Ist die TAZ eine antisemitische Zeitung?

LKW_AngriffEin palästinensischer Islamist ermordete am Sonntag mit einem Lastwagen in Jerusalem an einer Bushaltestelle im  Stadtteil Armon Hanaziv vier junge Israelis. Fünfzehn weitere Menschen wurden zum Teil sehr schwer verletzt. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verglich den Anschlag von Jerusalem mit den Anschlägen von Nizza und Berlin und sieht eine Verbindung zum Islamischen Staat.

In der links-alternativen TAZ halluziniert die dortige „Ober-Israelkritikerin“ Susanne Kaul in Jerusalem ist nicht Berlin„Während Amri seinen Anschlag plante, handelte Al Kunbar offenbar spontan und unter dem Einfluss eines gesellschaftspolitischen Umfeldes, für das Terror in Teilen nicht nur legitim, sondern ehrenhaft ist – weil es gilt, die Besatzung und damit einhergehende Ungerechtigkeit zu bekämpfen. Terror ist Terror ist Terror, und die Mütter und Väter der vier toten Soldaten interessiert die Motivation des Mörders wenig. Für die Politik birgt die Tatsache, dass es Gründe gibt für die Verzweiflung, die Palästinenser zu Selbstmordanschlägen motiviert, eine Chance. Anstatt dem Terror konstruktiv zu begegnen, entzieht sich Netanjahu seiner Verantwortung, wenn er ein Bild von Jerusalemern und Berlinern malt, die im gleichen Boot sitzen.“

Der islamistische „verzweifelte“ Terrorist hatte laut Susanne Kaul Gründe für seine Mordtat. Wie man dem islamistischen Terror konstruktiv begegnen soll lässt die „israelkritische“ Islamistenversteherin freilich offen. Im antisemitischen Weltbild sind die Juden selbst schuld an ihrer Verfolgung. Dieses Verständnis für widerlichsten islamischen Terror ist weit verbreitet. Die islamistische „Moderne“ bekämpft seit Jahren den westlichen Lebensstil, ermordet Ungläubige auf Weihnachtsmärkten oder Juden in Israel weil sie Juden sind und deutsche Journalisten stellen sich mehr oder weniger auf die Seite der Mörder. Leider gibt so gut wie keinen Protest gegen solcherlei menschen-verachtende, den islamischen Terror verharmlosende Artikel  wie den hier kritisierten in der TAZ. Über 50.000 Leser kaufen täglich diesen Angriff auf die Zivilisation.

Die Terror-Organisation Hamas hat den Terroranschlag begrüßt und zu weiteren Anschlägen aufgerufen. Sie versprach den „Märtyrern“, die einen Anschlag gegen den „zionistischen Feind“ ausführen, ihre volle Unterstützung.  In Gaza gingen zahlreiche Menschen auf die Straße, denn zum Zeichen der Freude über die Ermordung der jüdischen jungen Menschen wurden Süßigkeiten verteilt. Susanne Kaul kann sich in Gaza ihre Süßigkeiten abholen.

Das Buch von Samuel Schirmbeck, Der islamische Kreuzzug und der ratlose Westen sollte zur Pflichtlektüre nicht nur für „Israel-KritikerInnen“ und andere  Kultur-Relativisten werden. Bei Susanne Kaul und der TAZ ist freilich Hopfen und Malz verloren.

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Jutta Ditfurth und die „Kampfesgrüße“

Zwei Jahre nach den Terroranschlägen von Palästinensern (AOLP-Kommandos) in München ermordeten während der Olympischen Sommerspiele im September 1972 in München palästinensische Terroristen vom „Schwarzer September“ elf Sportler der israelischen Mannschaft während einer Geiselnahme.

Der Dolmetscher von Ulrike Meinhof in ihrem Ausbildungslager in Jordanien, Ali Hassan Salameh war einer der Drahtzieher des Attentates. Deutsche Neonazis unterstützten die palästinensischen Terroristen bei der Vorbereitung für die Geiselnahme. Die israelischen Sportler wurden in München bestialisch misshandelt und gefoltert. Bei der dilettantisch angelegten deutschen Befreiungsaktion in Fürstenfeldbruck kamen alle israelischen Sportler überwiegend durch die Handgranaten der palästinensischen Terroristen ums Leben. Auf den antisemitischen Text von Ulrike Meinhof zum Olympia-Attentat der Palästinenser 1972 geht Jutta Ditfurth in ihrer Meinhof-Biographie nur minimal ein. Dabei wäre eine Analyse genau dieses Textes gewinnbringend für die Ideologie der RAF gewesen. In Ulrike Meinhofs Text „Rote Armee Fraktion –Die Aktion des Schwarzen September in München – Zur Strategie des antiimperialistischen Kampfes“ steht beispielsweise:

„Die Aktion des Schwarzen September hat das Wesen imperialistischer Herrschaft und des antiimperialistischen Kampfes auf eine Weise durchschaubar und erkennbar gemacht wie noch keine revolutionäre Aktion in Westdeutschland oder Westberlin. Sie war gleichzeitig antiimperialistisch, antifaschistisch und internationalistisch. (..)

Sie hat einen Mut und eine Kraft dokumentiert, die immer nur das Volk hat (..)

…gegen dem seinen Wesen und seiner Tendenz nach durch und durch faschistischen Imperialismus- in welcher Charaktermaske auch immer er sich selbst am besten repräsentiert findet: Nixon, Brandt, Moshe Dayan oder Genscher, Golda Meir oder Mc Gouvern. (..)

Alle Aufschübe des Ultimatums, das sie mit Lügen und falschem versprechen erreicht haben, diente ihnen nur zu einem ausschließlichen Zweck: Für die Vorbereitung des Massakers Zeit zu gewinnen. Sie hatten nur ein Ziel, nur ja dem Moshe-Dayan-Faschismus – diesem Himmler Israels- in nichts nachzustehen. (..)

An der Aktion des Schwarzen September in München gibt es nichts mißzuverstehen. Sie haben Geiseln genommen von einem Volk, das ihnen gegenüber Ausrottungspolitik betreibt, Sie haben ihr Leben eingesetzt, um ihre Genossen zu befreien. Sie wollten nicht töten. Sie haben ihr Ultimatum mehr als aufgeschoben. Sie haben angesichts der unnachgiebigen Haltung Israels vorgeschlagen, die israelischen Geiseln als Gefangene zu behalten. Die israelischen Geiseln waren mit diesem Ausweg einverstanden. Sie sind von den deutschen Behörden genauso getäuscht worden wie die Revolutionäre. Die deutsche Polizei hat die Revolutionäre und die Geiseln massakriert. Die Aktion des Schwarzen September in München wird aus dem Gedächtnis des antiimperialistischen Kampfes nicht mehr zu verdrängen sein. Der Tod der arabischen Genossen wiegt schwerer als der Tai-Berg. (..) Solidarität mit dem Befreiungskampf des palästinensischen Volkes!“ (..)

Jutta Ditfurth schweigt sich mehr oder weniger über diesen Text in ihrer Biographie aus. In einer Konkret Diskussion aus dem Jahr 2008 (Heft 3) kritisiert Thomas Ebermann den Meinhof-Text heftig, bezeichnet die „apologetische Erklärung von Ulrike Meinhof im Namen der RAF“ als „grauenhaft.“ Darauf verteidigte Jutta Ditfurth, nachdem sie in einem Nebensatz zugab, dass Teile des Textes antisemitisch seien, ihr Vorbild, sie meint:

„Sie hatte die PLO und die El Fatah in Jordanien 1970 als Freunde und als Opfer des Nahostkriegs kennengelernt. Fast alle diese Leute starben in den Luftangriffen im Schwarzen September von 1970. Ulrike Meinhof saß, als sie den Text im November 1972 schrieb, seit fünf Monaten in absoluter Isolationshaft in der Männerpsychiatrie der Justizvollzugsanstalt Köln- Ossendorf und litt unter sensorischer Deprivation. Ulrikes Texte waren Kampfesgrüße und keine Vernichtungswünsche, dazu sollten sie heute nicht verdreht werden. Sie war keine Antisemitin. Es gab Streit unter den Gefangenen über diesen Text. Ulrike Meinhof hat sich danach zum xten Mal in ihrem Leben intensiv mit der Geschichte Israels und des Judentums befaßt.“

Die Lobeshymne von Ulrike Meinhof auf die Ermordung und Geiselnahme der jüdischen Sportler 1972 in München durch palästinensische Terroristen, die antisemitischen NS-Vergleiche über die „Ausrottungspolitik“ bis zum „Moshe-Dayan-Faschismus“ und ihre völkischen und gleichzeitig antiimperialistischen Auslassungen bezeichnet Jutta Ditfurth als „Kampfesgrüße.“   Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: „K a m p f e s g r ü ß e !“

In Konkret 2008/09 schreibt Lars Quadfasel über die Selbstentlarvung von Jutta Ditfurth: „In diesem Ungeheuer von Wort, diesem Bastard aus Kominternresolution und Weihnachtskarte, steckt mehr diagnostische Wahrheit, als Ditfurth lieb sein dürfte. Exakt jene Einheit aus Kraftmeierei und Sentiment, aus intimer Tuchfühlung zum Weltgeist und vornehmer Distanz zu dessen Erfüllungsgehilfen, hat den hiesigen Israelhass stets ausgezeichnet. Und vielleicht besteht darin das ganze Elend der neuen deutschen Linken: dass sie, spätestens seit ihrer antizionistischen Kehre, eigentlich nichts als Kampfesgrüße versandt hat.

 

Mehr über die Kampfesgrüße, das antiimperialistische Weltbild und den aktuellen „Kampf“ gegen den Antisemitismus von Jutta Ditfurth lesen sie in der Ditfurth-Trilogie auf Mission Impossible:

Teil 1 der Trilogie: Das Grass-Gedicht und die Befreiung „aus den sich selbst auferlegten Fesseln“

Teil 2 der Trilogie: Georg und Jutta: Die Geschichte einer Freundschaft

Teil 3 der Trilogie: Jutta Ditfurth und ihr antiimperialistischer Antisemitismus

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Ein Kommentar

Die Judenkritiker der Linkspartei

linke2Antisemitismus innerhalb der Linken gibt es seit es Linke gibt. Bereits der Zinskritiker und Frühsozialist Pierre-Joseph Proudhon (1809-1865) schrieb 1847 in seinen Notizbüchern: „Der Jude ist der Feind der menschlichen Art. Man muss diese Rasse nach Asien verweisen oder vernichten.“ Das ZK-Mitglied der KPD Ruth Fischer forderte am 25. Juli 1923 auf einer Versammlung von kommunistischen StudentInnen:„Tretet die Judenkapitalisten nieder, hängt sie an die Laterne, zertrampelt sie.“ Die stalinistischen „Säuberungen“ und Schauprozesse im sogenannten Realsozialismus trugen bereits in den 1930er Jahren antisemitische Züge. In der CSSR wurde Rudolf Slánský nach einem dieser Schauprozesse am 3. Dezember 1952 zusammen mit zehn weiteren fast ausschließlich jüdischen Mitangeklagten hingerichtet.

Albert Fichter von den Tupamaros Westberlin legte im Auftrag von Dieter Kunzelmann am 9. November 1969, dem Jahrestag der Reichspogromnacht eine Bombe im jüdischen Gemeindehaus, die er zuvor von Peter Urbach, einem V-Mann des Verfassungsschutzes bekam. Nach dem Anschlag erhält der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Heinz Galinski eine auf Band aufgenommene Drohung, nach 15 Sekunden dauernden Ticken ertönt eine Frauenstimme: “Die Bombe im Jüdischen Gemeindehaus hat gezündet. Berlin dreht durch, die Linke stutzt … Springer, Senat und die Galinskis wollen uns ihren Judenknacks verkaufen. .. Bei uns ist Palästina, wir sind Fedajin. Heute Nachmittag kämpfen wir für die revolutionäre palästinensische Befreiungsfront Al-Fatah! Schlagt zu!” Fast vier Jahrzehnte später, im November 2008, kurz vor dem 70. Jahrestag der Reichspogromnacht, blieb Inge Höger von der Linkspartei einer Abstimmung des Bundestags, die eine verstärkte Bekämpfung des Antisemitismus zum Gegenstand hatte, demonstrativ fern.

Judenkritische Abgeordnete der Linkspartei um Inge Höger  und Annette Groth hatten für den 9. November 2014, dem Jahrestag der Reichspogromnacht die zwei „israelkritischen“ Publizisten Blumenthal und Sheen als „jüdische Kronzeugen“ in den Sitzungssaal der Linksfraktion eingeladen um über „Israels Kriegsverbrechen in Gaza“ zu sprechen. Max Blumenthal bezeichnet in seinen Büchern israelische Soldaten als „Judäo-Nazis“, setzt Israel mit dem »Islamischen Staat« auf eine Stufe und bewunderte den »echten Widerstand« der islamfaschistischen Hamas. Max Blumenthal wurde wegen seiner antisemitischen Äußerungen vom Simon Wiesenthal Center auf Platz 9 in die „Top Ten“ der schlimmsten antisemitischen und antiisraelischen Verunglimpfungen des Jahres 2013 aufgenommen, den selben Platz, den ein Jahr zuvor Jakob Augstein, Herausgeber des angeblich linksliberalen „Freitags“ inne hatte.

Nachdem der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei Gregor Gysi diese und eine geplante Veranstaltung in einem Berliner Theater verhinderte zog Höger mit ihren „Friedensfreunden“ in ein „Antikriegscafé“. Tags darauf lauerten Blumenthal und Sheen gemeinsam mit Inge Höger, Anette Groth, Heike Hänsel, Claudia Haydt und anderen judenkritischen Abgeordneten der Linkspartei Gysi vor dessen Büro auf. Gysi wurde massiv bedrängt und von Sheen bis zur Toilette verfolgt. Sheen und Blumenthal forderten im Brüllton, Gysi solle sich für den Vorwurf, sie seien Antisemiten, entschuldigen. Seinen Übergriff hielt Sheen persönlich mit dem Smartphone fest und stellte ihn anschließend online. Inge Höger, Annette Groth sowie Heike Hänsel sahen sich schließlich zu einer „persönlichen Erklärung“ genötigt und entschuldigten sich bei Gregor Gysi und der gesamten Fraktion und distanzierten sich „von dieser aggressiven Vorgehensweise und den Beleidigungen“, außerdem wären sie „persönlich enttäuscht von der Veröffentlichung dieses unwürdigen Vorgangs“.

Dieser „unwürdige Vorgang“ ist freilich nur ein weiterer Beleg für das Antisemitismus-Problem der Linkspartei. Bereits im Jahre 2010 beteiligten sich die Linksparteimitglieder Annette Groth, Inge Höger und Norman Paech an der israelfeindlichen „Hilfsaktion“ an Bord der “Mavi Marmara,   die von der radikal-islamistischen Organisation IHH organisiert und finanziert wurde. Beim Ablegen in Istanbul skandierten die Passagiere des „Friedensschiffes“ Parolen der Hamas, Loblieder auf das islamische Märtyrertum und „Tod allen Juden“. Von den gewalttätigen Ereignissen, als die israelische Armee die „Mavi Marmara“ stoppte, bekamen Annette Groth und Inge Höger nichts mit, da die beiden mit den übrigen Frauen im „Frauendeck“ eingeschlossen waren. Groth und Höger, die sich für die Emanzipation der Frau in Europa einsetzen akzeptierten brav und devot die Geschlechter-Separation der Islamisten. Das gemeinsame Ziel, der Kampf gegen Israel steht für JudenkritikerInnen über allem. Wenige Monate später trat die Bundestagsabgeordnete der Linkspartei Inge Höger bei einer Konferenz von Hamas-Sympathisanten in Wuppertal mit einem Tuch um den Hals auf, das den Nahen Osten ohne den Staat Israel zeigte.

Erinnert sei beispielshalber noch an den 27. Januar 2010. An diesem Tag, 65 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz sprach Schimon Peres im Deutschen Bundestag. Sahra Wagenknecht verweigerte mit Christine Buchholz nach Peres Rede die stehenden Ovationen, blieb sitzen und begründete dies unter anderem damit sich nicht vor dem „kriegsverantwortlichen“ Peres verneigen zu wollen. Bis zu diesem Zeitpunkt waren solcherlei Verweigerungsgesten im Parlament am Auschwitz-Gedenktag nur von der NPD bekannt.

Antizionisten wie sie in der Linkspartei im Übermaß zu finden sind machen den Judenstaat Israel für so gut wie alles verantwortlich. Inge Höger, Annette Groth Heike Hänsel, Sahra Wagenknecht, Christine Buchholz und Norman Paech gehören zu der „Creme de la Creme“ der „Israelkritiker“ in der Linkspartei, sie sind freilich nur die Spitze des antisemitischen Eisberges dieser Partei. Die Gründe für ihren Antisemitismus dürften vielfältig sein. Von einer debilen Friedensliebe, gepaart mit einem Schuldabwehrkomplex über eine paranoide Vorurteilsstruktur bis hin zu allen übrigen modernen Kriterien des Antisemitismus ist alles drin in ihrem reaktionären Angebot.  Wie es diese Judenkritiker zusammenbringen einerseits hierzulande für die Gleichberechtigung der Frau, gegen Diskriminierung von Homosexuellen und anderen Minderheiten einzutreten aber andererseits  im Nahen Osten die islamistischen Bewegungen und Regimes trotz ihrer Menschenverachtung zu unterstützen, kann nur mit einem unausrottbar tief sitzenden Judenhass zu erklären sein. Mit ihrem obsessiven antizionistischen Hass delegitimieren und dämonisieren Höger, Grote und Co. einerseits den Staat Israel und mit ihrer Verharmlosung oder ihrer Ignoranz gegenüber den Verbrechen von islamistischen Terrororganisationen und Staaten wie der Hamas oder des Irans machen sie, da ihnen aus den eigenen Reihen kaum Widerstand entgegenschlägt, die Linkpartei zu einer antisemitischen Partei. Der Linke-Abgeordnete Michael Leutert fordert nun Annette Groth und Inge Höger wegen ihrer Judenkritik zum Mandatsverzicht auf. Auf die längst überfälligen Parteiausschlüsse von Inge Höger, Annette Groth Heike Hänsel und wie sie sonst noch alle heißen wird man freilich unendlich lange warten müssen.

Die Versuche beispielsweise von Jean Améry oder Michael Landmann verblödete Linke davon zu überzeugen, dass es keinen „ehrbaren Antisemitismus“ gibt erreichten kaum ihr Ziel. Judenhass war und bleibt irrrational, mit Argumenten lassen sich weder bürgerliche noch linke Antizionisten überzeugen.

Im Nachwort von  „Léon Poliakov – Vom Antizionismus zum Antisemitismus“ schreibt Thomas Haury: „Die Kritik des Antizionismus trifft nicht nur den sektiererischen Kern der Palästina-Solidarität, sondern gilt generell dem manichäischen anti-imperialistischen Weltbild und dem Nationalismus von links, wie er nicht nur während des Golfkrieges sich zeigte. Antinationalismus stellt nicht nur eine Grundbedingung zum Begreifen und Erkennen des Antisemitismus, sondern auch eine Grundbedingung der Linken überhaupt dar. Als gesellschaftlich geprägte Individuen sind ‘Linke’ potentiell so nationalistisch und antisemitisch wie die sie umgebende Gesellschaft, als hierzulande aufgewachsene sind sie ebenso anfällig für die spezifischen Zwänge eines deutschen Nationalismus, die Verweigerung der Auseinandersetzung mit der belastenden Vergangenheit und die symptomatischen Wiederkehr des Verdrängten in Form eines ‘sekundären Antisemitismus’. Als radikal kritisch sich begreifende und historisch reflektierende politische ‘Linke’ ist es deshalb ihre unabdingliche Aufgabe, sich der (selbst)kritischen Auseinandersetzung zu stellen: Das eigene Bedürfnis nach kollektiver und damit potentiell nationaler Identität reflektieren, das die gesellschaftlichen Verhältnisse verdinglichende anti-imperialistische Weltbild als ideologisches und falsches zu kritisieren, den Antizionismus als das aufzuweisen und zu denunzieren, was er ist, ihn nicht weiter als ‘links’ gelten zu lassen – dies muss zum grundlegenden Selbstverständnis einer der Aufklärung und Kritik verpflichteten Linken zählen, will sie sich noch als solche bezeichnen.“ 

 

Erstveröffentlichung in Mission Impossible am 14. 11. 2014

 

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Die Ermordung von Eyal Yifrach, Gilad Shaer und Naftali Frenkel im Angesicht der deutschen Barmherzigkeit für die Palästinenser und deren Ideologie

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Eyal Yifrach, Gilad Shaer und Naftali Frenkel und die Freude palästinensischer Kinder und Karikaturisten über ihre Entführung

30  Kilometer nördlich von Hebron wurden am 12. Juni die drei israelischen Schüler Eyal Yifrach, Gilad Shaer und Naftali Frenkel von Mitgliedern der islamfaschistischen Hamas entführt. Einer der entführten Jugendlichen konnte noch per Handy einen Hilferuf absenden. Die beiden Hauptverdächtigen, die Hamasmitglieder Amer Abu Ayscha und Marwan Kawasme sind seit dem Tag der Entführung untergetaucht. Die Mutter von einem der beiden mutmaßlichen Entführer erklärte, sie „seit solz auf die Taten ihres Sohnes“ und das sie ihn „im Geiste des Jihads erzogen habe. Unmittelbar nach der Entführung feierten Palästinenser öffentlich mit Süßigkeiten die Entführung und verherrlichen die Gewalt gegen die wehrlosen Opfer. Drei Finger stehen symbolisch für die drei Entführten und diese Geste macht die Runde bei den Palästinensern. Bei der groß angelegten Suchaktion unter dem Namen „Brother’s Keeper“ im Westjordanland hatte die israelische Armee über 300 mutmaßliche Terroristen festgenommen und dabei über 1000 Häuser und Orte durchsucht, dabei Waffenlager und Geheimverstecke für Entführungsopfer gefunden. Nach 18 Tagen der Ungewissheit wurden gestern die Leichen der drei gekidnappten jüdischen Teenager in der Nähe der Stadt Halhul gefunden. Als die Leichen abtransportiert werden sollten wurde der Ambulanzwagen von einem palästinensischen Mob angegriffen und die Scheiben des Wagens eingeschlagen. Große Teile der palästinensischen Gesellschaft stehen offenbar geschlossen hinter den antisemitischen Enführern und Mördern.

Sollten die islamfaschistischen Terroristen lebend gefasst werden wird sich die palästinensische Gesellschaft rührend um sie kümmern. Gemäß den Gesetzen der Palästinensischen Autonomiebehörde erhält jeder Häftling, der wegen terroristischer Gewalt verurteilt worden ist, im Gegensatz zu gewöhnlichen Kriminellen, ein monatliches Mindestgehalt von etwa 300 Euro. Bis zu 3.000 Euro kann ein Häftling, wenn er genügend Juden ermordet hat, beziehen. Das Durchschnittseinkommen eines Palästinensers liegt etwa bei 470 Euro. Während der Haftzeit finanziert die Behörde auch den Lebensunterhalt der Angehörigen des Gefangenen. Sobald der Judenmörder freikommt kann er mit großzügigen Abfindungen und weiteren Monatsgehältern seiner palästinensischen Regierung rechnen.  Laut Angaben der Autonomiebehörde wurden allein im Jahr 2012 umgerechnet etwa 55 Millionen Euro an die Häftlinge und etwa die gleiche Summe an deren Angehörige überwiesen. Das entspricht etwa 16 Prozent der ausländischen Zuwendungen an die Palästinenser für den Aufbau ihres künftigen Staates. Weitere Summen werden vom Wohlfahrtsministerium und aus anderen Quellen an die Angehörigen von Selbstmordattentätern gezahlt. Mit ihren millionenschweren Hilfsgeldern an die palästinensische Autonomiebehörde finanzieren somit die westlichen Staaten wie Deutschland oder die USA den Terror gegen Israel.

In dem Staat in dem der Judenmord bisher am effektivsten organisiert und durchgeführt wurde, ist in den entsprechenden Massenmedien mit ihren Leserspalten so gut wie keine Solidarität mit den jüdischen Opfern zu erkennen. Im Gegenteil, die Opfer werden wieder einmal zu Tätern gemacht. Die israelische Regierung wird dafür verurteilt die Täter zu suchen. Susanne Kaul unterstellt (wie auch andere Lohnschreiber)  Israels Regierungschef Netanjahu in der TAZ die Entführung für seine Zwecke auszunutzen. Die Tagesschau erzeugte den Anschein, dass es sich nur “mutmaßlich” um eine Entführung handelt und dass die Jungen vielleicht nur “verschwunden” seien. Kein Wort in der Tagesschau über die öffentlich zur Schau gestellte Freude der palästinensischen Bevölkerung über die Entführung. Julia Amalia Heyer behauptet im Spiegel wahrheitswidrig dass „drei junge Sieder“ entführt worden wären und meint zudem: „Seit längerem befindet sich die Bewegung in einer derart unkomfortablen Lage, dass die Wahrscheinlichkeit, dass sie tatsächlich für die Entführung verantwortlich zeichnet, eher gering scheint. Denn damit würden die Islamisten nicht nur die so junge wie fragile Versöhnung mit den “Fatah-Brüdern” gefährden, sondern auch, und zwar massiv, die Bevölkerung im Gazastreifen, die bereits seit Monaten darbt.” Obwohl der Führer der Hamas Ismail Haniyya ständig die Entführung von Juden fordert um wie im Fall Gilad Schalit palästinensische Terroristen freizupressen kann Frau Heyer nicht glauben, dass die Hamas zu diesem Mittel greifen könnte. Nach langen Monaten der Abstinenz von „Israelkritik“ meldete sich der Herausgeber des „israelkritischen Freitags„, der vom Simon Wiesental Center ausgezeichnete Journalist Jakob Augstein in Spiegel Online zu Wort: “ Israels früherer Botschafter in Deutschland Schimon Stein hat darum in einem Zeitungsartikel geschrieben, seit der palästinensischen “Versöhnung” sei es “das Ziel Jerusalems, einen Keil in die palästinensische Regierung zu treiben und sie international zu diskreditieren”. Wie ginge das besser, als durch die Beschuldigung der Hamas, drei israelische Jugendliche entführt zu haben? Aber umgekehrt wird auch ein Schuh daraus: Es macht für die Hamas in Wahrheit gar keinen Sinn, ausgerechnet jetzt die Regierung zu destabilisieren, in die sie gerade eingetreten ist. Es sind nur die Hardliner auf beiden Seiten – palästinensische und israelische – die vom Verschwinden der drei Jugendlichen profitieren werden. Und der Nahe Osten kommt einem Frieden wieder einmal keinen Schritt näher.” Noch einen Schritt weiter geht eine besorgte Leserbriefschreiberin in der TAZ: „ich frag mal ganz ganz vorsichtig an, wie sich DIG verhalten wird, sollte sich herausstellen, dass die zwei jugendlichen und der eine erwachsene NICHT von palästinensern entführt wurden, sondern – unaussprechlich? – von radikalen siedlern. hält DIG dann mahnwachen für die getöteten, verletzten, verschleppten palästinenserinnen? startet es eine sammlung, um aufgesprengte haustüren und land/wirtschaftliche schäden ersetzen zu helfen?“

Es bleibt festzuhalten: Die Entführung und Ermordung von jüdischen Kindern, weil sie jüdische Kinder sind, geht dem deutschen Mainstream nicht an die Nieren. Es ist die „unangemessene“ Verfolgung von antisemitischen, menschenverachtenden, einen islamistischen Gottesstaat anstrebenden Terroristen, die sie fassungslos macht.  Mahnend meinte Außenminister Frank-Walter Steinmeier in einer Presseerklärung: „Wir hoffen, dass trotz des unendlichen Schmerzes über den Verlust dieser drei jungen Menschen das Streben nach Frieden das Handeln in den kommenden Tagen bestimmt“. Die Hamas entführt und ermordet drei Jugendliche, die “Palästinenser” feiern das Verbrechen und die Mörder, doch Steinmeiser erhebt seinen Zeigefinger gegen Israel. Parteichef Sigmar Gabriel, der einst Israel auf seiner Facebookseite ein „Apartheid-Regime, für das es keinerlei Rechtfertigung gibt“ nannte, dürfte mit seinem Parteifreund zufrieden sein.

Als Hans Martin Schleyer von der RAF entführt und anschließend ermordet wurde hörten sich die bundesdeutschen Presserklärungen, die Artikel der Mainstreampresse, sowie die Leserbriefe dergleichen anders an. Ob es daran gelegen haben mag, dass der damalige Arbeitgeberpräsident kein jüdisches Kind, sondern während des 2. Weltkrieges als SS-Untersturmführer in Böhmen und Mähren für die Arisierung der tschechischen Wirtschaft und die Beschaffung von Zwangsarbeitern für das Deutsche Reich zuständig war? Franz Josef Strauß wollte jedenfalls damals mit großen Teilen der deutschen Bevölkerung die Gefangenen der RAF an die Wand stellen und erschießen lassen und Bundeskanzler Helmut Schmidt zeigte kein Interesse über einen Frieden mit der RAF zu verhandeln und wurde weder von seinem Außenminister noch von irgendwelchen Journalisten dazu aufgefordert.

Am 27. Juni 1976 entführten die linksradikalen deutschen Terroristen Wilfried Böse und Brigitte Kuhlmann mit zwei palästinensischen Kämpfern, der „Volksfront zur Befreiung Palästinas“, ein Flugzeug der Air France über Athen mit 250 Passagieren an Bord. In Entebbe selektierte Wilfried Böse in bekannter deutscher Tradition 107 Juden von 143 Nicht-Juden. Mit der „Operation Thunderbolt“ befreite Israel damals die entführten Juden, wobei alle Entführer ums Leben kamen. Deutsche „Israelkritiker“ kritisierten damals die israelische Befreiungsaktion als „flagrante Verletzung der Souveränität Ugandas“, vergleichbar wie heute die Suche nach den entführten Jugendlichen und der Versuch der Ergreifung der Terroristen von „ehrbaren Antisemiten“ und vermeintlichen „Friedensfreunden“ kritisiert wird.

Die islamistische Hamas nahm den Mord von radikalen Israelis an dem palästinensischen Jugendlichen Mohammed Abu Chder  zum Anlass Israel mit einem Raketenteppich zu übersähen. Weil die israelische Regierung nun zurückschießt und die Raketenabschussrampen versucht zu zerstören, sind die Antisemiten dieser Welt fassungslos und ihre „Israelkritik“ wird wieder einmal zu Obsession.

Wie sagte Sartre vor Jahr und Tag in seinen “Überlegungen zur Judenfrage”: “Was der Antisemit wünscht und vorbereitet, ist der Tod des Juden.”

 

Erstveröffentlichung in Mission Impossible

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Johan Cruyff: El Salvador, Ajax Amsterdam und Voetbaltotaal

jocrVor dem Zweiten Weltkrieg und dem Einmarsch der Deutschen galt Amsterdam als das „Jerusalem Europas“. Für den Journalisten Egon Erwin Kisch war die niederländische Metropole die Stadt der „Fahrräder und Juden.“ Vor dem Einmarsch der Deutschen schien Amsterdam die Heimat der Juden schlechthin zu sein, wo sie sich mühelos assimilieren konnten. Die relative Toleranz, die Juden in den Niederlanden genossen wurde ihnen allerdings zum Verhängnis, da sie seit Jahrhunderten kein Pogrom gegen sie erlebten, fehlte ihnen das Vorstellungsvermögen für derartige Gräuel. Von den 140.000 Juden, die vor dem Zweiten Weltkrieg in den Niederlanden gezählt wurden, endeten 107.000 in den NS-Vernichtungslagern, von den 80.000 Amsterdamer Juden überlebten nur 5.000 den antisemitischen Terror. Mit 75% war der Anteil der niederländischen Juden, die Opfer der „Endlösung“ wurden, höher als in jedem anderen westeuropäischen Land. 98 Deportationszüge mit gut 100.000 Juden konnten die Niederlande ohne nennenswerten Zwischenfall verlassen. Die Deportation der Juden lief „wie am Schnürchen“, erklärte Adolf Eichmann stolz. Nach der Befreiung wurde fast eine halbe Millionen Niederländer registriert, die in irgendeiner Weise mit den Besatzern kollaboriert hatten. 120.000 von ihnen wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt und 34 wurden exekutiert.

Juden lebten vor allem im Südosten Amsterdams und genau dort war das Fußballstadion von Ajax Amsterdam. Die einzigen Institutionen im Amsterdamer Osten, in denen man vor dem Zweiten Weltkrieg keine jüdische Kultur vorfand, waren die holländische Nazi-Partei NSR und die Kirchen. Ajax wurde zwar von der starken jüdischen Kultur erfasst, war aber kein jüdischer Klub, gleichwohl verschiedene Juden den Klub geprägt haben. Von Anfang an hatte Ajax eine große jüdische Fanbasis. Der jüdische Künstler Rebbe Meyer de Hond, der 1943 in Sobibor ums Leben kam, beschwerte sich 1926 darüber, dass sich die Juden zu sehr um Ajax und zu wenig der Synagoge widmen würden. Rekordspieler von Ajax, wie Sjaak Swart, Bennie Muller und Johan Neeskens waren jüdischer Herkunft wie die Präsidenten Jaap van Praag oder Uri Coronel. Der milliardenschwere Immobilienmagnat Maup Caransa, der fast seine gesamte Familie im Holocaust verloren hatte war ein wichtiger Mäzen in den goldenen 1970er Jahren. Nicht Ajax als Klub, wohl aber ein informelles Netzwerk von Ajax-Mitgliedern und Anhängern, rettete viele Juden vor der Deportation in die Vernichtungslager. Einer dieser „rettenden Engel“ war Kuki Krol, Vater des späteren Ajax-Stars Ruud Krol, Kapitän der niederländischen Nationalmannschaft und Vize-Weltmeister 1978. Ruud Krol wuchs in der Nicuwinarket-Gegend auf und war mit Juden seit frühester Jugend bekannt. Kuki Krol, Mitglied einer Amsterdamer Widerstandsgruppe, versteckte während der Besatzung 14 Juden und rettete ihnen das Leben. Darunter auch George Horn, Bruder von Leo Horn, dem berühmtesten Schiedsrichter der niederländischen Fußballgeschichte.

Der Club gilt vielen Fußballfans aufgrund seiner Vergangenheit von daher als „Juden-Club“ und ist infolgedessen  der am massivsten mit Antisemitismus konfrontierte Spitzenklub des internationalen Fußballs. „Ajax ist ein Judenklub!“, „Hamas, Hamas – alle Juden ab ins Gas!“, „Wir jagen die Juden!“, „Der Ajax-Zug nach Auschwitz ist abfahrbereit!“ – solche und ähnliche Schmährufe begegnen den Fans und Spielern von Ajax Amsterdam bei ihren Auftritten in fremden Stadien. Eine lange Tradition haben die durchdringenden Zischlaute, mit denen die Ajax-Gegner auf den Rängen das Geräusch ausströmenden Gases imitieren. Tausende von Feyenoord-Fans hüpfen im Takt zum Schlachtruf „Wer nicht mit springt, ist ein Jude“. Ein großer Teil der Ajax-Fans beantwortet den Antisemitismus mit „Juden! Juden! Wir sind Super-Juden!“ und ähnlichen Sprechchören. Die Nationalflagge Israels und der Davidstern sind längst ein fester Bestandteile der Ajax-Folklore. Die Fans von Ajax lassen sich Davidsterne tätowieren und nennen sich selbst „Juden“, ohne welche zu sein. Die niederländische Fan-Gruppe „F-Side“ bezeichnet sich selbst als „geselliges Chaos“ und „kreativste und anarchistischste“ Fangruppe. Das Logo der „F-Side“ ist ein Davidstern mit einem „F“ in seiner Mitte, auch Ajax-Stern genannt. Ajax und Juden sowie Davidstern und Ajax-Stern werden in den Niederlanden häufig wie Synonyme behandelt. So beklagte sich ein Rabbi schon einmal darüber, dass Menschen auf der Straße bei seinem Anblick „Ajax“ gerufen hätten. Mit der Zeit wurden die prosemitischen Demonstrationen der »F-Side« mehr und mehr auch von den Mainstream-Fans getragen. Eine bestimmte Verbundenheit besteht im Verhältnis zwischen Israel und den Niederlanden, was speziell im Fußball seinen Ausdruck findet. Als Ex-Ajax-Star und Nationalspieler Ronald de Boer einmal die Äußerung tätigte: „Mein Schwiegervater heißt Cohen und sein Schwiegervater Polak. Es muss irgendeine Form von Bande zwischen mir und Israel geben“, füllte diese Bemerkung eine komplette Seite der israelischen Zeitung „Jediot Achronot“, schreibt Dietrich Schulze-Marmeling in „Davidstern und Lederball“.

Ajax Amsterdam ist neben dieser Historie vor allem mit einem Namen verbunden, mit Johan Cruyff, dem „Fußballer des Jahrhunderts“. Johan Cruyff war ein Kind des Amsterdamer Ostens, er wurde unweit vom Ajax-Stadion am 25. April 1947  in Akkerstraat geboren. Cruyffs Vater war ein kleiner Gemüsehändler, der starb als Sohn Johan zwölf Jahre alt war. Seine Mutter verdiente nach dem Tod ihres Mannes mit Putz- und Kantinenarbeiten bei Ajax das nötige Geld zum Leben. Johan Cruyff besaß mehr jüdische Freunde und jüdische Verwandte als so mancher niederländische Jude. Seine Tante war mit einem jüdischen Diamantenhändler verheiratet. Seine Schwägerin hatte ebenfalls einen Juden zum Mann. Ihr Sohn, zu dem Cruyff eine enge Beziehung unterhält, wurde ein Orthodoxer und ging nach Jerusalem. Am 15. November 1964 debütierte der 18-jährige Cruyff in der ersten Liga für Ajax Amsterdam, wo er in den folgenden neun Jahren in 364 Spielen 266 Tore schoss. 1965 übernahm der „General“ Rinus Michels Ajax Amsterdam und legte mit seiner offensiven Spielweise und der Auflösung der starren Positionen die Grundlagen für den „Totalen Fußball“. Johan Cruyff wurde neunmal niederländischer Meister, sechsmal niederländischer Pokalsieger, von 1971 bis 1973 dreimal Europapokalsieger der Landesmeister, spanischer Meister und Pokalsieger, Europas Fußballer des Jahres 1971,72 und 1973. Für Niederländer seiner Generation war Johan Cruyff mehr als nur ein Fußballer. Flubert Smeets, Politik- und Kulturkommentator des NRC Handelsblad, sieht in ihm den hauptsächlichen Vertreter jener kulturellen, politischen und sozialen Revolution, die die Niederlande in den 1960ern von einem rückständigen Land zu einer der progressivsten Adressen in Europa transformiert habe. Wie keinem anderen seiner Generation sei es Cruyff gelungen, eine Verbindung von Kollektivismus und Individualismus zu realisieren.

1973 wechselte der „unangepasste Mittelstürmer“ von Ajax Amsterdam nach Barcelona, wo er sofort zum Publikumsliebling wurde. Der Trainer der Katalanen hieß bereits seit 1971 Rinus Michels. Es war die Zeit als die Katalanen anfingen, sich gegen das Regime des „Generalissimo“  zur Wehr zu setzen. Johan Cruyff sagte zu seinem Wechsel, „ er habe sich für Barcelona und gegen Madrid entschieden, weil er nicht für einen Club spielen könne, der mit einem Diktator assoziiert wird“. Obwohl in Franco-Spanien der Vorname Jordi (Schutzpatron Kataloniens) seinerzeit verboten war, bekam Cruyffs Sohn diesen Namen. Die Eltern umgingen das Verbot, indem sie den Namen in den Niederlanden eintragen ließen. Diese offene Auflehnung gegen Franco trug zu Johan Cruyffs Kultstatus in Katalonien und zur Verehrung als „El Salvador“ bei.  85 Tore in 227 Spielen und der erste Meistertitel für Barcelona seit 1960 waren die stolze Bilanz. Johan Cruyff war einer der besten Spielmacher der Fußballgeschichte, er war der Star des „totalen Fußballs“.  Ähnlich erfolgreich arbeitete er nach seiner Spielerkarriere als Trainer für Ajax Amsterdam und den FC Barcelona. 1988 wird „El Salvador“ der Trainer des FC Barcelona. Die Demokratie hat sich etabliert und die Stadt erlebt eine kulturelle und soziale Renaissance. Cruyff reformierte die Nachwuchsarbeit in La Masia, der Jugendakademie des FC Barcelona. Es wird fast ausschließlich mit dem Ball trainiert. Spielkontrolle, Kurzpässe, stetes Rotieren sind die Aufgaben in allen Altersklassen. „Tiki Taka“ und der moderne „Sechser“ wurden von Cruyff erfunden. Pep Guardiola, der jetzige Bayern-Trainer übernahm die Rolle als „Sechser“ und wurde der Spielgestalter aus der Tiefe und Bindeglied zwischen Abwehr und Angriff. Mit Pep Guardiola verbindet Johann Cruyff bis heute eine große Freundschaft. In seiner Zeit als Barca-Trainer musste sich der Kettenraucher Cruyff einer komplizierten Herzoperation unterziehen, seitdem stellte er das Rauchen ein und beteiligt sich an Anti-Raucher-Kampagnen. Die größte sportliche Niederlage der „Nummer 14“ bleibt freilich das verlorene WM-Finale 1974 in München. Beckenbauer sagte später: „Johan war der bessere Spieler, aber ich bin Weltmeister.

Johan Cruyff, des Hebräischen mächtig, gegenüber jüdischen Angelegenheiten aufgeschlossen und an den Problemen des jüdischen Staates stets interessiert, genießt in Israel große Popularität. Der israelische Fußballanalytiker und Philosoph Saggie Cohen ist davon überzeugt: „Würde Cruyff in Israel eine politische Partei gründen, wären ihm in der Knesset zwei bis drei Sitze garantiert. Johan Cruyff würde von vielen Israelis wie ein Ehrenbürger ihres Staates betrachtet.“ Während der großen Fußballturniere hat Cruyff oft Kolumnen für Israels großen Tageszeitungen geschrieben und manchmal stand darunter: „Speziell für Israel“. Im letzten Jahr ehrte Johan Cruyff in Yad Vashem Familienangehörige, die während der Schoa ermordet wurden. Bei seiner Reise nach Israel besuchte er außerdem Sohn Jordi, der seit vergangenem Sommer als Sportdirektor bei Maccabi Tel Aviv arbeitet, um ihm zu gratulieren, denn der Club ist neuer israelischer Fußballmeister.

Wie sehr die „Nummer 14“ in Israel verehrt wird belegt eine Begebenheit während des Golfkrieges. Als Israels Bevölkerung während des Golfkrieges 1991, vor dem Fernseher saß, in ständiger Furcht vor irakischen Raketenangriffen mit Scud-Raketen und der Drohung diese Raketen seien mit Giftgas bestückt, wurden die Nachrichten unterbrochen, um das Fernsehpublikum über die Herzoperation von Johan Cruyff zu informieren.

Quelle: Dietrich Schulze-Marmeling – Davidstern und Lederball: Fahrräder, Juden, Fußball: Ajax Amsterdam – Verlag: Die Werkstatt (10. April 2003)

Erstveröffentlichung in Mission Impossible

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