Das Blog fidelche

Gastbeitrag von thinktankboy:

1 Gott, der Herr, nahm also den Menschen und setzte ihn in die Community von Berlin, damit er ihn beblogge und hüte.
2 Dann gebot Gott, der Herr, dem Menschen: Von allen Seiten des Internets darfst du lesen und verlinken,
3 doch vom Blog des fidelche, das Blog der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht lesen; denn sobald du davon liest, wirst du deaktiviert.
4 Das Internet war schlauer als alle Bücher, die Gott, der Herr, gemacht hatte. Das Internet sagte zu der Frau: Hat Gott wirklich gesagt: Ihr dürft nicht vom Blog des fidelche lesen und verlinken?
5 Die Frau entgegnete dem Internet: Von allen Seiten des Internets dürfen wir lesen;
6 nur vom Blog des fidelche, der in der Mitte des Internets steht, hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht lesen und daran dürft ihr nicht verlinken, sonst werdet ihr deaktiviert.
7 Darauf sagte das Internet zur Frau: Nein, ihr werdet nicht deaktiviert, wenn doch, könnt ihr euch ein eigenes Blog machen.
8 fidelche weiß vielmehr: Sobald ihr davon lest, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie fidelche und erkennt Gut und Böse.
9 Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, vom Blog des fidelche zu lesen, dass das Blog eine Augenweide war und dazu verlockte, klug zu werden. Sie nahm von seinen Worten und las; sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und auch er las.
10 Da gingen beiden die Augen auf und sie erkannten, dass sie dumm waren. Sie hefteten ausgedruckte Blätter zusammen und machten sich einen Schnellhefter.
11 Als sie Gott, den Herrn, im Garten gegen den Tagwind einherschreiten hörten, versteckten sich Adam und seine Frau vor Gott, dem Herrn, hinter den Displays ihres Arbeitsplatzes.
12 Gott, der Herr, rief Adam zu und sprach: Wo bist du?
13 Er antwortete: Ich habe dich im Garten kommen hören; da geriet ich in Furcht, weil ich noch nicht genug gelesen hatte, und versteckte mich.
11 Darauf fragte er: Wer hat dir gesagt, dass du noch nicht genug gelesen hast? Hast du von fidelches Blog gelesen, von dem zu lesen ich dir verboten habe?
12 Adam antwortete: Die Frau, die du mir beigesellt hast, sie hat mir von fidelches Blog erzählt und so habe ich gelesen.
13 Gott, der Herr, sprach zu der Frau: Was hast du da getan? Die Frau antwortete: Das Internet hat mich verführt und so habe ich gelesen.
14 Da sprach Gott, der Herr, zum Internet: Weil du das getan hast, bist du verflucht / unter allem elektronischem Zeugs. / Auf dem Schreibtisch und in Rechenzentren sollst Du stehen / und Strom fressen alle Tage deines Lebens.
15 Feindschaft setze ich zwischen dich und die Frau, / zwischen deinen Nachwuchs und ihren Nachwuchs. / Er trifft dich am Kopf / und du triffst ihn an der Ferse.
16 Zur Frau sprach er: Viel Mühsal bereite ich dir, sooft du schwanger wirst. / Unter Schmerzen gebierst du Kinder. / Du hast Verlangen nach deinem Mann; / er aber wird über dich herrschen.
17 Zu Adam sprach er: Weil du auf deine Frau gehört und vom Blog des fidelche gelesen hast, von dem zu lesen ich dir verboten hatte: So ist verflucht das Internet deinetwegen. / Unter Mühsal wirst du von ihm lesen / alle Tage deines Lebens.
18 Blue Screens und hohe Stromkosten sollen dir erwachsen / und die Boulevard-Presse  musst du lesen.
19 Im Schweiße deines Angesichts / sollst du dein Blog lesen, / bis du zurückkehrst zum Comicheft; / von ihm bist du ja gekommen. / Denn Vernunft verbot ich dir, zur Unterwürfigkeit musst du zurück.
20 Dann sprach Gott, der Herr: Seht, der Mensch ist geworden wie wir; er erkennt Gut und Böse. Dass er jetzt die Hand ausstreckt, auch vom Blog des fidelche liest und ewig klug ist!
21 Die Menschen benutzten ihr Gehirn verabschiedeten sich freundlich von Gott, gingen weg, machten ihr eigenes Blog und waren klug, fortschrittlich, emanzipatorisch und glücklich.

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Für die Nicht-Freitags-Community-Leser zum Verständnis des Textes:
1.Die Kommentare auf Petra Pau kritisiert Free-Gaza, sind entscheidend, um den obigen Text zu verstehen. In der Freitags-Community ist es verboten Links auf „fidelches“ Blog zu setzen! Siehe Kommentare.
2. Zum Anderen muss man wissen, dass sich in der Freitags-Community viele BibelanhängerInnen befinden. Vor allem die vielen weiblichen Anhängerinnen (auch Betonbloggerinnen oder „Damen“ genannt) der alten „heiligen“ Schriften lassen keine Kritik an diesen zu. Laut dieser sogenannten Bibelexpertinnen (sie glauben an Göttinnen) haben die Religionen nichts Frauenfeindliches.

3. Vielen Dank für die Anregungen an den Schreiber des Textes „Das Buch Genesis, Kapitel 3“

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  1. #1 von skeptikerin am August 27, 2010 - 08:31

    Ein Jahrhunderttext! Ich habe bereits bei Thinktankboy sehr gelacht.Arme Freitags-Community.

  2. #2 von bat am August 27, 2010 - 11:10

    weißte, skeptikerin ..der jahrhunderttext ist das buch Genesis (b'reshit). wobei jahrhunderttext noch untertrieben ist. in dem buch, vor allem in den sog. patriarchengeschichten kannst du nämlich einen personenstands-, ehe- und familienrechtlichen paradigmenwechsel nachlesen: vom von beiden seiten frei ausgehandelten vertrag zum einseitig rechte und pflichten festlegenden formularvertrag. das, was da in den geschichten an ideen verarbeitet wurde, das kannst du heute noch finden, beispielsweise in einem satz wie: sie schenkte ihm ein kind.das dumme ist, dass fidelche glaubt, das frauenfeindliche stecke in der/den religion/en. das ist ein folgenschwerer irrtum. denn das frauenfeindliche steckt in der/den gesellschaft/en (verkürzt gesagt).das spannende ist, an solchen religiösen texten das gesellschaftliche in seiner ganz spezifisch historischen form wieder herauszufummeln. ich halte solche fummelei für nötig und nützlich, weil sie uns heute noch vorfindliche deutungsmuster des alltagslebens erklären kann. was ttb gemacht hat ist eine persiflage. kann mann machen – mache ich auch manchmal … ist lustig, kann mensch drüber lachen, auch herzlich. und lachen ist ja bekanntlich gesund…

  3. #3 von Anaxagoras am August 28, 2010 - 08:53

    Rahab schrieb am 26.07.2010 um 17:14 …könnte es sein, dass sich die redaktion durch diesen blog aus fidelches cosmosfidelchescosmos.blogspot.com/2010/06/ist-der-freitag-eine-antisemitische.htmlso arg unter druck gesetzt fühlt, dass sie nichts zu unternehmen gedenkt? wenn dem so wäre, dann sollte die redaktion dies erklären. dann kann jede_r, wo will, ja überlegen, wie sie/er sich ggf. schützend vor die redaktion stellt.Jan Jasper Kosok schrieb am 26.07.2010 um 17:46 Noch ein letztes Mal, für die, die es offensichtlich nicht verstanden haben. Diese Blogs sind hier Tabu.Rahab: Gelb. Warum? Weil zwei Kommentare höher noch darum gebeten wird nicht zu verlinken.Beste Grüße,JJKUwe Theel schrieb am 26.07.2010 um 18:05 @ Jan Jasper Kosok am 26.07.2010 um 17:46Unter Linken Tabus zu haben ist nicht ohne.Aber selbst dann: Was ist denn da für den Freitag und seine Bloggerschaft vom Freitag zum „Tabu“ erklärt worden?…Erwachsene Menschen lassen sich vorschreiben worauf sie verlinken dürfen!!! Es gibt ein Tabublog für die Freitagsblogger!!!!Hört sich das nicht irgendwie nach Westfernsehverbot und Englandsenderverbot an? Das soll eine linke Community sein? Sind das demokratische Strukturen? Wie war das eigentlich mit der Stasi? Warum lassen sich erwachsenen Menschen vorschreiben was sie lesen dürfen?Das Ganze dagegen in die Genesis und die "Vertreibung aus dem Paradies" zu verpacken ist genial!!!

  4. #4 von deragnostiker am Dezember 20, 2010 - 09:58

    Genial

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