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Halbmond und Hakenkreuz: Walther Rauff und die Gaswagen für Palästina

halbmondWalther Rauff (Juni 1906/Köthen – Mai 1984/Santiago de Chile), der von seinen Eltern in „nationalem und soldatischem Sinne erzogen“ wurde, trat 1938 der SS bei. Im selben Jahr wurde Rauff in das SD-Hauptamt berufen, wo er an den Amtschefbesprechungen unter der Leitung Heydrichs teilnahm. Der Obersturmbannführer hatte ab 1941 im Reichssicherheitshauptamt die Organisation des technischen Nachrichtenwesens zu leiten. Besonders durch seine Tätigkeit als Gruppenleiter II D avancierte Rauff zu einem der zentral Verantwortlichen für die Massenvernichtung der Juden, denn er war zuständig für die technische Ausrüstung der Einsatzgruppen in der Sowjetunion. Rauff gab die Anweisung die Kastenwagen so umzubauen, dass in den geschlossenen Aufbauten Menschen durch die Einleitung von Fahrzeugabgasen getötet werden könnten. Bis in den Sommer 1942 wurden ungefähr 20 Gaswagen konstruiert, die in der Sowjetunion sowie in Serbien beim Judenmord verwendet wurden. Als Rauff später im chilenischen Exil auf seine Konstruktion angesprochen wurde, meinte dieser: „Ob ich damals Bedenken gegen den Einsatz der Gaswagen hatte, kann ich nicht sagen. Für mich stand damals im Vordergrund, dass die Erschießungen für die Männer, die damit befasst waren, eine erhebliche Belastung darstellten und dass diese Belastung durch den Einsatz der Gaswagen entfiel.“ Offenbar waren es gerade seine Entscheidungskompetenz und die Vertrautheit mit dem Prozess der rationalisierten Vernichtung der Juden, die Obersturmbannführer Rauff auch für den neuen Posten als Chef einer mobilen Todesschwadron für den Nahen Osten prädestinierten.

Nach dem Zusammenbruch Nazideutschlands setzte sich Rauff mit Hilfe des Vatikans nach Syrien ab und arbeitete dort für das Syrische Regime als Nachrichtenoffizier und Folterspezialist, mit dem unveränderten Ziel den neu gegründeten Judenstaat zu vernichten. Neben Rauff, dem polnischen Gestapo-Chef Leopold Gleim und Eichmanns wichtigstem Mitarbeiter Alois Brunner waren dutzende NS-Größen nach dem 2. Weltkrieg als Verbündete der arabischen Gegner Israels im Nahen Osten gegen Juden im Einsatz.  Ende 1949 verließ Rauff mit seiner Familie über die sogenannte Rattenlinie Syrien in Richtung Ecuador, zehn Jahre später übersiedelte der Massenmörder nach Chile. Von 1958 bis 1962 arbeitete Walther Rauff  als Agent für den deutschen Bundesnachrichtendienst, er sollte unter anderem Fidel Castro ausspionieren. Simon Wiesenthal versuchte vergeblich den „Gaswagenspezialisten“ vor ein Gericht zu stellen. Simon Wiesenthals dringende Bitten Walther Rauff auszuliefern und vor ein Gericht zu stellen wurden allesamt abgelehnt. Salvador Allende, Staatspräsident von 1970-1973 lehnte aus formalen Gründen ab und Augusto Pinochet blutiger Diktator von 1973-1990 übergab Rauff, laut dem chilenischen Buchautor Leon Gomez, eine Aufgabe im Folterzentrum der DINA Londres 38 in Santiago. So konnte der Massenmörder unbehelligt bis zu seinem Ende 1984 in Chile leben. Bei seiner Beerdigung grüßten die alten Kameraden am offenen Grab mit dem Hitlergruß.

terrorWährend die deutsche Wehrmacht das Zusammenkommen der Afrika- und der Kaukasus-Front in einer Zangenbewegung im Nahen Osten anstrebte, wurden bereits detaillierte Pläne zur Vernichtung der Juden in Palästina ausgearbeitet. Fest einkalkuliert war dabei die Mithilfe der in der Region ansässigen Araber. Italiens später Kriegseintritt im Juli 1940 machte das Mittelmeer zum Schauplatz heftigster militärischer Auseinandersetzungen. Die Briten hielten nach wie vor die Ein- und Ausgänge zum Mittelmeer – Gibraltar und den Suezkanal – besetzt. Im Februar 1941 erhielt der deutsche Generalleutnant Erwin Rommel den Befehl den erfolglosen Bündnispartner Italien mit zwei Divisionen des Deutschen Afrikakorps zu unterstützen. Nach dem Sieg in der ostlibyschen Festung und Hafenstadt  Tobruk am 21. Juni 1942 und dem rasanten Vormarsch Rommels in Richtung ägyptischer Grenze schien die Besetzung Ägyptens und dann Palästinas nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Von 1940 bis 1942 flog zudem die italienische und deutsche Luftwaffe zahlreiche Angriffe unter anderem auf die Städte Haifa und Tel Aviv um möglichst viele Juden in Palästina zu töten und um einen Judenstaat zu verhindern. Die deutsche Wehrmacht wurde indes von der arabischen Bevölkerung begeistert empfangen, was kaum verwundert, da beide Seiten mit den Juden den selben Feind hatten.

buberHitlerdeutschland unterstützte seit Mitte der 1930er Jahre den Kampf der palästinensischen Araber gegen die jüdische Bevölkerung  in Palästina. So wurde beispielsweise der „Arabische Aufstand“ von 1936 bis 1939, den der uneingeschränkte Führer der Araber Palästinas, der  Großmufti von Jerusalem, Amin al Husseini  initiierte, von der deutschen nationalsozialistischen Reichsregierung  politisch unterstützt und finanziert. Während des „Arabischen Aufstandes“ kam es an vielen Orten zu Pogromen gegen Juden. Über den deutschen Kurzwellensender Radio Zeesen rief der Mufti  zum Dschihad gegen die Juden auf. Es war der Mufti, der jegliche westliche Lebensart ablehnte und eine „islamkonforme“ Kleiderordnung mit Gewalt durchzusetzten versuchte. Bereits damals erzwangen die aufständischen Araber von der Araberinnen, selbst von den Christinnen unter ihnen, den Verzicht westlicher Kleidung und die Verschleierung ihrer Gesichter. Der Aufstand wurde zwar 1939 von den Briten niedergeschlagen, jedoch wurde, um die arabische Bevölkerung zu besänftigen, eine Einwanderungsbeschränkung für Juden im Weißbuch von 1939 festgeschrieben. Hitler hatte am 25. Oktober 1941 verkündet: „Es ist gut, wenn uns der Schrecken vorangeht, dass wir das Judentum ausrotten. Der Versuch, einen Judenstaat zu gründen, wird ein Fehlschlag sein.“

Die tödliche Bedrohung die aus dem rasanten Vormarsch Rommels und der immer feindseliger werdenden Haltung der Araber erwuchs, wurde innerhalb des Jischuws genau registriert. Die Haltung des Jischuws gegenüber den Briten, die im Weißbuch von 1939 einen Einwanderungsstop gegen Juden verhängten, wodurch die von den Nazis verfolgten Juden an den Häfen Palästinas abwiesen wurden, brachte Ben Gurion 1939 folgendermaßen auf den Punkt: „Wir werden in diesem Krieg zusammen mit Großbritannien kämpfen, als ob es kein Weißbuch gäbe, und wir werden das Weißbuch bekämpfen, als ob es keinen Krieg gäbe„.

wrauffAnfang Juli stand Rommels Armee vor der britischen Verteidigungsstellung El-Alamein. Von dort aus war es nicht mehr weit bis nach Palästina, das nichts anderes sei als „der staatliche Mittelpunkt für den destruktiven Einfluss der jüdischen Interessen“, wie sich Hitler im November 1941 gegenüber dem Großmufti von Jerusalem ereiferte. Die Einsatzgruppe des Reichssicherheitshauptamtes unter der Führung von Walther Rauff, die Ende Juli nach Athen überführt worden war, sollte zunächst in Ägypten und nach dessen vollständiger Eroberung in Palästina zum Einsatz kommen. Das Einsatzkommando bei der Panzerarmee Afrika, das Anfang Juli 1942 unter SS-Obersturmbannführer Walther Rauff aufgestellt worden war, hatte das eine Ziel, die palästinensischen Juden zu ermorden. Der Jischuw zählte zu der Zeit etwa eine halbe Million jüdische Menschen.

Am 20. Juli flog SS-Obersturmbannführer Rauff nach Tobruk um von Generalfeldmarschall Rommel die notwendigen Instruktionen für den „Einsatz“ seines Kommandos zu empfangen. Die Verwendung der Einheit stand damit unmittelbar bevor. Zu Rauffs Todesschwadron gehörte der Nahostexperte und SS-Sturmbannführer Beisner, sowie der Leiter des Arabienreferates VI C 13, Obersturmbannführer Hans-Joachim Weise, der als Verbindungsoffizier des Reichssicherheitshauptamtes bei al-Husseini tätig war. Für den nachrichtendienstlichen Bereich innerhalb des Kommandos war Sturmbannführer Franz Hoth zuständig. Offiziell galt die Verwendung der in Athen abmarschbereit liegenden Einheit als „Geheime Kommandosache“ und unterlag damit umfangreichen Geheimhaltungsbemühungen. Die Truppe besaß aber immerhin einen derart öffentlichen Status, dass ihr bereits die von Heeresfeldpostmeister vergebene Feldpostnummer 02039 zugewiesen worden war. Wie am Beispiel der Einsatzgruppen im europäischer Osten zu sehen war gingen Rauff und seine Mordkumpane nicht grundlos davon aus, dass der in Gang gesetzte Massenmord vielfach sehr bald und ganz maßgeblich von einheimischen Kollaborateuren unterstützt und unter deutscher Anleitung reibungslos  realisiert werden würde. Wie sich schon seit langem in zahlreichen Stimmungsberichten andeutete, bot sich im Nahen Osten eine unübersehbare und teilweise bereits wohlorganisierte Zahl von Arabern als willige Helfershelfer der Deutschen an. Walter Schellenberg, der Chef des Auslandsgeheimdienstes der SS, brachte die Besonderheit der deutsch-arabischen Beziehungen auf einen kurzen gemeinsamen Nenner. In einem Bericht über Palästina schreibt er 1942: „Die außergewöhnlich deutschfreundliche Stimmung der Araber ist im wesentlichen darauf zurückzuführen, dass man hofft, ‚dass Hitler kommen möge‘, um die Juden zu vertreiben.“ Teile der ansässigen arabische Bevölkerung in Palästina kennzeichneten mit „mysteriösen Kalkzeichen“ die jüdischen Häuser um ihre Besitzansprüche für die Zeit nach der „Säuberung“ in Palästina geltend zu machen. Die Realisierung der Shoah in Palästina wäre mit Hilfe jener Kollaborateure zweifellos unmittelbar nach Erscheinen der Panzerarmee Afrika schnell in die Tat umgesetzt worden, so ein Resümee von Klaus-Michael Mallmann und Martin Cüppers in „Halbmond und Hakenkreuz“. Bekanntlich verloren die Deutschen die Schlacht von El-Alamein. Diese Niederlage des Generalfeldmarschall Rommel („Wüstenfuchs“ und überzeugter Nazi) und seiner Divisionen im November 1942 war die Wende in seinem bisher so erfolgreichen Feldzug in Nordafrika und die Rettung der Juden in Palästina.

propagandaDie NS-Massenmörder hatten bereits mit den Vorbereitungen begonnen, auch die Juden in Palästina zu ermorden und einem zukünftigen jüdischen Staat jede Existenzgrundlage zu entziehen. Wenn die Briten Anfang November 1942 unter General Montgomery Rommels Panzerarmee nicht vor El-Alamein besiegt hätten, dann wäre der Wunsch der heutigen Antisemiten, der Zerschlagung des Judenstaates wohl bereits vor seiner Entstehung erfüllt worden und den deutschen Hamasverstehern und BDS-Adepten wäre viel Ärger erspart geblieben.

Quelle: Klaus-Michael Mallmann, Martin Cüppers – Halbmond und Hakenkreuz – Das „Dritte Reich“, die Araber und Palästina – Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt  – 2006

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Che Guevara und die „Nürnberger Prozesse“

Che Guevara

Che Guevara

1952, kurz vor den Präsidentschaftswahlen putschte sich der Armeechef und spätere Massenmörder Fulgencio Batista mit Hilfe der CIA in Kuba an die Macht. Kuba war vor und während der Diktatur Batistas das „Bordell“ der USA. Die USA kontrollierten 75% des Handels. Sie besaßen 90% der Minen des Landes und 50% des Bodens. Die Bevölkerung lebte in Armut, 80% waren Analphabeten und es gab kaum medizinische Versorgung. Während Batistas Amtszeit wurden 20.000 Kubaner und Kubanerinnen, teilweise nach bestialischer Folter, von Batistas Schergen ermordet. Zur Einschüchterung der Bevölkerung wurden viele der Ermordeten aus Autos auf die belebten Straßen geworfen.

Nach dem Scheitern seines „Sturms auf die Moncada-Kaserne“ 1953, sammelte Fidel Castro in Mexico einige „Getreue“, unter ihnen der argentinische Arzt Che Guevara, und versuchte mit 81 Männern und der Yacht „Granma“ Kuba im November 1956 zu erreichen um Batista zu stürzen. Kurz nach der Landung auf Kuba überlebten von den 82 Revolutionären nur 17 Männer. Alle übrigen waren, nachdem sie gefangen genommen und gefoltert wurden, tot. Dieser Gruppe von 17 Rebellen schlossen sich immer mehr Bauern und Bewohner Kubas an, weshalb sie Batistas, von den USA unterstütze, Armee innerhalb von zwei Jahren besiegen konnten. Der asthmakranke Ernesto Guevara de la Serna (14. Juni 1928- 9.10.1967) war als Arzt zu Castros Gruppe gestoßen, erst während der Kämpfe wurde er zum Kommandanten, dem höchsten Rang der Guerilleros, ernannt. Wie in jedem Krieg, so auch in einem Guerillakrieg, kommen Menschen zu Tode. Che Guevara hatte die Verantwortung für seine Gruppe – während der Gefechte gab es wiederholt Entscheidungen die Menschenleben forderten. Verräter, die mit Batistas Armee kollaborierten wurden kurzerhand exekutiert. Durch diese Kollaborationen wurden wiederum viele, auch unbeteiligte, Bauern mit ihren Familien von Batistas Armee und der Geheimpolizei ermordet. Einige dieser Füsilierungen führte Che Guevara persönlich aus. In seinem „Kubanischen Tagebuch“ beschreibt der „Che“ detailliert die Entscheidungen über Leben und Tod. Viele von seinen Mitkämpfern geforderten standrechtliche Erschießungen wurden von „Che“ verhindert, solange keine Gefahr für die umliegenden Bauern oder die Revolution bestand. Als seine größte militärische Leistung gilt die Einnahme von Santa Clara mit Camilo Cienfuegos im Dezember 1958. Nachdem alle Kasernen von Santa Clara eingenommen wurden, schickte Batista einen gepanzerten Zug voller Waffen und Munition für seine Soldaten nach Santa Clara. Mit einem Täuschungsmanöver überfiel Guevara mit seinem zahlenmäßig weit unterlegenen Trupp diesen Zug, wobei kein, auch gegnerischer, Soldat ums Leben kam.

Am 13. Januar 1959 weiht Guevara in La Cabana eine militärische Kulturakademie ein, um die Alphabetisierung der Bauern aus seiner Kolonne fortzusetzen. Nach dem Sieg der Revolution kam es zur „Großen Abrechnung“, zu den Schnellgerichtsverfahren gegen die Folterer der Batista-Diktatur, welche von der Bevölkerung und den Medien damals vehement gefordert wurden. In den Medien wurde täglich über neue geheime Friedhöfe, die Ermordung unbewaffneter Jugendlicher und Vergewaltigungen durch das Batista-Regime berichtet. Während der Prozesse und anschließenden Hinrichtungen beschuldigten die USA Kuba, seine Kritiker unterschiedslos zu füsilieren und leiten damit eine massive Kampagne gegen die neue kubanische Regierung ein. Die Exilkubaner und Ex-Folterer der Batista-Diktatur in den USA machten Che Guevara zum „Schlächter von La Cabana“. In La Cabana hatten die revolutionären Gerichte „1“ und „2“ ihren Sitz. Das erste richtete über Batistas Polizisten und Militärs und das zweite, das keine Todesstrafen aussprach, über Zivilpersonen. Den Vorsitz über das Gericht „1“ hatte Miguel Angel Duque de Estrada. Che Guevara gehörte keinem der beiden Tribunale an, jedoch überprüfte er als Garnisonskommandant die Berufungen. Guevara erklärte den kritischen kubanischen Genossen, das Arbenz in Guatemala vor allem deshalb gestürzt werden konnte, weil er seine Armee nicht von illoyalen Elementen gesäubert hatte – ein Fehler, welcher der CIA die Möglichkeit gegeben hatte, sein Regime zu infiltrieren und zu beseitigen. Auf die US-amerikanischen Kampagnen gegen die Tribunale reagiert Fidel Castro in diversen Reden. Castro verglich die Verbrecher der Batista-Diktatur mit den Angeklagten in den „Nürnberger Prozessen“. Im „Nürnberger Prozess“ wurden nach dem zweiten Weltkrieg Politiker und Militärs, sowie Wirtschaftsführer der NS Diktatur angeklagt. Bekanntlich kam es dabei kam es zu vielen Todesurteilen. Beispielsweise wurden Hans Frank, Wilhelm Frick, Alfred Jodl, Fritz Sauckel, Alfred Rosenberg, Joachim von Ribbentrop oder Wilhelm Keitel zum Tod durch den Strang von den Alliierten verurteilt. Neben den „Nürnberger Prozessen“ verurteilten in den drei Westzonen alliierte Militärgerichte insgesamt 5025 deutsche Angeklagte. In 806 Fällen wurden Todesurteile ausgesprochen, von denen 486 vollstreckt wurden. Die Nürnberger Prozesse haben eine Anzahl von Anwälten hervorgebracht, deren revisionistische Verteidigungsstrategien die Einstellung von Teilen der Bevölkerung in Deutschland damals und heute stark beeinflusst haben. Nicht nur rechtsradikale, antidemokratische Gruppierungen kritisieren seit über 60 Jahren diese Todesurteile. Zum 60. Jahrestag der Nürnberger Prozesse meinte der Ex-SDS Mann und heutige NPD/DVU Sympathisant, Bernd Rabehl: „Hier hätten „Killer über Killer zu Gericht“ gesessen. Der Prozess sei lediglich eine „Farce“ gewesen.“

Von 1959 bis 1961 war Guevara Präsident der Nationalbank und von 1961 bis 1965 Industrieminister. Chef der Nationalbank wurde er, weil auf einer Versammlung von Aktivisten, Fidel Castro fragte: ,,Gibt es einen Ökonomisten im Saal?“ Guevara hob die Hand, weil er verstanden hatte: ,,Gibt es einen Kommunisten im Saal?“ ,,Gut, du wirst Präsident der Nationalbank“, bestimmte Castro. Guevara war ein Bankier, der das Geld als Symbol der Ausbeutung verachtete: ,,Der Lohn ist ein altes Übel, das durch den Kapitalismus entsteht und auch nicht mit dem Sozialismus untergeht. Das Problem wird erst dann ausgemerzt sein, wenn es kein Geld mehr gibt, wenn man am idealen Ziel angekommen ist: dem Kommunismus.“ Täglich arbeitete er fünfzehn Stunden in der Bank, und am Wochenende arbeitete er freiwillig bei der Zuckerrohrernte mit, was heutzutage sehr ungewöhnlich erscheinen mag. Die Initiative, freiwillige Arbeit, war eine seiner zentralen Ideen für seine Vorstellung vom „neuen Menschen“. Che Guevara war mitverantwortlich für die Nationalisierung US-amerikanischer Unternehmen, der Enteignung des Großgrundbesitzes und dem ländlichen Siedlungs- und Bildungsprogramm. Sein großer Traum war die Schaffung eines „Neuen Menschen“, der materiellen Interessen entsagt, selbstlos und solidarisch und ewig revolutionär ist. Seine größten politischen Fehler machte Che Guevara wohl in der Zeit als Industrieminister, in dem er sich beispielsweise der Zucker-Monokultur, einer Forderung der Sowjetunion, nicht klar entgegenstellte. Diese Fehlentscheidung der damaligen Zeit wirkt noch heute in Kuba nach, da einige Lebensmittel importiert werden müssen. Die Idee der freiwilligen Arbeitseinsätze scheiterte. Guanahacabibes, war ein kleines Dorf auf der Halbinsel Corrientes, wo es mitten im nichts einen ehemaligen Holzbetrieb gab. Ursprünglich war hier von den Streitkräften ein Arbeitslager eingerichtet, was auch vom Industrieministerium genutzt wurde. Bei Fällen von Disziplinlosigkeit bestimmte das Ministerium das Strafmaß von ein paar Wochen oder Monaten Aufenthalt in Guanahacabibes. Che Guevara meinte dazu:“ Guanahacabibes ist keine feudale Strafe. Nach Guanahacabibes werden keine Leute geschickt die ins Gefängnis gehören. Nach Guanahacabibes werden Leute geschickt, die kleinere oder größere Fehler gegenüber der revolutionären Moral begangen haben, bei gleichzeitigem Verlust des Arbeitsplatzes. Es ist harte Arbeit, aber keine bestialische Arbeit.“ Wenn jemand etwas stiehlt, muss der Dieb ins Gefängnis und der Direktor der ihn gedeckt hat, nach Guanahacabibes. Obwohl diese Lager nichts mit Arbeitslagern in NS-Deutschland oder der Sowjetunion zu tun hatten und Che Guevara oft sonntags die Arbeit mit den Bestraften teilte, hatte das Lager einen üblen Ruf, vor allem unter den mittleren und höheren Kadern des Ministeriums.

Vor und lange Zeit nach 1959 war die ganze kubanische Gesellschaft, die Psychiatrie, die Justiz damals schwulenfeindlich, nicht nur auf Kuba, sondern weltweit. 1960 existierte beispielsweise in der BRD der so genannte Paragraph 175, der sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts unter Strafe stellte. Trotzdem bleibt es eine Schande, wie auch die kubanischen Revolutionäre den Homosexuellen begegnet sind. Fidel Castro hat kürzlich persönlich die Schuld für die damaligen Fehler gegenüber den Homosexuellen auf sich genommen. Natürlich ist Kuba keine parlamentarische Demokratie nach westlichem, aber auch keine Volksdemokratie nach östlichem Vorbild. Kuba mit den ehemaligen Ostblockstaaten zu vergleichen, ist völlig falsch. Die Kubanische Revolution von 1959 wirkt bis heute, trotz des Wirtschaftsembargos der USA. Der kubanische Staat garantiert jedem kubanischen Bürger eine kostenlose medizinische Versorgung. Die Säuglingssterblichkeit ist in Kuba niedriger als in den USA. Für humanitäre Hilfsleistungen wurden von der kubanischen Regierung immer wieder Ärzte in andere Länder entsandt. Das hoch entwickelte Bildungssystem ist kostenlos für die kubanische Bevölkerung. Die Einschulungsquote liegt bei 100 Prozent, Analphabetismus geht gegen null. Im Gegensatz zu so gut wie allen mittel- und südamerikanischen Ländern gibt es in Kuba keine „Favelas“. Wenn es in der Region ein Land gibt, in dem Soziale Gerechtigkeit auf der Staatsagenda ganz oben steht, das ist es Kuba. Seit Anfang an versucht die USA im Verbund mit Exilkubanern die Kubanische Revolution rückgängig zu machen. Seit 1959 gibt es Sabotageakte und Bombenangriffe auf Kubanische Kindergärten, Schulen oder andere Einrichtungen, mit vielen Toten. Die USA, unter ihrem Präsidenten Kennedy, planten einen Stützpunkt in Kuba zu errichten, weshalb am 15. April 1961 folgerichtig amerikanische Bomber kubanische Flugplätze bombardierten. Am 17. April landeten in der Schweinebucht die von den USA und deren US-Marine unterstützten Exilkubaner, viele davon ehemalige Folterer des Batista-Regimes. Die Invasion der USA scheiterte, die kubanischen Verteidiger verloren 161 Kämpfer. Zur Verteidigung Kubas wollte die Sowjetunion Atomsprengköpfe auf Kuba stationieren, was fast im 3. Weltkrieg endete, da die USA zwar eigene Mittelstreckenraketen in Europa stationierte, dieses Recht jedoch dem Kontrahenten Sowjetunion, durch Androhung eines Atomkrieges, verwehrte. Nach dem Schweinebuchtdebakel der USA folgten viele US-Mordversuche gegen Fidel Castro, ständig garniert mit Schauermärchen, der amerikanischen und bundesdeutschen Presse über die bärtigen Revolutionäre. Die Ermordung Che Guevaras durch die CIA in Bolivien, nach monatelanger Einkreisung durch die bolivianische Armee, trug maßgeblich zum Mythos Che Guevaras bei. Eine Mythologisierung die dem freien Westen „zuwider“ war und gegen die seit den 60er Jahren angekämpft und angeschrieben wird. Dass Exilkubaner, konservative Medien, die Springerpresse und die US-amerikanische Regierung seitdem versuchen hasserfüllte Medienkampagnen gegen Castro und Kuba zu führen ist verständlich und nachvollziehbar. Seit wenigen Jahren versuchen nun auch einige Lohnschreiber von der TAZ, Zeit oder Gerd Koenen auf das antikubanische Boot aufzuspringen.

Hermann L. Gremliza schrieb 10/2007 in Konkret: „Bei den Deutschen (..), gilt Mao, seit seine Jünger zu seinen Scharfrichtern konvertiert sind, als einer der großen Verbrecher der Weltgeschichte, Hitler mindestens gleich, und mit ihm jeder, der an dem 1917 begonnenen und 1989 verlorenen Gefecht, dem vorerst letzten, irgend teilhatte: Lenin, Stalin, Thälmann, Ulbricht, Honecker, Castro, Ho Chi Minh, Meinhof. Sie alle waren nichts als gemeine Mörder und Menschenschinder, Revolution, Kommunismus bloß Vorwände fürs Ausleben ihrer defekten Charaktere. Der Aufwand, solche Nachricht in die Köpfe zu trichtern, ist beträchtlich. Heerscharen von Journalisten und Professoren waren auszuhalten, eine komplette Lumpenbourgeoisie, Hunderte Institute und Vereine zu gründen und zu alimentieren. Bei einem nur misslang die Aufnahme ins politische Verbrecheralbum: Ernesto Guevara, Che. Der Ernst der Lage, beschrieben von einem, der bei der »Taz« gelernt hat, was er bei Springers »Welt« braucht: Warum Che? Jetzt, wo jeder weiß, dass der Kommunismus ein Nebelreich der Armut und Unterdrückung war (und in Kuba noch immer ist). Jeder weiß, dass der lateinamerikanische Guerillakampf ein grausames Spiel ideologischer Phantasten war (und in Kolumbien noch immer ist). Und dennoch: Che, der Kommunist und Guerillakrieger, gilt als kuchengut wie der Dalai Lama. Während seine Geistesverwandten längst von ihren Betonsockeln gestoßen wurden, prangt Che weiter auf T-Shirts und Postern, eröffnen Bars und Cafés mit seinem Namen. (..)“

Wer Che Guevara einen „Massenmörder“ schimpft, sollte sein Geschichtsverständnis sowie seine eindimensionale Denkweise nochmals überprüfen. Während des zweiten Weltkrieges kamen durch die Sowjet- und  US-Armee viele unbeteiligte Menschen ums Leben. Durch das deutsche „Unternehmen Barbarossa“ wurden 27 Millionen Sowjetbürger zwischen 1941 und 1945 ermordet. Rotarmisten töteten auch aus Rache viele deutsche Zivilisten. US amerikanische Flieger bombardierten beispielsweise versehentlich Prag, allierte Streitkräfte füsilierten auch eigene Soldaten, sie bombardierten Dresden, Köln, Hamburg und viele andere deutsche Städte. War deshalb der Krieg der Alliierten unmoralisch? Hätten die Alliierten mit Lichterketten gegen die deutsche Barbarei protestieren sollen? Wie hätte Kuba seinen Diktator Batista entmachten können? Mit Sitzblockaden oder gemeinschaftlichen Gebeten und Bibelkreisen? Warum nun der Versuch des „irgendwie“ linken Citoyens, Che Guevaras Lebensleistung zu diskreditieren, den Jean Paul Sartre den perfektesten Menschen seiner Zeit nannte? Der Arzt aus Rosario, der als Guerilla-Kommandant, Minister und Schriftsteller und abermals Guerilla-Kämpfer sicherlich Fehler machte, zu viel von sich und seinen Mitmenschen erwartete und neben weitsichtigen Dingen, einiges schrieb, was nicht haltbar war und ist, deshalb Stalinisten und Massenmörder zu bezeichnen, hat nichts mit der Realität zu tun. Was läuft ab, im Kopf des linksliberalen „Che“-Kritikers, wenn er mit den Hinrichtungen Alfred Jodls oder Fritz Sauckels, mit der alliierten Bombardierung Dresdens inklusive der entsprechenden NPD-Empörung der „Kameraden“,  konfrontiert wird? Wenn Linke, Grüne, Sozialdemokraten, meist religiöse Friedensbewegte irgendwann begreifen, dass sie mit ihrem Engagement an unüberwindliche Grenzen stoßen, sie realisieren, dass sie mit ihrer Gesinnung politisch nicht viel, bis überhaupt nichts, erreicht haben, ist es nahe liegend eine gewisse Missgunst, beziehungsweise einen gewissen Hass auf Personen zu entwickeln, die sehr viel für ihre Mitmenschen erreicht haben. Ernesto Che Guevara, der alles riskierend, eben nicht am Schreibtisch, wirkungslose Artikel schreibend, das Elend der Welt beklagte, ist mit seiner Vita ein schmerzhafter Stachel in der wohlfeilen Ideologie, des im „warmen Wohnzimmer sitzenden“, linksliberalen Citoyens.

Quellen:
Paco Ignacio Taibo II – Che
David Horowitz- Kalter Krieg
Ernesto Che Guevara – Kubanisches Tagebuch
Ernesto Che Guevara – Politische Schriften – Eine Auswahl (Wagenbach Politik 8/9)
Ernesto Che Guevara – Bolivianisches Tagebuch
Ernesto Che Guevara – Schriften zum Internationalismus
Jon Lee Anderson – Che
Volker Skierka – Fidel Castro
E.F. Fürntratt-Kloep – Unsere Herren seid ihr nicht!

 

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Kuba (Vol.1): Die Moncada-Kaserne

Kurz vor den geplanten Wahlen 1952 putschte sich General Fulgencia Batista in Kuba  an die Macht. Er erhielt sehr schnell die volle Unterstützung der USA. Die meisten oppositionellen Gruppierungen, wurden verboten und von der Geheimpolizei Batistas erbarmungslos verfolgt. Batista ließ systematisch einsperren, foltern und morden. Die Unternehmer begannen eine Offensive im ganzen Land und  führten Massenentlassungen durch. Das Organ der Großgrundbesitzer, die sogenannte Dorfpolizei, ging mit Gewalt und Willkür gegen die Bauern vor.

Fidel Castro, der für die Orthodoxe Partei kandidiert hätte, organisierte eine bewaffnete Bewegung und ging in den Untergrund. Der Kern der seiner Mannschaft bestand aus Mitgliedern der „liberalen“ Ortodoxo Partei. Castro vermied enge Kontakte mit der PSP, die in Cuba relativ isoliert war. Zudem wollte er sich nicht der kommunistischen Partei unterordnen. Er wollte kein diszipliniertes Mitglied der PSP sein, sah darin kaum eine Möglichkeit Verbesserungen für sein Land zu erreichen. Am 26. Juni 1953 versuchte Fidel Castro mit 152 Männern, darunter zwei Frauen die mit circa 700 Männern schwer bewaffnete, verhasste Moncada Kaserne im Süden Kubas in Santiago de Cuba zu stürmen. Castro wollte mit der fast aussichtslosen Aktion, die zweitgrößte Kaserne Kubas zu überfallen,  ein Fanal für einen landesweiten Aufstand auslösen und seine „Untergrundarmee“ mit Waffen versorgen. Um 5.15 Uhr früh machten sich die eine Gruppe mit 111 Männer und Frauen auf den Weg zur Moncada Kaserne. Die zweite Gruppe bereitet einen Angriff auf die weiter westlich gelegene Kaserne „Carlos Manuel de Céspedes“ in Bayamo vor. Wegen des Karnevals rechnet Castro mit vielen betrunkenen Soldaten. Durch die Karnevalszüge und Umtriebe erreichen die Revolutionäre zu unterschiedlichen Zeiten die Kaserne. Eine Militärpatrouille fing bereits vor der Kaserne einige Männer ab. Die Aktion endet in Desaster und Chaos. Während des Angriffs sind 19 Soldaten und 9 Männer Castros zunächst umgekommen. 61 weitere Rebellen, darunter Castros Stellvertreter Abel Santamaría Cuadrado werden nach ihrer Gefangennahme von den Soldaten auf grausamste Weise gefoltert und umgebracht. Ihnen werden Augen ausgestochen sowie die Genitalien und einzelne Gliedmasen abgeschnitten. Castro kann mit einem kleinen Trupp  zunächst fliehen, wird aber nach 5 Tagen gestellt. Ein schwarzer Offizier, Pedro Manuel Sarria, rettet ihm das Leben, er kann verhindern dass Castro von den Regierungssoldaten gelyncht wird. Sarria wird kurz darauf deshalb zu einer Haftstrafe verurteilt. Die breite Öffentlichkeit war schockiert, und sogar in liberalen Kreisen wuchs die Sympathie für die jungen Männer um Fidel Castro, die bereit waren, für ihre Ziele das eigene Leben zu riskieren. Santiagos Erzbischof Enrique Pérez Serantes forderte ein Ende des Massakers und erreichte, dass die Rebellen vor ein ordentliches Gericht gestellt werden. Im folgenden Prozess wurden 29 Rebellen verurteilt, darunter Castros Bruder Raul zu 13 Jahren, während Fidel Castro zu 15 Jahren Haft verurteilt wird. Seine berühmt gewordene, frei gehaltene Verteidigungsrede, mit den Worten, „Verurteilt mich, das hat nichts zu bedeuten, die Geschichte wird mich freisprechen“, wird zum Manifest des „Castroismus“. Spätestens nach seinem Prozess war Castro „in aller Munde“ in Kuba. Castro kommt als Gefangener Nummer 3859 auf die Gefängnisinsel Isla de Pinos.

Am 15. Mai 1955, nach 19 Monaten Haft werden Castro und seine Leute auf Druck der Öffentlichkeit und einer Generalamnestie aus der Haft vorzeitig entlassen. Kurz darauf gründete Fidel Castro die Bewegung des 26. Juli, M-26-7. Am 7. Juli verlässt Castro Kuba in Richtung Mexiko, nachdem ein Mordanschlag auf ihn, befohlen von Batista scheiterte. Kurz nachdem Castro in Mexiko angekommen ist, trifft er den argentinischen Arzt und Marxisten Ernesto Guevara. Am 2. Dezember 1956 kehrten Fidel und Raúl Castro zusammen mit Che Guevara und weiteren 82 Revolutionären auf der Yacht Granma nach Kuba zurück. Der zweite Versuch, Batista zu stürzen, wird  erfolgreich enden.
Die Einschusslöcher von 1953 in der Fassade des Gebäudes sind noch heute sehr gut sichtbar. Diese Löcher wurden zum Andenken an die ermordeten Mitkämpfer nicht repariert. Die Moncada Kaserne wird seit der Revolution als Schule und Kindergarten genutzt und verfügt über weiträumig angelegte Sportplätze. Außerdem ist für die Öffentlichkeit ein Museum eingerichtet, in dem die Geschichte des 26. Juli 1953 ausführlich gezeigt wird. Im Museum ist unter anderem der LKW  zu sehen, mit dem die Revolutionäre mit Castro in die angrenzenden Berge der Sierra Maestra geflüchtet sind, nachdem sich der Misserfolg des Sturms auf die Moncada-Kaserne abzeichnete. Ich war 1994 in Santiago de Cuba und besuchte das Museum der Moncada Kaserne. Beim Betreten des Museums und beim Betrachten der Bilder und Gegenstände kommt man der Kubanischen Revolution ein kleines Stück näher.

Moncada-Kaserne

Moncada-Kaserne

Fidel Castro

Fidel Castro

Ermordete Rebellen

Ermordete Rebellen

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