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Die Judenkritiker der Linkspartei

linke2Antisemitismus innerhalb der Linken gibt es seit es Linke gibt. Bereits der Zinskritiker und Frühsozialist Pierre-Joseph Proudhon (1809-1865) schrieb 1847 in seinen Notizbüchern: „Der Jude ist der Feind der menschlichen Art. Man muss diese Rasse nach Asien verweisen oder vernichten.“ Das ZK-Mitglied der KPD Ruth Fischer forderte am 25. Juli 1923 auf einer Versammlung von kommunistischen StudentInnen:„Tretet die Judenkapitalisten nieder, hängt sie an die Laterne, zertrampelt sie.“ Die stalinistischen „Säuberungen“ und Schauprozesse im sogenannten Realsozialismus trugen bereits in den 1930er Jahren antisemitische Züge. In der CSSR wurde Rudolf Slánský nach einem dieser Schauprozesse am 3. Dezember 1952 zusammen mit zehn weiteren fast ausschließlich jüdischen Mitangeklagten hingerichtet.

Albert Fichter von den Tupamaros Westberlin legte im Auftrag von Dieter Kunzelmann am 9. November 1969, dem Jahrestag der Reichspogromnacht eine Bombe im jüdischen Gemeindehaus, die er zuvor von Peter Urbach, einem V-Mann des Verfassungsschutzes bekam. Nach dem Anschlag erhält der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Heinz Galinski eine auf Band aufgenommene Drohung, nach 15 Sekunden dauernden Ticken ertönt eine Frauenstimme: “Die Bombe im Jüdischen Gemeindehaus hat gezündet. Berlin dreht durch, die Linke stutzt … Springer, Senat und die Galinskis wollen uns ihren Judenknacks verkaufen. .. Bei uns ist Palästina, wir sind Fedajin. Heute Nachmittag kämpfen wir für die revolutionäre palästinensische Befreiungsfront Al-Fatah! Schlagt zu!” Fast vier Jahrzehnte später, im November 2008, kurz vor dem 70. Jahrestag der Reichspogromnacht, blieb Inge Höger von der Linkspartei einer Abstimmung des Bundestags, die eine verstärkte Bekämpfung des Antisemitismus zum Gegenstand hatte, demonstrativ fern.

Judenkritische Abgeordnete der Linkspartei um Inge Höger  und Annette Groth hatten für den 9. November 2014, dem Jahrestag der Reichspogromnacht die zwei „israelkritischen“ Publizisten Blumenthal und Sheen als „jüdische Kronzeugen“ in den Sitzungssaal der Linksfraktion eingeladen um über „Israels Kriegsverbrechen in Gaza“ zu sprechen. Max Blumenthal bezeichnet in seinen Büchern israelische Soldaten als „Judäo-Nazis“, setzt Israel mit dem »Islamischen Staat« auf eine Stufe und bewunderte den »echten Widerstand« der islamfaschistischen Hamas. Max Blumenthal wurde wegen seiner antisemitischen Äußerungen vom Simon Wiesenthal Center auf Platz 9 in die „Top Ten“ der schlimmsten antisemitischen und antiisraelischen Verunglimpfungen des Jahres 2013 aufgenommen, den selben Platz, den ein Jahr zuvor Jakob Augstein, Herausgeber des angeblich linksliberalen „Freitags“ inne hatte.

Nachdem der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei Gregor Gysi diese und eine geplante Veranstaltung in einem Berliner Theater verhinderte zog Höger mit ihren „Friedensfreunden“ in ein „Antikriegscafé“. Tags darauf lauerten Blumenthal und Sheen gemeinsam mit Inge Höger, Anette Groth, Heike Hänsel, Claudia Haydt und anderen judenkritischen Abgeordneten der Linkspartei Gysi vor dessen Büro auf. Gysi wurde massiv bedrängt und von Sheen bis zur Toilette verfolgt. Sheen und Blumenthal forderten im Brüllton, Gysi solle sich für den Vorwurf, sie seien Antisemiten, entschuldigen. Seinen Übergriff hielt Sheen persönlich mit dem Smartphone fest und stellte ihn anschließend online. Inge Höger, Annette Groth sowie Heike Hänsel sahen sich schließlich zu einer „persönlichen Erklärung“ genötigt und entschuldigten sich bei Gregor Gysi und der gesamten Fraktion und distanzierten sich „von dieser aggressiven Vorgehensweise und den Beleidigungen“, außerdem wären sie „persönlich enttäuscht von der Veröffentlichung dieses unwürdigen Vorgangs“.

Dieser „unwürdige Vorgang“ ist freilich nur ein weiterer Beleg für das Antisemitismus-Problem der Linkspartei. Bereits im Jahre 2010 beteiligten sich die Linksparteimitglieder Annette Groth, Inge Höger und Norman Paech an der israelfeindlichen „Hilfsaktion“ an Bord der “Mavi Marmara,   die von der radikal-islamistischen Organisation IHH organisiert und finanziert wurde. Beim Ablegen in Istanbul skandierten die Passagiere des „Friedensschiffes“ Parolen der Hamas, Loblieder auf das islamische Märtyrertum und „Tod allen Juden“. Von den gewalttätigen Ereignissen, als die israelische Armee die „Mavi Marmara“ stoppte, bekamen Annette Groth und Inge Höger nichts mit, da die beiden mit den übrigen Frauen im „Frauendeck“ eingeschlossen waren. Groth und Höger, die sich für die Emanzipation der Frau in Europa einsetzen akzeptierten brav und devot die Geschlechter-Separation der Islamisten. Das gemeinsame Ziel, der Kampf gegen Israel steht für JudenkritikerInnen über allem. Wenige Monate später trat die Bundestagsabgeordnete der Linkspartei Inge Höger bei einer Konferenz von Hamas-Sympathisanten in Wuppertal mit einem Tuch um den Hals auf, das den Nahen Osten ohne den Staat Israel zeigte.

Erinnert sei beispielshalber noch an den 27. Januar 2010. An diesem Tag, 65 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz sprach Schimon Peres im Deutschen Bundestag. Sahra Wagenknecht verweigerte mit Christine Buchholz nach Peres Rede die stehenden Ovationen, blieb sitzen und begründete dies unter anderem damit sich nicht vor dem „kriegsverantwortlichen“ Peres verneigen zu wollen. Bis zu diesem Zeitpunkt waren solcherlei Verweigerungsgesten im Parlament am Auschwitz-Gedenktag nur von der NPD bekannt.

Antizionisten wie sie in der Linkspartei im Übermaß zu finden sind machen den Judenstaat Israel für so gut wie alles verantwortlich. Inge Höger, Annette Groth Heike Hänsel, Sahra Wagenknecht, Christine Buchholz und Norman Paech gehören zu der „Creme de la Creme“ der „Israelkritiker“ in der Linkspartei, sie sind freilich nur die Spitze des antisemitischen Eisberges dieser Partei. Die Gründe für ihren Antisemitismus dürften vielfältig sein. Von einer debilen Friedensliebe, gepaart mit einem Schuldabwehrkomplex über eine paranoide Vorurteilsstruktur bis hin zu allen übrigen modernen Kriterien des Antisemitismus ist alles drin in ihrem reaktionären Angebot.  Wie es diese Judenkritiker zusammenbringen einerseits hierzulande für die Gleichberechtigung der Frau, gegen Diskriminierung von Homosexuellen und anderen Minderheiten einzutreten aber andererseits  im Nahen Osten die islamistischen Bewegungen und Regimes trotz ihrer Menschenverachtung zu unterstützen, kann nur mit einem unausrottbar tief sitzenden Judenhass zu erklären sein. Mit ihrem obsessiven antizionistischen Hass delegitimieren und dämonisieren Höger, Grote und Co. einerseits den Staat Israel und mit ihrer Verharmlosung oder ihrer Ignoranz gegenüber den Verbrechen von islamistischen Terrororganisationen und Staaten wie der Hamas oder des Irans machen sie, da ihnen aus den eigenen Reihen kaum Widerstand entgegenschlägt, die Linkpartei zu einer antisemitischen Partei. Der Linke-Abgeordnete Michael Leutert fordert nun Annette Groth und Inge Höger wegen ihrer Judenkritik zum Mandatsverzicht auf. Auf die längst überfälligen Parteiausschlüsse von Inge Höger, Annette Groth Heike Hänsel und wie sie sonst noch alle heißen wird man freilich unendlich lange warten müssen.

Die Versuche beispielsweise von Jean Améry oder Michael Landmann verblödete Linke davon zu überzeugen, dass es keinen „ehrbaren Antisemitismus“ gibt erreichten kaum ihr Ziel. Judenhass war und bleibt irrrational, mit Argumenten lassen sich weder bürgerliche noch linke Antizionisten überzeugen.

Im Nachwort von  „Léon Poliakov – Vom Antizionismus zum Antisemitismus“ schreibt Thomas Haury: „Die Kritik des Antizionismus trifft nicht nur den sektiererischen Kern der Palästina-Solidarität, sondern gilt generell dem manichäischen anti-imperialistischen Weltbild und dem Nationalismus von links, wie er nicht nur während des Golfkrieges sich zeigte. Antinationalismus stellt nicht nur eine Grundbedingung zum Begreifen und Erkennen des Antisemitismus, sondern auch eine Grundbedingung der Linken überhaupt dar. Als gesellschaftlich geprägte Individuen sind ‘Linke’ potentiell so nationalistisch und antisemitisch wie die sie umgebende Gesellschaft, als hierzulande aufgewachsene sind sie ebenso anfällig für die spezifischen Zwänge eines deutschen Nationalismus, die Verweigerung der Auseinandersetzung mit der belastenden Vergangenheit und die symptomatischen Wiederkehr des Verdrängten in Form eines ‘sekundären Antisemitismus’. Als radikal kritisch sich begreifende und historisch reflektierende politische ‘Linke’ ist es deshalb ihre unabdingliche Aufgabe, sich der (selbst)kritischen Auseinandersetzung zu stellen: Das eigene Bedürfnis nach kollektiver und damit potentiell nationaler Identität reflektieren, das die gesellschaftlichen Verhältnisse verdinglichende anti-imperialistische Weltbild als ideologisches und falsches zu kritisieren, den Antizionismus als das aufzuweisen und zu denunzieren, was er ist, ihn nicht weiter als ‘links’ gelten zu lassen – dies muss zum grundlegenden Selbstverständnis einer der Aufklärung und Kritik verpflichteten Linken zählen, will sie sich noch als solche bezeichnen.“ 

 

Erstveröffentlichung in Mission Impossible am 14. 11. 2014

 

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Was ist (heute) „links“?

Nach der französischen Revolution wählte sich Frankreich eine Gesetzgebende Versammlung, in der ganz rechts die Monarchisten saßen, während die republikanischen Jakobiner  mit diesen nichts zu tun haben wollten  und deshalb die Plätze ganz links einnahmen. Die Politik der Jakobiner  war für das einfache Volk,  für Arbeiter und Kleinbürger, sie waren gegen den Krieg und forderten den Verkauf der Nationalgüter, wollten ein geeintes, zentralistisches Frankreich und Planwirtschaft. Seit der Zeit kümmern sich „Linke“ um Dinge, die sie nichts angehen. Viele „Linke“, so auch ich, sind der Meinung, dass Menschen die dies nicht tun, die Achtung vor sich selbst verlieren müssten, dass sie moralisch Selbstmord begehen.  „Links“ ist deshalb, wo das Herz ist. Das Eintreten für eine  sozial gerechtere Gesellschaft, gegen die Herrschaft von Menschen über Menschen, für die Gleichberechtigung der Geschlechter, für die Gleichberechtigung der Nationen inklusive einer gerechteren Verteilung  des Reichtums, gegen Krieg, gegen  Diskriminierung von Minderheiten, gegen den Aberglauben der Religionen und gegen Antisemitismus stand  damals und steht  heute auf der Agenda der „Linken“. Die Geschichte der“ Linken“ weist einige „dunkle Schatten“ auf. Die Spaltung der Arbeiterklasse in SPD und KPD wegen der „Burgfriedenspolitik“, das Querfrontdenken der KPD in den 30er Jahren, die stalinistischen Säuberungen in der Sowjetunion bis in die 50er Jahre, die Fehler der Regierenden in der DDR bis zum heutigen linken Antisemitismus sind trauriger Beleg für die vielen Irrtümer und Verbrechen von „Linken“. Die Fehler müssen teilweise, im Kontext ihrer Zeit gesehen, sollten trotzdem nicht entschuldigt werden. Die rote Armee befreite das KZ  Auschwitz, die Überlebenden der NS- Konzentrationslager waren die ersten Regierenden der neu entstandenen Staaten Israel und  DDR. Das Blockdenken des „Kalten Krieges“ brachte unheimliche Allianzen, die aus rein pragmatischen Gründen geboten waren. Seit der Zeit der Jakobiner spaltete sich die „Linke“ mehrfach in reformistische, radikalere und esoterische Gruppierungen, so gab und gibt es innerhalb und außerhalb der parteipolitischen und gewerkschaftlichen Gruppierungen viele abstruse Ansichten, angefangen von kleinbürgerlichen Rassisten, nationalen Stalinisten, Eugenikern, Sozialdarwinisten, Esoterikern, Anthroposophen, religiös motivierten Antisemiten bis zu den „linken“ Antizionisten. Diese Kräfte befinden sich im Wettstreit mit ihren aufgeklärten, humanistischen, antinationalistischen Gegenspielern. Im Folgenden versuche ich, fragmentarisch darzulegen, was für mich linke Positionen sind und welche Positionen mit „linkem Denken“ unvereinbar sind:

1) „Links“ ist – sich jederzeit selbst hinterfragend der Aufklärung, verpflichtet zu fühlen, dabei für den nachhaltigen Fortschritt seiner Umgebung/Gesellschaft einzutreten. Die Aufklärung richtete sich zuerst gegen die christliche Religion, denn Wissen sollte Glauben ablösen. Karl Marx schreibt: „Die Kritik der Religion ist die Voraussetzung aller Kritik“. Gott wurde vom Menschen erschaffen und nicht umgekehrt. Religion ist Ideologie, sie ist falsches Bewusstsein, sie lenkt als „Opium des Volks“ die Menschen von ihren existenziellen Problemen ab, mit ihrer Hilfe werden Menschen von herrschenden Despoten unterdrückt. Die Menschen sind also keinem Gott verantwortlich, der Mensch ist nach „linkem“ Weltbild dem Menschen verantwortlich, nicht nur für seine  Individualität, sondern  er ist verantwortlich  für alle Menschen.  Eine „Linke“ kann daher niemals strategisch, gemeinsam mit christlichen Kirchen oder islamischen Gruppierungen gegen fundamentale Missstände vorgehen. Die Trennung von Staat und Kirche ist eine unveränderliche „linke“ Forderung.  Frauenunterdrückung, mit ihren sichtbaren Symbolen wie die erzwungene Verschleierung von Frauen durch Burka, Niqab oder Kopftuch,  wie sie in islamischen Gesellschaften am extremsten zu Ausdruck kommt, kann von „Linken“, die sich der Emanzipation verschreiben, nicht toleriert werden. “Jedes Stückchen Emanzipation der Menschheit, noch das bescheidenste, ist nicht mit, sondern gegen Religion und Kirche erkämpft worden. Und schlichtester Anstand müßte es verbieten, einer religiösen Organisation, deren Geschichte eine einzige breite Blutspur zeichnet, den Gebrauch des Wortes »Menschenrecht« anders zu quittieren als mit Hohnlachen oder einem Schlag auf die Pappn. Geschieht das? Keineswegs: Nicht die Propheten und Mitläufer des Aberglaubens haben zu beweisen, daß sie, obwohl Christen, ansonsten einigermaßen anständige Leute sind. Entschuldigen müssen sich die andern, die Ketzer ”, schrieb einst Hermann L. Gremliza in „Konkret“. Wenn Religion öffentlich wird, wenn sie nicht mehr „Privatsache“ bleibt, wenn Religion missioniert, muss „linker Geist“ aktiv werden. Sigi Zimmerschieds „Kardinal daschlogn“ ist diesbezüglich sicherlich die „letzte“ Lösung.   2) „Links“ ist – Kapitalismuskritik, die zuerst den eigenen bürgerlichen Staat kritisiert, der den Reichtum von unten nach oben lenkt, ebenso zu erkennen, dass privater Produktionsmittelbesitz mit Ausbeutung verbunden ist. Redliche Kritik am Kapitalismus ist nicht zu verwechseln mit der Suche nach Sündenböcken, zumeist in kapitalistischen Krisenzeiten. Die „Heuschrecken-Kampagnen“ sowie die Unterscheidung zwischen „raffendem“ und „schaffendem“ Kapital ist rechte Kapitalismuskritik, die von „Linken“ kritisiert werden muss. Die Kritik am Finanzkapital steht meist im Zentrum einer regressiven Kapitalismuskritik, die die Totalität des kapitalistischen Systems verkennt. Die Hetze gegen “Heuschrecken” läuft immer Gefahr, die Systemkritik zu personalisieren und dadurch die kapitalistische Vergesellschaftung nicht als „gesellschaftliches Verhältnis“ mit abstrakten Zwängen zu begreifen, sondern die konkreten Akteure als persönlich Verantwortliche für Elend, Armut und Ausbeutung auszumachen. Diese Kritik am Kapitalismus von „rechts“ muss aufs Schärfste kritisiert werden.  3) „Links“ ist – die Forderung nach sozialer Gerechtigkeit, Umweltschutz, „Gleichheit vor dem Gesetz“, internationaler Verteilungsgerechtigkeit und Chancengleichheit. 4) „Links“ ist, nicht zu Schweigen bei Diskriminierung von Migranten, Ausländern, wie aktuell bei den Aussagen des den bayerischen Ministerpräsidenten, oder anderen Minderheiten. Diese Solidarität darf nicht mit falscher Toleranz verwechselt werden. Toleranz oder Wegsehen bei religiös motivierter Frauenunterdrückung kann keine „linke“ Position sein.  Nicht zu Schweigen etwa über die Verbrechen des iranischen Regimes oder anderer islamfaschistischer Gruppierungen oder Regierungen ist ein entscheidender Grundpfeiler linker, humanistischer Gesinnung. Denn die Menschen im Nahen Osten benötigen dringend eine grundlegende Veränderung der Verhältnisse. Zu einer Demokratisierung und Liberalisierung in Ländern wie Iran, Pakistan oder Saudi Arabien gibt es keine Alternative. Aufgabe der „Linken“ ist daher die Unterstützung und Solidarität emanzipatorischer Bewegungen wie der Frauen- und der Studierendenbewegung in den arabischen und islamischen Ländern. „Linke“ verurteilen die iranischen Antiisrael-Konferenzen mit Holocaustleugnern, sie verurteilen den Terror der islamischen Sittenpolizei dem Schwule und Lesben unterliegen, die für ihre Lebensweise gehängt oder gesteinigt werden. 5)  „Links“ ist – sich für den Frieden einzusetzen. Bei militärischen Auseinandersetzungen zu Erkennen wer Aggressor und wer Angegriffener ist. Jedes Land hat das Recht sich zu verteidigen. Die entsprechenden Aggressoren, wie beispielsweise Hamas oder Hisbollah, müssen benannt und geächtet werden. 6) „Links“ ist – zu erkennen, dass Revolution kein Selbstzweck ist, da Revolution das äußerste Mittel zur Herstellung einer gerechten Gesellschaft ist. Sie ist die letzte Maßnahme zur Verwirklichung menschenwürdiger Zustände.  „Am Anfang aller Brüderlichkeit steht der Brudermord, am Anfang aller politischen Ordnung steht das Verbrechen. Für diese uralte, durch die Jahrhunderte getragene Überzeugung, von dem Beginn aller menschlichen Angelegenheiten ist die Annahme eines Naturzustandes nur eine letzte, theoretisch gereinigte Paraphrase, und sie klingt noch deutlich nach in Marx’ berühmten Ausspruch von der Gewalt als der mächtigen Geburtshelferin der Geschichte.“, schrieb Hannah Arendt bereits 1963. Revolutionäre Befreiungsbewegungen wie etwa die FMLN, FSLN oder der Vietcong, die gegen Militärdiktaturen oder imperialistische Aggression kämpften, verdienten die weltweite Solidarität der “Linken“. „Revolutionäre“  Bewegungen,  die einen Gottesstaat fordern, egal ob dieser fundamental christlich oder islamfaschistisch ist, sind nicht ansatzweise emanzipatorisch, sondern fanatisch reaktionär. Ein Gottesstaat wie der Iran mit seinen Ayatollahs, ist deshalb aufs Schärfste zu kritisieren. Die siegreiche sozialistische kubanische Revolution von 1959 ist dagegen ein gutes Beispiel für eine gelungene soziale, emanzipatorische Umwälzung.   7) „Links“ ist – ein klares Geschichtsbewusstsein, als Teil der Bildung, mit der Reflexion der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Ohne das Verstehen der „Urkatastrophe“ des 1. Weltkrieges, der Fehler der Weimarer Republik, der Machtübernahme der Nationalsozialisten, den „einmaligen“ Verbrechen der NS-Diktatur, kann aktuelle Politik nicht begriffen werden. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, nach dem 11. September haben sich die Welt-Koordinaten verschoben. Das überholte antiimperialistische Weltbild kann die Welt nicht mehr erklären. Aus diesem Antiimperialismus heraus bezeichnen „Betonlinke“  Israel als imperialistischen Brückenkopf der USA. Dieser  Antiimperialismus führt über den  Antizionismus zu linkem Antisemitismus. Die Mehrheit der heutigen Feinde Amerikas sind keine nationalen Befreiungsbewegungen mehr, die fortschrittliche Ziele verfolgen, sondern antimoderne, frauenfeindliche, antisemitische Bewegungen des politischen Islam. Deutsche Nazis haben die Anschläge am 11. September in New York City bejubelt, deutsche Nazis sind mit Palästinensertüchern auf Anti-Israeldemos unterwegs und erneuern ihren Hass auf Israel und ihre Solidaritätsaufrufe mit den Palästinensern. Wenn „Linke“ in „dasselbe Horn blasen“, entsteht eine neue, alte verhängnisvolle,  Querfront.  8)“Links“ ist – die Solidarität mit Israel, weil der arabische Antisemit, den Tod des Juden will. Die Liquidierung Israels steht auf dem Programm der PLO, der Hamas, des Dschihad und der Hisbollah. Wo es Stärkere gibt, steht  die „Linke“ auf der Seite der Schwächeren und stärker,  das sind die Araber,  stärker an Zahl, stärker an Öl, stärker an Dollars, stärker ganz gewiss, an Zukunftspotential. Deshalb ist, wie Jean Améry schreibt, die Allianz des antisemitischen Spießer-Stammtisches mit den Barrikaden wider die Natur, Sünde wider den Geist. Leute wie Horst Mahler oder Ahmadinejad  können sich die Umfälschung des kruden Antisemitismus zum aktuellen Anti-Israelismus gestatten: Die Linke muss redlicher sein. Es gibt keinen ehrbaren Antisemitismus.  Israel ist auch die Staat gewordene Konsequenz aus Auschwitz. Israel ist der erste und einzige Zufluchtsort für von Antisemiten verfolgte Juden. Eine Linke die sich ernst nimmt, muss solidarisch mit Israel, dem „Juden unter den Staaten“,  sein, dazu gehört auch die Solidarität mit den überlebensnotwendigen Verteidigungsmaßnahmen Israels. Deshalb stellen sich redliche Linke dem alten und neuen Antisemitismus oder Antizionismus entgegen, solange es diesen gibt. Dass die israelischen Regierungen seit der Staatsgründung auch Fehler machten ist unbestritten, aber welche Regierung machte keine Fehler? 9) „Links“ ist – internationalistisches Denken und die Kritik an der eigenen bürgerlichen Gesellschaft, weil der unsägliche, speziell der deutsche, Nationalismus mit seiner irrationalen Leidenschaft und seinen Vorurteilen, die Quelle für Mord und Totschlag war und ist. „Linke“ sind als  gesellschaftlich geprägte Individuen potentiell so nationalistisch und antisemitisch wie die sie umgebende Gesellschaft. Der deutsche Nationalismus, mit seiner fehlenden oder unzureichenden Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und seinen Verdrängungsmechanismen in Form eines sekundären Antisemitismus und Antiamerikanismus ist leider auch innerhalb der Linken virulent. Die Aufgabe einer sich als radikal begreifenden und historisch reflektierenden politischen Linken wäre es, sich dieser Auseinandersetzung zu stellen und den Antizionismus als das aufzuweisen und zu denunzieren, was er ist.  10)“Links“  ist – Widerstand gegen bornierte (vermeintliche) Mächtige, Betondeppen, Kadavergehorsam und gegen die „Gefangenschaft eindimensionalen Denkens“, weil dies zum einen, das Gebot der Stunde ist und außerdem auch mächtig Spaß machen kann. Der bayerische anarchistische „Paradelinke“ Oskar Maria Graf wollte während des ersten Weltkriegs, 1916 weg von der Front und weg vom Krieg. Er verweigerte einen Befehl, riskierte die standrechtliche Erschießung, gaukelte dabei Wahnsinn vor und kam dafür später in eine Irrenanstalt. Er sollte abgeurteilt werden, in seiner Zelle trat er in einen 10-tägigen Hungerstreik, nach einigen Tagen meinte der Leutnant: “ Warum essen sie denn nichts? Sind sie krank? “  Graf: „Nein, aber ich habe keinen Appetit.“ Leutnant: „So, so …  wissen Sie auch, dass man Sie zum Essen zwingen kann?“  Graf:“ Jawohl Herr Leutnant, aber nicht zum Appetit“

Wenn „Linke“ die DDR eventuell zu blauäugig, 20 Jahre nach dem Untergang der selbigen, beurteilen, ist dies zwar betrüblich, aus meiner Sicht jedoch nicht verwerflich. Wenn „Linke“ im Jahre 2010, dagegen ein islamfaschistisches Regime, wie den Iran und ihre Ausläufer wie Hamas und Hisbollah  huldigen,  Israel ihr legitimes Verteidigungsrecht absprechen, so halte ich dieses Verhalten dagegen, alleine wegen seiner Aktualität und der „deutschen Vergangenheit“,  für verwerflich. Wenn „Linke“ im Gleichklang mit  geschätzten 70 % der restlichen Deutschen den Juden Auschwitz nie verzeihen wollen, müssen diese „Linken“, notfalls schmerzhaft, auf ihre Vorurteile hingewiesen werden. Wenn „Linke“ in der aktuellen Wirtschaftskrise, Sündenböcke im Finanzkapital suchen, ähnlich wie die  Nationalsozialisten um Gottfried Feder,  oder die Lösung der aktuellen Probleme in Esoterik, Biologismus, Schwundgeld, Anthroposophie oder in einer Volksfront mit Nationalsozialisten suchen, muss auf die Sackgasse dieses gefährlichen Denkens hingewiesen werden. Wenn scheinbar „linke“ Medien diese „Sackgasse“ in Print- und Onlineartikeln sowie Leser-Foren befördern, machen sie sich freiwillig zum Komplizen der jeweiligen obskuren Ansichten.  1974 schrieb Jean Améry : „Die Linke ist Wirklichkeit  in ihrer Praxis, nicht in ihrer Dogmatik. Ihr letzter Referenzpunkt ist ein Humanismus, den aus verqueren theoretischen Gründen in Frage zu stellen, im günstigsten Fall Spinnerei ist, im üblen Sabotage. Denn es ist der Humanismus keine bürgerliche Mystifikation, wenn auch sein Banner von der Bourgeoisie nur allzu oft zu Mystifikationszwecken rauschend geschwenkt wurde.“

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Moishe Postone und der Israelhass

„Das die vielzitierte Aufarbeitung der Vergangenheit nicht bis heute nicht gelang und zu ihrem Zerrbild, dem leeren und kalten Vergessen, ausartete, rührt daher, dass die objektiven gesellschaftlichen Voraussetzungen fortbestehen, die den Faschismus zeitigten“ Theodor W. Adorno

Das Bedürfnis der Linken nach Identifikation führte dazu, den Widerstand gegen Hitler zu überhöhen um gleichzeitig  den „Mangel an jüdischem Widerstand“ zu beklagen. Das Verständnis über die Lage der Juden in Europa von 1933-1945 wurde offenbar nicht ausreichend studiert. Die Linke, sowohl die nicht-dogmatische Linke als auch die orthodoxen Marxisten neigen dazu, den Antisemitismus als Randerscheinung des Nationalsozialismus zu behandeln. Die Naziverbrechen gegen die Menschlichkeit wurden von der sozialhistorischen Untersuchung des Nationalsozialismus isoliert. Das Ergebnis ist, dass die Vernichtungslager als bloße Beispiele imperialistischer oder totalitärer Massenmorde erscheinen oder unerklärbar bleiben.

„Diese Probleme von Lernen und Verdrängen, Flucht und Suche nach Identität drückten sich in der Haltung der neuen deutschen Linken gegenüber Israel am klarsten aus“, meint Moishe Postone. Keine westliche Linke war vor 1967 so prozionistisch und Israelfreundlich eingestellt als die deutsche. Der Wendepunkt für die deutsche Linke war der 6-Tage Krieg von 1967. „Ich würde vermuten, dass hier ein Prozess psychologischer Umkehr stattfand, in dem die Juden als Sieger mit der Nazi-Vergangenheit identifiziert wurden – positiv mit der deutschen Rechten, negativ von der Linken. Die Opfer der Juden wurden umgekehrt als Juden identifiziert. Es ist in dieser Hinsicht bemerkenswert, dass der Auslöser für eine solche Wende nicht die Vertreibung und das Leiden der Palästinenser war, das zudem schon lange vor 1967 begonnen hatte. Es war viel mehr der siegreiche „Blitzkrieg“ der Israelis. Der Philosemitismus offenbarte seine andere Seite: Wenn die Juden einerseits keine Opfer sind und deshalb integer und andererseits die Israelis brutal und rassistisch sind, dann müssen sie „Nazis“ sein. Nach der Schlucht von Karameh 1968 erwiesen sich die Palästinenser zudem als die „besseren Juden“ – sie leisteten Widerstand. So war endlich eine Gelegenheit gegeben, sich mit den „Juden“ und mit ihrem Widersstand zu identifizieren. Der Kampf gegen den Zionismus verwandelte sich in den langersehnten Kampf gegen die Nazi-Vergangenheit befreit von schuld.“, so Moishe Postone.

Die Deutsche Linke wurde 1976 von der deutschen Vergangenheit eingeholt. In dem Jahr  wurde der Flug 139 der Air France von Tel Aviv über Athen nach Paris nach dem Start in Athen von zwei Deutschen und 2 palästinensischen „Revolutionären“ entführt.  Die Passagiere wurden in der alten Transithalle des Terminals von Entebbe als Geiseln gehalten. Die Terroristen selektierten, organisiert vom Deutschen Wilfried Böse, die jüdischen Passagiere (80 Israelis sowie rund 20 französische Juden) und ließen die anderen Geiseln frei.  Dieses „Selektionsverfahren“ wurde weniger als vierzig Jahre nach Auschwitz von „linken“ Deutschen vorgenommen. Innerhalb der deutschen Linken gab es keine öffentliche Protestaktion, verschämt wurde erst 20 Jahre danach kleinlaut darüber diskutiert.
Wenn Linke im Jahre 2009, in Deutschland während des Gaza-Krieges von Israel ein Raketenabwehrsystem gegen die tausenden Katjuscha-Raketen fordern, diese Raketen als „überdimensionale Feuerwerkskörper“ verharmlosen und wegen dem fehlenden „Abwehrschirm“ Israel als unzivilisiertes Land bezeichnen und dabei schreiben: „Da Israel diese Möglichkeit oder ein anderes defensives Mittel nicht genutzt und es vorgezogen hat, lieber 1400 Menschen zu töten, bringt mich zu dem Schluss, dass das Töten gewollt war“, wird offensichtlich, das eine Verwechslung von Opfer und Täter vorliegt.

Große Teile der Linken versäumten es, sich mit der Beziehung von Antisemitismus und Nationalsozialismus auseinanderzusetzen, zu versuchen, die Ausrottung des europäischen Judentums zu verstehen. Viele Linke verwechseln Antisemitismus mit Rassismus. Völlig verkürzt wird innerhalb der Linken der Nazismus unter der Form des „Großen Kapitals“ und eines „terroristischen bürokratischen Polizeistaates“ begriffen. Laut Postone muss Auschwitz, Chelmo, Majdanek, Sobibor und Treblinka nicht außerhalb der Analyse des Nationalsozialismus behandelt werden. Die Konzentrationslager stellen einen seiner logischen Endpunkte dar und keineswegs einfach eine seiner furchtbarsten Randerscheinungen.
Moishe Postone schreibt in „Antisemitismus und Nationalsozialismus“: “ Eine funktionalistische Erklärung des Massenmordes und eine Sündenbock-Theorie des Antisemitismus können nicht einmal im Ansatz erklären, warum in den letzten Kriegsjahren, als die deutsche Wehrmacht von der Roten Armee überrollt wurde, ein bedeutender Teil des rollenden Materials für den Transport der Juden zu den Gaskammern benutzt wurde und nicht für die logistische Unterstützung des Heeres. …
Der moderne Antisemitismus, der nicht mit dem täglichen anti-jüdischen Vorurteil verwechselt werden darf, ist eine Ideologie, eine Form des Denkens, die in Europa im späteren neunzehnten Jahrhundert auftrat. Sein Auftreten setzt Jahrhunderte früherer Formen des Antisemitismus voraus. Antisemitismus ist immer ein integraler Teil der christlich-westlichen Zivilisation gewesen. Allen Formen des Antisemitismus ist gemeinsam, dass den Juden ein Machtmonopol zugeschrieben wird: die Macht, Gott zu töten, die Beulenpest loszulassen oder, in jüngerer Zeit, Kapitalismus und Sozialismus herbeizuführen. Mit anderen Worten: Das Denken ist stark manichäisch; die Juden spielen darin die Rolle der Kinder der Finsternis. …
Nicht nur das bloße Potential, sondern auch die Qualität der den Juden beigelegten Macht unterscheidet den Antisemitismus von anderen Formen des Rassismus. Vermutlich schreiben alle Formen des Rassismus den anderen potentielle Macht zu. Diese Macht ist gewöhnlich aber konkret – materiell und sexuell – die Macht des „Untermenschen“. Die den Juden zugeschriebene Macht ist nicht nur viel größer und im Gegensatz zu potentieller „wirklich“, sie ist ganz anders. Im modernen Antisemitismus ist sie eigenartig unfassbar, abstrakt und allgemein. Diese Macht erscheint gewöhnlich nicht als solche, sondern muss ein konkretes Gefäß, einen Träger, eine Ausdrucksweise finden. Weil diese Macht nicht konkret gebunden ist, nicht „verwurzelt“ ist, wird sie als ungeheuer groß und schwer kontrollierbar empfunden. Sie steht hinter den Erscheinungen, ist aber nicht identisch mit ihnen. Ihre Quelle ist daher verborgen – konspirativ. Die Juden stehen für eine ungeheuer machtvolle, unfassbare internationale Verschwörung…
„Lernen aus der Vergangenheit“ muss die Lektion des Antisemitismus, des verkürzten „Antikapitalismus“, einschließen. Es wäre ein schwerwiegender Kurzschluss, wenn die Linke den Kapitalismus nur über die Form der abstrakten Dimension des Kapitalwiderspruchs wahrnehmen würde, handelt es sich dabei um die Form der technokratischen Herrschaft oder die der abstrakten Vernunft. Ebenso ist mehr als Vorsicht gegenüber solchen Erscheinungen geboten, die sich in Gestalt z.B. „neuer“ Psychotherapieformen hüllt, die das Gefühl in Gegensatz zum Denken stellen. Gleiches gilt für biologisierende Auffassungen hinsichtlich des gesellschaftlichen Problems der Ökologie. Jeder „Antikapitalismus“, der die unmittelbare Negation des Abstrakten versucht und das Konkrete verklärt – anstatt praktische und theoretische Überlegungen darüber anzustellen, was die historische Überwindung von beiden bedeutend könnte – kann angesichts des Kapitals bestenfalls gesellschaftlich unwirksam bleiben. Schlimmstenfalls wird es jedoch politisch gefährlich; selbst dann, wenn die Bedürfnisse, die der „Antikapitalismus“ ausdrückt, als emanzipatorische interpretiert werden können.“

Nach dem Zerfall der Sowjetunion, spätestens  nach dem11. September ist die Judenphobie innerhalb Europas und auch innerhalb der Linken stärker denn je. Leon Poliakovs Wort von „Israel als der  Jude unter den Staaten“, ist so aktuell wie nie. Die neue Judenphobie, mit ihrem radikalen Antizionismus, der Israel de facto das Existenzrecht verweigert, mit seiner Verteufelung Israels ist auf ein damit verbundenes Amalgam zentriert, in dem Juden, Israelis Zionisten, Rassisten und Nazis ein und dasselbe sind. (Taguieff).  Die islamistische Djihad-Bewegung mit ihren antijüdischen Kampagnen, der grauenhafte Antisemitismus der längst die offiziellen Diskurse der Weltreligion Islam durchdrungen ist, die antijüdischen Verschwörungstheorien über den 11. September, bis zu den,  in zig-facher Auflage im arabischen Raum verbreiteten, „Protokollen der Weisen von Zion“ gehen Hand in Hand mit den linken deutschen „Friedensfreunden“ und den rechten deutschen Neonazis. Diese antiisraelische Querfront, mit seiner Täter-Opfer-Umkehr, ist längst in der bürgerlich-demokratischen Öffentlichkeit mehrheitsfähig.

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Die Linke, Israel, Jean Améry und der ehrbare Antisemitismus

Wenn ich mit Bekannten, welche aus Linksparteimitgliedern, Gewerkschaftlern, Pädagogen, Friedensbewegten und Antifaschisten bestehen, über das Thema Israel diskutiere läuft es immer darauf hinaus, dass meine Diskussionspartner den Staat Israel verurteilen und ich den Staat Israel verteidige. Dabei diagnostiziere ich oft, teilweise extremen, Antisemitismus, welcher im Gewand von vermeintlich „ehrbarem“ Antizionismus gereicht wird. Ich stelle mir dann die Frage warum ich offensichtlich für Antizionismus/Antisemitismus nie anfällig war, meine vermeintlich linken Gegenüber aber voll im Mainstream schwimmen. Ich glaube dass ein kleines Büchlein, welches mir vor ungefähr dreißig Jahren zufällig in die Hände fiel, ausschlaggebend für diesen Umstand ist. Es hieß Widersprüche und enthielt unter anderem den Essay „Der ehrbare Antisemitismus“ von Jean Améry. Geboren wurde Jean Améry als Hans Mayer am 31. Oktober 1912 in Wien. Er war der Sohn eines jüdischen Vaters, der nie in der Synagoge war, im ersten Weltkrieg fiel und einer katholischen Mutter. Bis zum „Anschluss“ Österreichs an das „Dritte Reich“ 1938, lebte Améry, der sich bis dahin nicht als Jude fühlte, als intellektueller Agnostiker und Bohemien. Die „Nürnberger Gesetze“ machten ihn zum Juden. Als seine Mutter wieder heiratete hätte er seinen jüdischen Vorfahren verheimlichen können, da sein neuer katholischer Stiefvater im „Amt“ arbeitete. Zu dem Zeitpunkt hatte er allerdings eine jüdische Freundin. Er entschied sich für die Freundin und die Flucht aus Österreich, schloss sich dem kommunistischen Widerstand in Frankreich und Belgien an. Am 23. Juli 1943 wurde Jean Améry beim Verteilen von antinazistischen Flugblättern verhaftet. In einem belgisches Gestapo-Gefängnis entdeckte man seine jüdische Abstammung. Hier wird er von der Gestapo bestialisch gefoltert. Die Tortur beschreibt er unter anderem in seinem Buch „Jenseits von Schuld und Sühne“. Améry wird nach Auschwitz deportiert, später nach Buchenwald und Bergen-Belsen. Seine Auschwitznummer 172 364, schrieb er einst, lese sich kürzer als der Pentateuch oder der Talmud und gebe zudem gründlicher als diese Auskunft über eine jüdische Existenz. Am 17. Oktober 1978 wählt er den Freitod mittels Schlaftabletten in Salzburg. Im Jahr 1969 schreibt Amérys den Essay „Der ehrbare Antisemitismus“ und setzt sich darin mit dem Verhältnis der Linken zum Staat Israel auseinander. Die Aktualität ist erschreckend und zugleich faszinierend.

Jean Améry   Der ehrbare Antisemitismus (1969)

De Gaulle fiel. Manch einem war trüb zumut wie einem Heineschen Grenadier; mir auch, mir auch. Nur leider, dass in New York dem französischen UNO-Delegierten Armand Bérard nichts besseres einfiel, als verzweifelt auszurufen (laut „Nouvel Observateur“ vom 5.Mai): „C’est l’or juif!“ Und kein Dementi. Rechter Hand, linker Hand alles vertauscht. Der Antisemitismus schafft’s und, wie es einst bei Stefan George hieß: „… er reißt in den Ring.“ Das klassische Phänomen des Antisemitismus nimmt aktuelle Gestalt an. Der alte besteht weiter, das nenn ich mir Koexistenz. Was war, das blieb und wird bleiben: der krummnasige, krummbeinige Jude, der vor irgendwas – was sag ich? – der vor allem davonläuft. So ist er auch zu sehen auf den Affichen und in den Pamphleten der arabischen Propaganda, an der angeblich braune Herren deutscher Muttersprache von einst, wohlkaschiert hinter arabischen Namen, mit kassieren sollen. Die neuen Vorstellungen aber taten auf die Szene gleich nach dem Sechs-Tage-Krieg und setzen langsamerhand sich durch: der israelische Unterdrücker, die mit dem ehernen Tritt römischer Legionen friedliches palästinensisches Land zerstampft. Anti-Israelismus, Anti-Zionismus in reinstem Vernehmen mit dem Antisemitismus von dazumal. Der ehern tretende Unterdrücker- Legionäer und der krummbeinige Davonläufer stören einander nicht. Wie sich endlich die Bilder gleichen! Doch neu ist in der Tat die Ansiedlung des als Anti-Israelismus sich gerierenden Antisemitismus auf der Linken. Einst war das der Sozialismus der dummen Kerle. Heute steht er im Begriff, ein integrierender Bestandteil des Sozialismus schlechthin zu werden, und so macht jeder Sozialist sich selber freien Willens zum dummen Kerl. Den Prozeß kann man nutzbringend nachlesen in dem schon vor mehr als einem Jahr in Frankreich bei Pauvert erschienenen Buch „La Gauche contre Israel“ von Givet. Es genügt aber auch, gewisse Wegmarken zu erkennen, beispielsweise eine in der Zeitschrift „konkret“ erschienene Reportage zu lesen: „Die dritte Front“. „Ist Israel ein Polizeistaat?“ heißt da ein Zwischentitel. Die Frage ist nur rhetorisch. Natürlich ist Israel das. Und Napalm und gesprengte Häuser friedlicher arabischer Bauern und Araber-Pogrome in den Straßen von Jerusalem. Man kennt sich aus. Es ist wie in Vietnam oder wie es einstens in Algerien war. Der krummbeinige Davonläufer nimmt sich ganz natürlich aus als Schrecken verbreitender Goliath. Es ist von der Linken die Rede und keineswegs nur von den noch mehr oder minder orthodoxen kommunistischen Parteien im Westen oder gar von der Politik der Staaten des Sozialistischen Lagers. Für diese gehört der Anti-Israelismus, aufgepfropft auf den traditionellen Antisemitismus der slawischen Voelker, ganz einfach zur Strategie und Taktik einer so und so gegebenen politischen Konstellation. Die Sterne lügen nicht, die Gomulkas wissen, worauf sie rechnen dürfen. *C’est de bonneguerre!* Darüber ist kein Wort zu verlieren. Schlimmer ist, dass die intellektuelle Linke, die sich frei weiß von Parteibindungen, das Bild übernimmt. Jahrelang hat man – um einmal von Deutschland zu reden – den israelischen Wehrbauern gefeiert und die feschen Mädchen in Uniform. In schlechter Währung wurden gewisse Schuldgefühle abgetragen. Das musste langweilig werden. Ein Glück, dass für einmal der Jude nicht verbrannt wurde, sondern als herrischer Sieger dastand, als Besatzer. Napalm und so weiter. Ein Aufatmen ging durchs Land. Jedermann konnte reden wie die „Deutsche National- und Soldatenzeitung“; wer links stand, war befähigt, noch den Jargon des Engagements routinemäßig zu exekutieren. Fest steht: Der Antisemitismus, enthalten im Anti-Israelismus oder Anti-Zionismus wie das Gewitter in der Wolke, ist wiederum ehrbar. Er kann ordinär reden, dann heißt das „Verbrecherstaat Israel“. Er kann es auf manierliche Art machen und vom „Brückenkopf des Imperialismus“ sprechen, dabei so nebstbei allenfalls in bedauerndem Tonfall hinweisen auf die missverstandene Solidarität, die so ziemlich alle Juden, von einigen löblichen Ausnahmen abgesehen, an den Zwergstaat bindet, und kann es empörend finden, daß der Pariser Baron Rothschild die Israel-Spenden der französischen Bevölkerung Frankreichs als eine Steuer einfordert. Der Antisemitismus hat es leicht allerwegen. Die emotionelle Infrastruktur ist da, und das keineswegs nur in Polen oder Ungarn. Der Antisemit „de mystifiziert“ den Pionierstaat mit Wohlbehagen. Es fällt ihm ein, dass hinter dieser staatlichen Schöpfung immer schon der Kapitalismus stand in Form der jüdischen Plutokratie: Auf diese letztgenannte geht er nicht ausdrücklich ein, das wäre ein ideologischer *lapsus linguae,* jedoch – *c’est l’or juif!* – niemand wird sich täuschen über die tatsächliche Bestelltheit eines Landes, das aus einer schlechten Idee geboren, am schlechten Orte errichtet, einen oder mehrere schlechte Kriege geführt und Siege erfochten hat. Missverständnisse sind nach Möglichkeit zu vermeiden. Ich weiß so gut wie irgendwer und jedermann, dass Israel objektiv die unerfreuliche Rolle der Besatzungsmacht trägt. Alles zu justifizieren, was die diversen Regierungen Israels unternehmen, fällt mir nicht ein. Meine persönlichen Beziehungen zu diesem Land, von dem Thomas Mann in der Josefs-Tetralogie gesagt hat, es sei ein „Mittelmeer-Land, nicht gerade heimatlich, etwas staubig und steinig“, sind quasi null: Ich habe es niemals besucht, spreche seine Sprache nicht, seine Kultur ist mir auf geradezu schmähliche Weise fremd, seine Religion ist nicht die meine. Dennoch ist das Bestehen dieses Staatswesens mir wichtiger als irgendeines anderen. Und hiermit gelangen wir an den Punkt, wo es ein Ende hat mit jeder berichtenden oder analysierenden Objektivität und wo das Engagement keine freiwillig eingegangene Verbindlichkeit ist, sondern eine Sache der Existenz, das Wort in mancherlei Bedeutung verstanden. Über Israel, den modischen Anti-Israelismus, den altmodischen, aber stets in jegliche Mode sich wieder einschleichenden Antisemitismus spricht existentiell subjektiv, wer irgendwie „dazugehört“ („Juden, Personen, die im Sinne des Reichsbürgergesetzes vom 15. September 1935 als Juden gelten“) – und erreicht am Ende vielleicht gerade darum eine Objektivität annähernd naturrechtlichen Charakters. Denn schließlich mündet noch die geistesschlichteste – genauso wie die gründlichste und gescheiteste – Überlegung in die Erkenntnis, dass dieses Pionierland, und mag es hundertmal nach einer sich pervertierenden pseudomarxistischen Theologie im Sündenstande technischer Hochentwicklung sich befinden, unter allen Staaten dieses geopolitischen Raumes das gefährdetste ist. Sieg, Sieg und nochmals Sieg: Es droht die Katastrophe, und ihr weicht man auch nicht aus, indem man direkt in sie hineinrennt und Israel zum Teilgebiet einer palästinensischen Föderation macht.

Die arabischen Staaten, denen ich Glück und Frieden wünsche, werden den israelischen Entwicklungsvorsprung einholen, irgendeinmal. Ihr demographischer Überdruck wird das übrige tun. Es geht unter allen Umständen darum, den Staat Israel zu erhalten, so lange, bis Frieden, wirtschaftlicher und technischer Vorausgang der Araber in einen allgemeinen Gemütszustand versetzen, der ihnen die Anerkennung Israels innerhalb gesicherter Grenzen gestattet. Es geht darum. Wem? Die subjektive Verfassung, die zur geschichtlichen Objektivität werden will, hat hier ihre Dreinrede. Israels Bestand ist unerlässlich für alle Juden („Juden, Personen, die im Sinne …“ und so weiter), wo immer sie wohnen mögen. „Wird man mich zwingen, Johnson hochleben zu lassen? Ich bin bereit dazu“, rief am Vorabend des Sechs-Tage-Krieges der linksradikale französische Publizist und Sartre-Schüler Claude Lanzmann. Der wusste, was er meinte und wollte. Denn jeder Jude ist der „Katastrophen-Jude“, einem katastrophalen Schicksal ausgeliefert, ob er es erfaßt oder nicht. „Lauf, blasser Jude“ schreiben die Black-Panther-Männer an die Geschäfte und Häuser jüdischer Händler in Harlem und vergessen leichten Herzens die alte Allianz, die in den USA den Juden an den Neger kettete und die noch der mieseste bürgerlich-jüdische Händler nicht verriet. Wer garantiert, dass nicht einmal eine Regierung in den Vereinigten Staaten zum großen Versöhnungsfest den Juden dem Neger zum Frass hinwirft? Wer verbürgt den einflussreichen und zum Teil reichen Juden Frankreichs, dass nicht eines Tages das Erbe der Drumont, Maurras, Xavier Vallat zu neuer Virulenz gelangt? Wer steht ein dafür, dass nicht Herrn Strauß, an die Macht gekommen, irgendwas einfällt, worauf dann auch ein gewisser Zeitungs-Tycoon sich hüten würde, weitere schnöde Spenden einer schnöde zur Annahme bereiten israelischen Regierung zu geben? Niemand garantiert nichts. Das ist keine paranoide Phantasie und ist mehr als die menschliche Grundverfassung der Gefahr. Die Vergangenheit, die allerjüngste, brennt. Und nun wird jeder Freund von der Linken mir sagen, auch ich reihte mich ein in die große Armee derer, die mit sechs Millionen (oder meinetwegen fünfen oder vieren) Ermordeter Meinungserpressung treiben. Das Risiko ist einzugehen: Es ist geringer als das andere, welches die Freunde mir proponieren, wenn sie für die Selbstaufgabe des „zionistischen“ Israel plädieren. Die Forderung der praktisch-politischen Vernunft geht dahin, dass die Solidarität einer Linken, die sich nicht preisgeben will (ohne dass sie dabei das unerträgliche Schicksal der arabischen Flüchtlinge ignorieren muss), sich auf Israel zu erstrecken, ja, sich um Israel zu konzentrieren hat. Das Gebot hat für den nichtjüdischen Mann der Linken nicht die gleiche Verbindlichkeit wie für Juden, stehe dieser politisch links, mittwegs, rechts oder nirgendwo. Aus der Linken kann man austreten; das Sosein als Jude entlässt niemand, das wusste schon ein Früh-Antisemit wie Lanz-Liebenfels. Freilich hat die Linke ihre ungeschriebenen moralischen Gesetze, die sie nicht beugen darf. „Wo es Stärkere gibt, immer auf der Seite des Schwächeren“, welch unüberschreitbar wahre Trivialität! Und stärker – wer wagte Widerrede? – das sind die Araber; stärker an Zahl, stärker an Öl, stärker an Dollars, man frage doch bei der Aramco und in Kuwait nach, stärker, ganz gewiss, an Zukunftspotential. Die Linke aber ganz offensichtlich schaut wie gebannt auf die tapferen palästinensischen Partisanen, die freilich ärmer sind als die Männer Moshe Dayans. Sie sieht nicht, daß trotz Rothschild und einem wohlhabenden amerikanisch-jüdischen Mittelstand der Jude immer noch schlechter dran ist als Frantz Fanons Kolonisierter, sieht das so wenig wie das Phänomen des anti-imperialistischen jüdischen Freiheitskampfes, der gegen England ausgefochten wurde. Am Ende ist es auch nicht die Schuld der Israelis, wenn die Sowjetunion vergaß, was 1948 vor der UNO Gromyko mit schönem Vibrato vorgetragen hat: „Was den jüdischen Staat betrifft, so ist seine Existenz bereits ein Faktum, das gefalle oder nicht (…) Die Delegation der UdSSR kann sich nicht enthalten, ihr Erstaunen über die Einstellung der arabischen Staaten in der palästinensischen Frage auszudrücken. Ganz besonders sind wir überrascht zu sehen, daß diese Staaten oder zumindest einige von ihnen sich entschlossen haben, militärische Maßnahmen zu ergreifen mit dem Ziele, die nationale Befreiungsbewegung der Juden zu vernichten. Wir können die vitalen Interessen der Völker des Nahen Ostens nicht identifizieren mit den Erklärungen gewisser arabischer Politiker und arabischer Regierungen, deren Zeugen wir jetzt sind.“

So sprach, wie schon gesagt, die Sowjetunion, eine Großmacht, die Großmachtpolitik treibt und die wohl à la longue nicht absehen konnte von dem offenbaren Faktum, dass es mehr Araber gibt als Juden, mehr arabisches Öl als jüdisches, dass militärische Stützpunkte in den arabischen Staaten einen höheren strategischen Wert haben als in Israel. Die Linke im weiteren und weitesten Sinne aber, und ganz besonders die protestierende äußerste Linke, der ich mich auf weiten Stecken verbunden weiß, hat diese Großmacht-Ausflucht nicht. Sie ist, nach dem Gesetz, nach dem sie angetreten, zur Einsicht verpflichtet; zur Einsicht in die tragische Schwäche des jüdischen Staates und jedes einzelnen Juden in der Diaspora, zur Einsicht in das, was hinter den Kulissen eines jüdisch-bürgerlichen Mittelstandes, hinter dem Mythos des Geld- und Gold-Juden (vom Jud Süß bis zu den kontemporären Rothschilds und ein paar jüdischen Hollywood-Größen) sich verbirgt. Die Juden manipulieren zeitweilig Kapitalien: Sie beherrschen sie niemals. Sie haben heute in Wall Street so wenig zu sagen wie einst im wilhelminischen Deutschland in der Schwerindustrie. Der Staat Israel ist heute so wenig ein Bollwerk des Kapitalismus, wie er es war, als die ersten Pioniere dort den Boden umgruben, so wenig wie die arabischen Staaten vernünftigerweise als progressiv angesehen werden können. Die Linke macht, das ist der Jammer, die Augen zu. Der Zufall spielte mir gerade einen Text von Hans Blüher zu: „Eine wirkliche Geschichte Europas dürfte nicht so geschrieben werden, wie das bisher geschah, dass nämlich ein Jude einmal hie und da anekdotenhaft vorkommt …, vielmehr müsste die Darstellung so sein, dass dauernd die geschichtliche Macht des Judentums als eines latenten und ständig mitspielenden Reiches sichtbar wird.“ Der Text könnte wörtlich in einer der zahlreichen pseudointellektuellen arabischen Veröffentlichungen stehen, mit denen die Presse überschwemmt wird. Und von Blüher – aber auch von Streicher, denn allerwegen ebnet der Antisemitismus die intellektuellen Höhenunterschiede ein – könnte stammen, was der Unterrichtsminister des progressiven Staates Syrien an den Generaldirektor der UNESCO schrieb: „Der Haß, den wir unseren Kindern einprägen, ist ein heiliger Hass.“ Es wäre das alles kaum der Aufnotierung wert, und der närrische Blüher könnte im Frieden des Vergessens schlafen, hätte nicht die intellektuelle Linke Westeuropas (einschließlich übrigens einiger vom Selbsthass verstümmelter Juden wie Maxim Rodinson) sich dieses Vokabulars bemächtigt und das vom Wortschatz vermittelte Normensystem angenommen. Wenn aus dem geschichtlichen Verhängnis der Juden- beziehungsweise Antisemitenfrage, zu dem durchaus auch die Stiftung des nun einmal bestehenden Staates Israel gehören mag, wiederum die Idee einer jüdischen Schuld konstruiert wird, dann trägt hierfür die Verantwortung eine Linke, die sich selber vergißt. „Der Antizionismus ist ein von Grund auf reaktionäres Phänomen, das von den revolutionären progressistischen antikolonialistischen Phrasen über Israel verschleiert wird“, sagte neulich Robert Misrahi, ein französischer Philosoph, der, gleich dem vorhin zitierten Claude Lanzmann, zur weiteren Sartre-Familie gehört. Der Augenblick einer Revision und neuen geistigen Selbstbestreitung der Linken ist gekommen; denn sie ist es, die dem Antisemitismus eine ehrlose dialektische Ehrbarkeit zurückgibt. Die Allianz des antisemitischen Spießer-Stammtisches mit den Barrikaden ist wider die Natur, Sünde wider den Geist, um in der vom Thema erzwungenen Terminologie zu bleiben. Leute wie der polnische General Moczar können sich die Umfälschung des kruden Antisemitismus zum aktuellen Anti-Israelismus gestatten: Die Linke muss redlicher sein. Es gibt keinen ehrbaren Antisemitismus. Wie sagte Sartre vor Jahr und Tag in seinen „Überlegungen zur Judenfrage“: „Was der Antisemit wünscht und vorbereitet, ist der Tod des Juden.“

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Nach 470 Kommentaren wurde das Blog vom „Freitag“ nach meinem (zensierten) Satz an Uwe Theel: “Wenn du alle Kommentare aufmerksam lesen würdest, könntest Du in diesem Forum feststellen, dass es linken Antizionismus/Antisemitismus gibt.“ für weitere Kommentare gesperrt.Für die Moderation des Freitags waren die  antizionistischen Kommentare von Fritz Teich, Zelotti, BOT, thinktankgirl, Rahab, winsztein, Magda, Eddie Sayyid, Phineas Freek, Uwe Theel, usw. völlig einwandfreie Meinungsäußerungen.

Nachfolgend 30 der 470 Kommentare, welche die Tendenz der Wochenzeitung „derFreitag“, seiner BloggerInnen, sowie seiner Moderation deutlich macht:

thinktankgirl schrieb am 11.02.2010 um 17:45

@fidelche  Nein, das meinen Sie jetzt hoffentlich nicht ernst? Oder glauben gar, daß es wahr ist? Ich könnte Ihnen jetzt Opferzahlen aufführen und noch so Zeugs, aber ich will es wirklich nicht mehr. 1,5 Millionen (oder waren es mehr – weniger?) im Gaza-Streifen eingeschlossene Menschen, die KEINERLEI Fluchtmöglichkeit hatten, zusammenzuschiessen,das war wirklich ne tolle Leistung. Sind eigentlich inzwischen alle dort verhungert? Man hört ja nichts mehr?

thinktankgirl schrieb am 11.02.2010 um 20:20
@fidelche
Sie haben das nicht so ganz verstanden mit Vorgeschichte. Wie kamen die Juden dazu, in Palästina einen Staat gründen zu wollen. Das war nicht der unbesiedelte Mond. Bitte fangen Sie mit Herzl, dem Osmanischen Reich, Völkerbundmandat etc an und nicht erst mit den 30er Jahren.Was halten Sie davon, das heutige Israel und was noch von dem palästinensischen Pseudo-Staat übrig ist, zusammenzulegen und EINEN STAAT für beide Ethnien zu schafften, in dem beide Gruppen GLEICHBERECHTIGT zusammenleben können.

Fritz Teich schrieb am 12.02.2010 um 19:03
Ob man mit der Politik von Hamas in jedem Fall uebereinstimmt, ist nicht die Frage. Die Frage ist, ob man mit ihnen redet und ob man sie als legitimer Vertreter der Palestinenser anerkennt. Mit anderen Worten: ob man sie als Terroristen labeled und zu Feinden der Menschheit erklaert. Ich halte sie nicht fuer sehr klug, inm Prinzip haben sie aber recht. Sie sind nur etwas zu totalitaer. Moeglicherweise verstehen es die Araber nicht anders. Auch Obama hat vor der Wahl fuerchterliche Dinge gesagt, zum Beispiel im Tiergarten.

weinsztein schrieb am 12.02.2010 um 02:59
In der Altstadt Jerusalems, am Damaskustor. Ein Schemel, darauf ein großes rundes Blechtablett mit Gurken, angeboten von einer alten arabischen Frau. Sie darf bis 18 Uhr ihre Gurken verkaufen, aber es schon zwei Minuten später. Ein sehr junger israelischer Soldat mit Maschinenpistole schlendert heran, schnauzt die alte Frau an, er tritt zu, Tablett und Gurken landen im Graben. Die anderen Soldaten lachen, die Frau sagt nichts, sie geht weg. Viele Menschen haben diese Szene miterlebt, niemand protestiert, manche Gesichter sind weiß vor Wut. Mir ist schlecht vor Scham, weil auch ich schweige, nicht protestiere.  Das ist über zehn Jahre her, ich erlebte etliche Male, wie palästinensische Menschen gekränkt, gedemütigt wurden durch israelische Soldaten oder Grenzbeamte. Ich assoziierte: Herrenmenschengehabe. (Ja, ja, es ist politisch nicht korrekt, das so zu formulieren.) Einen Staat, der seinen Bediensteten erlaubt, sich so zu verhalten, kritisiere ich. Diese kleinen Soldaten und Grenzer äffen das Verhalten ihres Staates gegenüber seinen Nachbarn nach. „Wenn ich mit Bekannten, welche aus Linksparteimitgliedern, Gewerkschaftlern, Lehrern bestehen, über das Thema Israel diskutiere läuft es immer darauf hinaus …“ schreibt’s fidelche.  thinktankgirl fragt’s fidelche: „Sind Sie so ein bezahlter Propaganda-Schreiberling?“
Ich weiß nicht, ob das fidelche dafür bezahlt wird, ist mir auch egal.  weinsztein

thinktankgirl schrieb am 12.02.2010 um 14:28

Ich erkläre mir das Phänomen der islamistischen Hamas damit, daß die Palästinenser derart zermürbt und demoralisiert sind, daß sie nur noch in der Religion Halt finden:Frei nach Marx: „Die Religion ist das Opium des Volkes“Ich habe den Gaza-„Krieg“ verfolgt, und ich habe geweint, als ich die Bilder gesehen habe. Tote Kinder. Kinder mit Kopfschüssen. Der palästinesische Arzt in Live-Schaltung mit einem israelischen Radiosender, als eine Rakete seine halbe Familie auslöscht. Israel hat sich die Hamas gezüchtet.

thinktankgirl schrieb am 12.02.2010 um 17:43
Man muss es mir nur erklären, dann ich verstehe so was auch. Mir sind schon solche Typen in den Foren begegnet, und bei Ihren ersten Beiträgen drängte sich mir der Eindruck auf, daß Sie auch dazugehören. Wobei ich mich vielleicht auch getäuscht haben könnte. Ihre Argumentation erinnert mich stark an die Kommentare in israelischen Foren während des Gaza-Krieg. Bzw. ganz allgemein an die der jüdischen Fundis; da frage ich mich halt, wie jemand der kein Jude/Israeli ist, sich genau diesen Jargon und die entsprechenden Positionen aneignet.  Noch eine Frage, wo finden Sie inhaltliche Ähnlichkeiten zwischen meinen Aussagen und diesen Protokollen?

Magda schrieb am 13.02.2010 um 14:40
„Ich weiss natürlich nicht wie der Auschwitzüberlebende Amèry geantwortet hätte. Vielleicht hätte er gesagt, weder noch. Wer Missstände und Fehler korrigieren will, muß zuerst eine klare Analyse der Geschichte vornehmen. Muss alle Argumente kennen und dann handeln.“  Wenn Du es nicht weißt, dann halt die Klappe. Und nimm ihn nicht in geistige Geiselhaft. Das ist ja nicht zu glauben.

zelotti schrieb am 12.02.2010 um 18:12

Was mir an dieser „Linken“ aufstößt, und was in der Tat „antisemitisch“ ist, das ist die Betonung die das Thema Israel geniesst im einen wie im anderen. Quasi eine Art Fetisch. Dabei darf auch nicht vergessen werden, dass die Verteidigung des Heiligen Landes vor den Muselmanen eigentlich der Kern abendländischer Kultur ist, das gemeinsame kulturelle Band. Und bis zum industrialisierten Massenmord war Antisemitismus paneuropäischer Volkssport. Darum ist die israelische Ideologie ja auch so irre völkisch. Die Behauptung, dass ein „Volk“ ein exklusiven „Staat“ haben müsse, das ist Ideologie des 19Jh. Wir wohnen heute mit Russen und Griechen in einem Haus, dienen gemeinsam mit französischen Soldaten in der Brigade, wohnen dann ein Jahr in London, unsere Freunde heiraten Spanier, man zieht quer durch Europa, egal welche Religion, Ethnie was weiss ich. Dann hört sich dieses ganze Volkinsistiere wirklich arg reaktionär an, und die Ausgrenzung die stattfindet. Der Zionismus ist rein ideologisch der Zwillingsbruder des nationaldeutschen Imperialismusm, und genauso wie der fühlt er sich immer zu kurz gekommen.

Fro schrieb am 12.02.2010 um 18:45
@fidelche „Viele Kommentare in diesem Forum hätten seine Sorge über linken Antizionismus wachsen lassen, meine zumindest ich“ Unter Antizionismus verstehe ich die Ablehnung des Staates Israel. Ich habe hier keinen Kommentar entdeckt, der diese Ablehnung zum Ausdruck bringt.Du beharrst darauf, dass eine Kritik der menschenverachtenden Politik Israels gegenüber dem palästinensischen Volk antizionistisch ist – oder verstehe ich das falsch? Und noch einmal, da du es anscheinend nicht gelesen hast:„Von der israelischen Friedensoganisation Gush Shalom wurden vor kurzem 80 Thesen vorgelegt, die für ein „neues Friedenslager“ notwendig seien. Darin heißt es unter anderem, dass es eine entscheidende Aufgabe sein wird, die „einseitige Sicht des Konflikts aufzugeben.“ Jede Seite sollte in der Lage sein, „die nationale geistige Welt der anderen Seite zu verstehen“ und sich als gleichberechtigte Partner gegenüber zu treten. Die Möglichkeit einer einvernehmlichen Lösung wird durch eine „unsensible, herablassende, anmaßende Haltung“ ausgeschlossen. Zur Lösung des Konflikts müssen die unterschiedlichen Geschichtsdeutungen verstanden werden, dabei ist unter der Oberfläche zu suchen, „an den Wurzeln des historischen Konflikts zwischen den beiden Völkern.““ Nur im gegenseitigen Verstehen kann Antisemitismus aufgelöst werden! Das geht natürlich nicht, wenn eine Seite ausgeblendet und jedes begangene Unrecht gegen ein anderes aufgerechnet wird.Wird es nicht mal Zeit nach vorne zu blicken und Lösungen zu suchen, anstatt hier den Ankläger zu machen gegen Menschen, die ich hier nirgendwo sehe?

zelotti schrieb am 12.02.2010 um 20:05
„Antizionismus verstehe ich die Ablehnung des Staates Israel“ Antizionismus meint die Ablehnung bestimmter Politiken oder Ideologien der zionistischen Bewegung zur Landnahme. Der Trick zur Verbindung mit Antisemitismus geht so: „Ablehnung des Existenzrechts des Staates…“ Das ist natürlich ähnlich absurd wie von dem „Existenzrecht“ Großdeutschlands (mit Österreich) zu sprechen in einem postnationalen kulturellen Kontext. Oder vom Existenzrecht Frankreichs oder Deutschlands. Ich glaube nicht an das „Existenzrecht“ Deutschlands, kann damit nichts anfangen. Er schleift eine nationalstaatsfetische und vökische Prämisse mit, jedem Volk sein Staate, die für Internationalisten seltsam anmutet. Und die Konstitution als „Volk“, na gut, meinetwegen. Wir haben da heute ein abgeklärteres Verständnis, reden einfach nur von Staatsbürgerschaft… Viele „Deutsche“ leben seit dem 1. Weltkrieg in Belgien. Sie sind aber belgische Staatsbürger. Deutsche jüdischer Religionsangehörigkeit sind ja bitte schön auch deutsche Staatsangehörige. Wie hoch da ihre Religion hängt und welche Rolle ihr „Volkstum“ das bleibt einem in diesem Lande selbst überlassen, in dem mich mit einem Bayern wenig kulturell verbindet, mit Dänen und Polen dagegen mehr, wo meine Nationalität nicht die Frage ist, sondern vielmehr meine soziale Klassenzugehörigkeit über meine Chancen in der Gesellschaft entscheidet. Und da kommt der Zionismus und reinkarniert diese Idee des Volkstums des Blutes, und Linke lassen sich darüber trollen. Das ist alles andere als progressiv, sondern war ein Mittel um die progressive Aufbruchstimmung nach dem 2. Weltkrieg in Israel zugunsten rechter Scharfmacherei zu verdrängen. Alles natürlich mit polarisierenden Ereignissen verknüpft, plötzlich kippt es. Völkische Ideologie ist halt eine harte Software, die funktioniert, ganz gleich um wen es da geht.  Eigentlich hat Israel, indem es seine Gründer als „Staat“ verstanden, ursprünglich auf dieser sehr offenen preussischen Konzeption eines „Staates“ gelagert, die einen Nationalismus völkischer Art nicht gedeihen liess.

Eddie Sayyid schrieb am 12.02.2010 um 20:43
Mensch fidel …Bist du erkenntnisresistent, lediglich kriminell uninformiert oder hast du schlichtweg grausige Lanngeweile über die Karnevalstage? „Wenn aus dem geschichtlichen Verhängnis der Juden- beziehungsweise Antisemitenfrage, zu dem durchaus auch die Stiftung des nun einmal bestehenden Staates Israel gehören mag, wiederum die Idee einer jüdischen Schuld konstruiert wird, dann trägt hierfür die Verantwortung eine Linke, die sich selber vergißt. „Damit du eins nicht vergißt, möchte ich dir eine kleine Geschichte aus meiner Sippe erzählen. Mein Vater ist christlicher Palästinenser, meine Mutter Deutsche. Mein Großvater mütterlicherseits hat fleißig an der Ostfront Juden abgemurkst und ist über Umwege heute ein sehr erfolgreicher Kunstsammler. Währenddessen arbeitete mein Großvater väterlicherseits in einer Perlmuttfabrik in Bethlehem und wurde nach Folter und Misshandlung von den israelischen Besatzern umgebracht (Alter 50) . Das man sich als Linker nun fragt auf wessen Kosten der unerlässliche Bestand Israels baut ist Antisemitismus? Nicht mein deutscher Großvater mütterlicherseits musste die Zeche prellen. Auch nicht deiner … Nein, die Ureinwohner Palästinas. Die Psychoanalyse der Linken mag dich vielleicht ernsthaft beschäftigen, ist aber bei der ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Nah-Ost Konflikt absolut überflüssig. Deine ausgelutschte Position hat einzig als Reflex auf Pali-Tücher eine Daseinsberechtigung. Zudem offenbart dein schwülstiger Eintrag, dass ein erkenntnisarmer Umgang mit der Materie kein Hinderniss ist um im Netz mal so richtig zu glänzen. Was dir ja scheinbar an deinen eingangs erwähnten Rotwein Stammtischen nicht so gelingt…Wie nonchalant du mit Begriffen wie „der Araber“ jonglierst ist einfach nur peinlich.Obendrein ist fraglich, ob du für den Zionismus noch so in die Bresche springen würdest, wenn Israel als Reparationszahlung 1945 im Schwarzwald gegründet worden wäre … Ich zweifel stark dran. dein Eddie

I.D.A. Liszt schrieb am 12.02.2010 um 23:45
A propos propagandistische Leimrute für Linke: fidelche schrieb am 12.ß2.2010 um 17:08: >Mir war allerdings schon klar dass ich diesem Thema in diesem Forum in ein „Haifischbecken“ betrete. Die Beiträge habe ich im Prinzip so oder so ähnlich erwartet. Grundsätzlich habe ich lieber kontroverse als langweilige Diskussionen.<Wenn ich nur wüßte, woran oder an wen mich solche Worte und die ganze Masche erinnern!Mir ist der Name doch tatsächlich entfallen!Oder bin ich nur den Namen losgeworden?Die Sätze nach den ertsen dreien braucht man ja nicht zu verstehen, wenn man merkt, wohin der Hase hoppelt.

Fro schrieb am 13.02.2010 um 01:34
Ich weiß nicht, was fidelche wollte. Wenn er den kritischen Blick auf die Israelische Außenpolitik schärfen und die Diskussion auf mögliche Lösungsansätze lenken wollte, die den Palästinensern einen eigenständigen Staat ermöglichen, dann hat er sein Ziel erreicht.Wenn er uns polarisieren und emotionalisieren wollte, dann hat er es nicht erreicht.

zelotti schrieb am 13.02.2010 um 19:29
„Sie sehen also keine Affinität der beiden Aussagen: Deutsche, wehrt euch kauft nicht bei Juden – und – Jeder könne durch den Boykott israelischer Waren dazu beitragen, dass der Druck für eine andere Politik verstärkt wird.“Nein. Das tun Sie. „Deutsche wehrt Euch, kauft nicht bei den Juden“, fusst auf der Prämisse die jüdischen Geschäftsleute seien als Stellvertreter für „unser“ „Unglück“ verantwortlich und ist in einen rassistischen Diskurs eingebettet. Das „wehren“ meint hier die Reichsprogromnacht.Das andere ist nicht antisemtisch, sondern einfach die Überlegung, dass man durch Kaufentscheidungen seine Konsumentenmacht einsetzen kann, wenn man mit dem Militäreinsatz durch einen fremden Staat unzufrieden ist. Hier wird gar nicht behauptet, dass „die Juden“ „die Deutschen“ bedrohen. Es geht um die Beeinflussung im Sinne einer „anderen Politik“ des Staates.Das gibt übrigens in vielerlei Richtung. Ein Komponist wie Stockhausen hatte plötzlich Auftragsprobleme, als er aus der Distanz 911 als großes Kunstwerk bezeichnete, was eigentlich sehr intelligent war, aber nicht in den vulgären Trauerdiskurs passte. Und den Dixie Chicks liefen die Fans davon, als sie gegen den Irakkrieg sich positionierten.

carlfatal schrieb am 13.02.2010 um 02:00
@zelotti Gut gegeben, Antideutsche sind anders nicht zu bremsen; und schön, diese Position hier im Thread zu finden. Danke!

Fritz Teich schrieb am 15.02.2010 um 12:01
Immerhin sagt Fidelchen mal, worum es ihm bei Hamas geht: Wir sollen nicht nur Israel kritisieren, sondern auch Hamas. Dann schauen wir doch mal genau hin. Spielt Hamas in der gleichen Liga? Popelige Raketchen auf ein Dorf in der Wueste. Wer immer die abgeschossen hat. Was wird Hamas denn vorgeworfen? Dass sie die Raketchen nicht verhindert haben? Nicht ganz leicht, in Gaza Polizeiaufgaben zu erledigen, wenn ein Polizeichef nach dem anderen „herausgenommen“ wird. Und was ist die Folge der Raketen: Kinder werden traumatisiert. Wie schrecklich. Woanders werden Kinder abgeschossen. Das nenn ich mit Iran „grosse Arroganz“.

Fritz Teich schrieb am 13.02.2010 um 20:28
Fiedelchen, btw: „Die Sowjetunion sowie die Alliierten wehrten sich „schlugen“ den Aggressor zurück. Bei diesem zurückschlagen wurden auch sehr viele Zivilisten getötet.“ Echt suess!

Fritz Teich schrieb am 15.02.2010 um 11:08
<< Fritz Teich hat in einem anderen Thread unter anderem bekundet, dass die Verurteilung Flicks in Nürnberg noch nicht bedeute, dass Flick ein Verbrecher gewesen sei. Auch die Mitgliedschaft im Freundeskreis Reichsführer SS bedeute nichts.>>Da werden jetzt Dinge raus geschlossen, die abenteuerlich sind. Ganz sicher war Nuernberg Siegerjustiz. Das ist aber nur eine juristische Aussage. Genauso kann man sagen, dass Flick kein Verbrecher war. Aussagen ueber Tatsachen sind das nicht. Es ist einfach zu simpel, mit irgendeinem label, womoeglich noch mit Profitinteressen kombiniert, wie eklig, Flick zum Buhmann zu machen. So wird das ganze zum Maerchenbuch.
Buhmann war er eben wegen diverser Freundeskreise (zu denen ich mich aber meiner Erinnerung nach ueberhaupt nicht geaeussert hatte) usw, weil er tatsaechlich mitgemacht hat, mag er auch kaum eine Alternative gehabt haben. Warum reicht das nicht? Und wenn er Anti-Kommunist war, dann war er das eben. Ich find es einfach zum Kotzen, wie alles zu Mickey-Mouse gemacht wird, Kindergarten, nur dagegen wehre ich mich, allerdings heftig. IMHO war der Flickkonzern Teil des militaerisch-industriellen Komplexes der Nazis, wobei ich allerdings nicht glaube, dass dieser Komplex schon so weit war wie der amerikanische nach dem Krieg in dem Sinn dass sich die Industrie aus kapitalistischen Interessen heraus ihre Kriege sucht. Usw. Und was hat das mit Israel zu tun? Da haben wir zwar auch eine Kriegswirtschaft, auch das Gute gegen das Boese, gegen die Feinde der Menschheit, Stimmungen, Geraune, die Lage ist aber eine ganz andere. Auch dank zweier Kriege, Libanon II und Gaza, mit denen sich Israel selbst aus dem Kreis „zivilisierter Nationen“ herauskatapultiert hat. Wobei man, wie gesagt, keinen Goldstone braucht. Im Fall Libanon II war die Kritik Allgemeingut in Israel, im Fall Gaza braucht man nur Livni zuzuhoeren. Sie sagt all das, was Goldstone muehsam aus diversen Fakten konstruiert, mag sie es auch positiv bewerten nach dem Motto: den Palestinensern eine Lektion erteilen.

Feilong schrieb am 14.02.2010 um 13:39
Herje….ich wusste gar nicht, dass hier fleißig weiter diskutiert wurde. Die Sache ist doch denkbar einfach, Israel muss man kritisieren für ihre Außenpolitik, aber auch für die Innenpolitik mit der Ausgrenzung gegen andere Gruppen. Nicht nur Araber werden ausgegrenzt, sondern auch Juden aus anderen Teilen der Welt, das ist Rassismus reloaded im heiligen Land, solche Missstände kritisieren auch Autoren wie Uri Avnery. Doch wieso müssen wir nur den Israeliten das Manna gönnen? Wissen Sie fidelche, die ganze Zeit stören mich Ihre Unterstellungen, was wollen Sie damit erreichen? Das ist die Zionismus/Antisemitusmus Keule ist eine primitive Art der broderschen Dialektik sonst aber nichts anderes! Das Sie den Islam auch noch so sehr in den Bereich der Nazis schieben ist doch nun wirklich nicht die feine englische Art. Ich mein sogar das im Koran ein Verhältnis zu den Juden drin steht „zum Volk der Schrift“, dass man ihnen nichts tun sollte, auch wenn an anderen Stellen gesagt wird man müsse sie zwingen Tribut zu zollen – genau hier erkennt man den klar kapitalistischen Geist im Islam -, aber wegen einem Mufti oder ein paar Sprücheklopfer in der islamischen Welt muss man ja nicht gleich meinen, dass alle Muslime die Juden hassen, eher hassen sie Polytheisten. Der Linke sollte möglichst nicht auf der Seite von irgendwen sein, sondern einfach nur kritisch hinterfragen und wenn es bei jemanden mehr zu bemängeln gibt, dann ist man halt eher gegen ihn. (Das ist nur eine einfache Formel, die so im Leben nie zutrifft :p) Mit freundlichen Grüßen Feilong

thinktankgirl schrieb am 14.02.2010 um 14:19
@Feilong Vielleicht ist er Broder?

BOT schrieb am 14.02.2010 um 14:19
Israel ist ein Staat, der systematisch Tausende von Menschen umbringt, obdachlos macht, Familien auseinanderreisst und bei Menschen, die nicht streben Traumata herbeiführt. Nennen Sie es wie sie wollen. Ich nenne das GROSSE SCHEISSE und hab was dagegen.
   
thinktankgirl schrieb am 14.02.2010 um 14:27
Dazu die israelische Menschenrechtsorganisation B’Tselem  http://www.btselem.org/English/Statistics/Index.asp

Fro schrieb am 14.02.2010 um 17:21
@fidelche „Ist man für Dich gleich ein Fanatiker wenn man im Nahostkonflikt die israelische Position vertritt?“  Wenn man das mit dieser Inbrunst macht wie du – ja.
Du willst jetzt über die Hamas diskutieren und ich weiß wirklich nicht, was das mit dem angeblichen Antisemitismus innerhalb der Linken hier bei uns zu tun haben soll. Willst du jetzt Anschläge zählen? Oder sollen wir jetzt staunend feststellen, dass die Hamas den Staat Israel ablehnen und wünschen, dass die Israelis Palästina verlassen?
Was soll das?

Fro schrieb am 14.02.2010 um 18:41
@oca Wenn Ahmadinedjad sagt, die Sonne ist heiß. Dann sage ich, der Mann spricht die Wahrheit. Es hat keinen Sinn, dass wir uns von diesen Kriegen vereinnahmen – oder uns auf irgend eine Seite ziehen lassen. Unabhängig bleiben ist das beste Rezept gegen Antisemitismus und „Islamphobie“.

thinktankgirl schrieb am 14.02.2010 um 19:07
@fro  Diese Genfer Rede wurde wohl auch falsch übersetzt in allen Massenmedien verbreitet, meine ich mich zu erinnern. Die Badische Zeitung hatte daraufhin eine korrekte Übersetzung veröffentlicht, die sich wesentlich gemäßigter ausnahm. Sowenig mir die iranische Theokratie gefällt, ist es auch nicht seriös Ahmadinedjad, falsche Worte in den Mund zu legen.

Fro schrieb am 14.02.2010 um 19:24
Danke für den Hinweis thinktankgirl  hier der Link zur Rede Ahmadinedjads

Phineas Freek schrieb am 14.02.2010 um 16:06
War ja nur eine Frage der Zeit, dass der „antideutsche“ Irrsinn und die Resultate seines paranoiden Sektenwahns auch hier seinen bizarren Ausdruck findet.
Diese exlinken und heutigen negativen Deutschtümler sollte man bei ihren vertrackten Einstiegsprogramm in die bürgerliche rechte Mitte ganz einfach in Ruhe lassen.
Diskurs unmöglich.

weinsztein schrieb am 15.02.2010 um 03:12
Übereifrigkeit, unter welchem Nick auch immer, amüsiert mich.  Hoffentlich immunisiert dieser blog vom fidelche die Freitag-Communitiy davor, künftig auf derartig dümmliche Provokationen zu reagieren. Quasi wie eine Impfung. Ein fidelche nebst einem göller, ein donnerstag mit seiner Freundin galore, einige andere Provokatörchen und ein paar Bälle, die man sich zuwirft (etwa: göller will Solidarität mit dem fidelche provozieren, galore was ähnliches mit donnerstag). Wie drollig, wie öde. Was das soll, wissen wir. Linker Konsens heute ist das Existenzrecht Israels. Ein eigener oder ein mit Israel verbundener palästinensischer Staat. Gibt es, jenseits von Unterstellungen, heute Linke, die Israelis ins Meer treiben wollen oder deren Staat? Die Linken in Israel oder in Palästina werden diesen blog mit viel Amüsement lesen. Sie werden ahnen, aus wessen Schoß das kroch.  weinsztein

Uwe Theel schrieb am 15.02.2010 um 23:01
@fidelche
Ich habe mich jetzt mal durch 60 bis 80 Prozent dieses Threads – und leider muß ich es sagen – gequält. Der Hype, der Deinem Thread positiv gesehen, angediehen wird, ist aber zweifellos nicht Deinen Beiträgen oder gar Argumenten zu verdanken, sondern dem ewig brisanten Thema selbst. Der Umgang damit von Deiner Seite ist m.E. nicht ok, womit ich Dir weder zionistischen Nationalismus oder sonst was Böses unterstellen will. Dein Ausgangstext war ein Aufsatz von Améry, der diesen im Geist der 60iger Jahre als ein Plädoyer für das Existentrechts Israels geschrieben hat. Niemand hier hat diesen Aufsatz, den Du Dir zu eigen gemacht hattest, wirklich diskutiert, Du am allerwenigsten. Die gescheiten Beiträge hier konnten Dir dagegen wenigstens eine zeitgemäße Position einer Kritik von Links an der staatlichen Poltik Israels im Nahostkonflikt heute deutlich machen, die nichts mit Antisemitismus zu tun hat; (ob man das Antizionismus nennen sollte, weiß ich nicht, auf jedenfall nicht im Sinne einer Kritik an meinetwegen Herzles Ideen). Darauf gehst Du nicht ein. Statt dessen machst Du Quizspiele bei denen Du das Durcheinanderwerfen der Begriffe noch zur Regel machst. Dein Verwechseln von „Antizionismus“ und „Antisemitismus“ hat nicht einmal den Anschein von Methode. Was Du in Deinem Beitrag vom 14.02.2010 um 22:57 geschrieben hast, macht die Verwirrtheit Deiner Ausführungen besonders deutlich:Du schriebst: „In der von Horkheimer/Adorno gegründeten Kritische Theorie von steckt die materialistische Antisemitismustheorie, das heißt: Kritik des Antisemitismus als Gesellschaftskritik.“ Man kann der Kritischen Theorie wahrscheinlich viel vorwerfen, aber dass sie eine Theorie des Antisemtismus sei, Antisemitismus also formuliere, begründe, ist schlicht Unfug, materialistisch hin materialistisch her. Die Formel „Kritik des Antisemitismus als Gesellschaftskritik“ als anderer Ausdruck dieses Vorwurfs ist als solcher genauso unsinnig, da widersinning zur ersten Formulierung. Weiter schreibst Du „Die Kritische Theorie beschäftigt sich mit der Denunziation der deutschen Ideologie und des Nachlebens des Faschismus in der Demokratie. Und während die Studenten Ende der sechziger Jahre in den Nachfolgestaaten des Nationalsozialismus nach einem kurzen Erschrecken über ihre Eltern meinten, es sei eine prima Idee, dem „Volke zu dienen“ und sich von den palästinensischen Fedayin ausbilden zu lassen, …“ Ist Die Ausgangsthese noch nachvollziebar, so solltest Du für die „Folgerungen“ darus wissen, dass die, die sich als Mitglieder der RAF dort ausbilden ließen in der Regel keine Studenten waren, eine verschwindend kleine Zahl darstellten und niemals repräsentativ für die demokratische Linke waren. Sätze wie diese kammen damals vielleicht aus dem BKA oder standen in WELT und BILD. Was soll das? weiter in Deinem Text: „… ahnten Horkheimer und Adorno früh, wohin dieser deutsche Aufbruch führen würde. Das implizierte ganz selbstverständlich die Solidarität mit Israel als Zufluchtstätte für alle vom Antisemitismus Bedrohten.“ Ja was denn nun? Adorno und Horkheimer „ahnten“, dass alle Juden (= diejenigen, die von Antisemtismus bedroht sind), die noch in Deutschland (=BRD) überlebt hatten, würden von der RAF nach Israel vertrieben, wohl dass die RAF in Deutschland eine judenfreie Volksrepublik ausrufen könnte? – Ich formuliere hier nur den Blödsin, der, wenn überhaupt irgendetwas, sich aus Deinen Worten ableiten ließe. Seit der offiziellen Regierungspolitik der späten 70er hat sich nie wieder jemand so wie Du über das wirkliche politische Bedrohungspotential der RAF geirrt – ich spreche nicht über deren Unzulässigkeit. aufgrund des von Ihr in der Schlußphase zumal ausgeübten Terrorismus. Ich will und kann Dir keine Ratschläge für DEinen Blog geben, aber hier ein Thema loszutreten, ohne eine Idee zu haben, wie Du das Gespräch an Deinem Problem entlang als Initiator so führen könntest, ohne dass Du immer neue Gedanken, Thesen Namen und Aspekte aufnimmst, einwirfst, ohne auch nur eines mal präzise zu definieren. Einige Diskussionsteilnehmer haben es Dir in Ihren Antworten sogar versucht vorzumachen. Du hast diese Angebote nicht angenommen, sondern stürmst immer weiter durch Deinen Dschungel politischer Annahmen, unerklärter Thesen aber auch Ängste ohne einmal innezuhalten, Eckpunkte zu benennen oder dem anderen iregndetwas Substantielles einzuräumen, auf dem das gespräch weiter aufbauen könnte. Ich spekuliere hier nicht, warum, Du das so machst, beteilige mich auch nicht weiter an dieser leider längst gescheiterten Diskusssion in diesem Thread, wiewohl ich es gerne getan hätte. Man sollte Dir auch sicher nicht mit irgendwelchen Agenten- oder Verschwörungstheorien bezüglich Deiner Rolle hier im Blog kommen, aber mehr gedankliche Klarheit und Strukturiertheit hätte das Thema des „Existenzrechts Israels“, was immer heute auch das Existenzrecht eines Palestinenserstaates nach international anerkannten Normen einschließ, schon verdient, als Du es dem eigenen Kind hier hast angedeihen lassen. Wenn dann tatsächliche oder auch nur vermeintliche Geier von rechts einfliegen und auch die Dir Wohlgesonnenen sich verfranzen, solltest Du Dich zu allerletzt aufregen. Alles Gute ut

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Von der Freitag-Redaktion wurden diese und viele weitere antisemitische Kommentare nicht zensiert, zensiert wurde mein Satz: “Wenn du alle Kommentare aufmerksam lesen würdest, könntest Du in diesem Forum feststellen, dass es linken Antizionismus/Antisemitismus gibt.“! Das sagte bereit nach meinem ersten Artikel im Freitag sehr viel über die politische Ausrichtung des „Freitag“ aus! Unter http://www.freitag.de/community/blogs/fidelche/die-linke-israel-jean-amry-und-der-ehrbare-antisemitismus- waren die Kommentare der Freitags-Blogger nachzulesen.

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