, dauert bis Januar 1981. Man habe die Amerikaner „schon oft erniedrigt“, rief Ahmadinejad im Januar 2007 seinen Anhängern zu „und wir werden euch auch in Zukunft erniedrigen.“ Freies Geleit des Gesandten war schon immer die erste Form von Zivilisation. Khomeinis Iran zeigte von Anfang an, diese Zivilisation aufkündigen zu wollen. Die weitere Entwicklung des Irans  ist bekannt.

Von Anfang an war sich der Westen in der Behandlung des „Gottesstaates Iran“ uneinig. Seit 1890 hat Deutschland die besten Beziehungen zu Persien oder später zum Iran. Besonders eng waren die Beziehungen zwischen 1933 und 1945. Im Jahr 1940/41 stammten 80% aller nach Iran gelieferten Maschinen aus Nazideutschland. Im August 1941 mussten britische und sowjetische Truppen mit Waffengewalt den lebensnotwendigen „persischen Korridor“ durch den, mit NS-Deutschland „verbündeten“ Iran durchsetzen. Die iranische Regierung unterstützte Angriffe und Sabotageakte auf die britischen Waffen- und Warenlieferungen, die  durch den Iran an die kurz zuvor von NS-Deutschland angegriffene Sowjetunion geleitet wurden. Der ideologische Kitt zwischen Nazideutschland und dem damaligen Iran, war das gemeinsame „Ariertum“. Bereits im ersten Weltkrieg hatten einige schiitische Kleriker den deutschen Kaiser als Schutzpatron verehrt. Viele iranische „Geistliche“ sahen in Adolf Hitler die Gestalt, die von Gott als „Zwölfter Imam“ gesandt worden ist. Die guten Beziehungen blieben auch nach dem zweiten Weltkrieg bestehen.1984 hatte Hans-Dietrich Genscher als erster westlicher Außenminister dem Mullah-Regime seine Aufwartung gemacht. Seither sind die deutsche und die amerikanische Iranpolitik getrennte Wege gegangen. Während Washington sein nationales Embargo gegen die Sponsoren des Terrors immer weiter verschärfte, heizte Deutschland, dessen Diplomaten und Soldaten weder gekidnappt noch in die Luft gesprengt wurden, den Iranhandel mit immer großzügigeren Hermes-Bürgschaften an. Die rot-grüne Regierung setzte diese Politik nahtlos fort, steigerte sie sogar. In Deutschland wollte und will man den sogenannten kritischen Dialog mit Teheran nicht in Frage stellen. Denn der Exportweltmeister ist immer noch der wichtigste Handelspartner des Iran. Allein im Jahr 2008 betrug das Handelsvolumen annähernd vier Milliarden Euro. Rund 1.700 deutsche Firmen sind im Iran aktiv, 75 Prozent aller kleinen und mittelständischen Betriebe sind mit deutscher Technologie ausgestattet. Heute sind fünftausend deutsche Unternehmen im Iran-Geschäft engagiert, ein Drittel von ihnen mit eigenen Vertretern oder Niederlassungen im Land.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Regierung unter dem „republikanischen Nationalisten“ Mossadegh scheiterte  am religiösen Widerstand gegen notwendige Reformen, an der beiderseitigen mangelnden Kooperation von Mossagegh und der kommunistischen Tudeh-Partei und an der britisch-amerikanischen Unterstützung des Schahs durch die „Operation Ajax“. Ähnlich war es bei der  Machtübernahme des islamischen Gottesstaates. Die Tudeh-Partei kooperierte mit den islamischen Geistlichen um das verbrecherische Schah-Regime abzulösen. Für den „Westen“  war Khomeini fälschlicherweise das kleinere Übel. Die Angst vor dem sowjetischen Kommunismus „vernebelte“ die Wahrnehmung. Die islamische Revolution liegt nun über 30 Jahre zurück. Seitdem wurden und werden (linke) Oppositionelle tausendfach gefoltert und hingerichtet. Durch die islamische „Sharia“ wird die eigene Bevölkerung terrorisiert. Im Iran werden (minderjährige) „Ehebrecherinnen“  gesteinigt und erhängt, (minderjährige) Homosexuelle werden an Baukränen erhängt, beispielsweise bei Diebstählen werden Finger oder Hände amputiert usw. Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad will Israel von der Landkarte ausradieren. Im Iran werden sogenannte Holocaust – Konferenzen abgehalten mit „Referenten“ (Holocaustleugnern) aus der ganzen Welt. Bezeichnend ist, dass in der Zeit um 1980 große Teile der Grünen und der Linken Deutschlands die „islamische Revolution“ begrüßten und Teile dieser Gruppen dies nach über 30 Jahren Terrorherrschaft immer noch tun. Jürgen Elsässer bezeichnete 2009 die iranischen, demonstrierenden Frauen und Männer als „Discomiezen“, „Drogenjunkies“ und „Strichjungen des Finanzkapitals“, und gratulierte Ahmadinejad zu seiner Wiederwahl:“ Glückwunsch Ahmadinedschad! … „Gut, dass Ahmadinedschads Leute aufpassen und den einen oder anderen in einen Darkroom verfrachtet haben.“ Jürgen Elsässer ist leider nicht alleine mit seiner Meinung. Die „linke“ Publizistin Katajun Amirpur nahm  2008 wegen, vermeintlicher Übersetzungsfehler, eine berüchtigte Anti-Israel- Rede Ahmadinejads in Schutz. Im Jahre 2004 „bejubelte“ Amirpur die angekündigte Ablösung der Steinigung im Iran durch den Tod am Strang „als einen Schritt in die richtige Richtung„. Viele angeblich aufgeklärte Menschen, sehen trotz Rushdie-Affäre, Mykonos-Attentat, Terrorförderung, Disidentenverfolgung, Sharia-Gesetzgebung,  Holocaustleugnung und Israelhetze im Iran absurderweise ein Bollwerk gegen den Kapitalismus.  Obwohl die „grüne Bewegung“  heterogen zusammengesetzt ist, alle fortschrittlichen Kräfte im Iran dürften dort zu finden sein,  braucht die iranische Opposition die Unterstützung des Westens. Ein „kritischer Dialog“ mit dem islamfaschistischen iranischen Regime, der ausschließlich von wirtschaftlichen deutschen Interessen geleitet wird, ist  unmoralisch und reaktionär. Die frühmittelalterlichen Konzepte des Islams sind nicht emanzipatorisch. Die „Ahmadinedschad-Fans“ hierzulande sollten umdenken: Regime Change statt Dialog!

Quellen:
– Mathias Küntzel – Die Deutschen und der Iran
– Wikipedia

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