Archiv für die Kategorie Kapitalismuskritik

Die Lebensreformbewegung und die Wutbürger von gestern

„So fruchtbar auch die Übernahme des Freudschen Regressionsbegriffes für die Sozialpsychologie sich erweist, er hat seinen Stellenwert lediglich im dialektischen Zusammenhang der Verdrängung; nicht als eine Art von autonomem, wenn auch durch die „Krise“ vorgezeichnetem Rückgriff. Echt regressiv und eben darum unbewußt sind jene anal-sadistischen Motive, die von der Kontrolle der Kochtöpfe an Sonntagen über Rasse-Denunziationen und Sumpfentwässerungen zu Säuberungsaktionen und dem Schlimmsten führen. Dagegen ist die Romantik der Beschwörung alter Gesellschafts- und Bewußtseinsformen als „manifester Trauminhalt“, wie Deutschglaube, Sippe, Allodialverfassung, germanisches Recht bloß verhüllend: sie sollen die sonst unerträgliche Verdinglichung durch ein freilich unbewußt gespeistes Zeremonial in den Zustand der Unmittelbarkeit umdeuten und damit psychologisch das Leiden unter dem Kapitalismus paralysieren, ohne am gesellschaftlichen Zustand etwas zu ändern.“ Theodor W. Adorno: Vermischte Schriften I/II: Neue wertfreie Soziologie

lebensreform

Seit Jahrhunderten lechzen Menschen inmitten wirtschaftlicher Krisen oder gesellschaftlichen Umbrüchen nach einfachen Erklärungen und rettenden Auswegen. So entstand in Reaktion auf Industrialisierung, Materialismus und Urbanisierung Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland  die sogenannte Lebensreformbewegung. Die Entwicklungen der Moderne wurden in dieser Bewegung als Verfallserscheinungen angesehen und eine “Erlösung” versprachen sich die überwiegend völkischen, antisemitischen und eugenischen Esoteriker mit ihren “Reformen”.  Die Lebensreformbewegung propagierte ein einfaches, natürliches Leben mit gesunder Ernährung, frischer Luft und Bewegung, statt Erotik eine nordische Freikörperkultur plus Rassenhygiene und Eugenik, einer Menschenzucht, die sich am Ideal blond, groß, muskulös orientierte. Ihr angeblicher dritter Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus beinhaltete einen agrarisch-handwerk­lichen “fairen” Kleinkapitalismus, vor­zugsweise in ländlichen Siedlungen und mit zinsfreiem Geld.

Im Jahr 1883 wurde der “Deutsche Verein für Naturheilkunde und für volksverständliche Gesundheitspflege” gegründet und gleichzeitig erfuhr die “alternativmedizinische Methode” der Homöopathie verstärkten Zulauf. Der Maler und Kulturreformer Karl Wilhelm Diefenbach (1851–1913) gilt mit Heinrich Pudor (1865-1943) als Pionier der völkisch-nationalen Freikörperkultur, die Teil der Lebensreformbewegung war. Nacktheit war das Gegenmittel gegen die angebliche Degeneration der Menschen als Folge der Zivilisation. Der völkische Antisemit Richard Ungewitter (1869-1958) gründete 1910 die Loge für “aufsteigendes Leben” und warb für „strenge Leibeszucht“ und „nackte Gattenwahl“ mit dem Ziel, gesunde und „rassereine“ Nachkommen zu zeugen. Ungewitter meinte: „Würde jedes deutsche Weib öfter einen nackten germanischen Mann sehen, so würden nicht so viele exotischen fremden Rassen nachlaufen. Aus Gründen der gesunden Zuchtwahl fordere ich deshalb die Nacktkultur, damit Starke und Gesunde sich paaren, Schwächlinge aber nicht zur Vermehrung kommen.“ Die Werte der FKK Bewegung, die von der Wandervogelbewegung unterstützt wurde, waren kompatibel mit der NS-Ideologie.

Die Ernährungsreform, Landkommunen, die Gartenstadtbewegung, die Anthroposophie von Rudolf Steiner (1861-1925), Silvio Gesells Freiland- und Freigeldlehre sowie die Reformpädagogik  waren weitere wichtige Bereiche der Lebensreform. Rudolf Steiners “völkische Revolution”, war durchtränkt von Antihumanismus, Irrationalität, Rassismus und Antisemitismus. Er gab einflussreiche Anregungen für die Waldorfpädagogik, die anthroposophische Architektur,  Medizin,  sowie für die biologisch-dynamische Landwirtschaft. In Silvio Gesells (1862-1930)   Hauptwerk “Die natürliche Wirtschaftsordnung”  versprach der Zinskritiker, der in „gutes schaffendes“ und „böses raffendes Kapital“ unterschied,  die Lösung der kapitalistischen Widersprüche. Mit Einführung eines “Schwundgeldes” wollte Gesell verhindern, dass Geld gehortet und Zins abgeschöpft wird. Einer der engsten Mitarbeiter Gesells war der Ernährungsreformer Gustav Simons, ein Mitglied des „Ordens des Neuen Tempels“ von Lanz von Liebenfels (1874-1954), der Antisemitismus, Arierwahn und Germanenmythen verknüpfte und die Hakenkreuzfahne führte. 1895 war Simons auch Gründungsmitglied der Lebensreformer-Obstbaugenossenschaft Oranienburg-Eden bei Berlin. In einem Programmheft von Eden heißt es 1917: „Zum „natürlichen“ Leben in der Siedlung sei vegetarische Ernährung und „deutschvölkische Gesinnung Voraussetzung. Und dazu befähigt nur deutsches Ariertum“.  Ein enger Mitarbeiter Gesells, Rolf Engert (1889-1962) formulierte 1919 eindeutig: „Völkisches Empfinden duldet keine Zinsknechtschaft.“ Ebenso kooperierte Gesell mit Theodor Fritsch, der den Hammer Verlag gründete und dort zahlreiche antisemitische Propagandaschriften, darunter die deutsche Übersetzung der Protokolle der Weisen von Zion sowie seinen Antisemiten-Katechismus „Handbuch der Judenfrage“ herausgab. Gesell zog 1911 erstmals nach Eden, wo er auch seine letzten Jahre verbrachte. 1918 beteiligte sich Gesell mit einem Text an dem Buch „Deutschlands Wiedergeburt durch Blut und Eisen“, das Richard Ungewitter herausgab. Gesell lehnte Frauenemanzipation ab und behauptete, die natürliche Berufung einer Frau sei die Mutterschaft. Seine Mutterrente sollte Frauen sowohl von der Erwerbsarbeit als auch von der Versorgungsehe befreien. Sie sollten sich voll und ganz auf eine „Hochzucht“ der Menschheit konzentrieren und nur erbbiologisch wertvolle Männer als Partner akzeptieren.

Die Lebensreformbewegung lieferte den Nazis nicht nur Ideen sondern auch Personal. Der führende NS-Rassenhygieniker Alfred Ploetz kam aus der Lebensreformbewegung, der Eugeniker und Antisemit Theodor Fritsch engagierte sich in der Gartenstadt-Bewegung. Der Landschaftsarchitekt Alwin Seifert  sorgte als „Reichslandschaftsanwalt“ dafür, dass die Seitenstreifen der neuen Autobahnen mit heimischen Bäumen bepflanzt wurden. Steppenlandschaften bezeichnete er als „undeutsch“ und forderte, von der Wehrmacht die im Osten eroberten Gebiete mittels Feldhecken „einzudeutschen“. Außerdem war Seifert für den Kräutergarten der SS im KZ Dachau beteiligt, in dem biologisch-dynamische Anbaumethoden getestet wurden. Seifert wurde nach dem Krieg Ehrenvorsitzender des Bundes Naturschutz. Der „grüne Flügel“ in der NSDAP  um Walther Darré und Alwin Seifert  schwärmte für regenerative Energien, alternative Heilkunst und biologische Landwirtschaft. Landwirtschaftsminister Walther Darré kooperierte mit Demeter, Weleda und den anthroposophischen, biologisch-dynamischen Landwirten. Die Artamanen innerhalb der NSDAP verbanden den völkischen Okkultismus der Ariosophie mit der Naturschwärmerei der Lebensreform, den Ideen der Naturschutzbewegung und dem Kulturpessimismus Oswald Spenglers. Sie verherrlichten die Bauern als die einzigen “organischen Menschen” und predigten die Abkehr von der “internationalen Asphaltkultur der Großstädte”.

Mit der NSDAP erlebte die verkürzte Kapitalismuskritik einen zwischenzeitlichen Höhepunkt. Gottfried Feder schrieb im 25 Punkte-Programm der NSDAP ab Seite 22: „Die Wirtschaft, ob groß oder klein, Schwerindustrie oder Kleingewerbetreibender, kennen nur ein Ziel: “Profit”, sie haben nur eine Sehnsucht: “Kredit”, nur eine Aufwallung: die “gegen die Steuern”, nur eine Furcht und namenlose Hochachtung: die “vor den Banken” und nur ein überlegenes Achselzucken über die nationalsozialistischen Forderung der “Brechung der Zinsknechtschaft”. Alle drängen sich danach, “Schulden zu machen”. Die maßlosen Wuchergewinne der Banken, die ohne Müh und Arbeit, als Tribut vom Leihkapital erpreßt werden, findet man durchaus in der Ordnung. Man gründet eigene “Wirtschaftsparteien” und stimmt für die Dawesgesetze, die die Grundursache für die maßlosen Steuerlasten sind. Man stürzt sich in tiefe Zinsknechtschaft, schimpft über Steuern und Zinsen und erstirbt vor Hochachtung vor jedem Bankier und Börsenpriaten. Verwirrt sind die Hirne! Die Ganze Wirtschaft ist entedelt, entpersönlicht, in Aktiengesellschaften umgewandelt worden. Die Schaffenden haben sich selbst ihren größten Feinden in die Hände gegeben, dem Finanzkapital. Tief verschuldet, bleibt den Werteschaffenden in Werkstatt, Fabrik und Kontor nur karger Lohn, jeder Gewinn der Arbeit fließt in die Taschen der anonymen Geldmacht als Zins und Dividende. Die Leute, die die wirtschaftliche Vernunft in Pacht genommen haben, wissen das entstandene Chaos nicht zu bändigen. Von oben ausgepreßt durch Steuern und Zinsen, von unten bedroht durch das unterirdische Grollen der betrogenen Arbeitermassen, haben sie sich in wahnwitziger Verblendung dem Finanzkapital und seinem “Staat” an den Hals geworfen und werden von den Nutznießern und Ausbeutern des heutigen Chaos doch nur als Sklavenhalter über die Massen des arbeitenden Volkes geduldet. […] Das Volk in allen seinen Berufsständen bekommt die Zinspeitsche zu schmecken, jeder Bevölkerungsschicht sitzt der Steuereintreiber im Nacken, – aber wer wagt der Allmacht des Bank- und Börsenkapitals entgegenzutreten? Diese Allmacht des Leihkapitals zeigt sich darin, daß es, entgegen allen sonstigen irdischen Erfahrungen, ohne Mühe und Arbeit durch Zins, Dividende und Rente aus sich selbst heraus gewissermaßen wächst, immer größer und gewaltiger wird. Der teuflische Grundsatz der Lüge siegt über den Ordnungsgrundsatz der schaffenden Arbeit. Brechung der Zinsknechtschaft heißt hier unser Feldgeschrei. […] Der Kampf gegen das internationale Finanz- und Leihkapital ist zum wichtigsten Programmpunkte des Kampfes der deutschen Nation um ihre Unabhängigkeit und Freiheit geworden.”

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der anschließenden wirtschaftlichen  Globalisierung veränderte sich das politische Koordinatensystem. Es folgten die Anschläge vom 11. September und eine Weltwirtschaftskrise mit schwerwiegenden gesellschaftlichen Umbrüchen, weshalb sich viele Menschen wieder nach einfachen Erklärungen und rettenden Auswegen sehnten. Die Wutbürger von gestern kämpfen heute, oftmals mit antiwestlichem Furor, den Juchtenkäfer beschützend, gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 oder mit einem Faible für Irrationalität gegen das die “Welt aussaugende Finanzkapital”. Die Zinskritiker und Freiwirte sind bei Attac oder der sogenannten Occupy-Bewegung angekommen. Mit ihrer regressiven Kapitalismuskritk docken die Wutbürger bei Antiglobalisierungs-Vordenker Silvio Gesell und dem NSDAP “Wirtschaftsexperten” Gottfried Feder an. Bei den Wutbürgern gegen den Zins wird die Aversion gegen das Abstrakte überdeutlich. Das auch die Ware Geld ihren Preis hat, verdrängen die neuen Revolutionäre, ihr Hass gegen die Spekulanten ist zu groß. Das große Idol vieler Wutbürger ist der Kabarettist Georg Schramm, seines Zeichens „zorniger Bürger“, Kleinkünstler, Zinskritiker und Freund von Silvio Gesells Regionalgeld.

Georg Schramm bewies sein Gespür für den Zeitgeist, als er am 12. November 2011 vor dem Frankfurter Sitz der europäischen Zentralbank im zinskritischen Zeltlager von “Blockupy Frankfurt” eine Rede hielt, in der er unter anderem meinte: „Wenn Gott seine Welt liebt und die Menschen auch und wenn er ein alttestamentarischer, zorniger Gott ist, dann war sein Timing für die Katastrophe perfekt […]. Wenn die Kernschmelze [im Finanzbereich] solche Folgen hätte wie Fukushima, her mit der Kernschmelze! […] Ich habe übrigens den Begriff des zornigen Gottes gewählt, weil es ein Klassiker ist [!], die jungen Leute hier können das nicht wissen. […]  Das ist lange her, das war zu den Zeiten, wo die Päpste noch nicht mit der Macht liiert waren und noch gegen den Zinswucher [!] gepredigt haben. Papst Gregor hat damals gesagt, die Vernunft kann sich mit größerer Wucht dem Bösen entgegenstellen, wenn der Zorn ihr dienstbar zur Hand geht. […] Für alle, die missmutig sind, dass ich hier Päpste zitiere, das kann ich im Prinzip verstehen, sei darauf hingewiesen: Das bis zu Beginn der Mittelalters nicht nur die katholische Kirche, sondern das überhaupt alle Weltreligionen immer über viele Jahrhunderte den Zinswucher als einer der größten Sünden bezeichnet haben. Die katholische Kirche ist erst dann davon abgerückt, als sie mit den ersten Banken die es  gab, nämlich mit den katholischen Banken, angefangen hat, damit Geld zu verdienen. Erst dann ist es schief gegangen. Früher war der Banker noch Geldverleiher, diesen Ruf, diesen gesellschaftlichen Status […] sollten wir ihm wieder besorgen! Es war ein unehrenhafter Beruf, den ein ehrbarer Mensch nicht ausüben wollte und die Nonnenmacher und Ackermänner dieser Erde mussten den  Dienstboteneingang nehmen um ins Schloss der Mächtigen zu kommen.“

Dominique Goubelle schreibt über diese Rede in “Bohème und Brettl revisited” treffend: “Georg Schramm, der mit seinem autoritären Parteisoldatenimage im neuen Deutschland gar nicht so recht für diese Rolle prädestiniert erscheint, gar schon anachronistisch wirkt, repräsentiert in seiner Funktion als Kabarettist und deutscher Kleinkünstler doch auch exemplarisch ein Milieu, eine Melange aus Künstlerimage und politischem Engagement, das meist zielsicher beim Antisemitismus landet. (..) Hinzugefügt sei noch mit Blick auf die heutige (klein)künstlerisch verbrämte Politikmacherei, wie man sie bei Schramm oder diversen Occupy-Aktivitäten findet, dass sie auf Eso-Kitsch und Lebensreform zugunsten eines sich militant gebenden Antikapitalismus ganz gut verzichten kann, den Hass auf die Agenten der Zirkulation und die mit ihnen als westlich gebrandmarkte Zivilisation aber als einendes Moment und Welterklärung beerbt, wie es auch im Verhältnis vieler Nazis zur Lebensreformbewegung der Fall war.”

Im Jahre 2008 schwamm Georg Schramm in der „Anstalt“ des ZDF wieder einmal mit dem Strom indem er die antiisraelischen Vernichtungsdrohungen des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinejad wahrheitswidrig, aber zum Gefallen rechter und linker „Israelkritiker“ negierte: „Israel muß von der Landkarte getilgt werden – falsch!!“ – „Das Besatzungsregime Israels muß Geschichte werden – richtig“. Der beliebte „Wutbürger“ spricht von einem Übersetzungsfehler und vom „israelischen Besatzungsregime“ und damit seinen Anhängern aus der Seele.

Anstatt sich dieser „Ontologie der Reklame“ zu erwehren , anstatt sich wegen der stetig steigenden Arbeitsproduktivität um eine Arbeitszeitverkürzung zu bemühen, anstatt sich für eine Verkürzung des Renteneitrittalters einzusetzen, anstatt für höhere Löhne zu demonstrieren, anstatt sich mit den Regeln der Kapitalverwertung auseinanderzusetzen, träumen die Wutbürger von gelynchten „Gierigen“ und erwählen wieder einmal einen Sündenbock für die Krisen und Konflikte dieser Welt.  Die selbsternannten „99 Prozent“ interessieren sich kaum für die Überwindung der Kapitalverhältnisse,  ihren ist vermutlich nicht bewußt wie regressive Kapitalismuskritik und reaktionäre, antisemitische Ideologie die Menschheit schon einmal an den Abgrund führte.

Obwohl Theodor W. Adorno den „Oberstleutnant Sanftleben“, bzw. „Lothar Dombrowski“ nicht kannte schrieb er in „Spengler nach dem Untergang“: “Unterdessen gilt bereits an Auschwitz zu erinnern für langweiliges Ressentiment. Keiner gibt mehr etwas fürs Vergangene. Was auf das von Spengler so genannte Zeitalter der kämpfenden Staaten folgt, ist seiner Konstruktion zufolge eine im dämonischen Sinne geschichtslose Zeit: die Tendenz der gegenwärtigen Wirtschaft, unter Eliminierung des Marktes und der Dynamik der Konkurrenz einen statischen und im eigentlich ökonomischen Sinn „krisenlosen“ Zustand unmittelbarer Verfügung herbeizuführen, kommt mit Spenglers Prognose deutlich genug überein. Mehr und sinnfälliger noch erfüllt sie sich in der Statik der »Kultur«, deren avancierten Versuchen seit dem neunzehnten Jahrhundert schon die Gesellschaft Verständnis und eigentliche Rezeption verweigert, die unablässige und tödliche Wiederholung des einmal Akzeptierten erzwingend, während die standardisierte Massenkunst vermöge ihrer „gefrorenen“ Modelle Geschichte ausschließt. „

Erstveröffentlichung in Mission Impossible

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Das Kapital ist ein scheues Reh

Der chinesische Premierminister Wen Jiabaohatte kürzlich finanzielle Hilfe für den Europäischen Rettungsschirm in Aussicht gestellt. Die Europäer müssten verstärkte Anstrengungen unternehmen und nötige Reformen ihrer Haushalts- und Finanzpolitik einleiten, machte der Politiker der Kommunistischen Partei Chinas deutlich. Wie vehement Wen Jiabao hinter verschlossenen Türen Angela Merkel angemahnt hat die Menschenrechte in Griechenland einzuhalten ist schwer abschätzbar. Nicht nur das Betteln bei den Chinesen zeigt deutlich in welch existenzieller Krise sich der Kapitalismus befindet. So gut wie alle großen Wirtschaftsnationen sind hoffnungslos verschuldet. Nach Argentinien konnten auch Irland, Portugal und nun Griechenland nicht mehr ihre Schulden bedienen. Spätestens seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion verhält sich der Kapitalismus geradezu vulgärmarxistisch, weshalb weltweit die Betroffenen gegen die negativen Auswirkungen der  „Freien Marktwirtschaft“ protestieren.  Eine emanzipatorische Kapitalismuskritik sollte sich freilich mit dem kapitalistischen Produktionsprozess, den Zwangsgesetzen der Konkurrenz, der Zirkulation des Kapitals, den Krisenzyklen, dem Verhältnis von Arbeit, Wert und Geld beschäftigen und die Folgen des Marktes erkennen. Fortschrittliche Kapitalismuskritik muss sich gegen staats- und nationalstaatsfixiertes  Denken erwehren und sie muss die regressive Pseudo-Kapitalismuskritik selbst zum Gegenstand ihrer Kritik machen.

Auf der Basis von Ware, Wert, Arbeit und Markt hat sich im Laufe der Geschichte die heute weltweit dominierende Produktions- und Lebensweise herausgebildet. Der fortwährende Zwang zur Kapitalverwertung, zum unendlichem Wirtschaftswachstum , mit mörderischer Konkurrenz, dem Profitstreben und dem Zwang für die meisten Menschen nur durch den Verkauf ihrer Arbeitskraft überleben zu können, haben zur Folge, dass „nur die Stärksten überleben”. Einerseits produziert das kapitalistische Wirtschaftssystem mit den Gesetzen des Marktes faszinierende Smartphones, hochtechnisierte Autos, Wohlstand und Reichtum,  jedoch andererseits Massenvernichtungswaffen, Hunger, Elend, Krieg und Schuldenkrisen. Während in der kapitalistisch organisierten  Welt eine Milliarde Menschen hungern, können es sich Durchschnittseuropäer leisten mehrmals im Jahr Fernreisen zu unternehmen.  Während ein Zimmermädchen in einem Hamburger Hotel 2,46 Euro brutto in der Stunde verdient, kassiert dasselbe Hotel für eine Suite 349 Euro pro Nacht. Während die Zerstörung der Umwelt voranschreitet, bestimmte Gebiete für Jahrhunderte radioaktiv verstrahlt sind werden nach wie vor Atomkraftwerke betrieben und gebaut. Während weltweit täglich 25.000 Kinder verhungern landen in Deutschland jährlich 20 Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll und werden in den Industrieländern Mais und Raps zu Biodiesel verarbeitet. Die Schere zwischen arm und reich klafft immer weiter auseinander, zwischen den Industrienationen und den Ländern der 3. Welt, zwischen dem Harz-4 Empfänger und der „BMW-Familie“ Quandt. Einerseits gab es in Deutschland durch Mikroelektronik, Rationalisierung und Automation einen kaum vorstellbaren Produktivitätsschub, andererseits hat sich die Lebensarbeitszeit deshalb nicht verkürzt sondern im Gegenteil verlängert. Bei einer immer höheren realen Arbeitslosenquote muss heute ein Dreißigjähriger damit rechnen erst mit siebzig Jahren in Rente gehen zu können. Die systemimmanenten „Konstruktionsfehler“ des Kapitalismus sind die Ursache für die großen und kleinen Krisen im Kapitalismus, in dessen kurzen Aufschwüngen sich Wenige große Profite aneignen und in den längeren Abschwüngen die Verluste vergesellschaftet werden.

Die kapitalistischen Krisen sind von zyklischer Natur, sie gehören quasi zur „Normalität“ kapitalistischer Entwicklung. Marx hat den tendenziellen Fall der Durchschnittsprofitrate systematisch im Kontext des Gesamtreproduktionsprozesses des Kapitals untersucht und auf diese Weise die zyklisch wiederkehrenden Krisen als Ausdruck der Akkumulationsdynamik einer kapitalistischen Gesellschaft, als Folge der Überakkumulation des Kapitals und der fallenden Profitrate erklären können. Bei einer  Steigerung der Arbeitsproduktivität durch Automatisierung, Rationalisierung, Arbeitszeiterhöhungen, unbezahlten Überstunden, Billiglohnkräften benötigt die Produktion immer weniger Arbeitskräfte, wodurch die Arbeitslosigkeit steigt und gleichzeitig die Kaufkraft sinkt, worauf  die Hersteller im gesättigten Markt immer weniger Produkte verkaufen können. In der Überproduktionskrise produzieren also immer weniger Arbeitskräfte immer mehr Waren die sich immer weniger leisten können. Für das Kapital bleibt nur der Export in andere Länder, weshalb immer neue Märkte, notfalls mit Gewalt, erschlossen werden müssen. Eine gewisse Zeit können sich diese Länder diese Produkte leisten, über kurz oder lang müssen sie sich verschulden. Die Überproduktionskrise ist eine periodisch wiederkehrende Wirtschaftskrise im Kapitalismus, mit Milchseen, Butterbergen, Autohalden und Abwrackprämien als sichtbare Indikatoren. Seit mehr als 30 Jahren, also nach dem Zusammenbruch von Bretton-Woods ist der Neoliberalismus auf dem Vormarsch. Mitte der 1970er Jahre neigte sich der  fordistische Nachkriegsboom seinem Ende zu. Durch Automation  und Mikroelektronik steigerte sich die Produktivität massiv, die Menge der Waren explodierte, die der benötigten Arbeit implodierte. Alle Konjunkturprogramme, alle Staatsinterventionen und jede keynesianistische Regulation konnte den realökonomischen Widerspruch nicht aus der Welt schaffen. „Erst die zunehmende Liberalisierung der Finanzmärkte und die monetaristische Politik der Neoliberalen boten einen Ausweg. Das Kapital, das in der Realwirtschaft keine rentable Anlagemöglichkeit mehr fand, konnte in die Sphäre des fiktiven Kapitals ausweichen. Die Krise wurde aufgeschoben, und der Neoliberalismus wurde zum weltweit hegemonialen Programm. Die Implosion des sogenannten Realsozialismus bescherte ihm einen zusätzlichen Legitimierungsschub und beflügelte die Akteure des Sozialabbaus. Doch der Übergang zum »Shareholderkapitalismus« der neunziger Jahre war nur die Eskalationsstufe eines Prozesses, der bereits in den Siebzigern begonnen hatte: Das fiktive Kapital wurde zur »Basisindustrie« des Verwertungsprozesses. Und im Platzen der Finanzblase wird nichts anderes sichtbar als das verdrängte und kumulierte Krisenpotential von drei Jahrzehnten“, schreibt Lothar Galow-Bergemann in Konkret 12/2008. Kapitalismus ohne Streben nach Maximalprofit und ohne fiktives Kapital war und ist undenkbar. Die so genannte Realwirtschaft und Finanzsphäre können nur zusammen gedacht, kritisiert und überwunden werden. Die aktuelle Schulden- und Eurokrise, die Bankenkrisen haben ihre Ursache in den grundlegenden „Konstruktionsfehlern“ des Kapitalismus. Der Neoliberalismus  war also die Reaktion auf die Schwächung kapitalistischer Herrschaftsansprüche während des Fordismus. Arbeitnehmerinteressen wurden zurückgedrängt, staatliche Unternehmen privatisiert sowie eine Umverteilung von unten nach oben intensiviert.

Herbert Marcuse schrieb in „Der eindimensionale Mensch“: “Auf der gegenwärtigen Stufe des fortgeschrittenen Kapitalismus widersetzt sich die organisierte Arbeiterschaft mit Recht der Automation ohne Ausgleichsbeschäftigung. Sie besteht auf der extensiven Nutzung menschlicher Arbeitskraft in der materiellen Produktion und widersetzt sich so dem technischen Fortschritt. Indem sie dies tut, widersetzt sie sich jedoch auch der ergiebigeren Nutzung des Kapitals. Mit anderen Worten, ein weiterer Aufschub der Automation kann die nationale und internationale Konkurrenzfähigkeit des Kapitals schwächen, eine langfristige Depression verursachen und folglich den Konflikt der Klasseninteressen wiederaufleben lassen.“

Nach dem Vorbild des Ökonomen John Maynard Keynes versuchten und versuchen Regierungen unterschiedlichster Couleur mit gepumptem Geld die Abschwünge zu bremsen in der irrigen Hoffnung  im Aufschwung das Geld wieder zurückzubekommen. Die aktuellen weltweiten Schuldenkrisen sind ein Resultat dieser Politik. Während immer mehr erfolglose Unternehmer vom Staat Geld haben wollen explodieren die Staatsschulden. Weil Staaten nichts produzieren, haben sie kein Kapital, sie können kein Kapital schaffen, sondern lediglich das vorhandene umverteilen. Natürlich muss irgendjemand all diese unsinnigen Staatsausgaben bezahlen. Bis dahin leiht sich der Staat das Geld an den Kapitalmärkten. Laut Keynes steigt die Wirtschaftsleistung um deutlich mehr als einen Euro, für jeden Euro, den der Staat ausgibt, was niemals bewiesen werden konnte. Die Theorien von Keynes, die diversen Politikern, Ökonomen und Journalisten als Heilsbringung dienen, beruhen auf dem Irrglauben an Zauberei. Keynes war im Übrigen der  Ansicht, dass Kriege, Erdbeben und der Bau von Pyramiden den Wohlstand eines Landes steigern könnten.

Im Gegensatz zu Keynes waren die nationalsozialistischen und die heutigen rechtsextremen  Kapitalismuskritiker davon überzeugt, dass mit der Brechung der Zinsknechtschaft, der Verstaatlichung der Banken und der Abschaffung des Zinses alle „Probleme“ des Kapitalismus beseitigt wären. Als  Hitler 1940 auf dem Höhepunkt seiner  Macht, die Zustimmung der Deutschen zu Hitlers Politik so groß wie nie zuvor war, kam der Propagandafilm Jud Süß in die deutschen Kinos. Die 19 Millionen Besucher von „Jud Süß“ wurden nicht gezwungen diesen Film anzusehen, sie wollten den Film sehen weil sie entsprechend fühlten und dachten. Der antisemitische  Propagandafilm spielt am Hofe des Königs von Württemberg. Dieser König kam in zunehmende Finanzschwierigkeiten und stellt sich den jüdischen Finanzberater Joseph Süß ein. Der geldgierige Joseph Süß, in dem Veit Harlan-Film, ein verschlagener hochraffinierter Jude der alle Finanztricks beherrscht, rettet den König in dem er mit seinen Tricks die Bevölkerung ausbeutet und dadurch immer mächtiger und einflussreicher wird. Das Geld wird der Masse der ehrlich arbeitenden Bevölkerung genommen. Es kommt dadurch zu sozialer Verelendung und zu Massendemonstrationen. Das Gegenbild zu der jüdischen Raffgier ist in dem Film die ehrliche deutsche Arbeit, die durch den Schmied mit seiner züchtigen Hausfrau symbolisiert und dessen Haus durch die  Finanzpolitik von Jud Süß zerstört wird. Der Widerstand der Bevölkerung wächst. Der gute ehrlich arbeitende Held mobilisiert die Massen und bringt die Wende. In der Schlüsselszene des Films ruft er den Massen zu: “Wie die Heuschrecken fallen sie über uns her“.  Nachdem der Jude gehängt wird, entspannt sich die Lage und die Menschen haben wieder eine glückliche Zukunft vor sich. Die Heuschreckenmetapher verwandte Alfred Rosenberg im „Völkischer Beobachter“ bereits am 29. Mai 1921: „Aber schon sehr bald zeigte es sich, dass alle Anlockungen durch Vorzugsrechte nicht recht anschlugen, dass der größte Schwarm der jüdischen Heuschrecken nach Amerika zog, der andere, nach Palästina abgefahrene Teil aber nicht recht arbeiten wollte, sondern von den Millionen zu zehren vorzog, die jüdische Milliardäre zur Organisation Palästinas ausgeworfen hatten“. Einige Jahrzehnte später bemühte Franz Müntefering, nachdem die Rot-Grüne Regierung die Deregulierung der Kapitalmärkte massiv fortgesetzt hat, die Heuschrecken-Metapher um gegen Hedgefonds und das Finanzkapital zu agitieren. Ver.di nahm ebenfalls das Bild der Heuschrecke auf und gab ein entsprechendes Flugblatt heraus, das allerdings nach großen Protesten innerhalb der Gewerkschaft zurückgezogen wurde. Ein Prozent der Menschheit ist für die Occupy-Bewegung  an der Krise schuld, ein Prozent bereichert sich auf geheimnisvolle Weise an der Arbeit aller anderen, ein Prozent kontrolliert Regierungen und sorgt für böse Kredite, Zinsen  und Schulden. Die Nazis sprachen von “Zinsknechtschaft” und Jürgen Elsässer  spricht heute bei Occupy-Veranstaltungen von “Schuldknechtschaft”. Müntefering, die IG Metall und der überwiegende Teil der Occupy-Bewegung sind keine Nazis, aber ihre verkürzte, personalisierte Kritik am Kapitalismus ist gefährlich, denn wenn vermeintlich einige Wenige das Elend der Vielen verursachten, dann ist es bis zum Schritt der Eliminierung der „Bösen“ nicht mehr weit.

Max Horkheimer kritisierte die „Bürgerliche Gesellschaft“ mit ihren ökonomischen Gegensätzen, ideologischen Widersprüchen und sozialen Ungerechtigkeiten. Für Horkheimer war der Zusammenhang zwischen Kapitalismus und der Entstehung des Faschismus offensichtlich: Als eine Reaktion auf die Krise des Kapitalismus versuche der Faschismus, den Kapitalismus mit despotischen Mitteln aufrechtzuerhalten. Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs formulierte Horkheimer:„Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen“

Eine wichtige Ursache für die heutige Krise ist aus meiner Sicht das Auslaufen des Nachkriegsbooms vor über 30 Jahren. Durch die Gesetze des Marktes, also dem Verwertungsdruck kam es zur Flucht ins fiktive Kapital und durch die Überproduktionskrisen in diesen Jahren und den „notwendigen“ keynsianistischen Programmen kam es zur Verschuldung der diversen Staaten. Es besteht ein Zusammenhang zwischen der Schuldenkrise Griechenlands und dem Umstand dass Deutschland Exportweltmeister ist, ein Zusammenhang der mit kommunizierenden Röhren vergleichbar ist. Die Frage nach den  Alternativen zum Kapitalismus ist seriös kaum zu beantworten. Freilich den Selbstzerstörungskräften der freien Marktwirtschaft ungebremst ihren Lauf zu lassen, dürfte genauso der falsche Lösungsansatz sein, wie wenigen „Sündenböcken“ die Schuld für die Krisen in die Schuhe zu schieben. Wohin verkürzte Kapitalismuskritik führen kann, welche  Andockmöglichkeiten von rechts sie birgt, liegt auf der Hand. Verbesserte Rahmenbedingungen für genossenschaftliche Unternehmen, ein bedeutend höherer Spitzensteuersatz, höhere Löhne, ein Mindestlohn und eine signifikante Arbeitszeitverkürzung, würden zwar den Wirtschaftsstandort Deutschland, seinen Status des Exportweltmeisters minimal gefährden, wären aus meiner Sicht jedoch Schritte in eine richtige Richtung. Meine Prognose für die Zukunft ist wenig optimistisch: Das kapitalistische System ist zweifellos in seiner größten Krisen, die Zustände in Griechenland geben einen ersten Eindruck wie es in Europa weitergehen dürfte. Weil keynesianistische Politik hat noch nie funktioniert hat, wird Kapital vernichtet werden müssen. Die Herrschenden werden vermutlich versuchen einen großen Krieg  zu verhindern, es bleibt also nur die große Euro-Währungsreform, bei der allerdings die Schwächsten noch schwächer werden dürften.  Recht zu haben, nützt freilich dem wirtschaftlich privilegierten Kritiker des Kapitalismus nicht wirklich, denn auch er ist, wie die Adepten der freien Marktwirtschaft, von den Auswirkungen einer möglichen Euro-Währungsreform betroffen, denn wer privilegiert ist, hat auch etwas zu verlieren und das ist das Dilemma.

Quellen: Stefan Frank – Die Weltvernichtungsmaschine, Michael Heinrich – Kritik der politischen Ökonomie, Elmar Altvater – Das Ende des Kapitalismus, Georg Fülbert – G Strich, Robert Kurz- Schwarzbuch Kapitalismus, Lothar Galow-Bergemann –  Konkret 2007/12 & 2008/12, Herbert Marcuse – Der eindimensionale Mensch

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Ein Kommentar

Vom Gründerkrach bis zur Occupy-Bewegung

Regressive Kapitalismuskritik

Die Protestbewegungen „Occupy Wall Street“ oder die globalisierungskritische Vereinigung „Attac“ sind derzeit die Lieblinge der Medien und vermeintlich drauf und dran den Kapitalismus vor dem Bankrott zu retten. Vom Jesuitenschüler Heiner Geissler bis zum FDP Mitglied Max Otte, von Angela Merkel, Sigmar Gabriel bis zur katholischen Kirche, alle „Mächtigen“ lieben die Occupy-Bewegung. Ein Protest den alle lieb haben tut nicht weh, verkürzte, meist personalisierte Kapitalismuskritik, also regressiver Antikapitalismus war ebenfalls das Metier von Gottfried Feder, dem „Wirtschaftsexperten“ der NSDAP. Dass nicht die Banken, sondern die Regierungen mit ihrer massiven Kreditaufnahme bei eben diesen Banken Ursache der aktuellen Schulden- und Eurokrise sind, scheint sich irgendwie bei den „antikapitalistischen Kämpfern“ nicht herumgesprochen zu haben.  Diese Ablenkungsmanöver mit verkürzter Kapitalismuskritik, also der Trennung von „gutem“ und „bösen“ Kapital ist jedoch nicht neu:

Die seit 1850 anhaltende stürmische Entwicklung des Kapitalismus brach 1873 abrupt ab. In Deutschland wurde der  Boom durch Reparationszahlungen Frankreichs und den entstandenen neuen Märkten befördert. Im Jahre 1873 brachen die Finanzmärkte weltweit zusammen. „Ausgangspunkt der Krise von 1873 und der Großen Depression war der Zusammenbruch des Kapitalmarktes für Eisenbahnaktien und die Erschöpfung des Eisenbahnbaus als „Strategischer Leitsektor“, schreibt Georg Fülberth in „G Strich“. Als so genannter „Gründerkrach“ wird der Börsencrash von 1873 bezeichnet, dem eine Überhitzung der Konjunktur durch eine galoppierende Industrialisierung vorausgegangen war. Bereits damals führte die Gründerkrise zu Verschwörungstheorien, welche in erster Linie der angeblich jüdischen Hochfinanz die Schuld an der Krise gaben. Nach der Gründerkrise verstaatlichte Bismarck die Eisenbahnen. Sie waren systemrelevant für das Militär sowie für den Transport von Arbeitskräften und Waren. In dieser Wahrnehmung erfolgte eine Trennung in einerseits das „raffende“ Finanzkapital und in das „schaffende“ Produktionskapital. Diese Trennung mit der entsprechenden Verteufelung des Zinses wurde von Pierre-Joseph Proudhon (1809-65) propagiert und später von Silvio Gesell (1862-1930), den Nationalsozialisten um Gottfried Feder (1883-1941) vielen anderen bis zu vielen aktuellen „Kapitalismuskritikern“ übernommen. Der „gute deutsche“ Fabrikbesitzer wurde während des Gründerkrachs dem „raffenden“, „gierigen“, „jüdischen“ Finanzkapitalisten entgegengestellt.

Zwei Weltkriege eine schwere Depression 1929 (an der für viele der damaligen „Wirtschaftsexperten“ die Juden schuld waren) und einige „Wirtschaftwunder“ folgten. Nach den gigantischen Zerstörungen des 2. Weltkrieges setzte ein exorbitanter Nachkriegsboom ein. In diesem fordistischen Nachkriegsboom, vor allem das „Wirtschaftswunder“ Deutschlands in den 1950er Jahren sei hier erwähnt, wurden bis in die 1970er Jahre Massen von Arbeitskräften benötigt um Massen von Waren herzustellen, welche die Arbeiter und Angestellten durch Vollbeschäftigung mit ihren Löhnen tatsächlich kaufen konnten. Nach der Sättigung der Märkte, einhergehend mit dem tendenziellen Fall der Profitrate und damit verbundenen  ungeheuren Rationalisierungsmaßnahmen wurden immer weniger Menschen gebraucht um die Waren zu produzieren, die immer weniger Leute kaufen wollten oder konnten. Die Arbeitslosigkeit stieg 1980 in Deutschland von  0,9 Millionen auf 3,3 Millionen im Jahre 1995. Ein Schulbeispiel für eine Überakkumulationskrise, nach Karl Marx.

Zeitgleich zwangen die Ölkrise und der Vietnamkrieg die finanziell angeschlagenen USA 1973 zur Kündigung von Bretton-Woods, der Goldeinlösegarantie des Dollars. Durch den Zusammenbruch des Währungssystems von Bretton Woods  begann eine neue Periode in der Geschichte des Kapitalismus.  Der realökonomische Widerspruch konnte durch Konjunkturprogramme, Staatsinterventionen und keynesianische Regulation nicht verhindert werden.  Erst die zunehmende Liberalisierung der Finanzmärkte unter Ronald Reagean und später Gerhard Schröder und die monetaristische Politik der Neoliberalen boten eine Scheinlösung, einen Aufschub.  Das Kapital, das in der Realwirtschaft keine rentable Anlagemöglichkeit mehr fand, konnte in den Bereich des fiktiven Kapitals ausweichen. Die Krise wurde aufgeschoben, und der Neoliberalismus wurde zum weltweiten Programm. Anfang der 1980er Jahre setzten die großen Schuldenkrisen in den Entwicklungsländern ein. 1987 kam es zu einem erneuten Börsencrash. Anfang der neunziger Jahre gerieten die USA und Japan in eine Immobilien- und Bankenkrise. 1992 kam das Europäische Währungssystem ins Wanken. Währungs- und Wirtschaftskrisen gab es 1994/ 95 in Mexiko, 1997/98 in Asien, 1998 in Russland und 1999 in Lateinamerika. 2000 begann der weltweite Börsenkrach, darauf folgten der amerikanische Immobilienboom und die jetzigen Schuldenkrisen der „wohlhabenden“ Industrieländer.  Im ständigen Platzen der Finanzblasen wird nichts anderes sichtbar als das verdrängte und kumulierte Krisenpotential von vier Jahrzehnten. Die gigantische Finanzblasen, die gigantischen Schuldenberge der Staaten sind nicht Ursache, sondern Wirkung der Krise des Fordismus, die einen qualitativen Einbruch in der kapitalistischen Geschichte markiert.

Immer mehr Geld strömte also seit den 1980er Jahren in die Finanzmärkte, aber wohin sollte es denn sonst strömen? Die mit spekulativen Finanzoperationen erzielten Gewinne waren und sind längst ein wichtiger Posten im Haushalt von Privatleuten, Staaten und Unternehmen. Ohne diese Gewinne an den Finanzmärkten wären die Weltwirtschaft und die Produktionswirtschaft längst zusammengebrochen. Der spekulative Finanzsektor alimentiert den immer unrentabler werdenden Bereich der Produktion, der spekulative Sektor generiert für die Produktion dringendst nötiges frisches Geld. Finanzspekulationen sind heute mehr denn je nicht mehr von den ökönomischen Vorgängen in der Produktion und in der Dienstleistung zu trennen. Würde man die Spekulation verbieten, funktionierte die Weltwirtschaft und die Produktionswirtschaft längst nicht mehr. „Die periodisch anschwellende Spekulantenhetze im Namen der gerade wunderbaren „Marktwirtschaft“ und ihrer „Arbeitsplätze“ lässt schon längst wieder Töne hören, die an die antisemitischen Ausbrüche von 1873 und 1929 erinnern, während die vorgeschlagenen Maßnahmen (etwa die Besteuerung von Spekulationsgewinne) von lächerlicher Harmlosigkeit zeugen. Es wird völlig verdrängt, dass die Ära der kasinokapitalistischen Spekulationsexzesse das Resultat eines endogenen Prozesses ist, in dem sich das warenproduzierende System mit seiner Grundzumutung der „Arbeitsmärkte“ endgültig selber ad absurdum geführt hat“, schreibt Robert Kurz in seinem Buch „Schwarzbuch Kapitalismus“. Die aktuelle Euro und Schuldenkrise hat offensichtlich nur sekundär etwas mit den Banken zu tun. Deutschland als Exportweltmeister will seine Waren im Ausland verkaufen. Griechenland, die entsprechenden Euroländer, die USA, sowie die Schwellenländer kauften ihre deutschen Waren auf Kredit. Die diversen Banken gaben die Kredite, damit Deutschland seine Waren verkaufen konnte. Deutschland konnte seine Waren auf dem Weltmarkt so gut verkaufen, weil die Reallöhne in Deutschland im Vergleich zu den Euroländern relativ gering sind.

Die aktuellen Wirtschaftskrisen zeichnen sich also dadurch aus, dass massenhaftes Elend mit einem Überangebot an Waren einhergeht. Der offensichtliche Widerspruch zwischen Überangebot und mangelnder Nachfrage ist die Erscheinungsform des entscheidenden Problems, der Überakkumulation von Kapital. Akkumulation ist laut Karl Marx die Rückverwandlung von Profit (Mehrwert) in Kapital, also die Reinvestition  von Gewinnen. Der Begriff Überakkumulation bezeichnet eine Situation, in der die durch fortgesetzte Akkumulation aufgehäuften Kapitalmassen zu groß geworden sind, um noch ausreichende Profite abzuwerfen. Die Akkumulation der Profite führt zu einem Punkt, an dem sie selbst zum Hindernis für die Erzielung von ausreichenden Profiten wird. Krisen entstehen dieser Theorie zufolge aus einem zu viel an Kapital. Die Folge ist eine Tendenz zu Überproduktion, Arbeitslosigkeit, Armut und Schuldenkrisen von Staaten und Menschen. Besteht mit sinkenden produktiven Verwertungsmöglichkeiten ein Überfluss an Kapital, so wir dies auf die Bahn der Abenteuer gedrängt: Spekulation, Kreditschwindel, Aktienschwindel (MEW23/261) sind die Folgen.

Ein großer dritter Weltkrieg mit einem Zerstörungspotential des zweiten Weltkrieges könnte den Kapitalismus zweifellos für weitere dreißig bis fünfzig Jahre retten, da es vermutlich wieder einen Aufbauboom geben würde. Humaner wäre eine grundlegende Währungsreform, damit es vielleicht wieder zwanzig Jahre so weitergehen könnte. Gegen eine Finanztransaktionssteuer oder eine Entflechtung der Großbanken ist zwar wenig einzuwenden, die Weltwirtschaftkrisen oder die Schuldenkrisen der Länder werden allerdings  dadurch nicht verhindert. Die Welt und viele in ihr lebenden einfältigen Menschen brauchen immer wieder Sündenböcke, wer eignete sich dafür besser als die vermeintlich „jüdischen Wucherer“ oder das internationale Finanzkapital? „Unser Schicksal hängt am globalen Lotteriespiel eines Systems, das ohne fiktives Kapital keinen Tag länger die Realproduktion gewährleisten könnte. Nicht die Gier einzelner Menschen ist die Ursache kapitalistischen Gewinnstrebens, sondern das systemimmanente und -notwendige kapitalistische Gewinnstreben fördert Gier und bestraft Solidarität“, schreibt Lothar Galow-Bergemann in Konkret 12/08. Ursache und Wirkung verwechseln offensichtlich nicht nur die katholischen Pfaffen, was Karl Marx bereits 1867 wusste, Kausalität ist aber auch ein schwieriges Fremdwort.

Quellen: Georg Fülberth: Sieben Anstrengungen, den vorläufigen Endsieg des Kapitalismus zu begreifen – Stefan Frank: Die Weltvernichtungsmaschine – Georg Fülberth: G Strich – Robert Kurz: Schwarzbuch Kapitalismus – Max Otte: Die Krise hält sich nicht an Regeln – Karl Marx: Das Kapital 1-3 – Michael Heinrich: Kritik der politischen Ökonomie – Alfred Müller: Die Marxsche Konjunkturtheorie

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Der tendenzielle Fall der Profitrate

Für Karl Marx ist das „Gesetz“ des „tendenziellen Falls der Profitrate“ (3. Band – Das Kapital) eine Grundlage für die Krisenhaftigkeit des Kapitalismus. Diese These gilt ebenfalls als Grundlage für die Erkenntnis, dass lohnabhängig Beschäftigte  immer größerer Konkurrenz bei immer schlechteren Bedingungen ausgesetzt sind. Aufgrund von Eigenschaften der kapitalistischen Wirtschaft besteht also laut Marx eine Tendenz zur Verringerung der Profitrate im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt.

In der kapitalistischen Gesellschaft treten sich Lohnarbeiter und Kapitalist als Warenbesitzer gegenüber. Der Kapitalist besitzt die Produktionsmittel und kauft mit Geld (G) die Arbeitskraft der Lohnarbeiter. Dieser Warenaustausch (W=Ware)  wird in folgender Formel zum Ausdruck gebracht: G – W – G‘.  Der Profit des Unternehmers errechnet sich, laut Marx, aus dem Mehrwert. Lohnarbeiter verkaufen ihre Arbeitskraft, zu ihrem Wert an die Kapitalisten. Für den Unternehmer lohnt sich dieses Geschäft nur, wenn die Lohnarbeiter länger arbeiten, mehr Produkte herstellen, als zu ihrer eigenen Selbsterhaltung notwendig ist. Die geleistete unbezahlte Mehrarbeit, das Mehrprodukt, ist eine Gratisleistung an die Kapitalisten, dies ist laut Marx der Mehrwert.  Mehrwert ist also das Ergebnis der unbezahlten Mehrarbeit. Marx erläutert, dass man den Arbeitstag in zwei Bestandteile zerlegen kann. Ein Teil umfasst die Zeit, während der der Arbeiter den Wert seiner eigenen Arbeitskraft reproduziert (notwendige Arbeit), der Rest des Arbeitstages – die darüber hinaus gehende Zeit ist die überschüssige Arbeit oder der Mehrarbeit. Das Verhältnis der Mehrarbeit zu notwendigen Arbeit wird in der sogenannten Mehrwertrate ausgedrückt. Mehrwertrate = Mehrarbeit / notwendige Arbeit. Wenn beispielsweise ein achtstündiger Arbeitstag in vier Stunden notwendige und weitere vier Stunden Mehrarbeit aufgeteilt wird, dann beträgt die Mehrwertrate 4/4 bzw. 100 Prozent. Beträgt die Mehrwertrate  3/5 Stunden, entspricht dies 60 %.  Produktion des relativen Mehrwerts bezeichnet die Verringerung der notwendigen Arbeit durch die Verbesserung der Produktionsmethoden. Es verringert sich die zur Produktion notwendige Arbeitszeit, die in den Wert der Arbeitskraft eingehenden Waren können in kürzerer Zeit hergestellt werden, obwohl die absolute Länge des Arbeitstages gleich bleibt. Mit der Produktion des relativen Mehrwerts verringert sich nicht nur der Anteil der notwendigen Arbeit, sondern auch die Anzahl der zur Herstellung einer Ware notwendigen Arbeiter.

Die Profitrate errechnet sich aus dem Verhältnis des Mehrwerts zum gesamten Kapital, das im Produktionsprozess zum Einsatz kommt. Das Gesamtkapital andererseits zerfällt in zwei Bestandteile: das konstante Kapital, das heißt die Produktionsmittel (Rohstoffe und Maschinen) und jenes Kapital, das zum Erwerb der Arbeitskraft ausgelegt wird. Die Profitrate ergibt sich also aus dem Verhältnis des Mehrwerts zu dem im Produktionsprozess eingesetzten Gesamtkapital. Stellen die Arbeiter eines Unternehmers  im Vergleich zu den Arbeitern eines anderen Unternehmers überdurchschnittlich viel Mehrwert, erhält der Unternehmer einen Extraprofit. Es besteht deshalb ein unvermeidlicher Anreiz, wenn auch unter Beachtung der zusätzlichen Kosten, mehr in Maschinen zu investieren als in den Kauf von Arbeitskraft, wenn dies die Produktivität der Arbeiter so ausreichend erhöht, dass der Mehraufwand für zusätzliche oder bessere Maschinen wieder hereingeholt wird. Wenn dann aber so mit dem technischen Fortschritt, mit der Automatisierung usw. immer mehr Lohnarbeit, die doch allein Mehrwert schaffen kann, durch immer mehr Maschinerie (konstantes Kapital) ersetzt wird, wird damit auch das allein ausbeutbare, also allein Profite schaffende Element relativ immer kleiner. Also sinkt langfristig die Profitrate als Verhältnis der Profite zum für den Kauf von Maschinerie usw. eingesetzten Kapital. Die Profitrate ist also Mehrwert durch (konstantes Kapital + variables Kapital). Durch die Konkurrenzsituation wird dem Unternehmer ein ständiges Produzieren und eine ständige Verbesserung der Produktionsmethoden aufgezwungen. Bei der einfachen Produktion widerholt sich der Produktionsprozess auf gleichem Niveau, das vorgeschossene Kapital bleibt gleich hoch und wird in der selben Größe immer wieder in die Produktion gesteckt. Bei der erweiterten Produktion wird der erwirtschaftete Mehrwert zusätzlich in die Produktion gesteckt, Marx spricht von der Akkumulation des Kapitals. Die Akkumulation des Kapitals bedeutet, dass die vorgeschossene Kapitalsumme um den Mehrwert (den Teil des Mehrwerts der vom Unternehmer nicht individuell konsumiert wird), vergrößert wird und somit auf höherer Stufenleiter produziert wird.

Der tendenzielle Fall der Profitrate ergibt sich also daraus, dass mit steigender Arbeitsproduktivität der Anteil des konstanten Kapitals am Produktionsprozess wächst. Abgetrieben durch den Wettbewerb des Marktes ist das Unternehmen gezwungen auf „höherer Stufenleiter“ zu produzieren. Es kommt also zu einer Veränderung des organischen Kapitals. Wird also die Produktivität durch technische Verbesserungen erhöht, so entfallen auf einen Arbeiter wertmäßig mehr Produktionsmittel als vorher. In hochtechnisierten Bereichen ist der Anteil von c hoch, der von v niedrig. Das konstante Kapital nimmt zu, das variable Kapital wird tendenziell weniger. Höherer Technikeinsatz, Rationalisierung usw. führen zu einer Abnahme des Mehrwertes, da menschliche Arbeitskraft eingespart wird. Laut Marx bezieht der Unternehmer seinen Profit ausschließlich durch den Mehrwert. Da dieser Mehrwert zurückgeht, sinkt ebenso tendenziell die Profitrate.  Michel Heinrich schreibt: „Die Produktivkraftsteigerung mittels Maschinerie hat zur Folge, dass sowohl die Mehrwertrate m/v als auch die Wertzusammensetzung des Kapitals c/v zunehmen. Die quantitative Entwicklung dieser beiden Größen ist entscheidend für die Bewegung der Profitrate. Dividiert man in der Profitratenformel Zähler und Nenner durch v, dann erhalten wir für die Profitrate den Ausdruck: m/(c+v) = (m/v) / (c/v + v/v)  = (m/v) /  (c/v +1). Hier werden Mehrwertrate und Wertzusammensetzung als Determinanten der Profitrate sichtbar. Marx stützt seine Begründung für den tendenziellen Fall der Profitrate auf das steigen von c/v. Würde m/v unverändert bleiben, dann würde das steigen von c/v automatisch zu einem sinken der Profitrate führen (der Zähler unseres Bruches bliebe konstant, der Nenner wächst, damit vermindert sich der Wert des Bruches)“ Im 13. Kapitel eines 3. Bandes des Kapitals schreibt Marx: Bei gegebenem Arbeitslohn und Arbeitstag stellt ein variables Kapital, z.B. von 100, eine bestimmte Anzahl in Bewegung gesetzter Arbeiter vor; es ist der Index dieser Anzahl. Z.B. 100 Pfd.St. sei der Arbeitslohn für 100 Arbeiter, sage für eine Woche. Verrichten diese 100 Arbeiter ebenso viel notwendige Arbeit wie Mehrarbeit, arbeiten sie also täglich ebenso viel Zeit für sich selbst, d.h. für die Reproduktion ihres Arbeitslohns, wie für den Kapitalisten, d.h. für die Produktion von Mehrwert, so wäre ihr Gesamtwertprodukt = 200 Pfd.St. und der von ihnen erzeugte Mehrwert betrüge 100 Pfd.St. Die Rate des Mehrwerts m/v wäre = 100%. Diese Rate des Mehrwerts würde sich jedoch, wie wir gesehen, in sehr verschiedenen Profitraten ausdrücken, je nach dem verschiedenen Umfang des konstanten Kapitals c und damit des Gesamtkapitals C, da die Profitrate = m/C. Ist die Mehrwertsrate 100%: Wenn c =    50,    v = 100, so ist p´ = 100/150 = 662/3%. –  Wenn c =    100,    v = 100, so ist p´ = 100/200 = 50%.  – W enn c =    200,    v = 100, so ist p´ = 100/300 = 331/3%. –  Wenn c =    300,    v = 100, so ist p´ = 100/400 = 25%.  –   Wenn c =    400,    v = 100, so ist p´ = 100/500 = 20%.  Marx räumte ein, dass die Wertzusammensetzung des Kapitals schwächer wächst als die technische Zusammensetzung, da im Zuge des technischen Fortschritts Waren in kürzerer Arbeitszeit hergestellt werden können, so dass gemäß Arbeitswertlehre der Wert der Waren sinkt, auch der Waren, die das konstante Kapital bilden. Darüber hinaus räumt Marx ein, dass „abstrakt betrachtet“ der Anstieg der technischen Zusammensetzung durch die Wertminderung des konstanten Kapitals gerade ausgeglichen werden kann. Deshalb spricht er sinnvollerweise von dem tendenziellen Fall der Profitrate. Der tendenzielle Fall der Profitrate ist die Triebkraft hinter jeder  Entwicklung neuer Technologien und der Revolutionierung der Produktivkräfte, die Marx als Charakteristikum der kapitalistischen Produktionsweise bezeichnete. Natürlich sprechen auch einige Umstände gegen das Gesetz über den tendenziellen Fall der Profitrate. Wenn beispielsweise weniger Arbeiter bezahlt werden müssen, fallen auch die Lohnkosten. Bei gleich bleibendem Wert der Arbeitskraft würde sich das variable Kapital um den entsprechenden Anteil vermindern. Ob die Profitrate fällt hängt auch davon ab, was schneller fällt, die Mehrwertmasse oder das vorgeschossene Kapital. Gesamtwirtschaftlich besteht ein Zielkonflikt. Die Arbeitsproduktivität wird am stärksten dadurch gesteigert, dass ein immer größerer Teil des verfügbaren Kapitals in Form von konstantem Kapital c, ein immer geringerer Teil in Form von variablem Kapital v investiert wird. Dies bedeutet aber, dass immer weniger zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden.

Der Nachkriegsboom wurde durch die Ausdehnung des Kapitals erzeugt. Der tendenzielle Fall der Profitrate wurde Ende der sechziger Jahre erkennbar und schlug sich 1974/75 in einer der tiefsten Rezessionen nieder. Das Kapital reagierte mit einer Offensive gegen den Lebensstandard, mit der Reorganisation der Produktion und der Flucht ins Finanzkapital, auf die fallenden Profitraten. Die fallenden Profitraten sind eine Ursache für die aktuelle Überproduktionskrise. Um denselben Profit zu erzielen, mussten eine immer größere Menge von Autos produziert werden. Einerseits wurde das Problem durch Kreditfinanzierung und Leasing in der Produktion und später im Konsum hinausgeschoben. Die panikartigen staatlichen Rettungsmaßnahmen bezogen sich daher neben den Banken vor allem auf die Autokonzerne, die ähnlich den Banken als  „systemrelevant“ gelten. Aber das Problem dieser Überproduktionskrise wird so nicht beseitigt. Einige Autokonzerne werden in der nächsten Zeit die Tore schließen. Die fallenden Profite in der Autoindustrie werden fallende Kaufkraft zur Folge haben. Die Überakkumulationskrise wirkt seit ungefähr 35 Jahren. Hintergrund war eben das Auslaufen des Nachkriegsbooms. Mit dem Rationalisierungsschub der aufkommenden Mikroelektronik war es  jedoch mit dem realwirtschaftlichen Aufschwung vorbei. Die Menge der Waren explodierte, die der benötigten Arbeit implodierte. Die fallende Profitrate, die Realwirtschaft hatte keine rentable Anlagemöglichkeit mehr, trieb das  Kapital in die Spekulation, in fiktives Kapital. Mit Erfolg, die Krise wurde aufgeschoben.

Quellen: Karl Marx – Das Kapital – Band 1 und Band 3
Alfred Müller –  Die Marxsche Konjunkturtheorie: Eine überakkumulationstheoretische Interpretation
Michael Heinrich –  Kritik der politischen Ökonomie

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Proudhon, Gesell, Feder, Marx und die regressive Kapitalismuskritik

HeuschreckenDas 17. Jahrhundert nannte man in den Niederlanden wegen der wirtschaftlichen und kulturellen Blütezeit, das »Goldene Zeitalter«. Mit steigendem Wohlstand wurden die erst kürzlich aus der Türkei importierten Tulpen unter den wohlhabenden Niederländern immer beliebter. Seltene Sorten erzielten hohe Preise. Eine Zwiebel der Sorte Semper Augustus erzielte 1624 einen Preis von 1.200 Gulden. Man konnte sich somit mit einer Zwiebeltulpe in Amsterdam ein Haus kaufen. Die Nachfrage aus ganz Europa war größer als das Angebot. Der anschließende Boom wurde mit Krediten finanziert. Mit der Zeit gingen keine Tulpen mehr über den Warentisch. Es wurden nur noch Tulpenwertpapiere getauscht. Am Höhepunkt des Booms kostete die Semper Augustus 6000 Gulden. Im Februar 1637 kam es zum Crash. Die Tulpenpreise fielen ins Bodenlose. Die wertlosen Tulpenscheine wurden in Staatsanleihen umgetauscht. Das Wort Globalisierung oder Finanzhaie dürfte es damals nicht gegeben haben. Später im 19. Jahrhundert wollte der Anarchist und Frühsozialist Pierre-Joseph Proudhon (1809-1865)  den Kapitalismus abschaffen, zugunsten einer „wirklichen Marktwirtschaft“ mit Äquivalententausch. Proudhon sah in der Herrschaft des Zinses das größte Übel des Kapitalismus. Gäbe es das zinstragende Kapital nicht mehr, so dachte Proudhon, dann gäbe es auch keinen Kapitalismus mehr. Deshalb wollte er ein nicht verleih- und verzinsbares „Arbeitsgeld“ einführen. Die entsprechende Abschaffung des Zinses hatte antisemitische Vorstellungen zur Konsequenz, die Proudhon in seinen  Texten zur »Tauschbank«  beschrieb. 1849 versuchte Proudhon mit der Gründung einer „Volksbank“, mit zinslosen Krediten, sein Reformprogramm in die Praxis umzusetzen. Proudhon‘s Antisemitismus sah in den Juden die wichtigste Quelle für das Unglück der Nation. Sein Rassismus kam zudem in der Beschreibung Schwarzer als minderwertige Rasse zum Ausdruck.  Proudhon hatte großen Einfluss auf Georges Sorel, den Vordenker des Syndikalismus. Auf Sorel wiederum beriefen sich viele Intellektuelle des Leninismus als auch des revolutionären Syndikalismus, von denen einige zum Faschismus übertraten. Auf die Frage, welchem von seinen Lehrmeistern er am meisten verdanke, nannte der ehemalige Sozialist Benito Mussolini, Sorel.

Ebenfalls auf  die Theorien Proudhons bezog sich Silvio Gesell (1862- 1920). Seine Wirtschaftstheorie, die er in seinem 1911 erschienen Hauptwerk „Die natürliche Wirtschaftsordnung“ niederschrieb, sieht die Lösung der kapitalistischen Probleme in der Abschaffung des Zinses mittels Schwundgeld und Tauschkreisen.  Der „Kurz-Teilnehmer“ der Münchner Räterepublik, Gesell, propagierte in seiner Freiland Theorie Menschenzucht. Frauen haben sich, laut Gesell, dem unterzuordnen, Verhütung ist schlecht, weil es dann an menschlichem „Auslesematerial“ mangelt. Mit der Einführung eines „Schwundgeldes“ wollte Gesell verhindern, dass Geld gehortet und Zins abgeschöpft wird. Das Geld verliert ständig an Wert und muss dadurch ausgegeben werden, heizt also die Wirtschaft an. Gesell kritisiert ausschließlich den Geldkreislauf (raffendes Kapital), die Produktion, das „schaffende Kapital“ ist im Gegensatz dazu für ihn positiv besetzt. „Der Chiemgauer“ ist Schwundgeld, mit dem im Chiemgau (Oberbayern), seit einigen Jahren in bestimmten Läden die Ware bezahlt werden kann. Die regionalen Betriebe sollen mit dem Regionalgeld gefördert werden. Die Herausgeber (Waldorfschule Prien) des Chiemgauers beziehen sich explizit auf Silvio Gesells Freigeld-Theorie. Unterstützt wird die Schwundgeld/Regionalgeld-Theorie zudem von Globalisierungskritikern aus „Attac“. Gottfried Feder (1883-1941), Wortführer der NSDAP Wirtschaftpolitik,  schrieb 1927 deren 25 Punkte Grundsatzprogramm, welches bis 1945 Gültigkeit hatte. In dieser Schrift steht auszugsweise: „Die Wirtschaft, ob groß oder klein, Schwerindustrie oder Kleingewerbetreibender, kennen nur ein Ziel: „Profit“, sie haben nur eine Sehnsucht: „Kredit“, nur eine Aufwallung: die „gegen die Steuern“, nur eine Furcht und namenlose Hochachtung: die „vor den Banken“ und nur ein überlegenes Achselzucken über die nationalsozialistischen Forderung der „Brechung der Zinsknechtschaft“. Alle drängen sich danach, „Schulden zu machen“. Die maßlosen Wuchergewinne der Banken, die ohne Müh und Arbeit, als Tribut vom Leihkapital erpresst werden, findet man durchaus in der Ordnung. Man gründet eigene „Wirtschaftsparteien“ und stimmt für die Dawesgesetze, die die Grundursache für die maßlosen Steuerlasten sind. Man stürzt sich in tiefe Zinsknechtschaft, schimpft über Steuern und Zinsen und erstirbt vor Hochachtung vor jedem Bankier und Börsenpriaten. Verwirrt sind die Hirne! Die Ganze Wirtschaft ist entedelt, entpersönlicht, in Aktiengesellschaften umgewandelt worden. Die Schaffenden haben sich selbst ihren größten Feinden in die Hände gegeben, dem Finanzkapital. Tief verschuldet, bleibt den Werteschaffenden in Werkstatt, Fabrik und Kontor nur karger Lohn, jeder Gewinn der Arbeit fließt in die Taschen der anonymen Geldmacht als Zins und Dividende.“ Die NSDAP unterschied bekanntlich zwischen gutem „schaffenden und bösem raffenden Kapital“. Das böse „raffende Kapital“ war bei der NSDAP das „internationale Finanzjudentum“. Karl Marx(1818 – 1883) kritisierte die auf das „zinstragende Kapital“ verkürzte „Kapitalismustheorie“ Proudhons vernichtend und machte ihn dabei lächerlich. Die Kritik von Marx bezog sich auf das hochkonzentrierte Produktionskapital selbst und damit die kapitalistische Produktionsweise als solche. Aus der Entwicklung der Produktivkräfte und der Akkumulation des Kapitals ergeben sich im industriellen Kapitalismus Widersprüche, die die Tendenz zum zyklischen und überzyklischen Fall der Profitrate bedingen. Im Kapitalismus wird zu viel produziert. (Schweinezyklus) Da hilft auch keine Stärkung der Kaufkraft. Kaufkraft folgt allein aus der Schöpfung von Mehrwert. Wenn genügend Mehrwert produziert wurde, kann er auch realisiert werden. So wurde in den letzten Jahrzehnten zuwenig Mehrwert produziert. Am besten ist die letzte Wirtschaftskrise an der Autoindustrie zu begreifen. Um denselben Profit zu erzielen, musste eine immer größere Menge von Autos produziert werden. Einerseits wurde das Problem durch Kreditfinanzierung und Leasing in der Produktion und später im Konsum hinausgeschoben. Die panikartigen staatlichen Rettungsmaßnahmen bezogen sich daher neben den Banken vor allem auf die Autokonzerne, die ähnlich den Banken als  „systemrelevant“ gelten. Aber das Problem dieser Überproduktionskrise wird so nicht beseitigt. Viele Autokonzerne werden in der nächsten Zeit die Tore schließen. Die fallenden Profite in der Autoindustrie werden fallende Kaufkraft zur Folge haben. Die Überakkumulationskrise wirkt seit ungefähr 35 Jahren. Hintergrund war das Auslaufen des Nachkriegsbooms. Mit dem Rationalisierungsschub der aufkommenden Mikroelektronik war es  jedoch mit dem realwirtschaftlichen Aufschwung vorbei. Die Menge der Waren explodierte, die der benötigten Arbeit implodierte. Ergebnis war eine Überakkumulationskrise, die bis heute anhält. Die fallende Profitrate, die Realwirtschaft hatte keine rentable Anlagemöglichkeit mehr, trieb das  Kapital in die Spekulation, in fiktives Kapital. Mit Erfolg, die Krise wurde aufgeschoben. Der Zusammenbruch der realsozialistischen Staaten tat sein übriges dazu. Neue Märkte wurden erschlossen und der Sozialabbau konnte ungeniert betrieben werden.  Der Neoliberalismus wurde weltweit zum Programm. Mit illusorischern Kapitalwerten kam man die letzten 30 Jahre über die Runden. Die zunehmende Liberalisierung der Finanzmärkte und die monetaristische Politik der Neoliberalen boten den Ausweg. Mit Hilfe von Grünen und SPD wurde in Deutschland dieses Programm vorangetrieben. Durch das Platzen der Finanzblase wurde das Krisenpotential von drei Jahrzehnten sichtbar.  Als Lösung werden die Regierungen jetzt den Lohnabhängigen ungehemmt schröpfen um die Rettungspakete finanzieren zu können. Nicht nur marktwirtschaftsgläubige Linke fordern „radikale“ Lösungen (Regulierung der Finanzmärkte), mittlerweile bläst auch Guido Westerwelle in dasselbe Horn. Das Ergebnis dieser Verstaatlichungen  und Investitionsprogramme wird Inflation und Stagflation sein. Mit viel Glück kann der Kapitalismus diese Krise noch „meistern“. Die nächste Blase wird noch katastrophalere Folgen haben wie die noch nicht ausgestandene aktuelle Krise.  Die Gewerkschaft Verdi, teilweise offenbar immer noch mit Proudhon verbunden, hat vor einigen Jahren eine Broschüre herausgegeben, Finanzkapitalismus, Geldgier in Reinkultur!Darin geht es um Hedgefonds und andere „Heuschrecken“. Quintessenz dieser Broschüre ist letztendlich die Unterscheidung von gutem „schaffenden Kapital“ und bösem „raffendem Kapital“. Das böse „raffende Kapital“ ist demnach der internationale Finanzkapitalismus. Die Verschmelzung von Produktionskapital und Finanzkapital ist offenbar noch nicht jedem bei Verdi bewusst.   Zeev Sternhell schreibt in seinem Buch, „Die Entstehung der Faschistischen Ideologie: “Die Wurzeln des Faschismus liegen in der radikalen Linken am Beginn des 20. Jahrhunderts. Dessen führende Theoretiker waren ganz überwiegend „rechte Leute von links“, die aus dem revolutionären Syndikalismus hervorgegangen waren.“ Durch den Bruch mit der Marxschen Ökonomie, der Gleichsetzung des revolutionären Subjekts mit der Nation, gaben, die erwähnten Frühsozialisten mit ihren Theorien Anknüpfungspunkte für eine rechte Ideologie (Faschismus, Nationalsozialismus, Antisemitismus), die leider von vielen, auch innerhalb der Linken, kritiklos angenommen wird.

Unter http://www.freitag.de/community/blogs/fidelche/proudhon-gesell-feder-marx-und-die-regressive-kapitalismuskritik ist das Blog mit seinen Kommentaren einzusehen. Das Blog wurde bei 170 Kommentaren gesperrt und nachträglich wurden 50 Kommentare gelöscht. Diese gelöschten Kommentare habe ich rot markiert eingefügt. „Thinktankgirl“ mit Unterstützung von „Uwe Theel“ und „Columbus“ verteidigten die Menschenzuchtteorien von Silvio Gesell. Bemerkenswert auch die Beiträge ab 16. Mai (Antideutscher), ausgelöst durch „Luggi“.  Die Mutterkreuzverleihung an „thinktankgirl“ war einer der Höhepunkte dieses Blogs. „Thinktankgirl“ schrieb, dass die Theorien von Gesell emanzipatiorisch waren, darauf stellte ich ein Bild von einer Mutterkreuzverleihung ein. „Rahab“ schrieb, dass sie die Redaktion wegen des Bildes verständigt habe. Fünf Minuten darauf wurde das Bild gelöscht und das Blog für neue Kommentare  gesperrt. Am nächsten Tag waren, wie bereits erwähnt, weitere 50 Kommentare, ohne die Community darüber zu informieren, klammheimlich gelöscht.

Unfassbare Kommentare! Ein Musterbeispiel für Bloggen in Jakob Augsteins „Freitag“:

koslowski schrieb am 12.05.2010 um 23:09 Worauf willst du hinaus? Dass Faschismus und Nationalsozialismus in ihren Ideologien auch antikapitalistische Motive aufweisen, ist ja keine neue Erkenntnis und nicht strittig. Dass diese antikapitalistischen Motive nicht auf Marx,sondern auf frühsozialistische und andere Autoren des 19. und frühen 20.Jhs Bezug nahmen, ebenfalls. Möchtest du zeigen, dass der Antikapitalismus der gegenwärtigen Linken Gefahr läuft, strukturell faschistisch und antisemitisch zu sein, weil er sich nicht mehr an der klassischen politischen Ökonomie von Marx  orientiert? Welche heutige Linke meinst du eigentlich ( außer Verdi! ) konkret? Willst du der Linken eine strikt orthodoxe marxistische Kapitalismus-Kritik empfehlen – als Gegengift gegen die Versuchungen von Faschismus und Antisemitismus?

fidelche schrieb am 12.05.2010 um 23:33 @ koslowski  1. Ich weise darauf hin, dass Faschismus und Nationalsozialismus mit regressiver  Kapitalismuskritik agieren.  2.Ich weise darauf hin dass viele frühsozialistische Theoretiker regressive (verkürzte)Kapitalismuskritik betrieben, im Gegensatz zu Marx   3. Ich weise darauf hin dass der Antikapitalismus der gegenwärtigen Linken teilweise verkürzte Kapitalismuskritik ist.  4. Ich habe nur Teile von Verdi kritisiert. Das betreffende Flugblatt wurde innerhalb Verdis stark kritisiert.  5. Verkürzte Kapitalismuskritik stelle ich bei Teilen vieler linken Organisationen fest. Attac, Gewerkschaften, SPD, Linkspartei, Junge Welt, usw. In jeder dieser Organisationen gibt es aber Gegenkräfte. Natürlich stelle ich nicht nur innerhalb der Linken regressive Kapitalismuskritik fest. Mittlerweile springt sogar Westerwelle auf das Pferd auf.  6. Ich rate der Linken von verkürzter Kapitalismuskritik ab. Zum einen wegen der beschriebenen Andockmöglichkeiten, zum anderen weil diese Kritik ganz einfach zu kurz greift und falsch ist, wie Marx das bereits zu Lebzeiten beschrieben hat.

jhartmann schrieb am 16.05.2010 um 05:26 Der Blogartikel fängt als  Sammlung gut abgeschriebener Kritik an, aber …“Mit illusorischern Kapitalwerten kam man die letzten 30 Jahre über die Runden.“ Das ist, mit Verlaub, nichts anderes als verkürzte Kapitalismuskritik á la Proudhon. Wie Marx richtig feststellt, gibt es am Markt (=im Kapitalismus) keine „falschen Preise“ (Preis=Tauschwert=“Kapitalwert“, nicht verwandt mit Gebrauchswert, der nicht quantifizierbar ist). Nur bei Proudhon,  Gesell und Co. (neuerdings bei Chavez) gibt es „gerechte“/“reale“ und „ungerechte“/“illusorische“ Preise, wobei erstere Namen wie zB „Arbeitsgeld“ oder „Arbeitsäquivalent“ haben.“Aus der Entwicklung der Produktivkräfte und der Akkumulation des Kapitals ergeben sich im industriellen Kapitalismus Widersprüche, die die Tendenz  zum zyklischen und überzyklischen Fall der Profitrate bedingen.“ Wenn Du mehr Marx und weniger Sekundärliteratur (einschließlich Engels) gelesen hättest, wüsstest Du, dass Marx den Unsinn mit dem „Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate“ am Ende aus gutem Grund nicht weiter verfolgt hat. Unsinn lässt sich halt nicht wirklich schlüssig begründen.

fidelche schrieb am 12.05.2010 um 23:38
Mir ging der Platz im Blog aus. Ich wollte ursprünglich noch folgenden Text anhängen. Ich hole dies nun nach:

Hermann L. Gremliza schrieb vor 17 Monaten in seiner Kolumne:   Von der Krise ins Chaos »Wir haben in den Abgrund geblickt.« Täglich, stündlich, zuletzt vor zehn Minuten im Fernsehen bei »Anne Will« repetiert es ein Banker, ein Unternehmer, ein Politiker oder einer ihrer journalistischen Kötelbrummer: Fürchtet euch! Keiner sagt: wovor? Wenn nicht heute noch geschieht, was die Deutsche Bank verlangt oder der Daimler, sei morgen schon alles zu spät. Keiner sagt: wofür? Was wäre denn, wenn ein paar Banken oder Konzerne pleite gingen? Führe der Bus nicht mehr? Gäb’s bei Lidl keine Jogginganzüge aus Ballonseide mehr? Fiele die Heizung aus? Müssten Millionen obdachloser Proleten in Armenküchen ernährt werden? Erlebte man die Anwälte und Zahnärzte beim Abweiden ihrer Golfplätze? Oder ist Weltuntergang und keiner geht hin?  Fangen wir mit den Fragen, gegen alle Usancen, vorne an. Warum haben sich die Bourgeoisien aller Länder mancher Warnung zum Trotz ein Bereicherungssystem geschaffen, dessen Bankrott viele Millionen Menschen ins Unglück stürzen würde? Sie haben es getan, weil sie es konnten. Und warum veranstalten sie den Showdown jetzt? Weil keine Gefahr besteht. Nirgends eine Kraft in Sicht, die reinen Tisch machte mit den Bedrängern und das Heer der Sklaven weckte. Mag sein, es gibt noch drei Kommunisten in Nowosibirsk, zwei in Floridsdorf und einen in Altona. Mit ihnen lässt sich fertig werden. Was also ist es, das der interessierte Zeitgenosse in diesem Winter erlebt? Da die Verhältnisse sich seit der Geburt des Kapitalismus geradezu vulgärmarxistisch verhalten, folgt einem Aufschwung, in dem der Private sich den Profit aneignet, ein Abschwung, in dem die Gesellschaft die Verluste trägt, in Geld oder Leben. Das Nähere regelt der Staat. Besonders brauchbar dazu galt früher der Krieg. Vom Patriotismus besoffene Massen machen ihre Enteignung zum Kinderspiel. Nachdem der Weltkrieg von 1914 bis 1918 Leichen aufgehäuft hatte, deren Zahl künftigen Generationen eine Wiederholung wenig attraktiv hätte erscheinen lassen, ersann der Ökonom John Maynard Keynes ein paar Jahre später einen Ersatz: Der Staat solle die Abschwünge mit gepumptem Geld bremsen und seine Kredite im Aufschwung wieder einsammeln. Eine hübsche Idee, mit nur einem Denkfehler: Die vom Wohl-wollen der herrschenden Klasse – in der  Demokratie: der Bourgeoisie, in der Diktatur: der Partei – lebenden Politiker können das gespendete Defizit zu keinem Zeitpunkt zurückholen. Das führt von Abschwung zu Abschwung zu einer Vermehrung des Finanzvolumens, die jener der Karnickel gleicht. Schon vor der jüngsten Krise übrigens hatten Keynes’ Schüler sich schwer getan, überzeugende Beispiele für die segensreiche Wirkung ihrer Methode zu präsentieren. Selbst der Erfolg ihres bis heute liebsten Exempels, des New Deal des demokratischen Präsidenten Roosevelt, war gering. Erst die Rüstungsproduktion beim Eintritt der USA in den Krieg gegen Deutschland beendete ab 1941 die Große Depression, so dass schon zwei Jahre später viele Programmpunkte des New Deal wieder gestrichen wurden. Glücklicherweise erlaubte der Sieg über Hitlers Deutschland, das den Krieg schon deshalb hatte anfangen müssen, weil es wegen seiner »keynesianischen« Ausgaben für Aufrüstung und Wohlfahrt (»Kraft durch Freude«) insolvent war, den Amerikanern, ihre dabei angehäufte Staatsschuld in den Jahren danach zu internationalisieren. Krieg und/oder Keynes: Im zwanzigsten Jahrhundert jedenfalls war der Krieg die radikalere, aber wirksame Arznei in den Krisen der Akkumulation. Fast immer folgte ihm ein Boom, dem Ersten (wenn auch, der Reparationen wegen, nicht in Deutschland) wie dem Zweiten Weltkrieg und dem Krieg in Korea. Dem Krieg gegen Vietnam schuldete die US-Wirtschaft den »größten Boom der Geschichte« (»Zeit«), den der Staat freilich mit seiner ersten größeren Verschuldung und der 1973 folgenden Kapitulation des goldgedeckten Dollars bezahlen musste. Die militärische Variante der Konjunkturpolitik wurde obsolet, als die Niederlage gegen Vietnam gezeigt hatte, dass Kriege gegen Staaten, deren militärisches Potential große, konjunkturbelebende Investitionen in die Rüstungswirtschaft verlangt hätte, mit empfindlichen Risiken und Nebenwirkungen verbunden waren. Kriege gegen Kleine wie Grenada oder Nicaragua brachten ökonomisch weniger als nichts, die Kriege gegen die Taliban und gegen Saddam Hussein blieben, so teuer sie den Fiskus zu stehen kamen, konjunkturell weit hinter den Hoffnungen zurück. Und so denkt in der großen Krise 2008/2009 keiner an Krieg, sondern jeder noch einmal an Keynes, aber an einen im XXL-Format. Unter zehn bis zwölf Nullen vorm Komma wird erst gar nicht mehr gerechnet. Die Staaten verschulden sich mit Billionen Dollar und Euro, damit Banken und Unternehmen jene Geldgeschäfte fortführen können, mit denen sie so weit gekommen sind.  Fein, es wird jetzt eine Aufsicht geben, und ein paar der Kettenbriefe, die sie Derivate oder Zertifikate nennen, werden aus dem Verkehr gezogen. Sonst geht mit einer um noch ein paar Billionen aufgeblasenen Geldmenge alles so weiter wie bisher. Wenn es denn jetzt noch einmal  weitergeht. Und die Karre wird, nachdem das öffentlich gespendete Geld privatisiert und sicher angelegt ist, erst etwas später um so krachender an die Wand fahren. Wenn also kein Krieg mehr hilft und auch kein Keynes – was dann? Ein letztes Mal helfen könnte vielleicht das virtuelle Ende eines virtuellen Krieges, mit all den Maßnahmen, die nach dem Zweiten Weltkrieg das beispielhafte »Wirtschaftswunder« begründeten: eine Währungsreform, die das gesamte nicht in Immobilien oder Produktionsmitteln steckende Kapital entwertet, alle Derivate, Zertifikate und andere Kettenbriefe im nächstgelegenen Heizkraftwerk amortisiert, jeden Bürger mit einem einmaligen Handgeld (von damals 40 Mark und morgen vielleicht 4.000 Reform-Euro) und einem vorübergehenden Grundeinkommen von monatlich 500 Reform-Euro an den Start schickt und die Besitzer verbleibenden Vermögens zu einem Lastenausgleich heranzieht: Die nicht ganz so Armen helfen den Ärmsten; die Bourgeoisie bleibt, wie 1945 ff. die Flicks, Quandts, Thyssens, Krupps, Siemens und so weiter, die ja auch über den Winter zwischen Nazizeit und Bonner Republik gekommen sind, und mit ihr die Herrschaft ihrer Klasse. Das Risiko besteht darin, dass die Massen sich das nicht gefallen lassen. Das Vertrauen in die politischen und gesellschaftlichen Eliten, die diesen Neubeginn zu organisieren hätten, ist in den letzten Jahrzehnten nicht sehr gewachsen. Meldungen wie die, dass sechs von zehn Griechen bei einer Umfrage die derzeitigen Unruhen als »Massenphänomen« und »Volksaufstand« bezeichnen, wird manchem, der da hat, das Herz in die Hosen haben rutschen lassen. Das haben sie nun von der Entmachtung der Gewerkschaften und der Veralberung der Sozialdemokratie. Wie schon einmal, als eine angesehene Interessenvertretung gebraucht wurde, die Proleten bei der Stange zu halten, wird es auch jetzt oder in ein paar Jahren wieder nur zwei Milieus geben, bei denen der Arbeitslose sich aufgehoben fühlen wird: ganz rechts und ein bisschen links, bei den Nazis und der Linkspartei. Sollte die deutsche Bourgeoisie nicht nach 75 Jahren ein zweites Mal wagen, die faschistische Variante zu wählen, wird sie sich mit den letzten der Sozialdemokraten arrangieren müssen, die eine Chance haben, ihren kleinen Leuten die Kosten der Sanierung des Kapitalismus in erträglichen Portionen aufzuladen. Wenn sie schreiten Seit an Seit, der Mann der Kasse mit dem Mann der Masse, Ackermann mit Lafontaine, zieht mit ihnen die neue Zeit. Gemeinsam wären sie unaus- und unwiderstehlich. Ende der Geschichte. Nicht zu verwechseln mit dem 1992 von Francis Fukuyama angekündigten, sondern das Gegenteil. (Konkret 01/09)

Fro schrieb am 13.05.2010 um 01:06 Du zitierst hier schon seit etlichen Jahrhunderten verstorbene Autoren und einen uralten Text von Gremliza. Vielleicht schilderst du einfach einmal in knappen selbst formulierten Sätzen, was dein aktuelles Problem ist.

fidelche schrieb am 13.05.2010 um 11:23 @Fro schrieb am 13.05.2010 um 01:06    Ich habe meinen Text mit dem berühmten Tulpenbeispiel eingeleitet, damit bewiesen dass die Globalisierung nicht Voraussetzung für Spekulation ist. Danach stellte ich „linke“ Theoretiker (Ausnahme Feder) vor, die den„Zins“ als Hauptproblem des Kapitalismus sehen. Diese Ideologie wirkt noch heute in vielen Köpfen. Siehe z.B. F. Müntefering. Marx ist zwar tot, seine Theorien stimmten größtenteils zu seinen Lebzeiten und eben auch noch heute. Mit eigenen Worten erklärte ich die aktuelle Wirtschaftskrise. Stichwort: Überakkumulation. Der Text von Gremliza ist vom Januar 2009, also nicht uralt. Dieser Text ist aktueller denn je. Bitte ließ ihn nochmal durch. Wenn es dann in den nächsten Jahren den ReformEuro gibt, kannst Du Dich bei Gremliza und bei mir entschuldigen. Wenn Du den Text liest, verstehst Du eventuell, dass es nicht um mein Problem geht, sondern auch um Deines. Ich habe vor falschen Ansätzen in der Kapitalismuskritik gewarnt. Nicht mehr und nicht weniger.

Uwe Theel schrieb am 13.05.2010 um 01:49 Wer sich wie Fidelche auf deratigen Blödsinn, wie diesen stützt: Zeev Sternhell schreibt in seinem Buch, „Die Entstehung der Faschistischen Ideologie: “Die Wurzeln des Faschismus liegen in der radikalen Linken am Beginn des 20. Jahrhunderts. Dessen führende Theoretiker waren ganz überwiegend „rechte Leute von links“, die aus dem revolutionären Syndikalismus hervorgegangen waren.“ dann nur noch unverdauten, fremden Text hubert , ansonsten nichts tut, als seine hahnebüchenen These zum 758zigsten mal herzubeten, dass „rechts von links“ käme, sollte hier keines Wortes mehr gewürdigt werden. P.S:: „regressiv“ heißt „sich (stetig) vermindern“ im übertragenen Sinne, „sich auf frühere Entwicklungsstände zurückziehen, zurückentwickeln“.Wie R. Kühnl ausführte, stellt(e) der Faschismus quasi eine Refeudalisierung des Kapitalismus dar, war also insofern eine regressive  Entwicklungsform gesellschaftlicher Herrschaft. Daher war die      „Kapitalismuskritik“ des Faschismus in jedem Fall eine „vorbürgerliche“ aber keine „verkürzte“, aber sie war nicht einmal das, sondern einfach ein weiterer Ausdruck des Rassismus im Faschismus und von keiner linken Theorie auch nur angekränkelt. Fidelche, Dein theoretisches Wissen ist erbärmlich, entsprechend sind auch Deine „Fragestellungen“. Setz Dich auf Deinen Balkon (s. Bild oben), genieße Die Frühlingsonne und pass auf, dass Du keinen Sonnenstich bekommst.

koslowski schrieb am 13.05.2010 um 07:34 @uwe theel 01:49 Mir scheint, Herr Theel, den Stich, vor dem Sie fidelche warnen, haben Sie bereits – und nicht in Folge zu starker Sonneneinstrahlung, sondern als festen Bestandteil Ihres Habitus: Arroganz, Eitelkeit und Belehrungswahn. Ich hoffe sehr, in Zukunft hier nichts mehr von Ihnen lesen zu müssen, weil Sie vielleicht doch noch den Anstand haben zu gehen oder das Management der FC seine Aufgabe wahrnimmt.

fidelche schrieb am 13.05.2010 um 11:38 @Uwe Theel schrieb am 13.05.2010 um 01:49 Uwe mit Deinem Text desavouierst Du Dich eindrucksvoll. Du belegst damit nicht nur Dein Halbwissen sondern, bist offensichtlich nicht einmal fähig, einen zugeben, etwas längeren Text zu verstehen.  1. Man kann regressiv mit rückschreitend oder zurücksetzend übersetzen. Das Gegenteil ist Progressiv. Dass Du den Begriff Regressive Kapitalismuskritik nicht kennst, sagt alles über Deine Unkenntnis aus. Bilde Dich weiter unter: Text1 und Text2    2. Ist Proudhon Frühsozialist oder nicht? Sind seine Thesen rechts oder nicht? Stichwort: Rassismus, Antisemitismus, Zins ist das Problem des Kapitalismus!   3. War Mussolini Sozialist bevor er Faschist wurde, oder nicht?  4. Was weißt Du über Silvio Gesell, des Regionalgeld und die Entsprechende Förderung von Attac?   5. Was sagst Du zu der Verdi Broschüre?  Die Fragen 2,3,4 und 5 wirst Du Dir vermutlich noch nie gestellt haben. Wenn Du ernsthaft mitdiskutieren willst solltest Du Dich bilden und nicht nur inhaltsleere Dampfplauderei ablassen, die Du irgendwo aufgeschnappt hast. Informiere Dich bitte was Überakkumulation ist und setze Dich bitte mal mit dem „tendenziellen Fall der Profitrate“ auseinander, dann wirst Du merken dass dies der Grund der Wirtschaftskrise der letzten Jahre bis heute ist. Außerdem bitte ich Dich mal über das Wort „Anknüpfungspunkte von Linken“ im Bezug auf Proudhon/Gesell nachzudenken. Vergleiche bitte die Argumentationen. Uwe, ich hab das im letzten Blog bereits angedeutet, ich mache mir ernsthaft Sorgen um Dich. Dass Du kein Logiker bist hast Du eindrucksvoll in den früheren Blogs bewiesen, aber Dein Text hier stellt alles Bisherige in den Schatten. Zuletzt bitte ich Dich eindringlich Dich mit Deinen Problemen entweder an Deinen „Gütigen Gott“ oder an den Priester Deines Vertrauens zu wenden.      Viele Grüße an Dich und an Deine Ausserirdischen fidelche

Uwe Theel schrieb am 13.05.2010 um 13:11 @ koslowski schrieb am 13.05.2010 um 07:34 @uwe theel 01:49 déjà-vu Interessant zu beobachten Herr Koslowski, wie Sie, als sich selbst wohl als Linker begreifend nicht bemerken, dass Fidelche in mindestens  rechts-bürgerlicher Manier linke Theorie mit pseudolinken Scheinargumenten  zu desavouieren sucht. Sie finden Fidelche durch meine – von ihnen nur behauptete!!! – „Arroganz, Eitelkeit und Belehrungswahn“, bedroht, wenn ich linke Positionen verteidige, stellen aber meine Redefreiheit – raffiniert, plötzlich an  meinen „Anstand“ appellierend – in Frage. So bitte nicht Herr Koslowski.

Uwe Theel schrieb am 13.05.2010 um 13:39 @ fidelche am 13.05.2010 um 11:38  Ich werde auf Deinen Fragen so nicht eingehen, weil Du sie in einem falschen Zusammenhang stellst: Die Tatsache, dass z.B. auch in deutschen Gewerkschaften, in der heutigen SPD zumal, fruchtbare Erkenntnisse der marxschen Wert- und Kapitalanalyse nicht mehr zum Tragen gebracht werden, „Kompromisse“ im Konflikt Kapital-Arbeit gesucht werden, die wohl nicht helfen, kannst Du aber nicht nutzen für deine „Fundamentalkritik“ an denen, die Du in allen      Schattierungen als „Abtrünninge Linke“ definierst, die weil sie links gewesen waren oder wären nun „rechts“ seien, mit dem Zusatzvorwurf versehen, dass sie die Chuzpe hätten sich gleichwohl als Linke weiter  auszugeben. Zusätzlich lädst Du Deine Texte immer mit einem projüdischen oder  proisraelischen (ich kann das bei Dir nicht so genau unterscheiden, zu unpräzise sind Deine Texte) Nationalismus auf, der mir Deine Positionen  fragwürdig werden läßt.. Zudem bist Du trotz, oder gerade wegen ellenlangen nur Zitierens fremder  Texte, die Du niemals selbst auslegst, allenfalls ihnen thesenartig eine  nur scheinbar selbstgefundene Aussage zuschreibst, die Du aber eben nicht  ableitest, Dich allenfalls auf wieder andere, die dieses, von Dir wieder  nicht schlüssig gemacht „auch schon gesagt“ hätten, berufst, nicht in der Lage, Dich selbst hier zum Diskussionspartner zu machen, der selbst  einsteht für das, was er sagt. So kann man nicht diskutieren. Schließlich: Auch linke Theoretiker können irren, ohne dass dewegen, das  linke Projekt als gescheitert betrachtet werden müsste. Wenn Du diese  Irrtümer wirklich diskutieren wolltest, dann müsstest Du wesentlich  spezifischer werden, dich auf einzelne Momente des Systems, bzw. der  jeweiligen Theorie beziehen und nicht immer nur Deine Gesamtglocke des      Vorwurfs „linken Antizionismus´“ darüberstülpen, die alles was diskutabel wäre mit dem Fruchtbaren gemeinsam „abschließt“ in jedem Sinne des Wortes.   ut

koslowski schrieb am 13.05.2010 um 13:41 @uwe theel 13:11  1.Ja, ich verstehe mich als Linker, ohne immer genau zu wissen, was das ist.  2. Wenn Ihr Anspruch, der idealtypische Repräsentant linker Rationalität, linker Haltungen und linker Kommunikationsformen zu sein, zutreffend sein sollte, dann möchte ich lieber nicht mehr zur Linken gehören. 3. Die Einsicht, dass Sie ( in Ihrer Rolle als virtueller Uwe Theel ) der sind, als den ich Sie in meinem Posting von 07:34 beschreibe, bedarf keiner umständlichen Textanalysen und subtilen Argumentationen, sondern nur der Lektüre Ihrer Zeilen – hier und anderswo. 4. Ihre Redefreiheit findet ihre Grenze dort, wo Sie andere beleidigen.  Das war’s, Herr Theel. Ich werde Sie in Zukunft ignorieren.

fidelche schrieb am 13.05.2010 um 13:49 @Uwe Theel schrieb am 13.05.2010 um 13:11        Unfassbar Uwe, Du reitest Dich immer mehr in den rechten Sumpf, wenn Du folgendes schreibst: „Interessant zu beobachten Herr Koslowski, wie Sie, als sich selbst wohl als Linker begreifend nicht bemerken, dass Fidelche in mindestens  rechts-bürgerlicher Manier linke Theorie mit pseudolinken Scheinargumenten zu desavouieren sucht.“        Das heißt übersetzt, Proudhons Kritik am Zins, sein Rassismus, sein Antisemitismus („Der Jude ist der Feind der menschlichen Art. Man muss diese Rasse nach Asien verweisen oder vernichten“ ), seine Frauenfeindlichkeit nennst Du entweder ahnungslos oder kritiklos „linke      Theorie“.Mittlerweile habe ich große Zweifel über Deiner politischen Einstellung. Uwe Theel, ich fordere Dich in aller Freundschaft auf, Dich von den rassistischen, antisemitischen und frauenfeindlichen Thesen Proudhons hier eindeutig zu distanzieren und diese in Zukunft nicht mehr „linke Theorie“ zu nennen!!    Hoffend fidelche

thinktankgirl schrieb am 13.05.2010 um 13:57 Uwe Theel, ich fordere Dich in aller Freundschaft auf, Dich von den rassistischen, antisemitischen und frauenfeindlichen Thesen Proudhons hier eindeutig zu distanzieren und  diese in Zukunft nicht mehr „linke Theorie“ zu nennen!! Aha, der Lordsiegelbewahrer der reinen linken Theorie ist wieder zugange

Uwe Theel schrieb am 13.05.2010 um 14:11 @ fidelche schrieb am 13.05.2010 um 11:38   Du hast mich gebeten, mich kundig zu machen was „regressive Kapitalismuskritik“ sei. Ich habe hier einen Deiner Gewährsleute. Lothar Galow-Bergemann, gefunden und was wird mir da in einer Veranstaltungsankündigung z.B. „erklärt“: Mannheim, Sonnabend, 7.11.2009, 18.00 Uhr, Juz Mannheim, Käthe-Kollwitz-Str.4 Heuschrecken, Gier und Weltverschwörung – Die Krisendeutung des regressiven Antikapitalismus  Mit Lothar Galow-Bergemann   Zusammen mit der Krise wächst die Kritik am Kapitalismus. Könnte man meinen. Doch was da dicke Backen macht gegen böse Bankster, gierige Geldsäcke, heimtückische Heuschrecken und schachernde Spekulanten ist  erstens dumm und zweitens brandgefährlich. Diese Sorte “Antikapitalismus”   erfordert wenig Gedankenarbeit, liefert einem aber das gute Gefühl, man      sei so richtig radikal und kritisch. Neu ist das nicht. Im nationalsozialistischen Programm der Judenvernichtung hat es sich schon einmal ausgetobt. Aber auch Geschichte und aktuelle Politik der Linken sind gespickt mit Pseudo-Antikapitalismus. Was ist regressive     Kapitalismuskritik? Wie kann man sie erkennen und bekämpfen? Und wie kann  man trotzdem AntikapitalistIn sein? Referent: Lothar Galow-Bergemann http://www.emanzipationundfrieden.de./ Veranstalter: Fachschaft für politische Bildung/ag_ufo agufo.blogsport.de/termine/     Ich lerne daraus, „regressive Kapitalismuskritik“ ist eine Chiffre unter der Positionen zusammengefaßt werden, die – mindestens Teilen – der Linken  vorgeworfen wird als nicht mehr linke Theorie zu sein, ja deckungsgleich  zu sein mit nationasozialistischer Theorie. Dass es keine nationalsozialistische „Theorie“ gegeben hat, sondern nur  ein pseudotheoretisches Konvolut rassistischer Herrschaftsansprüche,  scheint sich immer noch nicht bis zu dir herumgesprochen zu haben. Dieses  Nazigedankengut gleich zu setzen selbst noch mit dem harmoniesüchtigsten   Kompromißvorschlag heutiger deutscher Gewerkschaften dem Kapital gegenüber  oder analoger Äußerungen der heutigen SPD ist nur abenteuerlich zu nennen.  Selbst ich, der ich der SPD in ihrer offiziellen Gestalt heute ablehnend      gegenüberstehe, würde die Partei gegen diesen Vorwurf, den Du Dir offenbar zu eigen gemacht hast, verteidigen, selbst da ich die jeweilige derartig   falsch kritisierte Position – aber eben aus anderen Gründen – als nicht  politikfähig erkennen würde.

fidelche schrieb am 13.05.2010 um 14:13 @Uwe Theel schrieb am 13.05.2010 um 13:39        Mensch Uwe, Du hast tatsächlich den Text nicht verstanden. Ich versuche Dir zu helfen. Ich habe bezugnehmend auf die aktuelle Wirtschaftskrise, mit dem Tulpenbeispiel beginnend einige „linke“ Theoretiker kurz vorgestellt,  dazwischen diese „linken“ Theoretiker mit einem Textauszug des NSDAP Manns  Feder verglichen um anschließend die Marxsche Antwort kurz zu skizieren. Danach habe ich versucht mit eigenen Worten die aktuelle Wirtschaftskrise  zu erklären. Kurz vor Ende das Zitat von Sternhell, dann als Schlusssatz meine Position: Es ist zum einen falsch mit der Marxschen Ökonomie zu brechen (wie Proudhon dies tat) und ich weise auf die Gefahren der Anknüpfungspunkte hin. Mussolini hat beispielsweise „angeknüpft“. Mir ist mittlerweile nicht mehr klar ob Du Mussolini für einen Faschisten oder für einen Sozialisten hältst. Das Wort Antizionismus ist in meinem Text nicht gefallen. Das war eine andere Veranstaltung!! Es geht nicht darum ob sich linke Theoretiker irren können. Es geht darum welche Theorie stimmig ist und welche nicht. Proudhons Theorie ist falsch, im Gegensatz zur Marxschen Theorie.        Bitte, bitte, bitte, bitte, bitte lies den 3. Band vom Kapital, informiere und bilde dich über: Überakkumulationskrise, tendenzieller Fall der Profitrate, Mehrwerttheorie. Dann wirst Du verstehen dass der Ansatz von  Proudhon (der Zins ist das Übel des Kapitalismus) falsch ist. Ich kann das auch noch hundertmal wiederholen, bezweifle aber langsam ob dies bei Dir hilft. In der Schule sagte mal ein Lehrer: “Wollt ihr nicht verstehen oder könnt ihr nicht verstehen?“ PS: Vergiss Deinen Widerruf nicht!! (Meine Aufforderung vom 13.05.2010 um 13:49)      Viele Grüße fidelche

Uwe Theel schrieb am 13.05.2010 um 14:25 @ Fidelche, am 13.05.2010 um 13:49 Ich bitte nicht unsachlich zu werden.Weder habe ich mich für Prodhouns oder irgend eines anderen Theoretikers,      von wem auch immer, für was auch immer gehaltenen Thesen ausgesprochen, lasse mir dies daher auch nicht unterstellen, brauche daher auch nichtszurück zu nehmen. Ich habe in meinen letzen Beiträgen sehr deutlich gemacht, dass ich Deine, Fidelches Methode, Deine Diskussionen zu führen aus methodisch/theoretischen Gründen als für keine Basis eines konstruktiven Dialogs ansehe. In ein zwei Punkten habe ich Dich sogar auf „innertheoretische“  Knackpunkte (Gleichsetzung links-rechts, Nationalismusimplikat) Deiner Argumentation hingewiesen, die eine wirkliche Diskussion unmöglich machen, weil Du nicht darauf eingehst. Als ich mit der Kühnl`schen These des Nationalsozialismus als Refeudalisierung die Diskussion auf theoretisch fundierte Füße stellen wollte, konntes Du nicht antworten. Statt dessen kommt der bisher unbelegte Vorwurf wieder, ich wäre derjenige der sich hier mit Nazipositionen einschliche.    ut

fidelche schrieb am 13.05.2010 um 14:36 @Uwe Theel schrieb am 13.05.2010um 14:11   Hallo Uwe, immerhin machst Du den Versuch Dich zu bilden. Das freut mich.Ich habe das Nazigedankengut nicht mit den Gewerkschaften gleichgesetzt, wohl aber auf die Parallelen bezüglich der Kritik am Finanzkapital aufmerksam gemacht.Du schreibst:  Dass es keine nationalsozialistische „Theorie“ gegeben hat, sondern nur ein pseudotheoretisches Konvolut rassistischer Herrschaftsansprüche, scheint sich immer noch nicht bis zu dir herumgesprochen zu haben. Wenn Du so etwas schreibst, gehe ich davon aus dass Du das 25 Punkte  Programm der NSDAP von Gottfried Feder nicht kennst. Wenn Du es liest,  wirst Du erkennen dass Feder sehr viele „Anleihen“ bei Proudhon und Silvio Gesell genommen hat. Wenn es Dich interessiert lass ich es Dir das  65-Seite NSDAP-Elaborat per eMail zukommen. Viele Grüße fidelche

fidelche schrieb am 13.05.2010 um 14:54 Uwe Theel schrieb am 13.05.2010 um 14:25  Uwe, die Refeudalisierung des Faschismus ist nicht mein Thema. Mir geht es um die Wurzeln rechter Ideologie. Und da bin ich bei Sternhell. Ich sehe die  Anknüpfungspunkte. Ich sehe den Werdegang von Mussolini, der ein sehr gutes Beispiel für Sternhells These ist. Ich setze übrigens keineswegs links-rechts gleich. Mit der  Totalitarismus-Theorie hat mein Text und habe ich keineswegs etwas zu tun. Meine These habe ich hinreichend beschrieben und erläutert. Die falsche Theorie Proudhons und anderen (Fourier, Gesell usw.) bietet     Anknüpfungspunkte auch für Linke für eine rechte Ideologie. Wie soll ich Deinen folgenden Satz anders interpretieren: „Interessant zu beobachten Herr Koslowski, wie Sie, als sich selbst wohl als Linker begreifend nicht bemerken, dass Fidelche in mindestens rechts-bürgerlicher Manier linke Theorie mit pseudolinken Scheinargumenten zu desavouieren sucht.“ Ich bitte Dich nochmal, Dich eindeutig von Proudhons rassistischen, antisemitischen und frauenfeindlichen Thesen hier eindeutig zu distanzieren und diese in Zukunft nicht mehr „linke Theorie“ zu nennen!!   Gruß fidelche

Uwe Theel schrieb am 13.05.2010 um 14:56 @ fidelche schrieb am 13.05.2010 um 14:13  PS: Vergiss Deinen Widerruf nicht!! (Meine Aufforderung vom 13.05.2010 um 13:49) Sätze wie diese kenne ich eigentlich nur aus zu Zusammenhängen, in denen Du Dich doch wahrscheinlich auch nicht wiederfinden willst. Aber um doch auch einmal und völlig off topic zu werden, wahlweise als ironisch oder polemissch begriffen werden zu können, frage ich Dich jetzt  einmal etwas: Wann werden wir denn von dir einen Blog bekommen, der Marx so in Frage stellt, wie du bisher den Rest der Linken in Frage gestellt hast, denn quellenmäßig läßt sich belegen, dass Marx durchaus frauenfeindliche und antisemitische Züge an sich hatte. Bis jetzt verteidigst Du ja seine reine  Lehre trotzdem gegen alle Abirrungen beim Rest der Welt, so wie bei mir,  die Dir alle bekannt sind.  ut                P.S.: Bitte sorge Dich nicht weiter, weder um meinen Geist, noch um meine Lektüre. Der eine ist noch bei mir, für das andere habe ich nun schon über vier Jahrzehnte nicht unbeträchtlich Zeit aufgewandt (die Kinderbücher  nicht mitgerechnet), aber zugegeben es gibt immer noch was, was ich noch lesen könnte, selbst bei Kochbüchern.

Uwe Theel schrieb am 13.05.2010 um 15:04 @ fidelche schrieb am 13.05.2010 um 14:36           Sag mal Fidelche, glaubst Du allen Ernstes, dass das zusammenhanglose, unfundierte  Abschreiben von Proudhon-„Stellen“ durch Feder, selbst in einer Reformulierung Feders überhaupt auch nur „Anleihen“ bei Proudhon sein können, gar Proudhan bestätigen könnten, noch dazu, da Proudhon durch Marx selbst schon widerlegt worden war? Und jetzt soll auch noch ich Prodhoun widerrufen? Fidelche das ist, gelinde gesagt, unfundiert.  ut

goedzak schrieb am 13.05.2010 um 15:17 Links? Theorie??? – UnterAufbietung aller Freundlichkeit könnte man sagen: linkisch!

goedzak schrieb am 13.05.2010 um 15:18 Soll @thinktankgirl gehen.

Uwe Theel schrieb am 13.05.2010 um 19:03 fidelche schrieb am 13.05.2010 um 14:54  Ich setze übrigens keineswegs links-rechts gleich. Mit der Totalitarismus-Theorie hat mein Text und habe ich keineswegs etwas zu tun. Meine These habe ich hinreichend beschrieben und erläutert. Die falsche Theorie Proudhons und anderen (Fourier, Gesell usw.) bietet Anknüpfungspunkte auch für Linke für eine rechte Ideologie. Fidelche, ich versuch`s noch einmal: Auf der obersten Abstraktionsebene sagst Du: 1. „Ich setze übrigens keineswegs links-rechts gleich“ Dann sagst Du gleichzeitig 2. „ Die falsche Theorie Proudhons und anderen (Fourier, Gesell usw.)bietet Anknüpfungspunkte auch für Linke für eine rechte Ideologie.“So und jetzt wird`s schwierig: a.) Da Du bisher nicht bereit bist, zuzugestehen, daß ein Linker, der rechte Theorie vertritt kein Linker mehr ist, sondern ein Rechter , hast Du logisch, entgegen o. Satz 1. in solch einer Person „links = rechts“ gesetzt. Aber in o. Satz 2. gehst Du noch viel weiter und da wird`s dann noch mal schwieriger: b) Du behauptest dort, daß sich „rechte“ Theorie aus linker Theorie heraus entwickeln ließe, letztere also in ersterer schon angelegt, enthalten sei. Diese These hast Du bisher an noch keiner einzigen Stelle Deiner vielen Blogbeiträge im Freitag belegen können. Bleiben wir an Deinem Beispiel Proudhon – Marx – Feder: Die Tatsache, daß Proudhon und Feder beide den Begriff „Zinsknechtschaft“ bemühen, den Marx im Kapitalgesetz mit der Rolle des Zinses und der Mehrwertbildung, bzw. desssen Aneignung durch den Kapitalisten – kurz: dem Kapital- und Wertgesetzt – als Sprengsatz für den Kapitalismus selbst wirklich faßte, bedeutet noch lange nicht, daß Proudhon und Feder beide dasselbe meinen, geschweige denn den Marx´schen Begriff und dessen Folgerungen im Kopf hätten, also alle letzlich ein und derselben Theorie, nur je weniger, oder mehr entwickelt, oder mit mehr oder weniger Fehlern behaftet, folgten, was aus Deinem o.a. Satz 2. folgen müßte. Um es kurz zu machen: Alle drei Autoren haben einen verschiedenen Begriff von gesellschaftlich organisierter Herrschaft, und von der Rolle des Eigentums dabei. (Ich schenke mir jetzt hier die Einzelheiten – ansonsten belege mir deren Gleichheit, dann werde ich ausführlich). Marx „trennte“ sich nicht zuletzt darum von Proudhon, weil dessen Ansatz für ihn – wieder kurz gesagt – zu reformistisch war. Selbst wenn die Nationalsozialisten mit Feder auf das Proudhon´sche Modellzurückgriffen, so beharrten sie dabei in elementarster Weise weiter auf dem Institut des kapitalistischen Privateigentums, sodaß die Familie Krupp z.B. nie Sorge hatte, sie könnte unter Hitler etwas entscheidendes verlieren. Da hätte wohl selbst Proudhon sich mehr vorstellen können. Letztlich aber interessierte einem Mann wie Feder gar nicht, was Akkumulation, Zins oder Mehrwert wirklich sei, das wäre ja Marxismus gewesen; mit Proudhon hätte es keinen Führerstaat mit durchorganisierter Wirtschaft geben können. Jeder aber konnte beobachten, daß der Zins, egal,wie dessen Wirkungsgesetz sei, „es“ macht, zur Last ja zur finalen Gefährdung des Systems wird. Was lag den Faschisten also näher, als dies – völlig unwissenschaftlich – als Machenschaft der „jüdischen Zinsherrn“ zu brandmarken. Niemand brauchte zu wissen, wie es geht, aber man hatte jemanden, einen Schuldigen gefunden, der es ja offensichtlich machte. Da brauchten die Nationalsozialisten keine Theorie, eine linke schon gar nicht, sondern nur eine Praxis, die rassistische, barbarische der Judenvernichtung. So Fidelche, hier habe ich nun einmal versucht den Kern einer„Argumentation“ zu zeigen. Deine Methode, (lange) Zitate von Autoren nur abzuschreiben, aus dritter Quelle diese als entweder genuin marxistisch oder aber antisemitisch, antizionistisch, anti-ich-weis-nicht-was zu kennzeichnen, dann von deinen Lesern zu verlangen, sie sollten sich von den „Anti“-Positionen distanzieren um Dir und der Welt zu beweisen, daß sie wirkliche Linke seien, die sie nicht sein könnten, wenn sie nicht Positionen öffentlich ablehnten, von denen Du nicht nur behauptest, sie seien nicht links, sondern zudem von Linken aus linker Theorie abgeleitet worden, ohne, daß Du diesen Ableitungsvorgang als unvermeidlich oder sonstwie selbst belegt hättest, funktioniert nicht.     ut                 P.S.: Die von mir jetzt noch einmal skizzierte Methode „fidelche“, würde, wendete ich Sie an, mir von Koslowski als mindestens „Rechthaberei“ oder dogmatisch um die Ohren gehauen.

Uwe Theel schrieb am 13.05.2010 um 20:28 @ fidelche schrieb am 13.05.2010 um 13:49 „Unfassbar Uwe, Du reitest Dich immer mehr in den rechten Sumpf,…“ fidelche, es wäre wirklich angebracht, wenn Du mit solchen Formulierungen, wie o.a. – sagen wir – zurückhaltender wärest. Mit zu unterstellen, ich hielte einen Satz wie diesen („Der Jude ist der Feind der menschlichen Art. Man muss diese Rasse nach Asien verweisen oder vernichten“ )“ für „linke Theorie“ ist mehr als abseitig. Du scheinst, ich versuchte es Dir an anderer Stelle schon zu erklären, nicht zu bemerken, dass ich mit Dir auf der Ebene der Theoriebildung oder -bewertung gar nicht kommuniziert habe. Deine „Übersetzung“ meiner Ansprache an Koslowski ist vollkommen daneben. Ich habe Koslowski gegenüber Deine Methode, ich nannte sie an anderer Stelle die „Methode fidelche“, kritisiert, mit der Du hier versuchst, Deine Thesen durch die Blogger bestätigt zu finden. Die ist nun wahrhaftig nicht links, nicht dialektisch, nicht materialistisch, kein garnix, allenfalls ideologiebildend. Deinen Methode ist aber erst mal schon garnicht die Theorie, die hier zur Debatte stünde. Wenn Du Der Meinung bist, dass sich durch Linke aus linker Theorie rechte Theorie ableiten ließe, dann mußt Du diese Ableitung belegen. Dieser Beleg wird nicht automatisch dadurch geführt, dass Du einen ideologischen Hintergrund (Antisemitismus) als in jedem fall automatisch die Theoriebildung bestimmend annimmst. Wenn Proudhon vor Marx einen kausalen Zusammenhang zwischen Zinsknechtschaft und dem Wirken der Juden als Juden als verachtenswerte Zinsherrn annahm, dann wäre nähmlich umgehkehrt zu erklären, wie aus dem Proudhon`schen Ansatz die Weiterentwicklung des Marxchen Ansatzes im Kapital- und Wertgesetz möglich war, das ja offensichtlöich ohne die Ideologiekomponente auskam. Wer war dan hier linker, wer rechter Theorethiker und warum nicht umgekehrt, oder so …..ut

fidelche schrieb am 14.05.2010 um 10:40 @Uwe Theel schrieb am 13.05.2010 um 14:56     Hallo Uwe, ich habe und werde Marx, wie bereits in einem früheren Blog (Slánský) bereits ausgeführt, trotz seiner Schrift zur Judenfrage nicht des Antisemitismus bezichtigen. Obwohl es einige problematische Passagen gibt würde ich Marx nicht als Frauenfeindlich titulieren. Betonfeministinnen können das durchaus völlig anders sehen. Völlig anders sehe ich Proudhon, der offen frauenfeindlich, rassistisch und antisemitisch war. fidelche

fidelche schrieb am 14.05.2010 um 10:43 @Uwe Theel schrieb am 13.05.2010 um 15:04 Hallo Uwe, das Marx Prodhoun widerlegt hat, war für Feder nicht relevant. Das müsste Dir doch klar sein. Feder war Nazi, deshalb gefielen ihm Proudhons Zinstheorie, sein Rassismus, sein Antisemitismus.              UT:Und jetzt soll auch noch ich Prodhoun widerrufen? Ja, Du sollst Dich eindeutig von Proudhons rassistischen, antisemitischen und frauenfeindlichen Thesen eindeutig distanzieren und diese in Zukunft nicht mehr „linke Theorie“ zu nennen!! Viele Grüße fidelche

fidelche schrieb am 14.05.2010 um 11:07 @Uwe Theel schrieb am 13.05.2010 um 19:03 Uwe, ich sehe Du hast Dich bemüht. Leider geht Dein Text haarscharf an der Problematik vorbei. Ob es Feder interessierte was Akkumulation oder Mehrwert ist, ist nicht relevant. Seine Zinstherie entsprach der Proudhons und Gesells. Den Schuldigen hatten nicht erst die Nazis gefunden. Bereits Proudhon wusste, „ dass die Juden Schuld sind.“ Proudhons Satz „Eigentum ist Diebstahl“ wurde später in seiner Theorie immer mehr ins Gegenteil verwandelt. Proudhon verteidigte Privateigentum,“ wenn es aus eigener Arbeit entspringt, gegen Wucher und Spekulanten“. Der „Nachfolger“ Proudhons, Silvio Gesell verteidigte ebenfalls das Eigentums, war Teilnehmer der Münchner Räterepublik, verteufelte den Zins, sprach vom rostenden Geld, war Sozialdarwinist. Bilde Dich dazu unter Schwundgeld, Menschenzucht und Antisemitismus Nochmal Uwe, ganz langsam für Dich: In meinem Text weise ich darauf hin, dass Faschismus und Nationalsozialismus mit regressiver Kapitalismuskritik agieren. Zum weiteren weise ich darauf hin dass viele frühsozialistische Theoretiker regressive (verkürzte) Kapitalismuskritik betrieben. Im Gegensatz dazu hat Marx den Kapitalismus wissenschaftlich, inhaltlich stimmig erklärt. Ebenfalls weise ich darauf hin dass der Antikapitalismus vielergegenwärtigen Linker und anderen Organisationen verkürzte Kapitalismuskritik beinhaltet.Verkürzte Kapitalismuskritik stelle ich bei Teilen vieler linken Organisationen fest. Attac, Gewerkschaften, SPD, Linkspartei, Grünen usw. In jeder dieser Organisationen gibt es aber Gegenkräfte, deren Position ich vertrete: Die Widersprüche des Kapitalismus haben keineswegs die Ursache im Finanzkapital. (Tendenzieller Fall der Profitrate, Mehrwerttheorie, Überakkumulation)  Unverantwortliche Spekulanten und habgierige Bankmanager zu verteufeln, lenkt von den Ursachen der Widersprüche der kapitalistischen Systems ab. Diese entweder unwissenden oder bewusst die Unwahrheit predigenden      „Kapitalismuskritiker“ besorgen das Geschäft der Bourgeoisien. Ein Beispiel dafür ist das Verdi Flugblatt.Uwe, wie ist Deine Position? Ist das Finanzkapital Deiner Meinung das große Übel des Kapitalismus? War Mussolini Faschist oder Sozialist? Mit Deiner Antwort erwarte ich Deinen klaren Widerruf. Das Bisherige war mir nicht eindeutig genug.           Gruß fidelche

Uwe Theel schrieb am 14.05.2010 um 13:02 @ fidelche schrieb am 14.05.2010 um 11:07     Ebenfalls weise ich darauf hin dass der Antikapitalismus vieler  gegenwärtigen Linker und anderen Organisationen verkürzte Kapitalismuskritik beinhaltet. Verkürzte Kapitalismuskritik stelle ich bei Teilen vieler linken Organisationen fest. Attac, Gewerkschaften, SPD, Linkspartei, Grünen usw. In jeder dieser Organisationen gibt es aber Gegenkräfte, deren Position ich vertrete: Die Widersprüche des Kapitalismus haben keineswegs die Ursache im Finanzkapital. (Tendenzieller Fall der Profitrate, Mehrwerttheorie, Überakkumulation) Unverantwortliche Spekulanten und habgierige Bankmanager zu verteufeln, lenkt von den Ursachen der Widersprüche der kapitalistischen Systems ab. F***C+++ (= ausdrücklich nicht: Freitag Community)

Auf Deine Rolle als Großinquisitor (Widerruf) und Hüter des Grals der reinen Leere will ich hier gar nicht eingehen. Aber, 1) solange Du nicht einmal erkennst, daß Marx gerade mit der Entdeckung des Gesetzes des tendenziellen Falls der Profitrate, bzw. der Enthüllung dessen Cagrakters, als des Mechanismus´, der die Akkumulation an ihre innere Grenze, damit das System an seine Grenze führt, den „Knackpunkt“ des System benennen kann und das dieses Gesetz, da das Kapital, incl. seiner Fraktion „Finanzkapital“ alles, schließlich natürlich auch sich selbst in Form von „Finanzprodukten“ unter sich subsumiert – was ihm aber auch nicht zu ewigem Leben verhelfen wird – ist Deine o. von mir zitierte Passage schlicht Unsinn. 2) Solange Du nicht für fünf Pfennig in der Lage bist auch nur an einer Stelle für deine Lieblingsthese den auch nur theoretischen Beweis anzutreten, dass Faschismus – von Theorie kann man hier niemals reden – aus linker Theorie oder Praxis ableitbar war oder wäre, setze ich mich mit Deinem – sorry – Gefasel nicht mehr auseinander. Nochmal: Deine mechanistische Komparatistik ersetzt keine Theoriebildung. Schreib für den Boulevard, falls Du das Volk wirklich verdummen willst.      ut

Rahab schrieb am 13.05.2010 um 08:19 und wer hat bei den hier angeführten gestalten  http://www.zionismus.info/zionismus/schoeps-3.htm  http://www.zionism-israel.com/dic/Poalei_Tziyon.htm  alles nicht richtig gelesen? oder wurde denen bösartigerweise ne schlechte/falsche übersetzung untergeschoben?

Ehrlicher schrieb am 13.05.2010 um 17:29 Ich habe tatsächlich alles durchgelesen. Jetzt ist mir endlich mal eingefallen, warum die (linken)antikapitalistischenTheorien mich immer so angeödet haben: Weil sie sich mit nichts anderem beschäftigen, als mit dem Kapital. Das mag einer Dummheit nennen. Aber ich möchte das Leben und die Menschen eben so nicht ansehen. Ich möchte nicht alles in links und rechts und -ismen einteilen und am wenigsten selber als -ist angesehen werden. mag sein, dass in den nächsten Jahren der Reformeuro kommt. Aber ich denke eben immer mehr an die Vulkane, die demnächst wahrscheinlich alle noch ausbrechen, an die ganze Zerstörung dieser Erde, an die großen Leiden, die zusätzlich zu diesen noch auf uns zukommen werden und an den alten weisen Indianerhäuptling, der gesagt hat: „Erst wenn die Bäume anfangen, von oben abzusterben und der Adler seine Beute auf dem Grund nichtmehr erkennen kann, werden die Menschen einsehen, dass man Geld nicht essen kann.“ Da ist es dann auch egal, ob der Euro vorher noch reformiert worden ist ! Aber, fidelche: Ich achte durchaus Ihre Gedanken- und Abschreib-Arbeit und ich habe einiges daraus gelernt ! Vielen Dank ! Das finde ich auch das Gute an den Blogs, das jeder zu allem seinen Senf dazugeben kann ! Ich mag bloß keine Niederträchtigkeiten. Die gibt es ja leider auch nicht zu knapp. Schade immer wieder ! Aber sonst: Danke !

Pjotr ‚Petka‘ Pustota schrieb am 13.05.2010 um 18:52 nur weil die nazis als auch mussolini proudhon, gesell, nietzsche, marx etc. zitieren oder aus dem zusammenhang gerissen die ihnen nützlichen teile heranziehen, sind proudhon etc. noch keine wegbereiter des faschismus; gerade keine nationalsozialistischen theoretiker. richtig ist es aber dennoch ihre analysen und philosophien zu hinterfragen gerade im hinblick auf ihren antisemitismus.

Achtermann schrieb am 13.05.2010 um 20:13 Was lerne ich aus diesem Blog? Wäre ich Teil der Arbeiterklasse, die den Kapitalismus als revolutionäres Subjekt abschaffen sollte, würde ich das in Unkenntnis der Theoretiker tun müssen, die hier abgehandelt werden. Ich hätte nur die vereinfachten Glaubenssätze verstehen können, da die Zeit, die Polit-Philosophen zu lesen oder diese gar zu verstehen, meine körperliche Regenerationsphase gar nicht zuließe. Letztlich wird diese Eventualität des Klassenkampfes gar nicht eintreten, weil die Theoretiker, die Strategieplaner, die programmatischen Schreiber sich selbst spalten. Der Klassengegner kann sich in seinem Clubsessel zurücklehnen und den Profit und die damit verbundene Macht genießen.

Uwe Theel schrieb am 13.05.2010 um 21:21 Hallo Achtermann, nicht dass ich ihnen irgendein Wort Ihres Kommentars absprechen wollte, aber interessieren würde mich schon einmal, ob sie einen Kommentar gleichen Tenors auch zu Michael Jägers ambitionierten freitag-projekt Die Andere Gesellschaft http://www.freitag.de/community/blogs/michael-jaeger/0-die-andere-gesellschaft-gliederung-in-kapitel-und-tagebuch abgeben würden?     mfg  ut

fidelche schrieb am 14.05.2010 um 10:35 @Achtermann schrieb am 13.05.2010 um 20:13       Hallo Achtermann,Der Klassengegner (Westerwelle) sagt: Um diese Wirtschaftskrise zu meistern muss dem Spekulantentum Einhalt geboten werden. Münteferings  Heuschreckendebatte sollte von den eigentlichen und grundsätzlichen Widersprüchen des Kapitalismus ablenken. Da Du im Religionsblog bereits auf der richtigen Seite gekämpft hast, gehe ich davon aus dass Du nach Deiner körperliche Regenerationsphase die rote Armbinde anlegst und auf meiner Seite der Barrikade stehst.   Gruß fidelche

goedzak schrieb am 14.05.2010 um 10:43 LOL!   „auf der richtigen Seite gekämpft“, „die rote Armbinde anlegst“ – f****c**, manchmal denke ich, Du bist ein Satire-Projekt… Hallo Redaktion, da will ein Anonymus von der Titanic den Freitag veräppeln!!!

Magda schrieb am 14.05.2010 um 11:03 Das wirds wohl sein, lieber goedzak.Bei „Armbinde“ dachte ich auch noch an die allgemeine fidelche Rote-Armbinden-Verwickel-Technik. Oh Mann, wahrscheinlich eine höchst tiefsinnige Verarsche.

fidelche schrieb am 14.05.2010 um 11:12 @goedzak schrieb am 14.05.2010 um   10:43 Es freut mich wenn Du auch mal lachen kannst. Inhaltlich kannst Du aber offenbar nicht so sehr viel zum Thema beitragen. Das ist ein bekanntes Phänomen bei Dir und Deinen Freundinnen. Ich werde mal bei Sigi Freud nachlesen, woran das liegen könnte.

Rahab schrieb am 14.05.2010 um 11:17 und ich stellte mir mal wieder die  frage, ob die redaktion den verbandskasten schon griffbereit auf dem tisch zu liegen hat.

fidelche schrieb am 14.05.2010 um 11:30 @Rahab schrieb am 14.05.2010 um11:17  Hallo gebenedeite Rahab, was will mir die „Dichterin“ damit sagen? Viele Grüße fidelche

Rahab schrieb am 14.05.2010 um 11:57 ist das so schwer zu er-lesen?    verbands-kasten! blutige nasen…

Achtermann schrieb am 14.05.2010 um 12:04 @fidelche  Danke für Deine Empfehlungen für mich. Das mit der roten Armbinde werde ich mir noch überlegen. Um die Revolution weiter voranzubringen, gestatte ich mir einen Tipp für Dich. Ändere Deinen Revolutionsnamen! fidelche haben schon einige als Diminutiv zur Kenntnis genommen. Ich würde an Deiner Stelle daraus Che-Fidel machen. Da spürt man so richtig den Barrikadenkämpfer.

fidelche schrieb am 14.05.2010 um 12:50 @Achtermann schrieb am 14.05.2010 um 12:04    kein schlechter Tip. Vielleicht frag ich die Redaktion ob ich es ändern kann. Andererseits ist fidelche so schlecht auch wieder nicht. Bei einer Namensänderung hätte die Gegenseite überhaupt keine Argumente mehr. Entscheidend ist die Idee die dahintersteckt.   Gruß fidelche

Magda schrieb am 14.05.2010 um 13:24 Du lieferst doch auch keine Inhalte.Du lieferst woanders aufgeklaubten Content.  Das ist ja der Jammer mit Dir. Dein einziger Vorteil ist, dass die Leute Dich hier noch eine Weile halbwegs ernst nehmen. Ich sowieso nicht.

fidelche schrieb am 14.05.2010 um 14:04 @Magda schrieb am 14.05.2010 um13:24    Schade…

Pjotr ‚Petka‘ Pustota schrieb am 14.05.2010 um 11:33 fidelche    deinen missionarischen eifer in allen ehren. aber wie du gemerkt hast, erreichst du damit nicht viel; gerade wenn du den pfad der sachlichkeit  verlässt und einzelne personen persönlich angreifst. mit fehlenden argumenten kannst du hier leider nicht überzeugen. und den inhaltlichen weg hat diese debatte schon sehr früh verlassen. ich bitte darum auf den pfad der sachlichkeit und den austausch von stichhaltigen argumenten zurückzukehren und polemik, persönliche angriffe,arroganz etc. zu hause auf dem notizzettel zu lassen

fidelche schrieb am 14.05.2010 um 11:53 @ Pjotr ‚Petka‘ Pustota schrieb am 14.05.2010 um 11:33  ich stimme grundsätzlich zu, verweise aber auf das Ursache- Wirkung Prinzip.

NOX schrieb am 14.05.2010 um 12:30 eine Meinung: ich fand den Beitrag ganz interessant. Mir ist sofort der Ökonom Schumpeter eingefallen, der ja –wenn ich mich recht entsinne- die Unterscheidung zwischen raffendem und schaffendem Kapital kannte. Zwanzig Jahre her, dass ich den gelesen habe. Den Artikel von Gremliza habe ich auch gerne gelesen. Dieses Thema mit dem Antisemitismus, den es innerhalb der Linken gebe oder nicht, ist ein  bischen interessant und innerhalb der radikalen Linken wohl noch virulent. Israel geht ungerecht mit den Palästinensern um, oder nicht? Aber wo gibt es in welchem Land der Welt keine Ungerechtigkeit, Unterdrückung? Bei einigen Linken kommt es mir so vor, als wollten die Israel als besonders unterdrückerisch hinstellen, zB in Bezug auf die Palästinenser. Ich frage mich, warum diese Leute sich nicht mit derselben Vehemenz für die Tamilen auf Sri Lanka einsetzen. Ich bin Deutscher. Warum muss man sich als Deutscher so verbissen auf Israel-Palästina beziehen, was Teile der Linken  ja tun? Man könnte ja mal einen Blog machen zu sog. Antizionisten gegen die Gremliza-Gang. Das wäre eine Fetzerei. Vielleicht ganz lustig. Aber  andererseits: ob man so eine Diskussion führen würde oder in China fällt  ein Sack Reis um-selbe Relevanz. Oder?

fidelche schrieb am 14.05.2010 um 12:45 @NOX schrieb am 14.05.2010 um 12:30 Danke für den Super-Beitrag. Den Blog Antizionisten gegen die Gremliza-Gang hab ich schon gemacht – 3-teilig: 1 Améry 2 Slánský 3 Der Einarmige Die GremlizaGang bestand allerdings fast ausschließlich in mir. Im 2. und 3. Blog wurde es dann aber besser. B.V. schrieb am 15.05.2010 um 12:30 „Warum muss man sich als Deutscher so verbissen auf Israel-Palästina beziehen, was Teile der Linken ja tun?“ Diese Linken tun das gerade weil sie Deutsche sind, das spielt da immer mit, aber viele weigern sich das psychologisch zu reflektieren.Man könnte ja mal einen Blog machen zu sog. Antizionisten gegen die  Gremliza-Gang. Das wäre eine Fetzerei. Vielleicht ganz lustig. Aber andererseits: ob man so eine Diskussion führen würde oder in China fällt ein Sack Reis um-selbe Relevanz. Oder?“ So ist es. Zeitverschwendung, da gehe ich lieber zur Pferderennbahn und verdiene mir Geld beim wetten 😉

fidelche schrieb am 15.05.2010 um 18:32 @NOX schrieb am 14.05.2010 um12:30 Ich muss noch etwas präzisieren. Die Gremliza-Gang (manche nennen sie auch Gremliza-Bande) besteht aktuell aus zwei Personen. Rainer Kühn und mir. Da Rainer Kühn derzeit hier nicht schreiben darf, bin ich der Comandante. Ansonsten ist die Bande „demokratisch“ strukturiert. Ich schreibe die  Anführungszeichen bewusst, ohne mich deshalb zu desavouieren. Wer bei der Gang mitmachen will, sollte zumindest Agnostiker sein, kann aktuell bei mir einen formlosen Aufnahmeantrag per PN stellen. Rainer Kühn und ich werden dann über die Aufnahme entscheiden. Vom Hörensagen weiß ich dass Dr. Boedele und oca Interesse haben.         Gruß fidelche

fidelche schrieb am 14.05.2010 um 14:32 1)Anstatt die „unverantwortlichen“ Spekulanten und die „habgierigen“ Bankmanger zu verteufeln und den Kapitalismus als reinen Finanzkapitalismus zu beschreiben, sollte sich die Gemeinde einmal fragen, wieso es Widersprüche und Probleme im Kapitalismus gibt. Wieso gibt es immer wieder Überproduktionskrisen. Wieso gibt es Butterberge, Milchseen, Autohalden? Warum werden für immer mehr produzierte Waren immer weniger Arbeitskräfte gebraucht? Warum sinken die Löhne? Soll dafür im Ernst das Finanzkapital schuld sein? Ist es im Übrigen nicht so, dass man Finanzkapital und Produktionskapital überhaupt nicht mehr unterscheiden kann? ie Unterscheidung von gutem Produktionskapital und bösem Finanzkapital ist ein Ablenkungsmanöver der Herrschenden, das rechte Ideologen sich vor hundert Jahren erstmals von angeblich linken Ideologen abgesehen haben. Diese falsche Kapitalismuskritik lebt offenbar innerhalb der „Linken“ weiter. Sogar in diesem Forum. Weil ich auf die reaktionären, rassistischen, antisemitischen Aussagen von Proudhon und Gesell aufmerksam machte, habe ich laut Aussage von Uwe Theel, linke Theorie mit Scheinargumenten desavouiert. Bedeutet dass im Umkehrschluss Proudhons/Gesells Rassismus, Antisemitismus, Menschenzucht sind nicht der Rede wert oder gar, diese Aussagen sind ganz ok? Ich meine, wer diesen Rassismus, Antisemitismus, diese Menschenzucht gutheißt desavouiert sich. Bisher gab es keinen Widerruf dieser unfassbaren Aussage. Wenn Uwe Theel mit meinen Ausführungen offenbar nicht einverstanden ist, er also das Finanzkapital für die aktuelle Krise verantwortlich macht, ist er kompatibel mit der Kapitalismuskritik, wie sie, wahrscheinlich täglich, in der Springerpresse, an vorderster Stelle der Bildzeitung zu lesen ist. Von einem „Linken“ ,mit angeblich hohem Anspruch, muss ich mehr erwarten dürfen als Bildzeitungsniveau. 2)Um das „Konzept“ des Faschismus zu verstehen muss man sich mit Georges Sorel und seiner antimaterialistischen Marxismusrevision befassen. Der Zusammenschluss von Sorelianismus und Nationalismus, die Synthese von Sozialismus und Nationalismus sind Erklärungen für das Entstehen der faschistischen Ideologie. Das beste Beispiel für diesen Weg ist Mussolini. Seine Marxismuskritik brachte ihn zum nationalen Sozialismus und letztendlich zum Faschismus. „Die Grundidee des Faschismus bleibt unverständlich wenn man sie nicht als Revolte gegen den Materialismus begreift,“ schreibt Zeev Sternhell. Mussolini verkörperte für die italienischen Linksdissidenten und die Nationalisten nach dem ersten Weltkrieg die perfekte Führerfigur. Mussolini eroberte 1912 die Sozialistische Partei Italiens, war 1914 ihr unbestrittener Chef. Damalige Jungsozialisten, wie Gramsci, gehörten zu seinen Anhängern. 1919 gründete Mussolini die faschistische Bewegung in der sich revolutionäre Syndikalisten, Futuristen, Anarchisten und verschiedene Linksdissidenten zusammenfanden. Zeev Sternhell schreibt in seinem Buch, die Entstehung der faschistischen Ideologie:“ Die revolutionären Syndikalisten diagnostizierten bereits vor dem ersten Weltkrieg die Integration des Proletariats in die bürgerliche Gesellschaft, sie brachen mit der Marxschen Ökonomie und propagierten die direkte Aktion, die revolutionäre Kraft gegen die Dekadenz der herrschenden Verhältnisse. Die Enttäuschung über den ausbleibenden Heroismus der Arbeiterschaft ließ sie nach einem neuen revolutionären Subjekt suchen- und sie fanden es in der Nation. Aus dem Sorelschen Mythos des Generalstreiks wurde der Mythos des reinigenden Krieges, der die bürgerliche Dekadenz überwinden sollte.“

Columbus schrieb am 14.05.2010 um 15:18 Lieber Fidelche, Ohne noch weiter auf Ihren Text, er ist weitgehend eine, ohne Zitat-Angaben und Herkunftsnachweise, zusammengeschusterte  Meinungsäußerung, was man leicht beweisen kann, wenn man ihre Textfragmente in die diversen Suchmaschinen eingibt, krankt Ihre  Betrachtung der Ökonomie aus „irgendwie marxistischer“ Randsicht an einem wesentlichen Defekt, den z.B. der hier betrachtete Silivio Gesell, erfolgreich nicht zur Grundlage seiner Theorien machte. Sie verwechseln den Produktionskapitalismus des 18. und 19.Jh und z.B. die  „Tulpenblase“, mit dem Finanzkapitalismus des 20. und 21. Jahrhunderts. Hier hat eine große Verschiebung der Kräfte und Mächteverhältnisse statt  gefunden. Ein Beispiel: Börsencrashs im 19.Jh. ja sogar Staatsbankrotte waren möglich, wenn sich Anlegergesellschaften in der Wertschöpfung ihrer  Anlagen verspekulierten. Das waren zum Beispiel Beteiligungen und Optionen auf Kanalbauten, Handelsmonopole in den Kolonien oder eben die Tulpen.Staatsbankrotte kamen zustande, weil auch die Staatsoberhäupter und Regierungen erhebliche Anteile an den Unternehmungen hielten und sich andererseits bei den Staatsausgaben, weitgehend zu eigenen ganz persönlichen Zwecken, nicht zurück hielten. Gesamtwirtschaftlich spielte das jedoch keine große Rolle, weil nach dem Crash die Dynamik der unternehmensorientierten Investitionen und der wachsenden staatlichen Aufgaben (Wohlfahrtsstaat, Schule, Bildung, Verkehrsinfrastruktur) unvermindert weiter lief. Erste Anzeichen einer Änderung der Situation könnte man historisch  sicherlich schon in der Zeit der französischen Revolution genauer  analysieren, als mit den Assignaten dem enteigneten kirchlichen Landbesitz  ein fiktiver Wert zugeordnet wurde, der dann von den Kapitalbesitzern  handelbar war. Weder die Bewertungen der Ländereien, noch ihre handelbare Auspreisung stimmte je. Das waren die ersten, gesetzlich beförden  „Schrottpapiere“ in großem Umfange. Es wurde spekuliert. Sogar der Staat   beteiligte sich, weil er so seine Schulden los werden (die Gläubiger gerade nicht enteignen) wollte und ihm das schließlich, den Wert ständig nach unten korrigierend, über den Finanzhandel teilweise gelang. Zunächst gab es keine Zinsen mehr auf die Papiere, dann wurden sie auf Schwundstufe abgewertet. Glücklich allerdings, wer am Ende der Kette noch Kapitalien besaß und so die „Null“-Werte (die Mandate), die doch realen  Besitztiteln entsprachen, aufkaufen konnte. So entsteht sehr großer Besitz, der zwar lange nicht viel „wert“ ist, aber später, bei Landknappheit in und um die Städte, zu Buche schlug. So verhält es sich heute in einem noch viel stärkeren, nein, kaum noch überschaubaren Maße, weil nämlich ein weiter wachsendes Ungleichgewicht  der Kapitalströme zwischen den Finanzmärkten und der Realwirtschaft  eingetreten ist und sogar gesetzlich festgeschrieben wurde. Das geht so, mindestens seit den Jahren der „Reaganomics“. Bisher erfolgten keine nachhaltigen Regulationen. – Gesell und andere hatten diese Zusammenhänge schon viel früher erkannt, aufgrund der Analyse der immer wiederkehrenden Währungs- und Wirtschaftskrisen des späten 19.Jahrhunderts und der Inflation nach dem ersten Weltkrieg. Sie setzten das Schwundgeld dagegen. Zu Ihrem fast schon notorischen Versuch, der heute politisch agierenden  Linken und ihren Vetretern einen historischen und vor allem von Ihnen und einigen anderen zu entlarvenden Antisemitismus zu unterstellen, fällt mir  nichts mehr viel ein, außer ein müdes Achselzucken. Schon die historische   Beschreibung, Linke, die dann nach Rechts wanderten, hätten einen wesentlichen Einfluß auf die Entstehung des Faschismus genommen, ist  grundfalsch. Feder z.B., war weder ein Linker, noch ein Kommunist oder  Sozialist, sondern vertrat eine Art Ständeordnung, er huldigte dem  Nationalismus und dem Rassismus, er hasste den Internationalismus und den  Pazifismus, dem sich z.B. Gesell, aber auch die meisten Lebensreformer um  Oppenheimer in der Kolonie Eden, stark verpflichtet fühlten, und bediente sich, wenn es passte, bei sozialistischen und anarchistischen Autoren. Er machte das so, wie Marx und Proudhon (hier besonders schön zu      studieren, die große Zustimmung und die Ablehnung, je gegenseitig) und überhaupt Leute die einigermaßen lesen und denken können, im Guten, wie im Schlechten, sich einmal zustimmend, einmal ablehnend der Argumente und Meinungen anderer Denker und Autoren bedienen. Eine gewichtige Rolle spielte er, wie sie andeuten möchten, weder bei den Nazis nach 1933, noch je bei irgend welchen Linken. – Sie müssen auch einmal, das gilt ganz besonders für Feder, in Betracht ziehen, dass einer Läuse (irgendwie geartete Kapitalismuskritik) und Flöhe (Antisemitismus) gleichzeitig haben  kann, ohne dass Läuse Flöhe, oder vice versa Flöhe Läuse sich davon schon gegenseitig befruchten. Die Wurzeln des Faschismus, die Wurzeln die wirklich genutzt wurden, die lagen sicher nicht im Denken linker, vor allem anarchistischer, oder   lebensreformistischer, oder syndikalistischer, vorgeblicher Vordenker, die  ja unter „Menschenzucht“ eher bei Nitzsche nachlasen, als bei den so   genannten „Rasse- und Sozialeugenikern“. Allenfalls bedienten sich       Faschisten in den weit ausgefalteten Theoriegebäuden der „Antidenker“ und „Umwerter“. So kommt auch der Scheinzusammenhang Mussolini- Sorel  zustande, den es so nämlich nur über weitere Vermittler gegeben hat, die eben bei Sorel abschrieben, was ihnen in den Kram passte. Zwischen dem faschistisch gewendeten Mussolini und Sorel gibt es keinen Gleichklang, was auch leicht aus jeweiligen anderen Aussagen, denen Sorels und denen  Mussolinis, belegbar ist. – Wenn Sie Sternhell richtig lesen, so schreibter das auch genau so hin und ist damit sehr viel korrekter, wohingegen Sie anfangen kräftig herum zu kleistern, um ein Wunschporträt zu produzieren. Wie Sie, neigt aber auch Herr Sternhell dazu, aus Randnotizen grandiose Kausalzusammenhänge zu zimmern (siehe Zitat in ihrem Text). Es hat aber keinen Sinn auf Sie kritisch und sachlich und vor allem umfänglich einzugehen, weil Sie sich ebenso notorisch und grundsätzlich nichts sagen lassen, sondern in der Methode und Zielrichtung weiter  fortfahren. – Unsinn ist viel leichter in die Welt zu posaunen, als ihn  wieder aus ihr heraus zu schaffen. Liebe Grüße  Christoph Leusch

fidelche schrieb am 14.05.2010 um 23:18 @Columbus schrieb am 14.05.2010 um 15:18     Lieber Herr Leusch, vielen Dank für Ihren ausführlichen Kommentar. Ich habe Quellengaben in meinem Text. (Bierl, Feder, Chiemgauer, Verdi)  angegeben. Wenn Sie verschiedene Texte auch in Suchmaschinen gefunden  haben, bitte ich Sie mich nicht dafür verantwortlich zu machen. Meine  Texte habe ich aus den Originalquellen hergeleitet. Peter Bierl kenne ich  aus Diskussionen persönlich. Mit der „Tulpenblase“, wollte ich belegen dass es Spekulationen auch ohne Globalisierung gab. Wenn Sie schreiben: „Das geht so, mindestens seit den Jahren der „Reaganomics“. Bisher erfolgten keine nachhaltigen Regulationen. – Gesell und andere hatten diese Zusammenhänge schon viel früher erkannt, aufgrund der Analyse der immer wiederkehrenden Währungs- und Wirtschaftskrisen des späten 19.Jahrhunderts und der Inflation nach dem ersten Weltkrieg. Sie setzten das Schwundgeld dagegen.“ Ich hoffe sehr dass Sie Gesells „Lösung der Probleme durch Schwundgeld“, die keine ist, auch nur im entferntesten akzeptieren!! Sie schreiben:Zu Ihrem fast schon notorischen Versuch, der heute politisch agierenden Linken und ihren Vetretern einen historischen und vor allem von Ihnen und einigen anderen zu entlarvenden Antisemitismus zu unterstellen, fällt mir nichts mehr viel ein, außer ein müdes Achselzucken. Was fällt ihnen zu dem Verdi Flugblatt und Münteferings Heuschreckendebatte ein?? Sie schreiben: Schon die historische Beschreibung, Linke, die dann nach Rechts wanderten, hätten einen wesentlichen Einfluß auf die Entstehung des Faschismus genommen, ist grundfalsch. Feder z.B., war weder ein Linker, noch ein Kommunist oder Sozialist, sondern vertrat eine Art Ständeordnung, er huldigte dem Nationalismus und dem Rassismus, er hasste den Internationalismus und den Pazifismus, dem sich z.B. Gesell, aber auch die meisten Lebensreformer um Oppenheimer in der Kolonie Eden, stark verpflichtet fühlten, und bediente sich, wenn es passte, bei sozialistischen und anarchistischen Autoren. Ich habe nie behauptet dass Feder ein Linker sei. Im Gegenteil Feder in  den Kommentaren als Nazi bezeichnet. Gesell war ein Chamäleon. Zum einen in der Münchner Räterepublik, zum anderen fordert er in seiner  Freilandtheorie Zuchtwahl.In meinem Text geht es nicht um irgendwie geartete Kapitalismuskritik sondern exakt um die Kritik des Zinses. Diese Kritik ist bei Proudhon, Gesell und Feder identisch. Ich bitte dies noch einmal zu überdenken. Ihr Läuse und Flöhe Beispiel greift nicht. Einerseits schreiben Sie das ich Sternhell nicht richtig gelesen habe und  eine Zeile weiter schreiben Sie dass auch Sternhell aus Randnotizen grandiose Kausalzusammenhänge zimmert. Das heißt Sie können Sternhell  besser lesen als Sternhell. Ich halte eine solche Argumentation ehrlich gesagt für vermessen. Es hat aber befürchte ich wenig Sinn Sie zu überzeugen. Drei Fragen hätte ich aber doch an Sie. 1.) Glauben Sie dass das Finanzkapital die Hauptschuld an der aktuellen Wirtschaftskrise hat. 2.) Ist die Verdi Broschüre mit ihren Heuschrecken problematisch? 3.) Waren Gesell und Proudhon Antisemiten, Rassisten, Eugeniker?     Liebe Grüße    fidelche

Columbus schrieb am 15.05.2010 um 12:55 Lieber Fidelche, Nicht ich muss beweisen, dass Gesell oder Proudhon oder Sorel keine Antisemiten, Rassisten oder Eugeniker waren, sondern Sie müssten das Gegenteil peinlich genau belegen, wenn Sie es denn weiter behaupten wollen! Direkt entlang und mit den Aussagen und Schriften, nicht durch Behauptungen Dritter. Aber, dafür gibt es keine sehr aussagekräftigen und vor allem keine anhaltenden Belege, so sehr sich immer wieder die gleichen, wenigen Autoren bemühen. – Weder bei Proudhon, noch bei Gesell spielt das eine wesentliche ideologische oder theoretische Rolle. Gesell ist Internationalist und Pazifist. Sorel bekannte sich spät zu einem Nationalismus, weil er so seiner syndikalistischen Ideen und der Theorie vom Generalstreik, damit von der Macht der Gewerkschaften, mehr Erfolgschancen ausrechnete. Er war ja, als  Pro-Dreyfusard (da gab es wohl nur selten Antisemiten) ein gebranntes Kind. Zu Proudhon ist übrigens, genau bei Zeev Sternhell, nur belegt, dass er in seinen  Tagebuchaufzeichnungen einmal erwog, öffentlich gegen die Juden im Finanzsystem etwas zu schreiben. Das war damals nicht ungewöhnlich, sogar im gewählten Ton nicht außergewöhnlich. Entstanden ist davon nichts, denn es war nicht sein Hauptgedanke. Denken Sie einmal an das was Heinrich Heine (konvertierter Jude) über Rothschild, seinen Gönner, zu sagen pflegte. – An diesem Beispiel können Sie übrigens schön sehen, wie überinklusives Denken bei Ihnen und Sternhell funktioniert! Das Endergebnis ist dann, Antisemitismus, Rassismus und Nationalismus, sowie die Faschismen seien aus originär linkem Denken enstanden, was mit Verlaub, großer „Kappes“ ist! Proudhons Hauptwerke strotzen ebenso wenig, wie die Werke Sorels von rassisitischen oder antisemitischen Äußerungen. Man muss schon die Art der „Präparation“ Sternhells  anwenden, um aus all´ den Leuten, die man aus ganz anderen, Gründen, ablehnt, weil sie nämlich den eigenen Göttern in wesentlichen Theoriefragen widersprachen und doch Verehrer derselben blieben, Antisemiten zu machen und das sogar als eine wesentliche Triebfeder und Motivation dieser Leute aus zu geben. – Das aber, lieber Fidelche, ist genau Ihre Methode, die Sie chiq finden mögen, die aber die Linke, die um eine politische Zukunft ringt und ihre Theoretiker, aber auch die der nahe stehenden  Anarchosyndikalisten und der christlichen Sozialreformer ernst nehmen sollte, anstatt sich in einem fort als Oberrichter aufzuspielen und diese Leute als „Rechtsvorläufer“ zu brandmarken, was völlig kontraproduktiv und zudem noch historisch falsch ist. Gründen Sie mit ihrem Verdi-Brieffreund eine eigene Gewerkschaft, stellen Sie der klugen und auch öffentlich wirksamen Kritik von Attac etwas Gleichwertiges an die Seite, beteiligen sie sich mit einer modernisierten, die neue Qualität des Finanzkapitals  berücksichtigenden Interpretation und Weiterführung der Marxschen Theorie, anstatt sich als „Antisemitenjäger“ und „Protofaschismenentdecker“ zu profilieren. Gremliza, die Titanic, und ein paar notorische „Antisemitenjäger“ (Sie haben ja in den letzten Blogs schon kräftig dubiose Ratschläge bezügl. der Palästinenser unterstützt, sind wahrlich keine Meisterdenker, die nun die Marxsche Lehre oder überhaupt linke Auffassungen auf irgend einen gesicherten Boden stellen wollen und ihr zu einer notwendigen  Renaissance verhelfen würden. Wie ich schon schrieb. An einem Tag können Sie fünfzig Leute als Antisemiten und Krypto- oder Protofaschisten „entlarven“, es dauert aber mindestens dreißig Tage, bis man Ihre und Sternhells überdrehte Thesen wieder auf das rechte Maß zurückgestutzt hat. – Diese, Ihre Methode ist nicht nur intellektuell unbefriedigend, sondern ganz eigentlich ist sie auch noch hochgradig unfair. Übrigens arbeiten so die Blogger auf den Seiten von PI. Die werfen auch mit jedem erreichbaren Zitatkrümmel um ihre ganz rechten Ziele zu verbreiten und stellen nebenbei gerne apodiktischen Sätze auf, dazu gerne auch Fragen, in denen ihre Wert-Urteile schon enthalten sind. Ich muss zugeben, die Masche zog dort bisher und auch auf der Linken kann das funktionieren, denn nicht viele Menschen, die durchaus links fühlen,  beschäftigen sich historisch und theoretisch nicht damit, hören aber sehr gespannt hin, wenn es um die Bezichtigungen Faschist, Nazi, Antisemit geht. Dieses Vorgehen gegen die Tauschgeldtheoretiker, Freiländer und Lebensreformisten ist übrigens schon alt. Mit ´nem „braunen Bonbon“ kriegt man jeder Theorie und jede historische Person schnell dahin, wo man sie gerne hin haben möchte. – Das funktioniert in den Staaten umgekehrt. Da muss man nur jemanden als Kommunisten oder „Leftisten“ verdächtigen, schon ist der Ruf dahin. Zu Gesell kann ich Ihnen nur sagen, dass der zu keinem Zeitpunkt Vorlagen für die Rassen und Eugenikvorstellungen der Nazis lieferte, kein Rassist und kein Eugeniker war. Das wissen Sie auch. Nur anders herum regt es eben  die Leser hier mehr auf. Lieber Fidelche, wenn es Ihnen wirklich um die Erörterung eines wirtschaftlichen Zusammenhangs, von Gesetzen möchte ich in diesem Zusammenhang nicht reden, gegangen wäre, dann hätten Sie sich ihre Schlenker, kurzerhand wieder einmal einige Sozialisten zu Rassisten und Antisemiten um zu deuten, „eingespart“. – So viel zur Spekulation und zur Entwicklung von durchschnittlichen Profitraten, zur Werttheorie und zur Funktion von Banken steht ja nun wirklich nicht in ihrem Text. Der zielte ja auch gar nicht auf die Erörterung eines komplizierten Sachverhalts. Ihnen geht es um die „Wertung“ von Personen (Gesell=Chamäleon, Sorel und Proudhon=Antisemiten, Teile der radikalen Linken, der Anarchisten und anderer Reformbwegungen =Wurzel des Faschismus) Übrigens tun Sie Sternhell keinen Gefallen, wenn Sie ihn mit seiner radikalsten These (ein Satz) hier zitieren. Er ist durchaus differenzierter und hat in seinen historischen Arbeiten bisher eine Herleitung der braunen Ideologie aus linkem Gedankengut immer strikt abgelehnt. Es gibt keine sozialistische Analogie, hie Nazis, dort Kommunisten und Stalinisten, die aus einem gemeinsamen Schoß kroch. Die ideologischen Konzepte liegen nicht nebeneinander, sondern weit auseinander. Es gibt nur erstaunlich wenige ernst zu nehmende intellektuelle Überläufer, die ja gerade deshalb immer wieder und schon seit mehr als einem halben Jahrhundert herhalten müssen um die „Nähe“ ganzer Theorien und Personengruppen „nachzuweisen“. Was Münterfering und Heuschrecken angeht, so ist an dem verwendeten Bild ziemlich Alles falsch,  trotzdem wurde Müntefering verstanden. Das passiert häufiger bei Politikern. Der Prozess der Kapitalakkumulation auf dem Finanzmarkt ist eher ein Prozess der  Konzentration und der Begrenzung der profitierenden Teilnehmer auf eine selbstdefinierte kleine, globalisierte Schicht, -der mehrheitliche Rest der Menschheit muss sich auf dem Kapitalmarkt mit niedrigen Einlagezinsen zufrieden geben und sich durch hohe Kreditzinsen plagen lassen-, als ein Prozess der Heuschreckenvermehrung, die sich dann durch das „Kahlfressen“, selbst liquidiert, um in einer Art biologischem „Superzyklus“ erneut aufzutreten. Müntefering, falls Sie lieber Fidelche es noch nicht wussten, was ich aber nicht glaube, war zuletzt, zusammen mit Gerhard Schröder, der Totengräber einer schlagkräftigen, sozialistischen und demokratischen Partei, ein Freund der „Neuen Sozialen Marktwirtschaft“ und eher eine Art „Durchhaltepolitiker“, der die Sozialdemokraten aus Angst vor Machtverlust auf einen neoliberalen Anpassungskurs einschwor, weil er feste daran glaubte, dass nur so Sozialdemokraten überhaupt noch demokratisch Regierungsverantwortung zugeteilt erhielten. Das war auch Blairs Grundgedanke in GB, zusammen mit Giddens, gegen die Parteilinke und den Gewerkschaftsflügel, für „New Labour“. Das ist dann eine Schwundform einer sozialistischen und demokratischen Partei, aber ein vermeintlicher Rettungsanker irgend eines kleinen sozialdemokratischen und sozialistischen Einflusses in der voll entfalteten, Finanzmarkt- gesteuerten, Marktwirtschaft. Was das „Schwundgeld“ angeht, so wäre das heute nur eine mögliche Maßnahme unter vielen notwendigen Eingriffen, die z.B. mit wechselnden „Schwundraten“, das Wirtschaftgeschehen mit steuerte. Weitere Maßnahmen sind jedoch derzeit dringlicher notwendig: Z. B. eine striktes Verbot verdeckter  Finanzgeschäfte, ein striktes Verbot, Kredite weiter zu verkaufen, was ja im Grunde nichts Weiteres ist, als die ruinöse Praxis des Schuldscheinkaufs und -Verkaufs aus früheren Jahrhunderten fort zu führen. Eine Börsenumsatzsteuer und eine Gewinnmargenabschöpfung (Alles oberhalb der Leihmarge für Konsumenten- und Betriebskredit, abzüglich eines gewissen Risikoaufschlags) durch die Staaten oder dazu beauftragte, internationale Organisationen (die Abschöpung arbeitete dann auch floatend, d.h. sie könnte nach Bedarf und Situation mehr oder weniger Kapital abschöpfen), wäre sehr wünschenswert. Zu Sorel könnte Ihnen dieser Aufsatz weiter helfen, der mit dem Mythos des  „rechten“ Sorel aufräumt: http://www.persee.fr/web/revues/home/prescript/article/mcm_0755-8287_1983_num_1_1_862 Zu Gesell antwortet hier Werner Onken kompetent und schlüssig auf Peter Bierl:      userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/onken/WO-ueber-Bierl.htm Liebe Grüße Christoph Leusch

fidelche schrieb am 15.05.2010 um 18:17 @Columbus schrieb am 15.05.2010um 12:55    Lieber Herr Leusch, ich werde etwas später detailliert auf ihre geforderten Beweise bezüglich  Gesell oder Proudhon oder Sorel eingehen. Offenbar haben Ihnen die kurz  angedeuteten Vorstellungen der Personen nicht gereicht!? Dass Proudhons und Sorels Hauptwerke von rassisitischen oder  antisemitischen Äußerungen. strotzen, habe ich nie behauptet. Das müssten  Sie bitte belegen und nicht behaupten. Ich habe auf entsprechende  Äußerungen dieser Theoretiker hingewiesen. Offenbar erkennen Sie nicht den  Unterschied. Übrigens, von welcher klugen und auch öffentlich wirksamen Kritik von   Attac sprechen Sie? Etwas konkreter bitte! Welchen Verdi Brieffreund  meinen Sie? Wenn Sie schreiben: „Zu Gesell kann ich Ihnen nur sagen, dass der zu keinem Zeitpunkt Vorlagen für die Rassen und Eugenikvorstellungen der Nazis lieferte, kein Rassist und kein Eugeniker war. Das wissen Sie auch.“ Ich bitte Sie bis zu meiner Zwischenbilanz sich einmal folgenden Text,  Originaltext, Silvio Gesell auf sich wirken zu lassen: „Nach Berechnungen, die allerdings auf unsicheren Unterlagen beruhen, würden etwa 40 M. monatlich für jedes Kind unter 15 Jahren aus der Grundrente verteilt werden können. Mit dieser Unterstützung einerseits und mit der Entlastung vom Kapitalzins     andrerseits, wird jede Frau imstande sein, auf dem Lande ihre Kinder groß  zu ziehen, ohne      unbedingt auf Geldbeiträge des Mannes angewiesen zu sein. Wirtschaftliche  Rücksichten könnten die Frauen nicht mehr brechen. In allen geschlechtlichen Fragen würden ihre     Neigungen, Wünsche und Triebe entscheiden. Bei der Gattenwahl würden die  geistigen,      körperlichen, die vererbungsfähigen Vorzüge statt des Geldsackes den Ausschlag geben. So kämen die Frauen wieder zu ihrem Wahlrecht, und zwar nicht zum wesenlosen politischen Wahlrecht, sondern zum großen Zuchtwahlrecht.“ Quellle: Kapitel aus Silvio Gesell: Die Natürliche Wirtschaftsordnung. Wenn Sie schreiben, „Was das „Schwundgeld“ angeht, so wäre das heute nur eine mögliche Maßnahme unter vielen notwendigen Eingriffen, die z.B. mit wechselnden „Schwundraten“, das Wirtschaftgeschehen mit steuerte. Weitere Maßnahmen sind jedoch derzeit dringlicher notwendig: Z. B. eine striktes Verbot verdeckter  Finanzgeschäfte, ein striktes Verbot, Kredite weiter zu verkaufen, was ja im Grunde nichts Weiteres ist, als die ruinöse Praxis des Schuldscheinkaufs und -Verkaufs aus früheren Jahrhunderten fort zu führen…“.kann ich nur noch den Kopf schütteln. Sie sind tatsächlich der Meinung Schwundgeld könnte irgendein Problem lösen. Unfassbar! Warum hat das  Regionalgeld nicht in Argentinien funktioniert? Aber speziell auf diese  ihre Aussage werde ich später detailliert eingehen. Ich habe ehrlich  gesagt nicht mit solchen Thesen, wie den Ihrigen, in diesem Forum  gerechnet. Liebe Grüße   fidelche

Columbus schrieb am 15.05.2010 um 23:51 Lieber Fidelche,Was hat dieses Gesell- Zitat mit Rassismus und mit Sozialdarwinismus odermit Eugenik zu tun? Hier geht es um Frauen-Emanzipation und freie Zuchtwahl (Darwin eben und/oder Mozart Zauberflöte Papageno und Papagena, nicht Rasse- Günther, nicht Rosenberg, nicht Feder, nicht Chamberlain, nicht Galton, nicht Hitler, nicht….), ungerichtet, nicht vom Menschen per Gesetz, Verordnung oder per „Lebensborn“-Eliteeinrichtung wählbar, nicht vom Führer verordnet, nicht vom  Reichsmythologen Himmmler der SS anvertraut, in der Sprache des frühen 20.Jahrhunderts. – Das ist so ziemlich das galtte Gegenteil jeder Eugenik und Rassezüchtung, sondern eine Chance auf von ökonomischen Zwängen freie und individuelle Partnerwahl. – Also, ein ganz schlechtes Beispiel und kein Beweis. In Wahrheit geht es Ihnen um die Denunziation der Freigeldleute, u.a.. Das sagen Sie ja weiter unten, als Antwort auf Angelica selbst. Ich bin kein Geselljaner, aber auch nicht so verblödet, mich freiwillig einer linken Denunziationstheorie anzuschließen, die mich zum absoluten Außenseiter macht und deren Chance auf irgend eine politische Umsetzung, außer durch Gewaltanwendung, bei Null liegt. Sie können da ruhig weiter machen, aber wer will das dann in Zukunft noch mit Ihnen kritisch diskutieren? – Niemand. Sie bleiben unter sich im Fanclub. Wer sagt Ihnen denn, dass ihre Kapitalismuskritik, die ja hauptsächlich in einer Anti-Polemik gegen andere Theoretiker besteht, -ihr Marx-Verständnis haben Sie ja überhaupt nicht vorgestellt-, plausibel und vollständig ist? – „Glaube, Liebe, Hoffnung?“ Ich kann nur den Kopf schütteln, weil Sie wirklich Alles in einen Topf werfen und offensichtlich und absichtlich Zitate umdeuten. Das Sternhell Zitat geben Sie ja, als ihre Meinung aus. >>Zeev Sternhell schreibt in seinem Buch, „Die Entstehung der Faschistischen Ideologie: “Die Wurzeln des Faschismus liegen in der radikalen Linken am Beginn des 20. Jahrhunderts. Dessen führende Theoretiker waren ganz überwiegend „rechte Leute von links“, die aus dem revolutionären Syndikalismus hervorgegangen waren.“<< – Das ist eben eine Geschichtsfälschung, denn in Wahrheit kam nur ein verschwindend geringer Anteil der revolutionären Syndikalisten, die an sich schon einen kleinen Anteil an der Linken stellten, von dort nach Rechts. Ihre These ist in etwa so weltfremd, wie diejenige einiger Modelinker und Satiriker, die aus dem nun braun eingefärbten Horst Mahler eine Massenbewegung der einstigen APO nach Rechts konstruieren und mit erhobenem Zeigefinger und Kopfschütteln überall ehemals Linke-Braune sehen wollen. Das ist die Umkehrung der Empirie, die Sie zu ihrem Mantra erklären. Dazu muss man entweder verbohrt sein oder aber innwändig und außen völlig durchimprägniert mit der Meinung der eigenen Götter. Das ist für die  Erkenntnis und fürs richtige Lesen keine gute Voraussetzung. Liebe Grüße Christoph Leusch

Uwe Theel schrieb am 16.05.2010 um 00:52 @ Columbus am 15.05.2010 um 23:51 Wunderbar argumentativer Text, der ist mir alle Sterne wert.

fidelche schrieb am 16.05.2010 um 11:36 @Columbus& Uwe Theel  C:Hier geht es um Frauen-Emanzipation und freie Zuchtwahl. UT: Wunderbar argumentativer Text, der ist mir alle Sterne wert.    Da bleibt mir die Spucke weg! Laut Gesells Theorie wird nur der erfolgreiche Mann die Möglichkeit haben  Frauen zu finden und Kinder zu haben. „Untüchtige“ Menschen werden nach  einigen Generationen ausgestorben sein. Das hat nichts mit freier Liebe zu  tun. Frauen sind in Gesells Welt nur zum Kinderkriegen da.  Dass ich mich hier mit derartiger „brauner Soße“ auseinandersetzen muss habe ich nicht erwartet.   Schockiert fidelche

fidelche schrieb am 16.05.2010 um 13:15 @Columbus schrieb am 15.05.2010 um 12:55 Ich habe die „Verteidigungsschrift Onkens gelesen. Ich empfehle ihnen die  Anklageschrift von Elmar Altvater zu lesen:  Auszug aus:Eine andere Welt mit welchem Geld? [] Viele Gesellianer haben mit den Nazis kollaboriert. Eine der schillerndsten Figuren unter ihnen ist Otto Lautenbach, einst Vorstandsmitglied des Freiwirtschaftsbundes. Er vertrat in der Nazi-Zeit einen „deutschen Sozialismus freiwirtschaftlicher Färbung“. Ein anderer Gesellianer, Wilhelm Radecke, trat in die NSDAP ein und sammelte die anderen Freiwirte in der NSDAP im sogenannten Rolandbund (Bartsch, nach: Niederegger, S. 16). Nach dem Krieg wurde Lautenbach führendes Mitglied der „Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft“ und in dieser Funktion lautstarker Propagandist des Neoliberalismus deutscher Prägung, d.h. der Freiburger Schule, unterstützt von deren wissenschaftlichen Koriphäen und politischen Aushängeschildern wie Ludwig Erhard. Er tritt nun für „stabile Währungspolitik“ und „Leistungswettbewerb“ als den beiden Grundpfeilern der „sozialen Marktwirtschaft“ ein. Eine Politik der Geldwertstabilität ist nun wichtiger als die Unterbindung von Positivzinsen. Dabei ist auch erwähnenswert, dass der Wirtschaftsminister der Adenauer-Ära, Ludwig Erhard, als ausgewiesener Neoliberaler bei Franz Oppenheimer studiert und promoviert hat, der zwar nicht die Freigeldlehre, wohl aber die Freilandlehre gegen das „Bodenmonopol“ und seine sozial schädlichen Auswirkungen vertreten hatte. Die Einvernahme durch den Neoliberalismus ar wegen der Ablehnung von Kommunismus und Sozialismus, die Hervorhebung  des Wettbewerbs und des ungebändigten Individualismus und die Betonung der Marktwirtschaft gegen den Kapitalismus eine Leichtigkeit. Die einstigen Freiwirte, die mit den Nazis paktiert hatten, singen nun das Hohelied der freien und sozialen Marktwirtschaft. Auch der Bankier Wilhelm Radecke hat diese Häutung vollzogen. Er hat die Gesellianer mit den Nazis zusammengebracht, ist selbst in die NSDAP eingetreten und hat viele Jahre lang in Hitler den Feldherrn der Freiwirte gesehen (Bartsch 1994: 327-328). Radecke hat nach dem Zweiten Weltkrieg die Gesell’schen Theorien weiter verfolgt. Nun aber mit dem zeitgeistig angebrachten Neoliberalismus gefärbt. So schreibt er im Nachwort zur mehrmals zitierten der Schrift von Karl Walker, mahnend an die Mitglieder und Wähler der SPD gewandt: „Diese große und in ihrem Wollen als ehrlich anzusprechende Partei sieht sich wegen der Unhaltbarkeit der marxistischen Theorie in Programmschwierigkeiten. Es wäre höchst bedauerlich, wenn sich in der SPD diejenigen durchsetzen würden, die in den – dem Bundeswirtschaftsminister (gemeint ist Ludwig Erhard – EA) zu verdankenden – Erfolgen der Regierung Adenauer auch die Richtigkeit des herrschenden Systems und die Verlässlichkeit der konjunkturellen Entwicklung zur dauernden Vollbeschäftigung und zu sozialen Entspannung erkennen und erhoffen würden. Es sollten vielmehr diejenigen Kräfte der SPD zum Erfolg kommen, die bei der Suche nach ‚neuen Wegen zu den alten Idealen’ auf Silvio Gesell gestoßen sind.“ (Radecke 1954: 18). Der Neoliberalismus und seine Ablehnung von Monopolen war also für Gesellianer attraktiv. Dies gilt jedoch in erster Linie für den „alten“ Neoliberalismus, den „Ordo-Liberalismus“. Der „neue“ Neoliberalismus der globalisierenden Deregulation der Märkte und der Konkurrenz von Finanzplätzen, in deren Verlauf die Zinsen nicht abgebaut, sondern nach oben geschaukelt werden (vgl. Altvater 2004), findet das Gefallen der neuen Generation von Gesellianern nicht. Nun werden auch ökologische Argumente gegen die mit den positiven Zinsen ausgeübten Wachstumszwänge vorgetragen.[]    Liebe Grüße fidelche

Columbus schrieb am 16.05.2010 um 13:33 Lieber Fidelche,Bei solchen Anwürfen kann ich nur lachen. – Sie verstehen, ich begreife mich nicht als „braune Soße“. Gesell, Sorel und Proudhon ebenfalls nicht. Auch in meinen Argumenten ist nichts von der deutschnationalen, völkischen oder gar nationalsozialistischen Scheiße. Aber Sie können natürlich frei und ungezwungen Leute „bewerten“ und Meinungen bewerten, wie es Ihnen gefällt. Sie sollten sich aber dann darauf einstellen, dass solche Art Kryptologie und Afterforschung bald keine liebevolle und zugewandte Antwort mehr erhält. Mit freundlichen Grüßen  Christoph Leusch

fidelche schrieb am 16.05.2010 um 14:19 @Columbus schrieb am 16.05.2010  um 13:33           Lieber Columbus, wenn jemand, wie Gesell, „Manchesterkapitalismus“ fordert, in dem Frauen  als Gebärmaschinen und reiche Männer als Samenspender fungieren sollen. Wenn jemand meint, das Erbgut der von ihm minderwertigen Menschen würde im Laufe der Zeit ausgemerzt sein und eine „Hochzucht der Menschheit“ wurde dann erreicht werden, dann nenne ich das „Braune Soße“.  Jeder Mensch, ob nun Linker oder nicht, der dies anders sieht, tut mir im Grunde genommen leid. Jemandem der diese Menschenzucht befürwortet, ist  sehr schwer mit Worten zu überzeugen, dass er sich auf einem Irrweg  befindet. Das musste ich leider feststellen.        Liebe Grüße fidelche

THX1138 schrieb am 14.05.2010 um 15:30 Absolut brillianter Text, Hut ab! Etwas vom besten, was ich in den letzten Jahren gelesen habe! Doch der Frage von koslowski schliesse ich mich an: Worauf willst Du hinaus?

fidelche schrieb am 15.05.2010 um 18:21 @THX1138 schrieb am 14.05.2010 um 15:30  Danke für das Lob;)  Hab ichzwar bereits erwähnt. Gerne aber nocheinmal: 1. Ich weise darauf hin, dass Faschismus und Nationalsozialismus mit regressiver Kapitalismuskritik agieren. 2.Ich weise darauf hin dass viele frühsozialistische Theoretiker regressive (verkürzte)Kapitalismuskritik betrieben, im Gegensatz zu Marx 3. Ich weise darauf hin dass der Antikapitalismus der gegenwärtigen Linken, sowie einiger hiesiger Forumsteilnehmer, teilweise verkürzte  Kapitalismuskritik ist. 4. Ich habe die Herausgeber der VerdiBroschüre kritisiert. Das betreffende Flugblatt wurde innerhalb Verdis stark kritisiert. 5. Verkürzte Kapitalismuskritik stelle ich bei Teilen vieler linken Organisationen fest. Attac, Gewerkschaften, SPD, Linkspartei, hier schreibende Forumsmitglieder, usw. In jeder dieser Organisationen gibt es   aber Gegenkräfte, so auch hier Natürlich stelle ich nicht nur innerhalb      der Linken regressive Kapitalismuskritik fest. Mittlerweile springt sogar Westerwelle auf das Pferd auf. 6. Ich rate der Linken von verkürzter Kapitalismuskritik ab. Zum einen wegen der beschriebenen Andockmöglichkeiten, zum anderen weil diese Kritik ganz einfach zu kurz greift und falsch ist, wie Marx das bereits zu Lebzeiten beschrieben hat.

THX1138 schrieb am 15.05.2010 um 19:35 Dass ein (theroetischer) Zusammenhang zwischen Faschismus und Kapitalismuskrise(n) besteht, hat auch der von mir hochgeschätzte ungarische Wirtschaftswissenschaftler- und      Theoretiker Karl Polanyi in seinem umfangreichen Werk „The Great  Transformation“ herausgefunden. Kennst Du den?

fidelche schrieb am 15.05.2010 um 23:06 @THX1138 schrieb am 15.05.2010 um  19:35     Nein, hab nichts von ihm gelesen. Scheint aber interessant zu sein.   Ich muss aber erst mal den Gesellianern hier belegen was ihr Idol so  geschrieben hat.       Gruß fidelche

Columbus schrieb am 15.05.2010 um 23:56 Lieber THX 1138, Wenn Sie von einem (theoretischen) Zusammenhang sprechen, dann kann das heißen, es gibt keinen praktischen Zusammenhang, es gibt zwar eine Möglichkeit, sie wurde aber nicht verwirklicht, oder aber, Faschismus und Kapitalismuskrisen haben nichts miteinander zu tun. – Was denn nun? Gibt es da eine Möglichkeit, die Sie für wahrscheinlich und belegt halten?    Liebe Grüße Christoph Leusch

THX1138 schrieb am 16.05.2010 um 00:10 Lieber Columbus     Gerne würde ich Ihnen den von Karl Polanyi vertretenen Standpunkt näher bringen- doch ich bin z. Z. ausserhalb der Reichweite von meinen Büchern. Was ich über ihn geschrieben habe, speist sich aus meiner Erinnerung. Ich habe gerade eine neue Wohnung bezogen, deswegen. Der Computer steht vorübergehend auf dem Esstisch, mein Arbeitszimmer sieht aus wie ein Lager und auch sonst…

Uwe Theel schrieb am 16.05.2010 um 02:21 @ THX1138 schrieb am 15.05.2010 um 19:35    Man bringe den armen fidelche hier bloß nicht auf falsche Fährten, er könnt`s nicht merken: Polanyi ging davon aus, dass marktwirtschaftliche, also kapitalistische Syteme, sich verselbstständigten und dann die starke Tendenz hätten, nur noch mit geregelten Wirtschaften, wie denen des Faschismus „gerettet“ zu werden. Dies scheint eine linke These zu sein, doch Polanyi grenzte sich ausdrücklich von jeder marxistischen Lösung ab, wenn er die faschistische Lösung der Kapitalismuskrise durch seinen Ansatz zu vermeiden sucht. Also: Faschismus als Ausfluß des Kapitalismus, nicht, wie fidelche hier immer wieder unsinnigerweise annimmt: Faschismus als Ausfluß falscher Kapitalismuskritik. Aber wahrscheinlich sieht fidelche das wieder ganz anders Literatur:  http://www.anthro.unibe.ch/unibe/philhist/anthro/content/e297/e1387/e4325/linkliste4368/08hs-philip-spring_ger.pdf    und http://www.wiso.uni-hamburg.de/fileadmin/sozialoekonomie/zoess/DP15.pdf

THX1138 schrieb am 16.05.2010 um 17:36 Gefunden, Herr Leusch! Polanyi argumentiert in The Great Transformation folgendermassen: „Als das internationale System in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts versagte, traten die fast vergessenen Probleme des Frühkapitalismus wiederum zutage. An erster Stelle das Problem der Demokratie (…) Wenn es je eine politische Bewegung gab, die den Erfordernissen einer objektiven Situation entsprach und nicht das Ergebnis zufälliger Ursachen darstellte, dann war es der Faschismus. Gleichzeitig wurde der zerstörerische Charakter der faschistischen lösung offensichtlich. Sie bot einen Ausweg aus der strukturellen Sackgasse, die in vielen Ländern im wesentlichen gleicher Art war, und doch würde die Kur, falls man sie versuchte, über all zu einer todbringenden Krankheit führen. Dies ist die Art und Weise, wie Zivilisationen zugrunde gehen. (…) Der Faschismus war ebenso wie der Sozialismus in einer Marktgesellschaft verwurzelt, die nicht funktionieren wollte.“ Hier geht Polanyi kurz auf die Versailler Friedensverträge ein (ohne die deutsche Hyperinflation explizitzu erwähnen), bevor er weiterfährt: „Die vom Faschismus gespielte Rolle wurde von einem Faktor bestimmt: dem Zustand des Marktsystems.“ Hier zeichnet er den Verlauf und die Bedeutung des Faschismus von 1917 bis nach 1930 auf, den er in drei Phasen unterteilt (1917- 1923 / gelegentliches Aufflammen des Faschismus, der von den Regierungen auch gerne dazu bebutzt wird, für Ordnung zu sorgen; 1924- 1929 / da die Wiederherstellung des Marktsystems gesichert schien, verschwinden die Faschisten von der Tagesordnung; nach 1930 / „befand sich die Marktwirtschaft in einer allgemeinen Krise und der Faschismus wurde innerhalb weniger Jahre zu einer Weltmacht“): „Erst in der dritten Periode- nach 1929- wurde die wahre Bedeutung des Faschismus offenbar. Es wurde klar, dass das Marktsystem in eine Sackgasse geraten war. Bis dahin war der Faschismus kaum mehr gewesen als ein Aspekt der autoritären Regierung Italiens (…) Nun bot er sich als Alternativlösung des Problems der Industriegesellschaft an. Deutschland übernahm die Führung einer Revolution europäischen Ausmasses, ind die faschistische Ausrichtung verlieh seinem Kampf um die Macht eine Dynamik, die bald fünf Kontinente umfasste. Die Geschichte fand sich im Triebwerk gesellschaftlicher Veränderungen.“ Ursache und Wirkung zeigt er hier meiner Ansicht nach sehr deutlich auf. Und wir befinden uns schon wieder in einer  Transformationsphase- die Frage ist nur, in welche Richtung das politische Pendel dieses Mal ausschlägt. Meiner Ansicht nach stehen die Zeichen auf Sturm.

jhartmann schrieb am 19.05.2010 um 05:10 „“nicht, wie fidelche hier immer wieder unsinnigerweise annimmt: Faschismus als Ausfluß falscher Kapitalismuskritik.“ Dass der Antisemitismus (nicht nur) der Nazis sich durch festes Verbundensein mit einer die ökonomische Realität verkennenden einseitigen Finanzkapital(isten)schelte (eben im Unterschied Marx‘ Ökonomiekritik) von anderen Rassismen unterscheidet, ist unter Antisemitismus-Forschern völlig unumstritten, zumal unter solchen, die Marx nahe stehen. (Auch übrigens unter jenen, die Antizionismus für legitimen Antinationalismus halten.) Das kann nur jemand nicht wissen (wie die Juristen sagen: „mit Nichtwissen bestreiten“ …), der lediglich ad hoc schlau klingende Zitate zusammengoogelt.

burton030 schrieb am 14.05.2010 um 17:22 Da wir ja hier soviele Kommunisten und Wirtschaftstheoretiker an Bord haben und sich hier auf das „Gesetz der fallenden Profitrate“ bezogen wird; so stelle ich die Frage: Wie begegnet ihr der Kritik an diesem Gesetz? Mir geht es hierbei vorallem darum, wie begegnet ihr dem „Okishio-Theorem“? Gerne auch per PN falls das hier moeglich ist (ich bin neu hier) und diese Frage als nicht angemessen, in dieser Diskussion empfunden wird. Ansonsten moechte ich noch sagen, der Text, ob zusammengeschustert oder nicht, gibt schon eine gute Kapitalismuskritik ab. Das Linkspartei, Verdi und so weiter verkuerzte Kapitalismuskritik betreiben und das jetzige System stuetzen, steht außer Frage und dafuer werden sie auch auf der Muellkippe der Geschichte landen.

fidelche schrieb am 14.05.2010 um 23:35 @burton030 schrieb am 14.05.2010   um 17:22   Danke für den Kommentar. Ich hatte bereits vor, einen Blog über den  tendenziellen Fall der Profirate einzustellen. Ich kenne zwei Verdi  Kollegen, die ich vor kurzem bat in einem derartigen Blog  mitzudiskutieren. Auf die Antwort warte ich noch. Das Okishio-Theorem ist      relativ kompliziert. Es besagt zudem nur, dass ein spezielles  mathematisches Modell (ein komparativ statisches, lineares   Produktionspreismodell) den Fall der Profitrate nicht nachweisen kann,  sondern sogar deren Anstieg impliziert. Daran zeigt sich nur, dass man von   absoluten Größen und ihren Grenzen nicht einfach abstrahieren sollte, wie es lineare Modelle immer tun. Weitere Infos unter: Claus Peter Ortlieb –  Ein Widerspruch von Stoff und Form.

burton030 schrieb am 14.05.2010 um 17:22 Da wir ja hier soviele Kommunisten und Wirtschaftstheoretiker an Bord haben und sich hier auf das „Gesetz der fallenden Profitrate“ bezogen wird; so stelle ich die Frage: Wie begegnet ihr der Kritik an diesem Gesetz? Mir geht es hierbei vorallem darum, wie begegnet ihr dem „Okishio-Theorem“? Gerne auch per PN falls das hier moeglich ist (ich bin neu hier) und diese Frage als nicht angemessen, in dieser Diskussion empfunden wird. Ansonsten moechte ich noch sagen, der Text, ob zusammengeschustert oder nicht, gibt schon eine gute Kapitalismuskritik ab. Das Linkspartei, Verdi und so weiter verkuerzte Kapitalismuskritik betreiben und das jetzige System stuetzen, steht außer Frage und dafuer werden sie auch auf der Muellkippe der Geschichte landen.

Uwe Theel schrieb am 14.05.2010 um 19:04 @ burton030 schrieb am  14.05.2010 um 17:22 Okishio’s theorem Die englische Wikipedia diskutiert das Theorem ausführlich nach voraufgegangener Erklärung besonders hier: en.wikipedia.org/wiki/Okishio%27s_theorem#Discussion und dort en.wikipedia.org/wiki /Okishio%27s_theorem#David_Laibman.27s_Efforts_to_Defend_Okishio.27s_Theorem Demnach ist die Widerlegung des Gesetzes vom tendenzillen Fall der Profitrate durch das Okisho-Theorem mindestens wackelig. Außerdem sei daruf hingewiesen, dass fidelche sich weniger um innertheoretische Problem der Kritik der Politischen Ökonomie kümmert, sondern das von Columbus so drastisch im Flöhe-und-Läuse-Theorem ausgedrückte Problem hat, wenn ich auch die Terminologie dort etwas weniger ungeziefernah gewählt hätte, aber logisch hat Columbus m.E. recht.

fidelche schrieb am 14.05.2010 um 20:11 Liebe Mitkommunarden, bevor ich später auf die neuen Kommentare eingehe möchte ich einen Leserbrief aus meiner Mailbox, mit Erlaubnis des Autors veröffentlichen: lieber fidelche, deinen beitrag zur verkürzten kapitalismuskritik heute  kann ich nur unterstützen und unterschreiben, und zwar ausdrücklich auch  als ver.di-mitglied seit 25 jahren, wenn man die gew- und die ötv-zeiten  mitrechnet. auch die rechten leute von links wie die linken heute von     rechts kenne ich gut, aus vielen meiner lektorate einmal, aus meinem  studienschwerpunkt in der geschichtswissenschaft zum anderen. was du  anführst, ist die für ein blog lang genug gemachte reihe von fehlgehender   theorie, die genau da landet, wo du es mit müntefering=westerwelle+applaus  in grün andeutest: so ist „antikapitalisch“ sogar genau die BILD. und  jeder ‚linke‘ wird DAS natürlich abstreiten; ebenso wie deine treffende   herleitung und deine treffende schlußfolgerung.   ps.: fro darf insb. ich auch sein, daß froh sich hier gesinnungstechnisch  ins aus fahren wird. etwa vor theels mauer, aber doch mit segen von rapps  betonöl. halt einer weniger …     viele solidarische grüße, mit gang of four, dein rainer, jva   münster-geist4tel

omg schrieb am 15.05.2010 um 11:57 Hallo, hier ein inhaltlicher Input zur Neuausrichtung der Debatte. Das Lambsdorfpapier (admin.fnst.org/uploads/644/Lambsdorffpapier-2.pdf) macht deutlich, das es ökonomische Notwenidgkeiten(tendenzell sinkende Kapitalrendite der gewerblichen Wirtschaft) für den Neoliberalismus gibt. Diese Notwendigkeiten wurden ideologisch Überbaut. Es gibt verschieden Interpretationen des Problems, je nachdem welche Weltsicht man hat. Auch in der „Linken“.

Uwe Theel schrieb am 15.05.2010 um 13:05 @ omg am 15.05.2010 um 11:57    thx for trying    Lieber OMG lies doch mal auf den Seiten 9/10 des von Dir freundlicherweise aus dem geschützten Bereich der Friedrich-Naumann-Stiftung (FDP) zugänglich gemachten Lambsdorffpapiers aus dem Jahre 1982 (!!!) die dort gelisteteten Punkte 1) bis 5) für eine Fiskal- und Wirtschaftspolitik, die also auch Dir als „marktwirtschaftlicher Ausweg“ aus der krise des Kapitalismus erscheint: Es sind die genau die Punkte, die, zum guten Teil mittlerweile unter Zutun von allen Parteien, bis auf die der Linken, verwirklicht wurden, und uns nun schon in die zweite Stufe der Krise geführt haben, die damit angeblich verhindert werden könnte/sollte. Einzelheiten ergeben sich beim Lesen des Papiers, für den, der die Augen vor der aktuellen Lage, ihrer Entwicklung und Ursachen nicht verschließt.

Angelia schrieb am 14.05.2010 um 20:37 Bedauerlicherweise verstehe ich diese Kritik an der Kapitalismuskritik als eine willkürlich zusammengebastelte Beweisführung gegen „Linke“ deren Denken wesentlich radikal sein soll und zu Antisemitismus, Nationalsozialismus und Faschismus führt. Hätte man die Kernaussage des Elaborat nicht weniger umständlich, unverschleierter, also klarer und am Wesen des Kerngedanken orientierter schreiben können? Ich mag zwar  Eintöpfe als kulinarisches, aber keineswegs als geistiges Gericht. Doch wenn man das Wesen der Kritik am Kapitalismus nicht kennt (oder gar nicht kennen will) und es nur darum geht, gegen etwas (gegen linkes Denken, was soll das überhaupt vom Wesen her sein?) zu schreiben, kommt wohl ein Eintopf dabei raus. Schade.

fidelche schrieb am 15.05.2010 um 23:14 @Angelia schrieb am 14.05.2010 um 20:37     Dann hast Du etwas falsch verstanden. Es ist keine Beweisführung gegen alle Linke. Nur gegen Linke die eine falsche Kapitalismuskritik üben. Ich weiss dass es in allen von mir kritisierten Organisationen Gegenkräfte gibt die diese „Rechten von Links“ kritisieren. Diese Kräfte möchte ich stärken. Dass sich in diesem Forum Gesellianer tummeln konnte ich beim Schreiben des Blogs nicht wissen. Darauf werde ich noch ausführlicher eingehen. „Es ist unmöglich, die Fackel der Wahrheit durch ein Gedränge zu tragen, ohne jemandem den Bart zu sengen.“ (Georg Christoph Lichtenberg)

fidelche schrieb am 15.05.2010 um 23:24 Der Sozialdarwinist Silvio Gesell Teil 1      Zwar versprach der Kaufmann Gesell, alle Einkommen würden steigen, wenn  Zinsen und Renten entfallen. Verteilt werden soll aber »nach den Gesetzen des Wettbewerbs« gemäß dem Prinzip: »Dem Tüchtigsten der höchste Arbeitsertrag«. Gesell redete von einer Rückkehr zum Manchester-Kapitalismus, allerdings ohne Rentiers und Grundeigentümer. Ausgegrenzt wird, wer als unproduktiv und faul gilt. Der Gesellianer und Anarchist Klaus Schmitt spricht von einer Wirtschaftsordnung, die das »eigennützige Streben der Menschen nutzt und die tüchtigen Produzenten belohnt und nicht die unproduktiven Geldverleiher, Grundeigentümer und andere Parasiten bereichert«. Parasiten sind hier auch Flüchtlinge,Sozialhilfeempfänger, Erwerbslose, Behinderte, Alte und Kranke. Gesellselbst schrieb von »Arbeitsscheuen« und »Bummelanten«. In seiner Utopiewären diese Menschen auf Almosen angewiesen, einen Sozialstaat hat ernicht vorgesehen.Das Land wollte Gesell in öffentliches Eigentum überführen und an Bauern verpachten. Auch dieses sogenannte Freiland dient eugenischen Zielen. Die Pacht sollte an den Staat gezahlt »und restlos an die Mütter nach der Zahl der Kinder verteilt« werden, als »Mutterrente«, forderte er. Diese »Rückkehr der Frau zur Landwirtschaft« war für Gesell »die glücklichste Lösung der Frauenfrage«. Die »Vorrechte bei den Geschlechtern« wären aufgehoben, die Grundrente als ökonomische Sicherheit gewähre den Frauen »das freie Wahlrecht … und zwar nicht das inhaltsleere politische Wahlrecht, sondern das große Zuchtwahlrecht, dieses wichtigste Sieb der atur«. Die Frauen würden den schädlichen Einfluß der Medizin ausgleichen, die die »Erhaltung und Fortpflanzung der fehlerhaft geborenen Menschen« bewirke. »Soviel Krankhaftes auch der Auslesebetätigung der Natur durch die Fortpflanzung der Fehlerhaften zugeführt wird, sie wird es bewältigen. Die ärztliche Kunst kann dann die Hochzucht nur verlangsamen, nicht aufhalten.« Die rassenhygienischen Ideen werden bis heute von Gesellianern vertreten, meist verbrämt, etwa von Margrit Kennedy. Die eifrige Propagandistin von Tauschringen und Regionalgeld stellte in einem Beitrag für den »Gesundheitsberater«, das Blättchen des braunen Müslipapstes und ehemaligen SA-Mannes Max Otto Bruker, Gesells Konzept als »Lastenausgleich« für Kindererziehung dar. Regina Schwarz vom Kölner »Netzwerk gegen Konzernherrschaft«, einer Mitgliedsorganisation von Attac, und Mitbegründerin des Kölner Sozialforums, präsentierte im Infobrief des Netzwerks im Januar 2003 die Lehre Gesells. Auch sie behauptet, Gesell habe ein »Entgelt für Erziehungsleistungen« vorgeschlagen, um die Frauen aus der ökonomischen Abhängigkeit der Männer zu befreien. Daß Gesells »Lösung der Frauenfrage« mit NS-Lebensborn und Mutterkreuz kompatibel ist, verschleiert Regina Schwarz. Werner Onken berichtet über Gesells Bodenreformpläne und schreibt, die »freie Liebe« würde endlich verwirklicht, weil alle Mütter nach der Zahl ihrer Kinder Unterhalt aus den Pachterträgen bekämen. »Die vom Kapitalismus körperlich, seelisch und geistig krank gemachte Menschheit (wird) in einer … freien, natürlichen Wirtschaftsordnung allmählich wieder gesund werden und zu einer neuen Kulturblüte aufsteigen können.« Auch dieser Text wurde im Infobrief des »Netzwerks gegen Konzernherrschaft« veröffentlicht, wie sich die Gruppe um Maria Mies nennt. Wissen sie nicht, mit wem sie  kooperieren, oder sind diese patriarchalen Menschenzuchtphantasien kompatibel mit ihrer eigenen reaktionären Subsistenzperspektive? Ganz offen vertritt Klaus Schmitt das Menschenzucht-Programm. »Immerhin ist dieser Gedanke einer für die Gesunderhaltung des Erbguts und für die Evolution der menschlichen Art vorteilhaften und von den betroffenen Individuen selbstbestimmten Eugenik eine diskutable Alternative zu den auf uns zukommenden, von Staat und Kapital fremdbestimmten  Genmanipulationen«, schrieb Schmitt in dem Buch Silvio Gesell – Der Marx der Anarchisten?, das im anarchistischen Kramer-Verlag in Berlin erschienen ist. Tauschringe und Regionalgeld sind kein bisschen emanzipatorisch, im Gegenteil. Sie dienen als praktisches und propagandistisches Vehikel für Schwundgeld-Utopien und  Zinsknechtschaft-Phantasien – ein strukturell antisemitischer Ansatz. Wenn Gesell alle Übel der Welt auf Zins und böse Geldbesitzer projiziert und ihnen die schaffende Gemeinschaft der Werktätigen und Unternehmer gegenüberstellt, trennt er, wie heute die Globalisierungskritiker, was untrennbar verflochten ist: Industrie- und Finanzkapital. Die Nazis brachten den scheinbaren Gegensatz auf die Parole raffendes versus schaffendes Kapital, wobei sie die Raffer in christlich-abendländischer Tradition als Juden identifizierten. Ganz in dieser Tradition wurde in der NPD-Zeitung »Deutsche Stimme« im Frühjahr 2004 eine revolutionäre Neuordnung des Geldwesens propagiert. »Macht die Völker frei – brecht die Zins-Sklaverei« lautete die Parole. Durch Schwundgeld solle eine »Gesundung des deutschen Volkes« erreicht und die Macht der »Geldkapitalisten der Wall-Street« gebrochen werden. Die Chiffre bezeichnet für Nazis, Islamisten und so manche Globalisierungskritiker die Weltherrschaft der Juden. Anthroposophen, Gesellianer, Ökofeministen und sonstige Antiglobalisierer mögen allerlei Differenzen im Detail haben. Grundlegendes ist ihnen gemein: Was dem einen die Tobin-Steuer, ist dem anderen das Schwundgeld. In der Hymne auf überschaubare Verhältnisse und kulturelle Identität, auf Subsistenz und Regionalgeld paaren sich Unverständnis und Mief. Das Dorf, die Region, die Heimat versus große weite Welt und transnationale Konzerne. Nicht von ungefähr erinnert das an die deutsch-völkischen Lebensreformer, die Ende des 19. Jahrhunderts einen Gegensatz zwischen heimischer Scholle/bravem Landmann und der dekadenten, wurzellosen Stadt sowie dem kosmopolitischen Juden konstruierten. Auch Gesell bewegte sich in diesem braunen Milieu. Einer seiner Anhänger notierte 1919: »Völkisches Empfinden duldet keine Zinsknechtschaft.« Attac hat Gesells Lehre als zumindest diskussionswürdig akzeptiert und aufgewertet, indem der Attac Ratschlag, eines der höchsten Gremien, die Zinstheorie als einen wenn auch kontroversen Ansatz in das Positionspapier zur »Alternativen Weltwirtschaft« aufgenommen hat. Quelle: Konkret 06/05, Peter Bierl Völkisches Empfinden

fidelche schrieb am 15.05.2010 um 23:48 Der Sozialdarwinist Silvio Gesell Teil 2                 Silvio Gesell: Die Natürliche Wirtschaftsordnung           2.4. Wie die Bodenverstaatlichung wirkt Auszug: [] Vieles spricht für diesen Vorschlag. Zunächst der Umstand, daß die Grundrente letzten Endes ja überhaupt als Verdienst der Mütter zu betrachten ist, insofern als die Mütter die für die Grundrente nötige Volksdichtigkeit überhaupt erst schaffen. Soll jeder das Seine erhalten (suum cuique), so unterliegt es keinem Zweifel, daß die Mütter das meiste Anrecht auf die Grundrente haben. Zu demselben Ergebnis kommt man, wenn man das Naturweib, das wie eine Königin über die Natur ringsum verfügt, mit unseren armseligen Fabrikarbeiterinnen vergleicht. Dann sieht man, daß den Müttern die Grundrente heute geradezu gestohlen wird. Es gibt wahrhaftig unter den Naturvölkern Asiens, Afrikas, Amerikas keine Mutter, die wirtschaftlich so aller Hilfsmittel entblößt ist wie die Proletarierinnen Europas. Dem Naturweib gehört die ganze Umgebung. Das Holz für ihr Haus nimmt sie, wo sie es findet; den Bauplatz wählt sie sich selbst. Ihre Hühner, Gänse, Ziegen, Rinder weiden um die Hütte herum. Der Hund bewacht das Nesthäkchen. Aus dem Bache zieht der Bub die tägliche Forelle. Im Garten säen und ernten die größeren Kinder, andere kommen mit Holz und Beerenobst beladen aus dem Walde, die Älteste bringt aus dem Gebirge den erlegten Bock. Und an die Stelle all dieser Naturgeschenke haben wir den Rentner, ein dickes, faules, unschönes Geschöpf gesetzt. Man braucht sich also nur in die Lage einer schwangeren Proletarierin zu versetzen, die von der ganzen Natur ringsum nichts hat, wo sie ihr Kind hinlegen kann, um zu erkennen, daß, wenn es schon einmal in der jetzigen Volkswirtschaft nicht ohne Abgrenzungen und Grundrenten geht – diese Grundrente dann unverküzt den Müttern zusteht: Nach Berechnungen, die allerdings auf unsicheren Unterlagen beruhen, würden etwa 40 M. monatlich für jedes Kind unter 15 Jahren aus der Grundrente verteilt werden können. Mit dieser Unterstützung einerseits und mit der Entlastung vom Kapitalzins andrerseits, wird jede Frau imstande sein, auf dem Lande ihre Kinder groß zu ziehen, ohne unbedingt auf Geldbeiträge des Mannes angewiesen zu sein. Wirtschaftliche Rücksichten könnten die Frauen nicht mehr brechen. In allen geschlechtlichen Fragen würden ihre Neigungen, Wünsche und Triebe entscheiden. Bei der Gattenwahl würden die geistigen, körperlichen, die vererbungsfähigen Vorzüge statt des Geldsackes den Ausschlag geben. So kämen die Frauen wieder zu ihrem Wahlrecht, und zwar nicht zum wesenlosen politischen Wahlrecht, sondern zum großen Zuchtwahlrecht. – • Nach der Bodenverstaatlichung wird jeder über das gesamte Deutsche Reich, und, wenn sie allgemein eingeführt wird, über die ganze Welt verfügen. Verglichen damit sind die jetzigen Könige die reinen Bettler. Jedes neugeborene Kind, ob ehelich oder unehelieh, wird 540 932 Geviertkilometer, 54 Millionen ha Land zu seiner Verfügung haben. Und jeder wird freizügig, keiner mehr wie die Pflanze an die Scholle gebunden sein. Jeder, dem die heimatliche Luft nicht zusagt, dem die Gesellschaft nicht gefällt, der aus irgendeinem Grunde einen Platzwechsel wünscht, löst seinen Pachtvertrag und zieht fort. Dadurch werden die verschiedenen deutschen Stämme, die, wie zur Zeit der Leibeigenschaft, an der Scholle kleben und von der schönen Welt nie etwas anderes als ihren Kirchturm sehen, in Bewegung geraten und neue Sitten, neue Arbeitsverfahren, neue Gedanken kennenlernen. Die verschiedenen Stämme werden sich kennenlernen und auch einsehen, daß keiner besser als der andere ist, daß wir allesamt nur eine schmutzige, lasterhafte Gesellschaft gebildet haben. Und da, wie bekannt, man sich des Lasters in der Regel vor Fremden mehr schämt, als in der Heimat vor Bekannten und Verwandten, so ist anzunehmen, daß der Verkehr mit Fremden die Sitten strenger und reiner machen wird. Aber die Bodenverstaatlichung dringt umgestaltend in das innerste Wesen des Menschen: den gemeinen Knechtssinn, der aus der Zeit der Leibeigenschaft noch dem Menschen anhaftet (dem Herren nicht weniger als dem Knechte), weil das  Sondereigentum am Boden, diese Grundlage der Leibeigenschaft, noch fortbesteht, diesen knechtischen Sinn wird der Mensch mit dem Privatgrundbesitz endgültig abschütteln; er wird sich wieder aufrichten wie eine junge Tanne, die, vom niederzwingenden Gewichte des Schnees befreit, kerzengerade wieder emporschnellt. „Der Mensch ist frei, und wär‘ er in Ketten geboren“. Allen Einflüssen paßt sich der Mensch an, und jeder Schritt auf der Bahn der Anpassung kommt durch Vererbung dem kommenden Geschlechte zugute. Nur in bezug auf die Knechtschaft findet keine Vererbung statt; nicht einmal Narben wird das Privatgrundeigentum in der Gesinnung der Knechte zurücklassen. Von dieser wurzelechten, weil wirtschaftlich begründeten Freiheit, die uns die Bodenverstaatlichung bringt, dürfen wir daher mit Recht alle die Früchte edlerer Gesittung erwarten, die wir bisher umsonst inzuheimsen hofften. Muß der politische Friede im Innern nicht auch nach außen sich bemerkbar machen, wie die Zufriedenheit im inneren Menschen sich in seinen Gesichtszügen widerspiegelt? Der herrische, gemeine, rohe Ton, der sich als natürliche Frucht der gemeinen Gesinnung, die die Grundrente großzieht, in den politischen Verhandlungen einbürgerte, mußte auch unsere auswärtige Politik beeinflussen. Wir sind durch den ewigen Widerstreit der Interessen, den das Privatgrundeigentum mit sich bringt, gewöhnt worden, in jedem Nachbarn, in jedem Nachbarvolk nur Feinde zu sehen, die uns Böses wollen und gegen die wir uns wappnen müssen, wenn es nicht angeht, augenblicklich über sie herzufallen und sie zu erschlagen. Denn nicht als Menschen und Brüder stehen sich die Völker gegenüber, sondern als Grundeigentümer. Schafft man hüben und drüben das Eigentum am Boden ab, so wird damit der Zankapfel beseitigt. Es bleiben dann an Stelle der Grundrentner nur Menschen, die vom gegenseitigen Verkehr nur Befruchtung ihrer Berufstätigkeit, ihrer Religion, ihrer Kunst, Gesittung, Gesetzgebung, niemals aber Schaden erwarten können. Nach der Bodenverstaatlichung wird niemand mehr durch die Höhe der Grundrente berührt, und wenn das in allen Nachbarländern der Fall ist, wer würde sich dann noch um Grenzzölle kümmern, die den Verkehr der Völker verpesten, Zwietracht stiften, zu Abwehrmaßnahmen führen und alle Beziehungen so verwirren, daß sich die Völker nicht anders als durch Pulver und Blei wieder Luft machen können? Mit der Bodenverstaatlichung und noch mehr durch die im 4. Teil dieses Buches dargestellte Freigeld-Einführung bürgert sich der Freihandel von selbst ein. Lassen wir den vollen Freihandel nur einige Jahrzehnte sich frei entwickeln und entfalten, und wir werden bald sehen, wie innig das Wohl der Völker mit der Förderung und Aufrechterhaltung dieses Handels verknüpft ist, mit welcher Liebe gute Beziehungen zu den Nachbarvölkern vom ganzen Volke gepflegt werden, wie die Familien hüben und drüben durch Bande der Blutsverwandtschaft fest aneinander gekettet werden, wie die Freundschaft zwischen Künstlern, Gelehrten, Arbeitern, Kaufleuten, Geistlichen alle Völker der Welt zu einer einzigen, großen Gesellschaft verketten wird, zu einem Völkerbund, den die Zeit und die Einzelbestrebungen immer nur inniger und fester schnüren, bis zum Verschmelzen der Teile zusammenschweißen können. Ohne Privatgrundrenten gibt es keinen Krieg mehr, weil es keine Zölle mehr gibt. Die Bodenverstaatlichung bedeutet daher gleichzeitig Weltfreihandel und Weltfriede. Dieser Einfluß von Freiland auf Krieg und Frieden ist übrigens bis jetzt nur oberflächlich erforscht worden; es ist noch Neuland. Der Bund deutscher Bodenreformer hat hier nie geschürft. Hier ist Stoff für ein groß angelegtes Werk, dankbarer Stoff. Wer wird sich dieser Aufgabe unterziehen? Gustav Simons, Ernst Frankfurth, Paulus Klüpfel, die sich für diese Arbeit tiefgründig vorbereitet hatten, die auch die richtigen Männer für diese Arbeit waren, hat der Tod mitten aus ihrer Arbeit gerissen. []

2.5. Wie läßt sich die Forderung der Bodenverstaatlichung begründen?  Auszug:   Der gesunde Mensch beansprucht die ganze Erdkugel, er betrachtet sie als eins seiner Glieder, als einen untrennbaren Hauptteil seines Körpers, und zwar die ganze Erdkugel, nicht einen Teil davon; und die zu beantwortende Frage ist, wie ein jeder in den Vollgebrauch dieses Hauptorgans gelangen kann. Teilung der Erde ist ausgeschlossen, denn durch die Teilung erhält jeder nur einen Teil, während er doch das Ganze braucht. Kann man die Ansprüche der einzelnen Familienglieder auf die Suppenschüssel damit befriedigen, daß man diese zerschlägt und jedem eine Scherbe hinwirft? Außerdem müßte bei jedem Begräbnis, bei jeder Geburt die Teilung von neuem beginnen, ganz abgesehen davon, daß die Teile durch Lage, Beschaffenheit,  Witterungsverhältnisse usw. sämtlich verschieden sind und darum niemand zufriedengestellt werden kann. Denn während der eine seinen Teil auf sonniger Höhe haben möchte, sucht der andere die Nähe einer Bierbrauerei auf. Die Teilung (heute in der Regel durch Erbschaft) nimmt jedoch keine Rücksicht auf solche Wünsche, und so muß der Bier philister täglich von der sonnigen Höhe herunter, um unten im Tale sein Bäuchlein zu füllen, während der andere nach der sonnigen Höhe lechzt und in der Talluft geistig und körperlich verkümmert. Durch die Teilung wird niemand befriedigt, die Teilung kettet den Menschen an die Scholle, besonders wenn, wie das in der Regel der Fall ist, der Austausch der Teile (Umsatz) durch Umsatzsteuern erschwert wird. So möchte mancher wohl aus Gesundheitsrücksichten wegziehen, mancher, der mit der Nachbarschaft verfeindet ist, täte aus Sicherheitsgründen wohl, eine andere Gegend aufzusuchen, aber sein Grundeigentum läßt ihn nicht los. []

Rahab schrieb am 16.05.2010 um 10:56 nachdem ichs überflogen, beschleicht mich die ahnung: zionisten sind gesellisten!

fidelche schrieb am 16.05.2010 um 12:12 @Rahab schrieb am 16.05.2010 um  10:56      Hallo Rahab,  hoffentlich wird Dein Kommentar von Uwe Theel und Columbus überlesen. Sonst gibts Ärger.

Rahab schrieb am 16.05.2010 um 12:24 für wen?  du kämest in erklärungsnot.

fidelche schrieb am 16.05.2010 um 12:45 Der Sozialdarwinist Silvio Gesell  Teil 3                 Freigeld, Schwundgeld, Regionalgeld           Am Beispiel „Der Chiemgauer“ möchte ich die Absurdität und Undurchführbarkeit der Schwundgeldtheorie belegen. An bestimmten Stellen tauscht man 100 Euro gegen 100 „Chiemgauer“ . Man bezahlt in bestimmten Geschäften mit dem „Chiemgauer“ . Am Quartalsende verliert der „Chiemgauer“ 2% seines Wertes. Wer am Quartalsende noch „Chiemgauer“ hat versucht sie loszuwerden oder verliert 2% die er mit Wertmarken ausgleichen muss. Nach einem Jahr muss der „Chiemgauer“ zurückgetauscht werden mit 5% Abzug, die der Herausgeber des „Chiemgauers“ (Leute um die Waldorfschule Prien) kassieren. 3% gehen an gemeinnützige Vereine, meist Waldorfschulen oder andere anthroposophische Einrichtungen, aber auch Sportvereine (Feigenblattfunktion) Damit soll Kundenbindung hergestellt werden und das Geld in der Region bleiben. Langfristig soll das Regionalgeld den Euro ablösen. Das Geld soll ausgegeben werden und der böse Zins ist durch den Schwund obsolet. Dass Geld, wie der Euro, auch durch Inflation an Wert verliert ist den Jüngern von Silvio Gesell offenbar nicht bewusst. Viele Kaufhäuser oder Gewerbetreibende machen, trotz der aggressiven Werbekampagnen, nicht mit, da Viele ihre Lieferanten nicht mit „Chiemgauer“ bezahlen können. Klar, ein PC Unternehmen kann sein Windows Betriebssystem von Bill Gates nicht mit „Chiemgauer“ bezahlen. Seine Mitarbeiter kann der Betrieb auch schlecht mit „Chiemgauer“ bezahlen. Wenn jemand seine Region fördern will kann er dies natürlich genauso gut mit dem Euro tun. Er muss nur auf dem Hof seines Biobauern einkaufen mit Euro bezahlen und “er hat sinnvoll“ eingekauft. Auf diese Idee sind die Schwundgeldtheoretiker offenbar noch nicht gekommen. Wenn später alle in Europa Schwundgeld haben sollten (das ist das Ziel der Befürworter), besteht das Problem dass außerhalb der Region der „Chiemgauer“ nicht angenommen wird. Dafür soll es dann Umtauschstellen geben die das aktuelle Kursverhältnis der dann unzähligen verschiedenster Währungen umrechnet. Ziel ist daher dass in einer Region so gut wie alles produziert wird. Nehmen wir das Beispiel Fahrrad. Eine Region bräuchte also ein Aluminiumwerk für den Rahmen, ein Kautschukwerk, Kautschukplantagen, Fabriken zum Fertigen und Giesen der Einzelteile usw, usw. Das alles natürlich für jedes erdenkliche benötigte Produkt. Quintessenz: Außer den Herausgebern des „Chiemgauers“ profitiert niemand von dieser Regionalwährung. Was sich einige Teilnehmer der FC von dieser „Währung“ versprechen ist mir schleierhaft.

Uwe Theel schrieb am 16.05.2010 um 13:23 @ Rahab am 16.05.2010 um 12:24″kämest“ in erklärungsnot?Fidelche ist in Erklärungsnot, um nicht zu sagen, dass seine Titanic längst gesunken ist. Sein weiteres „Erscheinen“ ist nurmehr der Virtualität des Ganzen zu schulden. Mir scheint aber seine Kommandantenmütze schon verschwunden, wärend jetzt ein Generalsekretärshut weiter auf den Wellen dümpeln soll.

Rahab schrieb am 16.05.2010 um 13:26 so – und nun setzte das mal bitte auf den schekel um!

Rahab schrieb am 16.05.2010 um 13:27 das obige ist ans fidelsche gerichtet

THX1138 schrieb am 16.05.2010 um 00:17 Interessierte von Silvio Gesells Theorien finden hier einen Teil seines Werkes.

fidelche schrieb am 16.05.2010 um 00:21 @THX1138 schrieb am 16.05.2010 um 00:17 wollte grad noch den Nachtrag machen.     Danke fidelche

Achtermann schrieb am 16.05.2010 um 09:56 Dass rechts drin ist, obwohl links draufsteht, kommt immer mal wieder ans Tageslicht. Auch der Mitbegründer der Grünen, Baldur Springmann, einst „Galionsfigur der Grünen-Bewegung“ (taz), tummelte sich gerne im braunen Sumpf. Springmann war u.a. Mitglied im Weltbund zum Schutz des Lebens. Die deutsche Sektion wurde in den 80er Jahren aus der internationalen Mutterorganisation ausgeschlossen, weil sie den Erzkonservativen zu rechts war. Erinnert sei auch an Alfred Mechtersheimer, der für die Grünen bis 1990 im Bundestag saß und später Mitbegründer der rechtsextremen Deutschlandbewegung war. Auch August Haußleiter war Gründungsmitglied der Grünen und sogar einer der drei Sprecher. Seine politische Laufbahn begann nach der Nazi-Zeit in der CSU. Nach seinem Austritt gründete er die rechtsradikale Deutsche Gemeinschaft, die 1965 in der Aktionsgemeinschaft Unabhängiger Deutscher (AUD) aufging. Diese wiederum löste sich 1980 auf, um bei den Grünen mitzumachen. Das war insofern folgerichtig, weil die AUD sich zunehmend mit ökologischen Fragen beschäftigte. Ökologisches und kapitalismuskritisches Denken kann problemlos an der deutschen Scholle anknüpfen. Nicht zuletzt deshalb konnte dieser philosophisch-politische Hintergrund bei den Grünen Fuß fassen und in der Findungsphase eine vermittelnde Rolle einnehmen als die Diskussion um die Zielrichtung der parteipolitisch orientierten Ökobewegung hohe Wellen schlug. Insofern stützt dieser kurze Abriss die These von Che-Fidel (fidelche), dass eine verkürzte Kapitalismuskritik innerhalb linker Organisationen dazu führen kann, Heimattümelndes oder Antizionistisches virulent werden zu lassen.

fidelche schrieb am 16.05.2010 um 11:38 @Achtermann schrieb am 16.05.2010 um 09:56    Guter Beitrag, Achtermann ich stimme völlig zu, deine Liste ließe sich noch beliebig erweitern

Angelia schrieb am 16.05.2010 um 11:58 Das „etwas anderes drin steckt als drauf steht“, liegt m.E nicht am kapitalismuskritischem Denken, sondern ist dem Wesen des Menschem immanent. Es gibt wirklich keine „gute Idee, Theorie oder dem Wohle des Menschen dienende Erfindung“, die nicht von Menschen aus egoistischen Motiven ins Gegenteil verdreht werden können und werden. Aus diesem Grund ist es zwar sinnvoll diese Verdrehungen aufzuzeigen und ins rechte Bild zu rücken. Doch ist es m.E. Blödsinn, dass kritische Denken, Kritik oder Richtungsdenken an sich zu kritisieren. Anderes Beispiel: nur weil die FDP gerade das Liberale ad absurdum führt, ist das Liberale per Definition an sich weder schlecht oder zu verwerfen.

Columbus schrieb am 16.05.2010 um 12:18 Lieber Achtermann, „Dass rechts drin ist, obwohl links draufsteht, kommt immer mal wieder ans Tageslicht.“ – Da kann ich Ihnen voll zustimmen, so wie es das umgekehrt auch gibt. Ihre Beispiele belegen aber auch sehr schön, wie sich politische Menschen selbst an einen Rand bringen können, auf dem dann kaum mehr jemand zuhört, außer kleiner Fankreise. Mechtersheimer ursprünglich bei der CSU, hat sich nicht ausführlich mit apitalismuskritik beschäftigt, er interessierte sich früher für Nationalität und Identität, gleichzeitig war er pazifistisch, nach einer Offizierskarriere (!), und dazu auch noch ökologisch orientiert. Dann, nachdem er sich ausreichend abgegrenzt hatte, welche Ironie, wurde er Mitbegründer einer rechten Vereinigung und engagierte sich für die Republikaner. – Allenfalls ein Fall „Mahler“, aber kein Beweis für die Thesen Fidelches. Die mit Zeev Sternhell formulierte lautete, zur Erinnerung, dass „wesentliche“ Teile der radikalen Rechten von Links kamen und große Teile der Linken auf rechte Thesen und Gedanken zurückgreifen. >>Zeev Sternhell schreibt in seinem Buch, „Die Entstehung der Faschistischen Ideologie: “Die Wurzeln des Faschismus liegen in der radikalen Linken am Beginn des 20. Jahrhunderts. Dessen führende Theoretiker waren ganz überwiegend „rechte Leute von links“, die aus dem revolutionären Syndikalismus hervorgegangen waren.“<< Für Fidelche werden so Gesell, Sorel und Proudhon zu Rechten von Links. Das ist „Kappes“, wie Sie ja leicht an den von Fidelche ausgewählten Ausschnitten nachvollziehen können, die eben gar keinen Beleg für die These, sondern eher für das glatte Gegenteil, liefern. Fidelche erweitert das noch, indem er behauptet, dies hätte mit einer unvollständigen Kapitalismuskritik auf Seiten der Angeschwärzten (besser, von ihm, Fidelche, und seinen Stichwortgebern, „eingebräunten“) Bewegungen und Personen (Freiländer, Frühsozialisten, Syndikalisten, Lebensreformer) zu tun. Diese Thesen sind natürlich großer Unsinn und lenken einen Haufen Hirnschmalz davon ab, erst einmal wieder die linken Gedanken und Theoriebildungen so zusammen zu bringen, dass man politisch und gesellschaftlich, vor allem eben praktisch, etwas damit anfangen kann. Sie wissen wahrscheinlich auch, dass die Grünen aus einem großen Zusammenschluss verschiedener, eben nicht nur linker Gruppen und Initiativen entstanden sind. Um in Brokdorf oder Wyhl gegen die Atomkraft gewesen zu sein, musste man nicht unbedingt Linker sein. Um Pazifist zu sein muss man nicht Linker sein. Um Linker zu sein, muss man nicht Atheist sein. Um Linker zu sein, darf man auch Syndikalist und Freiländer sein. Um Linker zu sein, darf man auch Nietzsche bewusstseinserweiternd lesen. Um Linker zu sein, muss man nicht unbedingt Marx die „Bibeltreue“ schwören. Um ein Linker zu sein, muss man weder die Siedlungs- und Besatzungspolitik der Israeli als bedauerliche Konsequenz der Selbstverteidigung des StaatesIsrael akzeptieren, noch bei der Hamas Platz nehmen und ausrufen „zerstörtsei Israel“.Eher im Gegenteil, Distanz wäre zu all dem angesagt, vor allem aber die Entwicklung einer gesunden Distanz zur eigenen Radikalität in Ausagen und“Wertungen“, die Entwicklung eines selbstkritischen Verhaltens, ohneSchaum vor dem Mund und ohne denunziatorischen Anspruch.Abgesehen davon, dass selbst die eingefleischtesten Ideologen und  Polemiker nicht auf die Idee kämen, die Grünen in ihren Hauptanliegen als Rechte oder gar als national fixierte oder im wesentlichen braune Partei darzustellen, sehen Sie ja daran auch schön, wie schnell sich Leute, die überhaupt keinen Zugang zu brauchbaren  Theorien finden, aus diesen arteien und Zusammenhängen wieder entfernen. Das haben Sie überall. – Es soll sogar abgedrehte Leute geben, die Negris und Hardts Kapitalismuskritik, als eine von rechtem Gedankengut unterminierte Theorie lesen und Attac für unwesentlich halten. Sie werden sich sicherlich auch schon gefragt haben, warum ausgerechnet ich mich so heftig gegen Fidelches Thesen stelle. Es liegt ganz einfach daran, dass diese Art und Weise des Vorgehens so sehr die sektierischen Vorgehensweisen der linken Grüppchen aus den Nach-Nachwehen der APO und der linken Hochschulgruppen imitiert. Das ist in Wahrheit eine extreme Form dezisionistischer Denkhaltung, die mit aller Sicherheit zu extremer politischer, wie intellektueller Isolierung führt und keine Probleme löst, sondern beständig versucht andere Leute auszugrenzen und zu brandmarken. Am Ende bleibt dann nur ein Häuflein vermeintlich „Aufrechter“.     Liebe Grüße      Christoph Leusch

Uwe Theel schrieb am 16.05.2010 um 13:16 @ Achtermann am 16.05.2010 um 09:56      Natürlich hast Du mit Deiner Einschätzung der „Endpositionen“ der genannten Personen aus dem grünen Umfeld recht. Aber hat sich – auch hier – irgendjemand mal die Mühe gemacht, zu recherchieren, wie links solche Grüne zu Beginn ihrer (Öffentlichkeits)Karriere wirklich waren. Bei einen Otto Schily z.B. beschleicht mich seit langem das Gefühl, das dieser von Anfang an ein – wenn auch brillianter – Rechtspositivst reinsten Wasser war, was seine Juristenseite betrifft und menschlich ein Opportunist erster Klasse in eigener Sache (Karriere). Sein rechtsanwaltliches „Engagement“ für die RAF entsprang wohl der eitlen Selbstgewißheit, dass das bürgerliche Recht durchaus Möglichkeiten bietet, der Öffentlichkeit zu beweisen, dass ein Otto Schily in eben dem Schutz dieses Rechts dem Staat „glänzend“ entgegentreten kann, dabei, wenn auch letzlich folgenlos, – was das Publikum aber nie so recht bemerken würde -, dessen Grenzen, die sogar wirklich gegeben sind, aufzuzeigen. dabei ging es aber nicht um das recht und dei freiheit, sondern um Otto Schily. Als Innenminister sollte er dann, ohne jede Beachtung des Bildes, das seine Vergangenheit also fälschlich hatte entstehen lassen, das Recht des bürgerlichen Staates rigide gestalten und exekutieren lassen. So entsteht dann der Mythos des Rechten, der von links kam, weil er links gewesen sei. Mahler wäre ein analoger Fall. Die Biographien dieser Leute sind alle noch nicht geschrieben.

fidelche schrieb am 16.05.2010 um 11:48 Liebe Mitkommunarden, die Ereignisse überschlagen sich. Deshalb verzögert sich mein Zwischenbericht in diesem Blog noch etwas. Er wird dafür umso ausführlicher. Rainer „Gang-Generalsecretary“ Kühn, der eine starke Beteiligung von oca und dr. boedele befürworten würde, sieht viel gegenläufige Diskussionsbeiträge „als abwehr eigener  ahnung bzw. ohnmacht“, daß „jeder verstrickt ist ins allgemeine ganze, selbst der kritiker“, und „daß realpolitikparteien und gewerkschaften und programmköpfe der gesamten parlamentarischen linken in ihren äußerungen angefressen sind von dem, was sie zu bekämpfen vorgeben.“ Bei Columbus findet er sogar „ideologie in ’scheinbar belesener‘ reinkultur … die auf demselben boden bleibende kritik die welt“ vor. „kritik ist noch – als einfacher antagonismus nämlich – an die kritisierte position gekettet, wenn sie verkürzt bleibt und sich einfach als gegenstandpunkt feiert, und zwar richtig. kritik kann seit 66 jahren spätestens aber nur noch die reflexion solchen zustandes sein, den diese kritik ja seit ca. 160 jahren überwinden will bzw. überwunden zu haben vorgibt (zuletzt zeit des kalten krieges!).“ So schreibt er weiter. Alles ist zu lesen hier: lektoratkuehn.twoday.net/stories/email-antwort-wg-streit-um-fildelches-kritik-an-rechtem-ideengut-in-li/

fidelche schrieb am 16.05.2010 um 12:10 Mein „Generalsekretär“, Rainer Kühn, wird derzeit mit Mailanfragen und Stellungnahmen an seinen Schreibtisch gefesselt. Um seine Arbeit etwas zu erleichtern möchte ich, mit seiner Erlaubnis, eine Antwortmail, (Anfrage: Stellungnahme–Punkte zu thx (fidelche am 15.05.2010 um 18:21)) hier veröffentlichen: mensch blogger, wenn du folgerst: „Ich stelle fest, das ich mit verkürzter (regressiv in progress zu verkürzt) Kapitalismuskritik als Faschist oder Nationalsozialist agiere.“ dann folgerst du falsch. das hat fidelche nicht geschrieben. er hat den historischen f und ns gemeint, der nach adornos worten bis zu seiner gegenwart fortweste, nicht als explizites, das es auch gab und gibt, npd und die ganzen naziclaquersvereine, sondern als durchgängig alltägliches, als ressentiment gegenüber fremdes. fildelche warnt richtig vor regressiver kritik. sie ist nichts wert und befördert sogar ihr gegenteil. ihr kritisiertes. deshalb hat die BILD so eine meinungsmacht, deshalb sind allein münteferings des teufels strategen und volksmanipulatoren. sie schauen nicht dem volk aufs maul, sondern reden ihm nach, wo sie es sogar besser wissen. nach meiner erfahrung sind viele „gute“, die auch eher links wählen, mit antisemitismen und rassismen behaftet. ich habe das auch einmal für meine sozialdemokratische großfamilie aufgeschrieben. alles nette leute, die bei der spd ihr kreuz mach(t)en, aber zigeuner, aber neger, aber cabriokäufer und der teppichhändler im nachbardorf … und fidelche sagt nicht, das ns oder f antikapitalistisch gewesen seien, sondern daß beide sich regressiver kapitalismuskritik bedient haben als ideologie, als fangnetz der proletarischen masse. an allem von fidelches thesen und argumenten ist nichts falsch. seine 6 zusammenfassenden punkte, die er zweimal im kommentarverlauf gesetzt hat, sind völlig richtig. wer sich aus der community, die gemeinhin eher den kritischen, denkenden teil der bevölkerung repäsentiert, den schuh falschrum anziehen will, bitte schön. mir macht das nichts. er bestätigt damit nur fidelches kritik. bedenk das mal.     viele grüße, rainer

Columbus schrieb am 16.05.2010 um 14:13 Lieber Fidelche, lieber Herr Kühn  (in effigie, :-))) Na, dann macht mal. Außer sprachlichem Kaudawelsch und einer gewissen Neigung zum Scherz mit Namen, konnte ich aus Herrn Kühns @Bemerkungen nicht viel heraus lesen. – Hat er Adorno und Horckheimer im Keller, mit der Taschenlampe oder gar bei Kerzenlicht gelesen? Mich beschleicht immer mehr das Gefühl, dass manche aus den Grotten und Kellern des „Einzigen und Eigenen“ nie aussteigen wollen, weil da unten immer die selben Klimabedingungen herrschen und seltsame Pilze in Zucht wachsen. – Über „Scheinbelesenheit“ kann ich wirklich nur noch laut und lauter lachen. „…nach meiner erfahrung sind viele „gute“, die auch eher links wählen, mit antisemitismen und rassismen behaftet. ich habe das auch einmal für meine sozialdemokratische großfamilie aufgeschrieben. alles nette leute, die bei der spd ihr kreuz mach(t)en, aber zigeuner, aber neger, aber cabriokäufer und der teppichhändler im nachbardorf … (Ja, was denn, lieber Herr Kühn?, Columbus) und fidelche sagt nicht, das ns oder f antikapitalistisch gewesen seien, sondern daß beide sich regressiver kapitalismuskritik bedient haben als ideologie, als fangnetz der proletarischen masse. (…)“ Genau dazu sagt aber Herr Fidelche ganz, ganz wenig. Dafür sagt er aber, u. a. mit Sternhell, denunziatorisch etwas ganz ganz Anderes (Herr Kühn! Sie lesen doch mit, oder?), wie man in diesem und den vorhergegangenen Blogs gut lesen kann. Er möchten „braune Bonbons“ kleben, an Attac, an die Grünen, an Gesell, Sorel und Proudhon, ständig bezichtigt er ihm nicht genehme Personen als Antisemiten, Antizionisten, Rechte im linken Pelz, Rechte die von Links kommen, er verteufelt Gläubige. – Da beißt die Maus keinen Faden ab, das ist Alles ziemlicher Blödsinn und ziemlich marginal.     Liebe Grüße  Christoph Leusch

Columbus schrieb am 16.05.2010 um 14:20 Es muss natürlich Horkheimer heißen. Christoph Leusch

fidelche schrieb am 16.05.2010 um 16:48 @Columbus schrieb am 16.05.2010 um 14:13          Lieber Herr Leusch, sehr viel inhaltliches kann ich aus ihren Texten nicht herauslesen.Das Sie sich hier als Verteidiger der Gesellianer outen, hätte ich vor ein paar Tagen nicht für Möglich gehalten. Wenn jemand, wie Gesell, „Manchesterkapitalismus“ fordert, in dem Frauen als Gebärmaschinen und reiche Männer als Samenspender fungieren sollen. Wenn jemand meint, das Erbgut der von ihm minderwertigen Menschen würde im Laufe der Zeit ausgemerzt sein und eine „Hochzucht der Menschheit“ wurde dann erreicht werden, dann nenne ich das, vorsichtig ausgedrückt, kritisierenswert. Es ist sehr schade, dass Sie diesbezüglich nicht meine Position teilen, solche Theorien scharf zu kritisieren. Ich kann dies nicht ändern, wundere mich über Ihre Aussagen und werde auch in Zukunft keine braunen Bonbons essen.       Liebe Grüße fidelche

fidelche schrieb am 16.05.2010 um 17:54 @Columbus schrieb am 16.05.2010  um 14:13        Lieber Herr Leusch, was ich noch vergessen habe zu schreiben: Da ich keine braunen Bonbons mag, habe ich auch keine im Haus und kann deshalb auch keine ankleben. Im Übrigen habe ich einen interessanten Text auf der Seite von Rainer Kühn über Horckheimer gelesen, den ich Ihnen nicht vorenthalten will.  horckheimer    „Hat er Adorno und Horckheimer im Keller …“ (Columbus, 16.5.2010)    horckheimer ist kein vertipper, das wäre horlheimer oder horkheiner.  horckheimer ist entweder die bewußte verballhornung oder die bewußtlose unkenntnis, ein dokument von hörensagenwissen. geschrieben nie gesehen. dabei stehen genau adorno und horkheimer für das von fidelche angeschlagene thema, off topic noch die konkret mit herausgeber und kolumnist hermann l. gremliza. so kann man sich eben blank schreiben der vorgegebenen kenntnis, die man nie hatte. und hier sind die namen der ersten theoretiker in diesem land genutzt als zeigefinger der ausgrenzung, die genau diese von ns-deutschen erfahren haben. ich finde das nicht mehr billig, sondern die von fidelche aufgezeigten tatbestände erfüllend. jedoch, es ist nicht zu ändern, wie damals nicht von diesem volk des widerstands selber, wie damals nicht durch versprengte irre deutsche militärs. da muß schon ein neuer stalin kommen. fürchte ich nicht. Liebe Grüße fidelche

Columbus schrieb am 16.05.2010 um 20:38 Lieber Herr Fidelche, Ich bedanke mich recht höflich für den Einblick ins Hinterzimmer. Herr Kühn hätte, um diese Hintenrum Animositäten zu beenden, jederzeit die Möglichkeit mir persönlich zu sagen, was er denkt und hier nun offensichtlich auslebt. Nun vermitteln Sie uns die „Traubenlese“, die wohl zielstrebig, hintert Pilz und Filz, zu einer Korkheimer Trockenbeere führen musste, die nun in den Kellern der Wiederauferstehung harrt. Ich staune Bauklötze und wünsche Ihnen viel Spaß bei der  Vermehrung ihrer Kenntnisse. Auch stören will ich Sie nicht weiter dabei, weil es sonst die Formen einer Tortenschlacht annimmt. Was Links ist, lieber Fidelche, das  definieren nicht Sie, nicht Herr Kühn, das bildet sich schon und findet auch immer mehr Zuspruch, da habe ich gar keine große Sorge. Linke haben aber dieses Affentheater der Ausgrenzung und Abgrenzung, das Sie hier betreiben möchten, überhaupt nicht nötig. Sie haben es auch nicht nötig, Wegbereiter und wichtige Gedankengeber ins falsche Licht gesetzt zu sehen. Das ist zudem, bei Ihnen und bei Herrn Kühn, jedenfalls in dem was Sie hier zitieren, rein instrumentell. Noch einen schönen Abend und alles Gute, selbstverständlich auch unbekannter Weise     Christoph Leusch

Fro schrieb am 16.05.2010 um 14:13 Fidelche und Rainer Kühn erwerben sich hier große Verdienste bei der Abwendung eines neuen Faschismus. Um die Dramatik der Situation zu verdeutlichen, erinnere ich daran, dass die einzigen politischen Kräfte, die sich einer verkürzten Kapitalismuskritik enthalten, die FDP und die „Kommunistische Plattform“ innerhalb der Linken sind. Fidelches Konzept, das ich aus seinen bisherigen Beiträgen herauslese ist bestechend einfach und von revolutionärer Kühnheit: Alle Organisationen und Parteien, die sich mit kapitalismuskritischen politischen Zukunftsperspektiven befassen, werden verpflichtet, nur noch fundamentale Kritik im Sinne der Marxschen Ökonomie zu üben und für einen lupenreinen Kommunismus zu werben. Abweichler werden rückwirkend (200Jahre) für ihre faschismusfördernde verkürzte Kapitalismuskritik geächtet. Religionen und Kritik an der Israelischen Außenpolitik werden allgemein verboten. Damit wäre endlich gewährleistet, dass den Rechten das Wasser ihrer antikapitalistischen und antisemitischen Propaganda abgegraben würde… Alle Achtung – reif für den Stalinorden. 🙂

hardob schrieb am 16.05.2010 um 14:21 Ja, finde ich auch! Ich bin mir noch nicht ganz im Klarem, ob fidelche(n) den Jagoda oder den Jeschow gibt. Dem einen wurde sein Weißmeerkanaldenkmal gesprengt, der andere musste unter sehr unkomfortablen Umständen Zug fahren. Trübe Zukunftsaussichten, Fidelche(n)

fidelche schrieb am 16.05.2010 um 16:37 @Fro schrieb am 16.05.2010 um 14:13       Du schreibst: „Alle Organisationen und Parteien, die sich mit  kapitalismuskritischen politischen Zukunftsperspektiven befassen, werden verpflichtet, nur noch fundamentale Kritik im Sinne der Marxschen Ökonomie zu üben und für einen lupenreinen Kommunismus zu werben. “ Hast Du immer noch nicht verstanden um was es geht? Ich wiederhole es nun zum 3. Mal: Hab ich zwar bereits geschrieben. Gerne aber noch einmal (+Erweiterung): 1. Ich weise darauf hin, dass Faschismus und Nationalsozialismus mit regressiver Kapitalismuskritik agieren. 2.Ich weise darauf hin dass viele frühsozialistische Theoretiker regressive (verkürzte)Kapitalismuskritik betrieben, im Gegensatz zu Marx 3. Ich weise darauf hin dass der Antikapitalismus der gegenwärtigen Linken, sowie einiger hiesiger Forumsteilnehmer, teilweise verkürzte Kapitalismuskritik ist. 4. Ich habe die Herausgeber der VerdiBroschüre kritisiert. Das betreffende Flugblatt wurde innerhalb Verdis stark kritisiert. 5. Verkürzte Kapitalismuskritik stelle ich bei Teilen vieler linken Organisationen fest. Attac, Gewerkschaften, SPD, Linkspartei, hier schreibende Forumsmitglieder, usw. In jeder dieser Organisationen gibt es aber Gegenkräfte, so auch hier. Natürlich stelle ich nicht nur innerhalb der Linken regressive Kapitalismuskritik fest. Mittlerweile springt sogar Westerwelle auf das Pferd auf. Die Blödzeitung schreibt wahrscheinlich auch sinngemäß: „Die Banken sind schuld“ oder „ Die Griechen stehlen unser Geld“  6. Ich rate der Linken von verkürzter Kapitalismuskritik ab. Zum einen wegen der beschriebenen Andockmöglichkeiten, zum anderen weil diese Kritik ganz einfach zu kurz greift und falsch ist, wie Marx das bereits zu Lebzeiten beschrieben hat. 7. Dass es in diesem Forum Gesellianer gibt die kein Problem mit Gesells Menschenzucht haben und die Gesells Schwundgeldtheorie „klasse“ finden, konnte ich nicht erahnen. 8. Dass, zugegeben Wenige, in diesem Forum die rassistischen, antisemitischen und frauenfeindlichen Thesen Proudhons verteidigen und sie „linke Theorie“ nennen, konnte ich wahrlich nicht voraussehen. Für diese Texte sind die entsprechenden Autoren verantwortlich! 9. Ich habe nie geschrieben, dass die „Linken“ am Faschismus Schuld sind oder ähnliches. 10. Mit dem Stalinorden sollten hier besser andere ausgezeichnet werden.     Gruß fidelche

Fro schrieb am 16.05.2010 um 18:09 Ja, welche Konsequenzen ziehst du nun aus deinen erschreckenden Erkenntnissen. Was schlägst du der Linken vor? Mal abgesehen von einer umfassenden Schulung marxistischer Ökonomie.

Magda schrieb am 16.05.2010 um 22:53 „Für diese Texte sind die       entsprechenden Autoren verantwortlich!“ Ach, der verräterische Stil, fidelche. Willst Du sie zur Verantwortung ziehen?

Achtermann schrieb am 16.05.2010 um 19:31 Ich wundere mich nach wie vor, was alles unter „links“ firmiert, gerade weil Columbus aufgezählte, wer alles einen linken Hintergrund aufweise. Am 12.10.98 war der neue Bundestag mit rot-grüner Mehrheit zwar gewählt, aber noch nicht im Amt, als die Teilnahme am Kosovo-Krieg beschlossen wurde. Nichtsdestotrotz nahmen der damalige Noch-Ministerpräsident Schröder und der Nur-Bundestagsabgeordnete Fischer als Hauptredner an der Kriegsdebatte teil, um den Bundestag auf den Militärschlag der Nato einzustimmen. Und das entgegen internationaler gesetzlicher Regelungen, wonach nur der UN-Sicherheitsrat – und nicht die Nato – darüber befindet, ob ein Bruch des Friedens oder eine Angriffshandlung vorliegt. Hier haben  als links geltende Politiker den ersten Kriegseinsatz nach dem 2. Weltkrieg mit vorbereitet, um damit die Militarisierung deutscher Außenpolitik einzuleiten. In der namentlichen Abstimmung gab es 500 Ja-Stimmen, 62 Gegenstimmen und 18 Enthaltungen. Zu den 62 Gegenstimmen gehörten die aller bei der Abstimmung anwesenden PDS-Abgeordneten. In den Koalitionsvertrag der ersten vermeintlichen Linksregierung wurde folgendes hineingeschrieben: „…die entschlossene Fortführung der Finanzmarktgesetzgebung; der Finanzplatz Deutschland soll auch in Zukunft international wettbewerbsfähig sein.“ Wir wissen seit einiger Zeit, was diese „linke“ Regierung beschlossen hat: U.a. die Zulassung von Hedge-Fonds. Damit wurde der Handel mit Optionsscheinen befördert oder die Möglichkeit mit geliehenen Aktien mit Leerverkäufen auf dem Markt aktiv zu werden. Und wir wissen, welche Folgen diese Art von Finanz- bzw. Wirtschaftspolitik hat. Wahrscheinlich werden als links geltende Politiker gebraucht, um Politik gegen 98 Prozent der Bevölkerung durchzusetzen. Ohne aus der aktuellen Politik der letzten zwölf Jahre gelernt zu haben, hoffen die „Linkswähler“, also diejenigen, die SPD oder Grüne oder Die Linke wählten oder mit einer dieser Parteien sympathisieren, in NRW werde eine rot-grün-rote Regierung das Ruder rumreißen und eine arbeitnehmerfreundliche, ökologische Politik voranbringen. Denn nur diese Hoffnung, insbesondere der sozialdemokratischen oder grünen Sympathisanten, berechtigt zur Eigeneinschätzung, man sein links.

Columbus schrieb am 16.05.2010 um 23:24 Lieber Achtermann,  Volle Zustimmung, was die Interpretation der Ereignisse nach dem Regierungswechsel zu Rot-Grün angeht. Der Druck allerdings, war auch enorm groß, genau so zu entscheiden.Bei den Grünen und der SPD gibt es eben viele Mitglieder und auchverantwortliche Politiker, die sich selbst gar nicht als Linke oderezidiert Linke beschreiben würden. Da gibt es Wertkonservative, reineÖkologen ohne politischen oder politikwissenschafltlichen Hintergrund,Karrieremenschen, Volkswirtschaftler alten Schlages, „neue Arbeiter“, dieStudienrats- und Beamten-SPD (nicht böse gemeint), etc….Aber alle diese Parteien, die Linke, und auch andere demokratischeParteien haben natürlich weder einen Kern- noch einen Rand anrassistischen, nationalkonservativen oder völkischen Gedanken und auchkeine totalitären Züge.Nichts oder kaum etwas, haben sie mit den hier von Fidelche vorgetragenenThesen zu tun. Gegen vorgeblich „rechte Linke“ und unvollständiger oder“regressiver“ Kapitalismuskritker vorzugehen, diese ganze Art Sturheit,diese Systematik im Etikettieren, dashat ja keinen Erkenntniswert. Die Haltung zu Krieg und Frieden, die ist z.B. für mich eine ganzentscheidende Frage bei Wahlen und bei der eigenen Position, so wie dieEinschätzung und Gewichtung der ökonomischen und sozialen Fragen. Dahermache ich mir um die Linke keine so großen Sorgen. Die werden wachsen undlangsam, aber sicher, auch bundespolitisch noch mehr Einfluss erlangen.Derzeit wirken sie ja schon, wie eine „Fleet in being“.Die Linke kann und muss sich ihre Traditionen anschauen und einen ganzgewichtigen Fehler verhindern, der auch an der politischen Wiege Stalins und am Beginn des Gulags stand, nämlich eine Politik der Ausgrenzungen und Denunziation erneut in Gang zu setzen. – Von Sorel, Proudhon und Gesell können Linke viel und positiv lernen und sie durchaus als positiven Teil der eigenen Tradition begreifen. Das bringt mehr, als diese Leute nachträglich mit bösen und falschen Etiketten zu traktieren und hilft, die Basis der Linken zu vergrößern. Eine geschlossene (dogmatische) ökonomische oder politische, antikapitalistische Theorie ist doch völlig obsolet. Sie ist einerseitswissenschaftlich überholt und ahmte andererseits nur nach, was derzeit die radikalsten Jünger des Neoliberalismus und Neokapitalismus alsgeschlossene Wirtschaftslehre anbieten, tagein tagaus verkünden oderverlauten lassen: Zum real existierenden Kapitalismus gebe es keinedenkbare und schon gar keine reale Alternative!Zudem steckt darin ein wesentlicher Kern jeder autoritären Gedankenwelt.Es spricht aus dem vorgeblich aufkläerischen Akt der beständigen Anti-,Entlarver- und Richtig-Falsch-Entscheider ein Stück jenes autoritärenCharakters, den Linke mit der historischen Erfahrung, und gerade unterBeachtung der kritischen Theorie, längst überwunden haben sollten. Einwenig pathetisch habe ich weiter oben geschrieben, dass Links-Sein denGlauben nicht ausschließt und einige andere Dinge ebenfalls nicht. Nur soist, gerade mit Adorno und Horkheimer im Gepäck, es könnten ganz vieleandere Namen genannt werden, ein hoffnungsvoller und sinnvollerpolitischer Weg zu beschreiten. Luggi (16.05.2010,20:11) ist sehr zu danken. – Viel knapper als ich es je könnte, hat er zusammengefasst, was bisher an Absichten aus diesem Blog Fidelches (und den Vorgänger-Blogs, nach meiner Einschätzung) abzulesen ist. Der Weg Fidelches, folgte ihm die Linke, führte direkt in die absolute Bedeutungslosigkeit.    Liebe Grüße  Christoph Leusch

luggi schrieb am 16.05.2010 um 20:11 1. Ich weise darauf hin, dass fidelche und Co. bisher hauptsächlich kritisiert haben; mehr ist nicht zu erkennen. 2. Ich weise darauf hin, dass mit der Etikettierung seitens fidelche ich ein Faschist, Nationalsozialist und Antisemit bin. 3. Ich weise darauf hin, dass o.g. von fidelche bereits in anderen Blogforen Gegenstand der Veröffentlichung war und sehr wenig bis keine Resonanz fand. 4. Ich weise darauf hin, dass der Begriff „regressive Kapitalismuskritik“ eine Erfindung von fidelche und Co. ist, um Linke zu stigmatisieren. 5. Ich weise auf ein sehr aktuelles Dokument hin, dass fidelches und Co. Aktivitäten kennzeichnet: scheinbar links

koslowski schrieb am 16.05.2010 um 21:00 Ich bedanke mich für den Link, sehr aufschlussreich und für mich eine Hilfe, die vorherigen Blogs des Autors einzuordnen.

luggi schrieb am 16.05.2010 um 21:04 luggi tut, was er muss 😉

thinktankgirl schrieb am 16.05.2010 um 21:29 gutes luggi! gutes dokument! Generell zu Kapitalismuskritik: Es gab und gibt viele Spielarten der Kritik am Kapitalismus, die auch immer vom herrschenden Zeitgeist beeinflusst sind. Gsell: so unterliegt es keinem Zweifel, daß die Mütter das meiste Anrecht auf die Grundrente haben. Zu demselben Ergebnis kommt man, wenn man das Naturweib, das wie eine Königin über die Natur ringsum verfügt, mit unseren armseligen Fabrikarbeiterinnen vergleicht. Diesen Ansatz würde ich zu den mutterrechtlichen Strömungen, die sich auf Bachofen berufen, zurückführen.

Phineas Freek schrieb am 16.05.2010 um 22:03 Das wird ja mal Zeit – besser spät als überhaupt nicht. Wer sich die ultrarechte und auf „links“ getrimmte Hetze der „anti“ – deutschen Wirrköpfe einmal anhören möchte – hier ist die Gelegenheit. Hier referiert der Hamburger Ex-Linke Justus Wertmüller und Häuptling des „anti“- deutschen Zentralorgans BAHAMAS persönlich und bringt die Ziele und Strategie der „anti“ – deutschen Kampfgemeinschaft besonders offen und prägnant auf den Punkt – darunter auch genau dass was Genosse Fidelbums hier betreibt. Den Rot=Braun-Hasspredigern geht es darum, die gesamte Linke zu bekämpfen (also auch Autonome, Libertäre, MarxistInnen etc, diverse Flügel in der Linkspartei, Antirassistinnen usw.). Wer im innerlinken Richtungsstreit meint, er könne die Unterstützung von Bahamiten für die eigene Strömung nutzen, kollaboriert mit Rechtsradikalen. Der knapp 15 Minuten lange Mitschnitt erspart einem die sehr zeitraubende und nervtötende Lektüre der mit maximaler Unverständlichkeit kokettierenden Pamphlete, die von diesen Dreckschleudern verfasst werden. http://www.freie-radios.net/portal/content.php?id=17116

luggi schrieb am 16.05.2010 um 22:13 Sie tragen eine rote Binde, wahrscheinlich am rechten Arm.

Magda schrieb am 16.05.2010 um 22:49 Bahamas – alles klar. „Wer im innerlinken Richtungsstreit meint, er könne die Unterstützung von Bahamiten für die eigene Strömung nutzen, kollaboriert mit Rechtsradikalen.“ Genau. Und danke.

Fro schrieb am 17.05.2010 um 00:59 Danke Luggi und Phineas Freek für die Recherchearbeit. Ich konnte fidelche bisher nicht einordnen – mir ging nur seine destruktive, provokante, spalterische, missionarische und kritikresistente Art auf den Keks. Habe auch noch einmal recherchiert und sehe seine Positionen auch im „antideutschen“ Spektrum. Vielleicht kennt sich jemand damit aus und schreibt mal einen Hintergrund-Blog. Die „Antideutschen“ scheinen gut im „Geschäft“ zu sein – bis hinein in die Partei dieLinken. @fidelche: fühlst du dich den „Antideutschen“ nahe? Was ist deine Mission?

Magda schrieb am 17.05.2010 um 09:43 „Ich konnte fidelche bisher nicht einordnen – mir ging nur seine destruktive, provokante, spalterische, missionarische und kritikresistente Art auf den Keks.“ Ich habe den Eindruck, das ist irgendein mit ein paar Zutaten programmierter Textgenerator.

fidelche schrieb am 17.05.2010 um 12:12 @Fro schrieb am 17.05.2010 um 00:59 Hallo Fro, langsam kann ich Deine Kommentare einordnen. Bin mir aber noch nicht sicher. Wenn ich mir Deine Logos immer so ansehe. Erst der stolze Adler im Fluge, (Preußisches und Reichssymbol)dann ein Passbild im Ökopullover vom Bauernhof Balduin Springmanns, jetzt wieder der Adler über Schleswig-Holstein. In Deinem Profil steht: ‚wir sind der chef‘. Sieht aus wie eine offizielle Verlautbarung eines Bundesministeriums. Es flimmert die Reichtagskuppel und die blaue Farbgebung des Regierungsoffiziellen. Die Seite sieht aus wie ein neurechtes Blendwerk im Netz und Störfeuer zum Bundesdeutschen demokratischen Rechtsstaat. Keine Person spricht, immer das ideologische wir. Zu Deiner Frage: Ich bin kein Antideutscher. Ich bin Gremlizianer, lese vorzugweise die konkret, jungle-world und Freitag und viele Bücher zu „meinen“ Themen. Ich lasse mir meine Position am jeweiligen Monatsende von Gremliza und Co bestätigen. Ich lese aber auch mal Texte von Antideutschen, stimme dabei auch einige Male zu, lese aber auch ND und Junge Welt und stimme ab und zu auch hier zu. Was meine Mission in diesem Blog ist hab ich nun wirklich des Öfteren wiederholt. Bitte lies nochmal meine Texte. Ich traue Dir das zu.    Viele Grüße fidelche

Rahab schrieb am 17.05.2010 um 12:20 ich kann’s mir nicht verkneifen, es  muß sein! dieser satz „Ich lasse mir meine Position am jeweiligen Monatsende von Gremliza und Co bestätigen.“  der hat was. der hat echt was.  der hilft mir auch zu verstehen, was damit gemeint ist:  „Keine Person spricht, immer das ideologische wir.“ na denne, spricht mal!

fidelche schrieb am 17.05.2010 um 13:13 @Fro schrieb am 17.05.2010 um  00:59     Nachtrag: Hallo Fro, was ich noch vergaß zu schreiben: Rainer Kühn hat mich auf seiner Seite darauf gebracht. Früher dachte ich Du bist ein evangelischer, friedensbewegter Öko. Bist Du mal auf eine Waldorfschule gegangen? Was hältst Du es mit Rudolf Steiners Anthroposophie? Viele Grüße fidelche

fidelche schrieb am 17.05.2010 um 13:15 @Rahab schrieb am 17.05.2010 um 12:20   Hallo Rahab, wenn Du Fro ansprechen willst, mußt Du links oben: @ Fro schreiben. Das ist hier so üblich und auch sinnvoll. Viele Grüße fidelche

Rahab schrieb am 17.05.2010 um 13:29 echt? steht das so im knigge?

wwalkie schrieb am 17.05.2010 um 14:18 „Gremlizianer“! Das tut einfach  nur weh! Das hat Gremliza nicht verdient! Wie kann man nur seine Lieblingsautoren so präsentieren, wie Pubertierende, die einem ihre „Geheimnisse“ anvertrauen. Also, liest du auch die „Bravo“? Echt geil! Und wie findest du den Gremliza? Echt stark, ey! Und wo stehst’n so – politisch mein ich? Biste antideutsch oder antisemitisch? Was haste denn für’ne Sozialisiation? Und haste schon das Marsche Kapital gelesen und das Leninsche Was tun? Also, wenn du die Konkret abonniert hast, fänd ich dich toll! Darum, companero, einen gut gemeinten Rat. Lesen Sie (aber wahrscheinlich denken Sie: companero und Sie, da schreibt ein Salonkommunist!) die vielen aufgeführten Autoren „einfach“ mal in Gänze (viel Spass bei Proudhon!) und beziehen sie diese auf den berühmten historischen Kontext ihres Erscheinens). Vielleicht lernen dann auch Sie, wie kompliziert das Einfache ist. Übrigens mag ich Gremliza sehr, auch seine Widersprüche!

Giuseppe Navetta schrieb am 16.05.2010 um 23:16 …ich finde diese hier Auseinandersetzung einigermaßen grotesk! Da werden im Rahmen der neoliberalen Invasion in nächster Zeit auch die letzten Errungenschaften der bürgerlichen Aufklärung im demokratisch-kapitalistischen Ordnungsrahmen niedergewälzt – ich finde, man darf das sehr wohl so pathetisch umschreiben – und man hat nichts besseres zutun als herauszufinden, welcher Frühsozialist in seinen Äußerungen und Werken die eine oder andere reaktionäre Tendenz aufwies?

thinktankgirl schrieb am 17.05.2010 um 14:40 @ navetta Sehe ich genauso! Außerdem muß man die monierten Früh-/Spät-/Sonstige-Sozialisten auch in ihrem kulturellen Kontext lesen. Was heute als reaktionär o.ä. gilt, war damals der letzte Schrei und absolut modern. Wenn die „Linke“ sich nur noch durch Haarspaltereien auszeichnet, und nicht durch (gelebte) Alternativen, dann sind wir wirklich beschissen dran. Außerdem halte ich Blogs in Fidelchescher Manier für völlig kontraproduktiv.

fidelche schrieb am 16.05.2010 um 23:46 Liebe Mitblogger, es ist mal wieder Zeit für einen Zwischenbericht. Karl Marx analysierte den Kapitalismus als dynamische Produktionsweise, in der Profitmaximierung und Akkumulation von Kapital Selbstzweck sind. Marx entzog damit Frühsozialisten wie Fourier oder Proudhon die theoretische Grundlage. In Krisenzeiten finden die absurden Theorien der von mir kritisierten Theoretiker Anklang. Die Perspektive einer regionalen Ökonomie ohne spekulative Finanzgeschäfte mit fairen Preisen und fairen Löhnen, sozusagen ein gebändigter Kapitalismus ist meiner Ansicht eine gefährliche Illusion. Da durch diese Theorien Andockmöglichkeiten rechter Ideologie gegeben wird. In Argentinien beteiligten sich zeitweise zehn Millionen Menschen an einem Tausch-Netz und mit Regionalgeld. Nach kurzer Zeit scheiterte dieses System kläglich, da der Kapitalismus damit in keiner Weise überwunden wurde. Alle Übel dieser Welt liegen eben nicht Im Finanzkapitalismus sonder im Kapitalismus an sich. Natürlich kann über den tendenziellen Fall der Profitrate, das Okisho-Theorem diskutieren. Auch über die Konjunkturzyklen von Clement Juglar oder die Kondratjew-Zyklen kann man problemlos diskutieren. Wer allerdings die Unterscheidung von Produktionskapital und Finanzkapital macht, begibt sich auf braunes Terrain. Faschismus und Nationalsozialismus agierten mit regressiver Kapitalismuskritik. Wer die Aussagen von Gesell wie: Hochzucht des Menschengeschlechts“ -„Zuchtwahlrecht der Frauen“ – „Erlösung von all dem Minderwertigen, mit dem die seit Jahrtausenden von Geld und Vorrecht geleitete Fehlzucht die Menschheit belastet hat“ oder Proudhons Aussage: „Der Jude ist der Feind der menschlichen Art. Man muss diese Rasse nach Asien verweisen oder vernichten“, wie in dem Religionsblock sozusagen wie bei der Bibelexegese, ignoriert, begeht einen schweren Fehler, oder „desavouiert“ sich selbst. Regregressive Kapitalismuskritik ist wertlos. Diese Sündenbock-Politik, nach dem Motto haltet den Dieb, ist ein reines Ablenkungsmanöver. Müntefering, nun Westerwelle wollen nach dem Muster Wählerstimmen gewinnen. Die Herausgeber der beschriebenen Verdi Broschüre agieren ebenfalls nach dem besagten Muster. Dass ich bisher hauptsächlich kritisiert habe ist richtig. Aber um nach Lösungen zu suchen müsste erst einmal eine gemeinsame Basis hergestellt werden. Ich kritisiere den Kapitalismus nach der marxschen Ökonomie. Ich weiß dass mit der Abschaffung der Zinsen oder des Finanzkapitals, nichts gewonnen ist. Meine Kritiker sind leider nicht großartig auf meine Texte eingegangen. Gut, Uwe Theel und Columbus haben sich teilweise offenbart. Ansonsten setzten sich meine Kritiker nicht mit meinen Thesen offen auseinander. Durch das Ignorieren von „linken Leuten von rechts“ und mit deren Ideologie wird diese Problematik nicht gelöst. Ich warte jetzt nur noch darauf dass jemand die Wurzelrassenideologie von Rudolf Steiner und Konrad „Graugans“ Lorenz Sozialdarwinismus für gar nicht so schlecht erachtet. Ich bitte daher die Kritiker sich die Texte von Gesell durchzulesen oder die Funktionsweise des Chiemgauers zu überdenken. Auf der anderen Seite bekam ich sehr viel Zuspruch zu diesem Blog. Hier im Forum und per Mailbox. Dafür bedanke ich mich sehr an dieser Stelle, dies hat mich sehr gefreut und stimmt mich zuversichtlich. PN Anfragen zwecks Veröffentlichung des Textes in anderen Portalen und Blogs habe ich zugestimmt. Der Begriff „regressive Kapitalismuskritik“ stammt nicht von mir. Peter Bierl, Lothar Galow-Bergemann und Hermann L. Gremliza schreiben in der Monatszeitschrift konkret. Die Zeitschrift Konkret ist kein Anteilsnehmer von Bahamas. Die undogmatische Zeitschrift konkret ist konkret!! Ich gehe davon aus dass meine Kritiker die Zeitschrift konkret nicht lesen, ansonsten würden sie nicht so kommentieren wie sie kommentieren.        Viel Grüße fidelche

Giuseppe Navetta schrieb am 16.05.2010 um 23:57 Richtig ist, man sollte leidenschaftlich aber sachlich diskutieren, was ebenso für diesen Beitrag! Aber: Wer allerdings die Unterscheidung von Produktionskapital und Finanzkapital macht, begibt sich auf braunes Terrain. Diese Differenzierung gibt es übrigens auch paar Marx sehr wohl!

Giuseppe Navetta schrieb am 17.05.2010 um 01:17 Richtig ist, man sollte leidenschaftlich aber sachlich diskutieren, was ebenso für diesen Beitrag gilt! Aber so heißt es im Zwischenbericht: „Wer allerdings die Unterscheidung von Produktionskapital und Finanzkapital macht, begibt sich auf braunes Terrain.“ Diese Differenzierung gibt es übrigens auch paar Marx sehr wohl! Nicht namentlich aber begrifflich! Ob die Einteilung in sozusagen verschiedene „Kapitalistenklassen“ allerdings innerhalb einer orthodoxen marxistischen Kritik sinnvoll ist, sei dahingestellt!

Michael Jäger schrieb am 18.05.2010 um 00:59 Siehe MEW 25 (Das Kapital Bd. 3), S. 378 f., 381: Auf dem Geldmarkt „[steht] beständig alles leihbare Kapital als Gesamtmasse dem fungierenden Kapital gegenüber“, zumal durch die Konzentration des Kreditwesens. „Als was das industrielle Kapital nur in der Bewegung und Konkurrenz zwischen den besondren Sphären erscheint, als an sich gemeinsames Kapital der Klasse, tritt es hier wirklich, der Wucht nach, in der Nachfrage und Angebot von Kapital auf.“ Es ist „als konzentrierte, organisierte Masse […] unter die Kontrolle der das gesellschaftliche Kapital vertretenden Bankiers gestellt“. 388: „Der Anwender des Kapitals […] zerfällt in zwei Personen, den bloßen Eigentümer des Kapitals und den Anwender des Kapitals“, wobei das „Kapital außer dem Produktionsprozeß“ als Zins abwerfendes Kapitaleigentum erscheint. 389: „Hiermit wird die bloß quantitative Teilung“ – des Profits in Zins und Unternehmergewinn – „zur qualitativen“.

Rahab schrieb am 17.05.2010 um 10:19 zur erholung von dem fidelsche sein gebräu empfiehlt sich die lektüre der blogs von Michael Jäger. die hilft klären!

fidelche schrieb am 17.05.2010 um 11:50 @ luggi, Phineas Freek, Magda, thinktankgirl usw.

Eure Sprachlosigkeit ist ein eindeutiger Beleg, wie notwendig mein Text ist. Eure Reaktionen zeigen mir, dass zumindest Einige von Euch sich mit der Thematik auseinandersetzten und eventuell doch, wenn auch in ferner Zeit, den begangenen Irrweg verlassen. Wenn man sich gegen Argumente nicht wehren kann, greift man zum letzten Strohhalm: „Das ist ein Antideutscher, der ist von Bahamas.“ Ich halte das für eine sehr magere Vorgehensweise. Die ganze“ Linke“ wird von Bahamas unterwandert? Nur noch ein paar Aufrechte in der FC und Claus Ludwig (Holocaust war keine unvergleichliche Katastrophe), kämpfen dagegen an. Wer steckt denn hinter Bahamas? Das müssen schon mächtige Leute sein. Ich hab mal ein paar Beispiele rausgesucht, wer alles von Bahamas unterwandert ist. Da gibt es viel für Euch zu tun dies auch öffentlich zu machen. Viel Spaß dabei.               Ecksztein – Linkspartei/Linksjugend – Linksunten   – Dissonanz -Verdi –  Rote Ruhr Uni –  Robert Kurz – Konkret            Viele Grüße fidelche

luggi schrieb am 17.05.2010 um 12:12 „…und eventuell doch, wenn auch in  ferner Zeit, den begangenen Irrweg verlassen…“ Schreib ich doch, und mit RK hast du ja schon den ersten Irrläufer gefunden. Wenn man nicht mehr weiter weiß, hilft oftmals nur Autoritätsbeweis. gemeint ist konkret btw. viele der Links funzen nicht und aus den Fragmenten habe ich gesehen, dass ich vor dir bereits auf einigen der Seiten war; hättest meine Spur sehen oder ahnen müssen.

fidelche schrieb am 17.05.2010 um 12:39 @luggi schrieb am 17.05.2010 um  12:12         Hi luggi,ich hab Deinen Irrweg gemeint. Werden wir doch mal konkret. Was ist falsch an meinem Text? Da hab ich von Dir noch nichts gehört. Dass Du die Links kennst, hab ich vermutet. Ich wollte den anderen Teilnehmern auch die Möglichkeit geben, beispielsweise Robert Kurz, als Antideutschen einzuordnen, was meiner Meinung völlig absurd ist. (konkret ist natürlich auch keine antideutsche Zeitung)  Ich wiederhole nochmal die Links und hoffe dass es funktioniert:   Ecksztein –  Exit –  Robert Kurz  –  Gruß fidelche

Magda schrieb am 17.05.2010 um 12:44 „Eure Sprachlosigkeit ist ein eindeutiger Beleg, wie notwendig mein Text ist.“ – Nicht zu retten der Knabe. :-))

fidelche schrieb am 17.05.2010 um 13:18 @Magda schrieb am 17.05.2010 um 12:44 Danke, Fau Magda, für diesen philosophischen, tiefsinnigen und beeindruckenden Beitrag.     Fasziniert fidelche

luggi schrieb am 17.05.2010 um 13:28 fidelche, 1. du weißt wohl nicht mehr, was du um 11:50 Uhr geschrieben hast? (eindeutig Plural) 2. stelle ich fest, dass du in missionarischen Diensten unterwegs bist 3. erkenne ich billige, ideologische Glasperlen recht schnell 4. benutzt du die gleiche Methodik der Naziideologie (in Analogie zu „raffendem und schaffenden Kapital“) Mehr gibt es nicht als „Futter“.

fidelche schrieb am 17.05.2010 um 14:06 @luggi schrieb am 17.05.2010 um    13:28   1. Meinst Du das Wort“ Sprachlosigkeit“? Wenn ja, dann ändere es. Schreib was konkretes.  2. Ich will diskutieren, was sehr schwierig hier ist. Wenn ich einen falschen Satz geschrieben habe und Du mich überzeugst, ändere ich ihn ab. 3. Welche ideologischen Glasperlen? Bitte etwas konkreter. 4. Wo benutzte ich die gleiche Methodik der Naziideologie(Unterscheidung raffendem und schaffenden Kapital)? Willst Du mich jetzt verarschen? Machst Du jetzt auf Satire, oder was? Werde einmal konkret: Glaubst Du mit Schwundgeld („Chiemgauer“) kann man auch nur im Ansatz die  Probleme/Widersprüche des Kapitalismus abmildern?

Phineas Freek schrieb am 17.05.2010 um 15:57 Phineas Freek schrieb am 14.02.2010 um 16:06 War ja nur eine Frage der Zeit, dass der „antideutsche“ Irrsinn und die Resultate seines paranoiden Sektenwahns auch hier seinen bizarren Ausdruck finden. Diese exlinken und heutigen negativen Deutschtümler sollte man bei ihrem vertrackten Einstiegsprogramm in die bürgerliche rechte Mitte ganz einfach in Ruhe lassen. Diskurs unmöglich.“ Und ließ mich dann doch hinreißen, auf den gröbsten Schwachsinn in den Vorgängerblogs einige Beiträge folgen zu lassen, die selbstverständlich (wie auch andere Kommentare von Bloggern hier) von unserem meschugge Schmock geflissentlich übersehen wurden. Darunter auch eine gelungene Replik von TomGard, die den Generalfehler der MORALISCHEN Frontstellung im Denken Gremlitzas aufs Korn nahm. Es ist hier generell müßig und auch völlig irrig zu meinen, sich mit der verrammelten Subjektivität von gläubigen (und zuallermeist blutjungen und völlig verwirrten) Adepten und Missionaren im Kampf gegen das Böse (aktuell „Antisemitismus“), eine wie auch immer geartete inhaltliche Auseinandersetzung leisten zu können. Wer sich selber zum Knecht seiner eigenen, willkürlich zusammengeklaubten moralischen Determinanten macht, immunisiert sich methodisch auf die gleiche Weise, wie das halt jeder unbeugsame und x-beliebige Fundamentalist (ob christlich, moslemisch…Mao oder Stalin gläubig…Anhänger eines geheiligten Israel-Nationalismus auch „anti-deutsch“ genannt…..etc) so treibt. Die kennen nur eins – ihren selbst gewählten moralischen Imperativ. Meine jahrelangen Erfahrungen mit diesem Sektenwahn haben da einen ganz persönlichen Umgang zur Folge – aus dem Weg gehen, vorausgesetzt es handelt sich nicht um eine schätzenswerte und persönlich bekannte Person. http://www.unrast-verlag.de/unrast,2,187,5.html PS Was bedeutet das eigentlich, wenn sich eine Zeitschrift „Konkret“ nennt? Ist das nicht ein deutliches Bekenntnis seiner Macher zum faschistischen und antijüdischen Hass auf alles Abstrakte? Wer das Konkrete und „Bodenständige“ wahr findet und das Abstrakte und „Bindungslose“ unwahr, der muss auch der DEUTSCHEN Ware dem jüdischen Geld, den bestimmten Landsmann dem abstrakt-kosmopolitischen Menschen dem Vorzug geben. Millionen Menschen sind gemordet und Opfer dieses namentlichen Vorzugs geworden – und „Konkret“ bekennt sich auch noch dazu! Das ist Irrsinn? Richtig. Nur so geht halt der „anti“ – deutsche Wahn.

fidelche schrieb am 17.05.2010 um 16:55 @Phineas Freek schrieb am       17.05.2010 um 15:57 …der muss auch der DEUTSCHEN Ware dem jüdischen Geld, den bestimmten Landsmann dem abstrakt-kosmopolitischen Menschen dem Vorzug geben. Proudhon, Fourier, Gesell, Feder lassen grüßen. Ein weiterer Beleg für die Richtigkeit meines Textes, Berichtigung aller   meiner Texte!!

Phineas Freek schrieb am 17.05.2010 um 17:18 …nee, das ist ein Beispiel und Beleg, wie sich jedermann eine „Theorie“ zusammenphantasieren kann, wenn er einen zum Wahn mutierten, willkürlichen und moralischen Imperativ zur Grundlage seiner „gedanklichen“ Matrix macht…dass Du die parodistische Wiedergabe Deiner eigenen Subjektivität und Immunisierung als Bestätigung Deines Wahns anerkennst, wundert mich überhaupt nicht… Heilige Gummizelle!

thinktankgirl schrieb am 17.05.2010 um 14:46 Hatte nicht jemand im vor-vor-letztem Fidelschen Blog folgendes Warnschild aufgestellt:

Mal sehn

ob’s klappt 😉

fidelche schrieb am 17.05.2010 um 16:15 @thinktankgirl schrieb am 17.05.2010 um 14:46     Sehr geehrte Frau thinktankgirl, sehr interessant, dass Sie hier das Modell Ihres Gehirns veröffentlichen. Was Ihr Gehirn allerdings mit dem Thema „regressive Kapitalismuskritik“ zu tun hat, verstehe ich nicht  absolut. So sehr viel haben Sie zu dem Thema bisher nicht beigetragen.  Damit sind Sie allerdings nicht alleine.(Mir ist noch nicht ganz klar ob Sie zu Fraktion der (Beton)Feministinen gehören. Viele liebe Grüße fidelche

thinktankgirl schrieb am 17.05.2010 um 18:23

Eigentlich finde das

für mich hier

angemessener:

Fro schrieb am 17.05.2010 um 20:31 fidelche schrieb am 17.05.2010 um12:12 und 17.05.2010 um 13:13 Rainer Kühn, fidelche. Unglaublich, was ihr euch da leistet. Das ist m.E. ein wesentlicher  Bestandteil deiner Mission und auch die der „Antideutschen“: Linke diffamieren und Spalten. Irre Unterstellungen und einfach widerlich. Wer Demokratie als rechtes Projekt an sieht, muss schon ganz schön      durchgeknallt sein. Und wer mich als Rechten bezeichnet ebenso. Sollte jemand eine    rechtsverdächtige Äußerung in meinen über 800 Kommentaren oder Blogs finden, gebe ich ihm einen aus. Ich bin als Linker geboren – und bin es immer noch – mitunter mache ich sogar Werbung für die Partei die Linken. Nur habe ich vor drei Jahren entdeckt, dass das Verlangen nach Demokratie und ihre Einführung der Schlüssel für eine grundlegende politische Veränderung sein kann – weil linke Forderungen mittlerweile Mehrheitsmeinungen sind. Und mein erster Blogbeitrag befasst sich genau mit diesem Thema.Im übrigen bin ich 100% parteifrei, religionsfrei und ideologisch nicht gebunden. Ziemlich frei also – das Symbol für Freiheit ist für mich ein fliegender Adler. Und hier noch jemand für eure Rechten-Kartei. Lohnt sich, das bis zum Ende anzusehen – wahrscheinlich auch ein übler Demokrat in euren Augen.

Giuseppe Navetta schrieb am 17.05.2010 um 21:59 @thinktankgirl      …hau schnell ab hier! Du befindest Dich gerade in einer seit wahrscheinlich 1981 anhaltenden Diskussion um die Anführerschaft der jeweils richtigen Marx-Rezeption innerhalb der zuletzt übriggebliebenen Mitgliedern irgendwelcher K-Gruppen, jedenfalls erinnern mich derlei     Grabenkämpfe zwischen den verschiedensten „Sektierern“ (Antiimps v. Antideutsch) an diese Zeiten, deren Ausläufer ich noch mit 18 Jahren(1985) noch kennenlernen durfte…dank dieser Art von kreativen Auseinandersetzung gibt es heute ja so unendlich viele linkstheoretische     Gegenentwürfe, das einem die Auswahl geradezu schwer fällt… …aber was rege ich mich auch auf, ich bin ja eh nur ein bourgeoiser- protofaschistischer Gewerkschaftswicht..oder so…

luggi schrieb am 17.05.2010 um 22:08 @giuseppe      nö, ttg soll sehen, was Linkssektierer sind

thinktankgirl schrieb am 18.05.2010 um 09:09 @navetta Das es sich hier um Grabenkämpfe handelt, geht mir auch so langsam auf. Meine Generation ist auch wegen solchen hirnrissigen Auseinandersetzungen zur Null-Bock-/Punk-Generation geworden. Bei Fidelsche fehlen grundlegende Kenntnisse der Geschichte des 19./20. Jhdts. Vor allem über die verschiedenen Formen der Kritik am Kapitalismus,  Industrialisierung und der entstehenden modernen Gesellschaftsform. Was heute reaktionär erscheint, war damals emanzipatorisch, wie Leusch weiter unten schreibt: Bei Gesell hat er ja sogar den ausgesprochen emanzipatorischen Aspekt, in Liebesdingen von der ewigen Geldabhängkeit weg zu kommen Die Schrift Bachofens über das Mutterrecht, gab dazu Impulse. Ein Otto Groß erkannte in der ökonomischen Abhängigkeit die Unterdrückung der Frau – heute Allgemeingut, aber vor 100 Jahren revolutionär. Zudem  propagierte er die freie Liebe, eigentlich undenkbar im Wilhelminischen  Kaiserreich. Die Reventlow wurde vom Kosmikerkreis als Hetäre betrachtet; den Frauen wurden mit neuheidnischen Ansätzen eine eigenständige Erotik zugestanden. Ich finde, das Werk Gsells, wie auch anderer, muss im Kontext gelesen  werden. Aber das lernt man eigentlich an jeder Uni und nennt sich wissenschaftliches Arbeiten

fidelche schrieb am 18.05.2010 um 12:25

@thinktankgirl

schrieb am 18.05.2010 um 09:09

Unfassbar,ihr Kommentar.

thinktankgirl schrieb am 18.05.2010 um 12:37 @fidelsche    Endlich, endlich ist es geschehen, daß mir mal jemand die Nazi-Keule zeigt. Ansonsten Fidelschen probiers mal mit wissenschaftlichem Arbeiten, zu dem von mir angeschnittenem Thema.

Rahab schrieb am 18.05.2010 um 12:45 fidelsche zur kenntnis: ich habe die redaktion darum gebeten, dieses teil zu entfernen. und das bild durch eine begründung zu ersetzen, warum es entfernt wurde.

TomGard schrieb am 17.05.2010 um 15:01 Notiz  Bis zu einer nachzuliefernden ausführlichen Begründung will ich zu Protokoll geben, daß ich die Ersetzung einer Kritik der politischen Ökonomie des Kapitalismus durch eine „Zusammenbruchstheorie“ für die verborgene „Macke“ der fidiel-chen Argumentationsmuster, insbesondere der Redeweise von „regressiver“ resp. „verkürzter“ Kapitalismuskritik halte. Nun hat sich Robert Kurz in dem weiter oben verlinkten Interview („Marxsche Theorie, Krise und Überwindung des Kapitalismus“) gegen seine Klassifizierung unter die Zusammenbruchstheoretiker verwahrt. Sofern darunter Leute verstanden werden, die ihre Entscheidung rechtfertigen wollen, dem Kapitalismus den Weltlauf anheimzustellen, will ich ihm diese Zurückweisung gern zugestehen, doch auf der Ebene der Theorie ist sie falsch bis gelogen. „Gelogen“ sage ich, weil Kurz sich mit der Kolportage des Spruches „Sozialismus oder Barbarei“ gewiß nicht absichtslos an seiner Behauptung vorbei mogelt, aber diese Mogelei ist vergleichsweise irrelevant. Wichtiger ist die Art und Weise, wie er die Formel von der „inneren Schranke“ der Kapitalverwertung (oder gleich: der  kapitalistischen Produktionsweise) zur Geltung zu bringen sucht, denn die kann mehrdeutig verwandt werden. In der marxschen Ableitung kennzeichnet die Formel die Diagnose, daß der beschränkte Zweck der Kapitalverwertung die eigenen Ausgangsbedingungen in der Produktion des relativen Mehrwertes systematisch verschlechtert und periodisch für verschiedene Sparten der Produktion auch untergräbt. Die bedingte – weil den Prozess nicht verändernde, daher ihn nur wiederholende – Beseitigung solcher Schranken innerhalb der Zyklen des Verwertungsprozesses ist banal: Kapitalvernichtung. Weiteres zu dieser Seite, wie gesagt, ein wenig später einmal. Aber.Aber es gibt eine zweite Lesart der Rede von der „inneren Schranke“, die dann aufkommt, wenn jemand an der „Kritik der politischen Ökonomie“, so,wie sie von Marx vorgelegt wurde, mehr oder weniger heimlich das“politisch“ durchstreicht, nämlich die Feindschaft gegen die derkapitalistischen Produktionsweise sowohl zugrundeliegenden (auchvorangehenden) und einbegriffenen Gewaltverhältnisse, Privateigentum & Klassenherrschaft, einschließlich der dazugehörigen, weil sie exekutierenden Herrschaft einer politischen Klasse. Wenn so einer stattdessen die Funktionsweise der kapitalistischen (Re)Produktion an einer erfundenen (über!)historischen Aufgabe namens „Bedarfsgüterherstellung“ mißt, dann wird die „Kritik“ unter der Hand zur Beschwerde über einen angeblichen Verstoß des Kapitalismus gegen die fiktiven Zwecke des abstrakt erfundenen Begriffes von „Ökonomie“ mit der möglichen Enddiagnose: Der Kapitalismus wird’s „nicht bringen“, er wird „historisch scheitern“. Und schon ist sie wieder da: die genuin christliche Geschichtsontologie. Und die „innere Schranke“ wird unter dieser Betrachtungsweise ebenso unterderhand umgedeutet zur äußeren Schranke, nämlich eben des Scheiterns an dem eigens dazu erfundenen Zweck. Und dann ist das endzeitliche Denken am anvisierten Ziel, sich aus dem expliziten oder impliziten Offenbarungscharakter solcher Lehren heraus zum Maß aller Dinge aufzuwerfen. Ich überlasse es einstweilen einem geneigten Leser, ggf. nachzuvollziehen, ob, wie und wo genau solche Übergänge in der zitierten Kurz’schen Rede stecken oder nicht.

TomGard schrieb am 17.05.2010 um 15:19 PS: Zur Verdeutlichung: der Topos einer Umdeutung des Kapitalismus in die „Chance“ seiner eigenen Überwindung ist ein weiterer Seitenzweig der geschichtsontologischen Eschatologie (Apokalypse plus „jüngstes Gericht“), der einen gemeinsamen perspektivischen Fluchtpunkt der Kurz’schen Rede wie der fidel’chen Denunziationen abgibt. Womit ich nicht alles, was Fidelche vorgebracht hat, unter „Denunziation“ subsummiert sehen will – mir gehts hier um die Methode der Nicht- bzw. Antikritik.

fidelche schrieb am 17.05.2010 um 16:08 @TomGard schrieb am 17.05.2010 um  15:01 Robert Kurz, MARXSCHE THEORIE, KRISE UND ÜBERWINDUNG DES KAPITALISMUS Auszug: []Die meisten zeitgenössischen Marxisten sind aber sogar hinter die früheren Krisentheorien zurückgefallen; sie nehmen nur noch den klassisch kleinbürgerlichen Standpunkt einer Kritik des „Finanzkapitals“ ein. Dabei verwechseln sie Ursache und Wirkung: Sie führen die Krise nicht auf die objektiv mangelnde reale Produktion von Mehrwert zurück, sondern auf die subjektive Profitgier von Spekulanten. Die kapitalistische Produktionsweise wird gar nicht mehr grundsätzlich kritisiert; man will nur zurück zur fordistischen Konfiguration der abstrakten Arbeit. Diese Option ist nicht nur illusionär, sondern reaktionär. Sie hat eine strukturelle Ähnlichkeit mit der ökonomischen Ideologie des Antisemitismus.[] Meine Fragen nun: Outet sich Robert Kurz mit diesem Absatz als Antideutscher? Ist Robert Kurz Ihrer Meinung Antideutscher, wie es offenbar hier viele sehen?

Rahab schrieb am 17.05.2010 um 16:29 gegenfrage: was meint er mit „strukturelle Ähnlichkeit mit der ökonomischen Ideologie des Antisemitismus“? bzw., da ich Robert Kurz nicht gelesen habe: nennt er noch andere beispiele von struktureller ähnlichkeit?

Uwe Theel schrieb am 17.05.2010 um 19:25 @ Rahab schrieb am 17.05.2010 um  16:29 was meint er mit „strukturelle Ähnlichkeit mit der ökonomischen Ideologie   des Antisemitismus“? Versuch einer kurzen Antwort: Kurz formuliert die Bestimmung „Änlichkeit“ in der von F. zitierten  Passage selbst. So wie der Faschismus die „Subjektive Profitgier“ in einer einzige  Spekulantengruppe, nämlich der, der Juden verortet, so wäre der  „kleinbürgerliche“ Standpunkt dem faschistischen „strukturell ähnlich“,  als dass er die Profitgier nicht als „Rassemerkmal“ der Juden bestimmt,    sie aber als Triebkraft des „Finanzkapitals“ schlechthin faßte, darüber  aber keine weiteren Momente des Kapitalgesetzes in die Kritik mit  einbezöge. Damit beweist Kurz aber natürlich nicht, dass solche Kapitalkritik als  kleinbürgerliche – und damit allemal sowieso nicht mehr linke – Kritik in  ihrer „Verkürzung“ antisemitisch wäre, sondern widerlegte diese Annahme,  da die Profitgier universell dem „Finanzkapital“ zugeordnet wird. Selbst  wenn in einer historischen Phase die menschlichen Vollstrecker dieser  Praxis auschließlich „jüdische“ Bankiers und Kapitalisten gewesen wären,   folgte dies nicht aus sich heraus für alle Zeiten. Kurz selber verweist  sowieso nicht auf „rassisch“ bestimmbare Agenten sondern auf das  Bewegungsgesetz des Kapitals insgesamt. (Noch einmal, speziell für F.:   Natürlich fasst Kurz damit auch die realen Agenten. Da darunter wohl immer auch Juden sein werden, müßte Kurz, F. zufolge, Antisemit sein. – Sancta  simplicitas. Dass F. seine Kurzschlüsse nicht erkennt, ist typisch für seine „Denkweise“. Kurz ´ These jedenfalls ist wesentlich komplexer als sie von F. überhaupt  durchdrungen wird. Die Momente von Arbeit (Arbeitsethos),  Kapitalakkumulation, Profit und Profitrate, Eigentum und  Eigentumsverhältnissen, Geld und Wert, etc. werden von F. nicht in ihrem     Zusammenhang gesehen, unter dem sie in der Kritik der politischen Ökonomie   (Kapitalkritik) behandelt werden, sondern sowohl ahistorisch gesehen, als auch unsystematisch zerpflückt, F. auch daher zu unsinnigen Schlüssen führend.

Rahab schrieb am 17.05.2010 um 19:38 danke für die antwort, Uwe. ich in meiner ungeduld hatte mir allerdings bereits dieses     :      http://www.linke-buecher.de/texte/krisis/Kurz-Robert–Politische-Oekonomie-des-Antisemitismus.htm ergoogelt

TomGard schrieb am 17.05.2010 um 20:29 1) „Outet sich Robert Kurz mit  diesem Absatz als Antideutscher?“  Diese antideutsche Femegerichtsfrage beantworte ich Dir nicht, Du Wicht!  2) Zum Robert Kurz. Den ersten Teil des Zitierten unterschreibe ich, doch mit dem unten  Zitierten wird’s „daneben“: … man will nur zurück zur fordistischen Konfiguration der abstrakten   Arbeit.  Quatsch, das ist eine glatte Verharmlosung der modernisierten  sozialfaschistischen Ideologien, unter denen „Rechte“ und „Linke“ einander   nicht selten bis zur Verwechslung verkennen, und die insbesondere mit der    kleinbürgerlich-faschistischen Propaganda der aus den USA importierten    „Infokrieger“ massenhaft Zuspruch in den depravierten Schichten  Westeuropas finden. Wie systematisch und kalkuliert diese offenkundig    keinerlei Geldmangel kennende Propagandamaschinerie vorgeht, ist u.a.   daran kenntlich, daß die Leut die falsche Gesell’sche Geldkritik praktisch  1 zu 1 übernehmen, ohne ihren Urheber je zu nennen, geschweige zu     zitieren. Vermutlich, weil der Kerl vielen „Rechten“ links verdächtig und  analogen „Linken“ rechts verdächtig ist …    Diese Option ist nicht nur illusionär … sic! sondern reaktionär.  Die tatsächlichen Optionen – u.a. die Wiederaufnahme Proudhon’scher Vorstellungen von Volksbanken und Arbeitsgeld – die – taktisch oder nicht   – vorgebracht werden, sind von allem eines, und darin liegt auch ihr  Begriff: sie sind nationalistisch . Wer diesen für einen geschulten  Marxisten offenkundigen Befund umgeht, hat möglicherweise ein „Problem“  mit seinem Bedürfnis, „fortschrittliche“ und „kosmopolitische“ Nationen  gegen „reaktionäre“ zu stellen … Sie hat eine strukturelle Ähnlichkeit mit der ökonomischen Ideologie des Antisemitismus.    Dito! Fast scheint es, als reserviere Kurz seine Erfindung „politische  Ökonomie des Antisemitismus“ für einen „internen Gebrauch“. Jedenfalls ist  solche theoretische Weihe für das kleinbürgerlich-nationalistische Motiv  von Leuten, die angesichts der Schäden und Lasten, die der „eigne“ Staat    ihnen aufbürdet, die für das eigene ökonomische Interesse global in  Anspruch genommene (deutsche, französische, russische, amerikanische etx)    Nation mit „parasitären“ Volksfeinden zu entschuldigen, die sich da breit  gemacht hätten, und das Staatswesen vor ihnen in Schutz nehmen zu wollen,  nicht nur überdimensioniert, sie geht an der Sache mehr als haarscharf   vorbei.

Uwe Theel schrieb am 17.05.2010 um 22:02 Nachtrag   zu : Uwe Theel am 17.05.2010 um 19:25 Zu Robert Kurz habe ich den folgenden sehr interessanten Aufsatz Franz Naetar Welche politische Bedeutung hat der Antisemitismus heute?  http://www.grundrisse.net/grundrisse07/7antisemitismus.htm  dort besonders den Abschnitt „Struktureller Antisemitismus, oder: ist eine Kritik am Finanzkapital antisemitisch?“ gefunden. Nach dessen Lektüre, muss ich bekennen, dass ich der von F. zitierten  Darstellung in gewisser Unkenntnis aller Zusammenhänge, wohl teilweise  selbst zum Opfer gefallen bin. Nach Naetar „betrachtet Kurz ja die gesamte sozialdemokratische und  kommunistische Arbeiterbewegung als strukturell antisemitisch,“. was er  mit dem folgenden Kurz-Zitat belegt: „Eine wirklich radikale Kritik der  kapitalistischen Produktionsweise (und nicht bloß der kapitalistischen Zirkulations- und Distributionsweise) müsste dagegen die Wertform als    solche, die betriebswirtschaftliche Rationalität und damit die  Abstraktionsform ‚Arbeit’ ins Visier nehmen, wovon der Marxismus weit   entfernt ist. So erweitert er die in der Politischen Ökonomie des   Antisemitismus enthaltene Dämonisierung des zinsnehmenden Geldkapitalisten bloß auf die Figur des Produktionskapitalisten, ohne das Paradigma einer      verkürzten Subjektivierung und Soziologisierung des Fetischverhältnisses  zu verlassen. Mehr noch: durch diese analoge Verkürzung wurde der  Marxismus selber immer wieder anfällig für antisemitische Motive, wovon seine Geschichte reichlich Zeugnis ablegt.“  Ich konnte mir wieder überhaupt nicht vorstellen, dass Kurz tatsächlich als „verkürzt“, d.h. um ihren Kern beraubte linke Theorie (hier:  Kapitalismuskritik) noch als linke Theorie ausgeben würde, und damit linke  Theorie überhaupt in Mißkredit bringen kann, weil er dabei nicht einmal wenigstens die Mahnung, den Vorschlag Naetars „den Begriff des Antisemitismus (nur; u.t.) dort zu verwenden, wo auchsubjektiv eine antisemitische Intention und Ideologie vorhanden ist, sei es als geschlossene Theorie, sei es als Element des täglichen Vorurteils“wohl berücksichtigte. Fazit: Manchmal kann gar nicht genug lesen, bevor man schreibt.

TomGard schrieb am 18.05.2010 um 07:08 R. Kurz: „Eine wirklich radikale Kritik der kapitalistischen Produktionsweise (und nicht bloß der kapitalistischen Zirkulations- und Distributionsweise) müsste dagegen die  Wertform als solche (…) ins Visier nehmen, wovon der Marxismus weit  entfernt ist.“ So weit würde Marx dem Kurz summarisch zustimmen ;-), bzw. er hat es   getan, etwa in der „Kritik des Gothaer Programms“. Freilich war Marx weit  davon entfernt, „Radikalität“ für einen Qualitätsausweis auszugeben und  der Menschheit ein „müssen“ außerhalb des Maßstabes stringenter Kritik zu   verkünden / verordnen ….  Diese zwei kurzschen Momente sind allerdings genau der Grund für den  Fehler, den er im Nebensatz macht:  “ …und damit die Abstraktionsform ‚Arbeit’“   Diese „Abstraktionsform“ schiebt der Kurz dem Marx ganz genau so unter,   wie die Verfasser des Gothaer Programmes, die sich die „Befreiung der  Arbeit“ zum Ziel setzten. Arbeit ist Arbeit und keine Abstraktion,  vielmehr wird der Abstraktion des Wertes bzw. des Wertverhältnisses die  lebendige Arbeitskraft unterworfen, das war die Marxsche Kritik. Es zeugt  vom Zustand der „marxistischen Theorie“, daß einem Kurz, einem    einigermaßen rennomierten Vertreter der Zunft, solch ein Schülerfehler  „unterläuft“ und durchgeht. Ein interessierter Fehler halt – aber das  darzustellen fehlt mir jetzt die Zeit, muß malochen.      (mehr heut abend)

Dr.Boedele schrieb am 17.05.2010 um 18:28 Nachdem sich die Diskussion seit den ersten „Kommentaren“, die mehr      Insultierungen glichen, doch wieder mehr „hin zur Argumentation“  entwickelt hat, nun auch meinerseits noch ein paar Anmerkungen, die zeigen  sollen, dass die von einigen Kommentatoren geäußerte Kritik auch für Sie selbst zutrifft. Bei den Leusch`schen Sätzen, „Die Haltung zu Krieg und Frieden, die ist  z.B. für mich eine ganz entscheidende Frage bei Wahlen und bei der eigenen  Position, so wie die Einschätzung und Gewichtung der ökonomischen und  sozialen Fragen. Daher mache ich mir um die Linke keine so großen Sorgen.“ , stimme ich dem ersten Satz voll zu, den zweiten sehe ich anders und sehe auch eine gewisse Gefahr in dieser Haltung. Es geht nicht um eine  „Falschetikettierung“ dubioser Gestalten wie Proudhon und Gesell, ob diese  politisch rechts oder links einzuordnen sind ist unerheblich, sondern   darum, dass sich „die Linke“ aufgrund einer „Differenzierung ins   Beliebige“ zu verflüchtigen droht. In der Community werden z.B. immer nur  Differenzen, wenig Gemeinsamkeiten gesucht, die meisten Kommentatoren  lassen Kritik nur „abperlen! und behaupten mechanisch das Gegenteil.  Genau dieser Etikettierungsvorwurf triff doch auch einerseits auf Sie,  Herr Leusch, noch besser aber auf Herrn Theel zu, der derartige     „Etikettierungen“ (z.B. Rassist, Faschist etc.) vorwiegend betreibt. Dieser hier gegenseitige formulierte Rassismus-, Faschismus-, Nationalsozialismus-, Antisemitismusverdacht bringt die FC aus meiner  Sicht nicht weiter, es muss doch erlaubt sein auf eine falsche, weil   verkürzte Kritik hinzuweisen und Nachweise zu erbringen, dass der ein oder  andere Verdacht bei Proudhon und Gesell durchaus angebracht ist. Wer den  Antisemitismus Proudhon`s bzw. die falsche Kapitalismuskritik (Zinsverbot  heilt den Kapitalismus nicht) und Zuchtideen Gesell`s nicht für kritikwürdig hält, der sollte dies begründen. Ich bitte außerdem nicht zu übersehen, Herr Leusch, dass Sie, wie in Ihrem  Vorwurf des „Affentheaters der Ausgrenzung und Abgrenzung“, auch selbst  „ausgrenzen“ indem Sie Kritiker diffamieren und Selbstreflexionen durch  einfache Abweisung einer durchaus kritikablen Entwicklungen (zur Kurzsichtigkeit) in der Linken verhindern. Wer in der derzeitigen    Kapitalismuskrise als Linker nicht sieht, dass die systemischen Ursachen der Krise weitgehend verkannt und stattdessen Sündenböcke (Banken,  allgemein das Finanzkapital assoziiert mit Heuschrecken und Ungeziefer, (ggf. zukünftig auch mit Juden), Griechen etc.) an den Pranger gestellt werden und damit auch konform geht mit der Journaille, wie z.B „dem  Fachblatt für Schumi-Fans“, der sollte auch wahrnehmen, dass die Mutation  zum „eindimensionalen Mensch“ geglückt ist, der kritische Inhalte  eingeebnet und jeglicher revolutionären Potenz beraub sowie die Probleme nur „verwaltet“. Und gerade mit „Adorno und Horkheimer im Gepäck“ sollte man eben nicht für Kritik immun und in der Lage sein, sich selbst zu hinterfragen.         Beste Grüße    dr.b                          PS: Eine Dichotomie in Antiimps und Antideutsch ist ebenfalls nicht zielführend, weist nur auf eine binär-reduzierte Wahrnehmung hin. Sorge um die Linke ist angebracht.

Columbus schrieb am 17.05.2010 um 20:16 Lieber Herr Boedele, Ich habe hier, beim „der Freitag“, noch niemals eine Person als Antisemiten, Antizionisten, Nicht-Linken, etc…. abqualifiziert und wenn ich mit einer sachlichen Einschätzung falsch lag, dann schreibe ich das  auch. Den Vorwurf, nicht selbstkritisch zu sein, den lasse ich mir nicht machen.  Dazu zeige ich zu offensichtlich meine Abneigung gegen die ganze „Werteritis“ und auch meinen langmütigen Willen auf die Füße zu stellen, was Fidelche partout auf den Kopf dreht. Wer hier mit kategorischen Urteilen im Dutzend billiger um sich wirft,  lieber Herr Boedele, und das nicht zum ersten Mal, dürfte ziemlich klar sein! Viele Sachen, von denen sie reden, „Journaillie“, „Schumi-Blatt“ u. ä., die gehen mir schlichtweg am Blick vorbei, ich verstehe davon auch nichts!  – Zu den „Heuschrecken“ habe ich ja klar geantwortet. Gerade weil Sie Marcuse erwähnen, verstehe ich Ihre Zustimmung zu den Blogs von Fidelche nicht. Die sind nämlich weder von Sinnlichkeit  affiziert, noch vernünftig, sondern grundsätzlich immer im Stile von   Anwurf und Denunziation geschrieben und die heilige Eindimensionalität in Reinkultur, weil er sich z.B. noch nicht einmal um die Wort- und  Sprachbedeutung zu unterschiedlichen historischen Zeiten Gedanken macht und lieber eine eigentümlich einseitige „politische Korrektheit“ pflegt,die, würde man sie ernst nehmen, ihm und dem virtuellen „Fan“-Klub so eine Art Entscheidungsgewalt über die Verteilung von Wertungen in Sachen Links/Rechts zubilligte. Wie man das nennen kann, lieber Herr Boedele überlasse ich ihrer Fantasie. Hier fiel ja schon der Hinweis auf Stalin. Da schaltet der empfindsame Mensch früh ab, und die vielleicht gewollte  Aufklärung, -ich habe ja immer noch Hoffnung-, verpufft im Nebel starker  Sprüche. Irgendwann, nach einem Dutzend fragender Einträge, kommt ja meist in Fidelches Blogs ein Punkt, da schreibt er, er habe „ja nur sagen  wollen,…“, gleich im Anschluss wird dann wieder mit den Schmähvokabeln oder neuen Wörtchen gearbeitet. Es muss ihm also bewusst sein, dass er auf die Pauke haut um Effekt zu erzielen. Aber auch kommunikationstheoretisch ist das natürlich genau der   falsche Weg, wenn man eine sachlich angebrachte, punktuelle Kritik üben  will. – Glauben Sie noch, dies sei Fidelches Herzensangelegenheit? Ich zweifele daran. Was Proudhon, Sorel und Gesell angeht, so bleibe ich dabei und habe das   auch ausführlich begründet (s.o., Links), dass die von Fidelche, aber auch   von Sternhell (Zitat) vorgenommenen Klassifizierungen und Einordnungen   falsch sind, weil sie Nebenaspekte und teilweise sogar von den genannten   Autoren selbst verworfene und später abgelehnte Gesichtspunkte zur      Hauptsache machen wollen, weil Fidelche z.B. bei Gesell, überhaupt nicht   verstanden hat, um was es in dem Zitat ging, weil er die zeitbedingte  Sprache nicht berücksichtigt, weil er offensichtlich keinen Unterschied   zwischen Evolutionslehre und Darwinismus einerseits und Sozialdarwinismus,   Eugenik nach Rasse und Elitegsichtspunkten andererseits kennt und Vorwürfe  erhebt, die sich aus der Biografie der Personen und aus den je  umfangreichen Werken, nicht herauslesen lassen. Bei Gesell hat er ja sogar  den ausgesprochen emanzipatorischen Aspekt, in Liebesdingen von der ewigen  Geldabhängkeit weg zu kommen, in ein sozialdarwinistisches Zuchtprogramm  umgedeutet. – Ich vermute es war der Sprachschock, der Verwirrung stiftete. Wer soll denn bei diesem eher in Richtung Sektierertum laufenden   „Mühewerk“ Beistand und Beifall leisten? Ich werde dafür keinen Applaus  spenden, sondern es immer strikt ablehnen. Sorel, Gesell und Proudhon sind  nicht „dubios“! Die Linke tut gut daran, sich mit diesen historisch wichtigen und klug  argumentierenden Linken zu beschäftigen. D.h. nicht, unkritisch bei jedem   historischen Linken nachzubeten was er vorgab, auch nicht bei Marx/Engels!  Was aber nicht geht, mit so dürftigen und sachlich umstrittenen Methoden,  Leute zu Antisemiten, Hohlköpfen und Nicht-Linken zu erklären, sie zu verteufeln (Fidelche ist ja noch zu viel weiter gehenden Anwürfen in der Lage und überträgt auch gerne mal auf Blogteilnehmer, s.o. „Braune Soße“). Es spricht ja auch nichts dagegen, dass Sie und Fidelche sich im  „Gesprächskreis“ vorwiegend mit Marx angeblich vollständiger und  avancierter Kapitalismuskritik beschäftigen. Aber die hier von Fidelche  bezichtigten Leute sind keine Antisemiten, keine Antizionisten, keine  Faschismusvorläufer, sondern Linke, deren aufgeschriebenes Wissen, deren      persönliches Verhalten, deren Beispiel, heute Linken helfen kann.             Mit freundlichen GrüßenChristoph Leusch

Fro schrieb am 17.05.2010 um 20:50 Korrektur/Ergänzung meines Kommentars von 20.31fidelche schrieb am 17.05.2010 um 12:12  und 17.05.2010 um 13:13  Rainer Kühn, fidelche.         Unglaublich, was ihr euch da leistet. Das ist m.E. ein wesentlicher  Bestandteil deiner Mission fidelche und auch die der „Antideutschen“:  Linke diffamieren und Spalten. Irre Unterstellungen die ihr da bringt und  einfach widerlich. Wer Demokratie als rechtes Projekt an sieht, muss schon ganz schön durchgeknallt sein.  Und wer mich als Rechten bezeichnet ebenso. Sollte jemand eine  rechtsverdächtige Äußerung in meinen über 800 Kommentaren oder Blogs finden, gebe ich ihm einen aus.  Ich bin als Linker geboren – und bin es immer noch – mitunter mache ich  sogar Werbung für die Partei die Linken. Nur habe ich vor drei Jahren entdeckt, dass das Verlangen nach Demokratie und ihre Einführung der Schlüssel für eine grundlegende politische Veränderung sein kann – weil linke Forderungen mittlerweile Mehrheitsmeinungen sind. Und mein erster Blogbeitrag befasst sich genau mit diesem Thema. Im übrigen bin ich 100% parteifrei, religionsfrei und ideologisch nicht  gebunden. Ziemlich frei also – das Symbol für Freiheit ist für mich ein  fliegender Adler.Ich bin am überlegen eine Sperrung gegen dich, fidelche anzuregen. Und  dass Rainer Kühn nach dieser hasserfüllten (ich weiß nicht warum)  denunziatorischen Diffamierung gegen mich hier noch einmal auftaucht ist      hoffentlich ausgeschlossen.

luggi schrieb am 17.05.2010 um 21:11 ENTSCHULDIGUNG Hiermit entschuldige ich mich bei der FC und Redaktion, dass ich mit  meinem Blogbeitrag „Für Rainer Kühn“ (ich verlinke nicht) beigetragen habe, dass ich Rainer Kühn trotz seiner absichtlichen Bekundung nach der  ersten Sperre, den Freitag zu verlassen, ihn motivierte, nach der Sperre zu posten. Nach allem was passiert ist unterstütze ich die Forderung von  Fro, Rainer Kühn hier nicht mehr zuzulassen.    Wat mutt datt mutt.

fidelche schrieb am 18.05.2010 um 08:21 @Fro schrieb am 17.05.2010 um 20:50 „Ich bin am überlegen eine Sperrung gegen dich, fidelche anzuregen.“  Hallo Fro,  ich bin mal gespannt wie Deine Begründung für Deinen Ausschluss-Antrag aussehen könnte. Etwa so:Fidelche hat ganz gemeine Sachen gegen Proudhon und Gesell geschrieben.Dann hat er noch behauptet Mussolini war mal Sozialist, bevor er Faschist wurde. Und immer wieder behauptet er dass die NSDAP regressive Kapitalismuskritik gemacht hat. Die NSDAP soll zwischen Produktionskapital und Finanzkapital unterschieden haben. Und dann schreibt er immer dass Marx Recht hatte und hat. Außerdem ist er ein böser Antideutscher. Der berühmte Claus Ludwig von der weltbekannten SAV hat uns erklärt was Antideutsche sind und was die für böse Sachen sagen. Ich und Uwe Theel und der TomGard und viele andere, wir bringen immer gute Argumente, beantworten alle blöden Fragen von fidelche und beleidigen tun wir ihn nie. Wir haben alle einen guten Diskussionsstil. Nur der fidelche nicht.

Rahab schrieb am 18.05.2010 um 08:47 ach fidelsche! mach dich doch nicht  lächerlich! wir sind hier nicht beim revolutionstribunal! in der sache jedoch: du (wie auch ein Kurz) müßtest schon erklären,  weshalb die theorie und die praxis der poalei zion/des arbeiterzionismus  nicht demselben fehler unterliegen wie das, was du (mit Kurz und anderen)  regressive kapitalismuskritik oder auch politische ökonomie des  (struktruellen) antisemitismus nennst.  und komm da bitte nicht mit hamas. sondern erkläre es mir aus den  schriften eines Syrkin, Gordon, Bochorov, Ruppin heraus!

Giuseppe Navetta schrieb am 18.05.2010 um 03:30 Ich teile die Einschätzungen und Erläuterungen von „fidelche“ in seinem Beitrag hier nicht, sehr wohl aber die ökonomiekritischen Arbeiten Claus  Peter Ortliebs…aber ein insgesamt besserer Umgang miteinander wäre  wünschenswert und eine sachlichere Diskussion ebenso!

hibou schrieb am 18.05.2010 um 07:14 Ich staune, wohin dieser blog so abdriftet. Muss wohl noch etwas laenger hier sein, um mitzukriegen, warum fidelche solche Agressionen weckt, und warum nu plötzlich Rainer Kühn wieder auftaucht? (Lieber waere mir, er würde in echt wiederkommen). Gibt es beim Freitag so was wie  „Seilschaften“? Bitte um Entschuldigung für die off-topic-Bemerkung, die an den obigen Beitraegen festzumachen ist. Aber ich fordere doch auch  niemandes Ausschluss?

Der Freitag schrieb am 18.05.2010 um 13:04 Liebe Nutzer,aufgrund wiederholter Verstöße gegen die AGB in diesem Thread von verschiedenen Usern schließen wir die Diskussion bis auf Weiteres.     Viele Grüße     Ihr Moderations-Team

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Damit gab ich mich nicht zufrieden und stellte das Blog – Silvio Gesell, Rudolf Steiner und die „braune Soße“ – ein. Nach diesem Blog wurde ich, ohne mir ersichtlichen Grund, deaktiviert. Ich bekam von der Redaktion nur die kurze Mitteilung, dass ich wegen angeblicher wiederholter Verstöße gegen AGB & Netiquette deaktiviert wurde. Ich bekam nie eine Vorwarnung oder ähnliches. In dem Gesell/Steiner-Blog verglich mit Rahab beispielsweise mit Eichmann und Dr. Mengele. Thinktankgirl verteidigte wie schon im Vorgängerblog die rassistischen und eugenischen Theorien, mit Begrifflichkeiten, wie „Hochzucht des Menschengeschlechts“, „Zuchtwahlrecht der Frauen“ oder „Erlösung von all dem Minderwertigen, mit dem die seit Jahrtausenden von Geld und Vorrecht geleitete Fehlzucht die Menschheit belastet hat“, von Gesell. Mit meiner Sperrung machte sich die „Freitags-Moderation“ zum Komplizen der Bloggerinnen Rahab und Thinktankgirl und somit scheinbar zum Komplizen von Silvio Gesells Menschenzucht-Theorien.

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