Archiv für Dezember 2010

Che Guevara und die „Nürnberger Prozesse“

Che Guevara

Che Guevara

1952, kurz vor den Präsidentschaftswahlen putschte sich der Armeechef und spätere Massenmörder Fulgencio Batista mit Hilfe der CIA in Kuba an die Macht. Kuba war vor und während der Diktatur Batistas das „Bordell“ der USA. Die USA kontrollierten 75% des Handels. Sie besaßen 90% der Minen des Landes und 50% des Bodens. Die Bevölkerung lebte in Armut, 80% waren Analphabeten und es gab kaum medizinische Versorgung. Während Batistas Amtszeit wurden 20.000 Kubaner und Kubanerinnen, teilweise nach bestialischer Folter, von Batistas Schergen ermordet. Zur Einschüchterung der Bevölkerung wurden viele der Ermordeten aus Autos auf die belebten Straßen geworfen.

Nach dem Scheitern seines „Sturms auf die Moncada-Kaserne“ 1953, sammelte Fidel Castro in Mexico einige „Getreue“, unter ihnen der argentinische Arzt Che Guevara, und versuchte mit 81 Männern und der Yacht „Granma“ Kuba im November 1956 zu erreichen um Batista zu stürzen. Kurz nach der Landung auf Kuba überlebten von den 82 Revolutionären nur 17 Männer. Alle übrigen waren, nachdem sie gefangen genommen und gefoltert wurden, tot. Dieser Gruppe von 17 Rebellen schlossen sich immer mehr Bauern und Bewohner Kubas an, weshalb sie Batistas, von den USA unterstütze, Armee innerhalb von zwei Jahren besiegen konnten. Der asthmakranke Ernesto Guevara de la Serna (14. Juni 1928- 9.10.1967) war als Arzt zu Castros Gruppe gestoßen, erst während der Kämpfe wurde er zum Kommandanten, dem höchsten Rang der Guerilleros, ernannt. Wie in jedem Krieg, so auch in einem Guerillakrieg, kommen Menschen zu Tode. Che Guevara hatte die Verantwortung für seine Gruppe – während der Gefechte gab es wiederholt Entscheidungen die Menschenleben forderten. Verräter, die mit Batistas Armee kollaborierten wurden kurzerhand exekutiert. Durch diese Kollaborationen wurden wiederum viele, auch unbeteiligte, Bauern mit ihren Familien von Batistas Armee und der Geheimpolizei ermordet. Einige dieser Füsilierungen führte Che Guevara persönlich aus. In seinem „Kubanischen Tagebuch“ beschreibt der „Che“ detailliert die Entscheidungen über Leben und Tod. Viele von seinen Mitkämpfern geforderten standrechtliche Erschießungen wurden von „Che“ verhindert, solange keine Gefahr für die umliegenden Bauern oder die Revolution bestand. Als seine größte militärische Leistung gilt die Einnahme von Santa Clara mit Camilo Cienfuegos im Dezember 1958. Nachdem alle Kasernen von Santa Clara eingenommen wurden, schickte Batista einen gepanzerten Zug voller Waffen und Munition für seine Soldaten nach Santa Clara. Mit einem Täuschungsmanöver überfiel Guevara mit seinem zahlenmäßig weit unterlegenen Trupp diesen Zug, wobei kein, auch gegnerischer, Soldat ums Leben kam.

Am 13. Januar 1959 weiht Guevara in La Cabana eine militärische Kulturakademie ein, um die Alphabetisierung der Bauern aus seiner Kolonne fortzusetzen. Nach dem Sieg der Revolution kam es zur „Großen Abrechnung“, zu den Schnellgerichtsverfahren gegen die Folterer der Batista-Diktatur, welche von der Bevölkerung und den Medien damals vehement gefordert wurden. In den Medien wurde täglich über neue geheime Friedhöfe, die Ermordung unbewaffneter Jugendlicher und Vergewaltigungen durch das Batista-Regime berichtet. Während der Prozesse und anschließenden Hinrichtungen beschuldigten die USA Kuba, seine Kritiker unterschiedslos zu füsilieren und leiten damit eine massive Kampagne gegen die neue kubanische Regierung ein. Die Exilkubaner und Ex-Folterer der Batista-Diktatur in den USA machten Che Guevara zum „Schlächter von La Cabana“. In La Cabana hatten die revolutionären Gerichte „1“ und „2“ ihren Sitz. Das erste richtete über Batistas Polizisten und Militärs und das zweite, das keine Todesstrafen aussprach, über Zivilpersonen. Den Vorsitz über das Gericht „1“ hatte Miguel Angel Duque de Estrada. Che Guevara gehörte keinem der beiden Tribunale an, jedoch überprüfte er als Garnisonskommandant die Berufungen. Guevara erklärte den kritischen kubanischen Genossen, das Arbenz in Guatemala vor allem deshalb gestürzt werden konnte, weil er seine Armee nicht von illoyalen Elementen gesäubert hatte – ein Fehler, welcher der CIA die Möglichkeit gegeben hatte, sein Regime zu infiltrieren und zu beseitigen. Auf die US-amerikanischen Kampagnen gegen die Tribunale reagiert Fidel Castro in diversen Reden. Castro verglich die Verbrecher der Batista-Diktatur mit den Angeklagten in den „Nürnberger Prozessen“. Im „Nürnberger Prozess“ wurden nach dem zweiten Weltkrieg Politiker und Militärs, sowie Wirtschaftsführer der NS Diktatur angeklagt. Bekanntlich kam es dabei kam es zu vielen Todesurteilen. Beispielsweise wurden Hans Frank, Wilhelm Frick, Alfred Jodl, Fritz Sauckel, Alfred Rosenberg, Joachim von Ribbentrop oder Wilhelm Keitel zum Tod durch den Strang von den Alliierten verurteilt. Neben den „Nürnberger Prozessen“ verurteilten in den drei Westzonen alliierte Militärgerichte insgesamt 5025 deutsche Angeklagte. In 806 Fällen wurden Todesurteile ausgesprochen, von denen 486 vollstreckt wurden. Die Nürnberger Prozesse haben eine Anzahl von Anwälten hervorgebracht, deren revisionistische Verteidigungsstrategien die Einstellung von Teilen der Bevölkerung in Deutschland damals und heute stark beeinflusst haben. Nicht nur rechtsradikale, antidemokratische Gruppierungen kritisieren seit über 60 Jahren diese Todesurteile. Zum 60. Jahrestag der Nürnberger Prozesse meinte der Ex-SDS Mann und heutige NPD/DVU Sympathisant, Bernd Rabehl: „Hier hätten „Killer über Killer zu Gericht“ gesessen. Der Prozess sei lediglich eine „Farce“ gewesen.“

Von 1959 bis 1961 war Guevara Präsident der Nationalbank und von 1961 bis 1965 Industrieminister. Chef der Nationalbank wurde er, weil auf einer Versammlung von Aktivisten, Fidel Castro fragte: ,,Gibt es einen Ökonomisten im Saal?“ Guevara hob die Hand, weil er verstanden hatte: ,,Gibt es einen Kommunisten im Saal?“ ,,Gut, du wirst Präsident der Nationalbank“, bestimmte Castro. Guevara war ein Bankier, der das Geld als Symbol der Ausbeutung verachtete: ,,Der Lohn ist ein altes Übel, das durch den Kapitalismus entsteht und auch nicht mit dem Sozialismus untergeht. Das Problem wird erst dann ausgemerzt sein, wenn es kein Geld mehr gibt, wenn man am idealen Ziel angekommen ist: dem Kommunismus.“ Täglich arbeitete er fünfzehn Stunden in der Bank, und am Wochenende arbeitete er freiwillig bei der Zuckerrohrernte mit, was heutzutage sehr ungewöhnlich erscheinen mag. Die Initiative, freiwillige Arbeit, war eine seiner zentralen Ideen für seine Vorstellung vom „neuen Menschen“. Che Guevara war mitverantwortlich für die Nationalisierung US-amerikanischer Unternehmen, der Enteignung des Großgrundbesitzes und dem ländlichen Siedlungs- und Bildungsprogramm. Sein großer Traum war die Schaffung eines „Neuen Menschen“, der materiellen Interessen entsagt, selbstlos und solidarisch und ewig revolutionär ist. Seine größten politischen Fehler machte Che Guevara wohl in der Zeit als Industrieminister, in dem er sich beispielsweise der Zucker-Monokultur, einer Forderung der Sowjetunion, nicht klar entgegenstellte. Diese Fehlentscheidung der damaligen Zeit wirkt noch heute in Kuba nach, da einige Lebensmittel importiert werden müssen. Die Idee der freiwilligen Arbeitseinsätze scheiterte. Guanahacabibes, war ein kleines Dorf auf der Halbinsel Corrientes, wo es mitten im nichts einen ehemaligen Holzbetrieb gab. Ursprünglich war hier von den Streitkräften ein Arbeitslager eingerichtet, was auch vom Industrieministerium genutzt wurde. Bei Fällen von Disziplinlosigkeit bestimmte das Ministerium das Strafmaß von ein paar Wochen oder Monaten Aufenthalt in Guanahacabibes. Che Guevara meinte dazu:“ Guanahacabibes ist keine feudale Strafe. Nach Guanahacabibes werden keine Leute geschickt die ins Gefängnis gehören. Nach Guanahacabibes werden Leute geschickt, die kleinere oder größere Fehler gegenüber der revolutionären Moral begangen haben, bei gleichzeitigem Verlust des Arbeitsplatzes. Es ist harte Arbeit, aber keine bestialische Arbeit.“ Wenn jemand etwas stiehlt, muss der Dieb ins Gefängnis und der Direktor der ihn gedeckt hat, nach Guanahacabibes. Obwohl diese Lager nichts mit Arbeitslagern in NS-Deutschland oder der Sowjetunion zu tun hatten und Che Guevara oft sonntags die Arbeit mit den Bestraften teilte, hatte das Lager einen üblen Ruf, vor allem unter den mittleren und höheren Kadern des Ministeriums.

Vor und lange Zeit nach 1959 war die ganze kubanische Gesellschaft, die Psychiatrie, die Justiz damals schwulenfeindlich, nicht nur auf Kuba, sondern weltweit. 1960 existierte beispielsweise in der BRD der so genannte Paragraph 175, der sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts unter Strafe stellte. Trotzdem bleibt es eine Schande, wie auch die kubanischen Revolutionäre den Homosexuellen begegnet sind. Fidel Castro hat kürzlich persönlich die Schuld für die damaligen Fehler gegenüber den Homosexuellen auf sich genommen. Natürlich ist Kuba keine parlamentarische Demokratie nach westlichem, aber auch keine Volksdemokratie nach östlichem Vorbild. Kuba mit den ehemaligen Ostblockstaaten zu vergleichen, ist völlig falsch. Die Kubanische Revolution von 1959 wirkt bis heute, trotz des Wirtschaftsembargos der USA. Der kubanische Staat garantiert jedem kubanischen Bürger eine kostenlose medizinische Versorgung. Die Säuglingssterblichkeit ist in Kuba niedriger als in den USA. Für humanitäre Hilfsleistungen wurden von der kubanischen Regierung immer wieder Ärzte in andere Länder entsandt. Das hoch entwickelte Bildungssystem ist kostenlos für die kubanische Bevölkerung. Die Einschulungsquote liegt bei 100 Prozent, Analphabetismus geht gegen null. Im Gegensatz zu so gut wie allen mittel- und südamerikanischen Ländern gibt es in Kuba keine „Favelas“. Wenn es in der Region ein Land gibt, in dem Soziale Gerechtigkeit auf der Staatsagenda ganz oben steht, das ist es Kuba. Seit Anfang an versucht die USA im Verbund mit Exilkubanern die Kubanische Revolution rückgängig zu machen. Seit 1959 gibt es Sabotageakte und Bombenangriffe auf Kubanische Kindergärten, Schulen oder andere Einrichtungen, mit vielen Toten. Die USA, unter ihrem Präsidenten Kennedy, planten einen Stützpunkt in Kuba zu errichten, weshalb am 15. April 1961 folgerichtig amerikanische Bomber kubanische Flugplätze bombardierten. Am 17. April landeten in der Schweinebucht die von den USA und deren US-Marine unterstützten Exilkubaner, viele davon ehemalige Folterer des Batista-Regimes. Die Invasion der USA scheiterte, die kubanischen Verteidiger verloren 161 Kämpfer. Zur Verteidigung Kubas wollte die Sowjetunion Atomsprengköpfe auf Kuba stationieren, was fast im 3. Weltkrieg endete, da die USA zwar eigene Mittelstreckenraketen in Europa stationierte, dieses Recht jedoch dem Kontrahenten Sowjetunion, durch Androhung eines Atomkrieges, verwehrte. Nach dem Schweinebuchtdebakel der USA folgten viele US-Mordversuche gegen Fidel Castro, ständig garniert mit Schauermärchen, der amerikanischen und bundesdeutschen Presse über die bärtigen Revolutionäre. Die Ermordung Che Guevaras durch die CIA in Bolivien, nach monatelanger Einkreisung durch die bolivianische Armee, trug maßgeblich zum Mythos Che Guevaras bei. Eine Mythologisierung die dem freien Westen „zuwider“ war und gegen die seit den 60er Jahren angekämpft und angeschrieben wird. Dass Exilkubaner, konservative Medien, die Springerpresse und die US-amerikanische Regierung seitdem versuchen hasserfüllte Medienkampagnen gegen Castro und Kuba zu führen ist verständlich und nachvollziehbar. Seit wenigen Jahren versuchen nun auch einige Lohnschreiber von der TAZ, Zeit oder Gerd Koenen auf das antikubanische Boot aufzuspringen.

Hermann L. Gremliza schrieb 10/2007 in Konkret: „Bei den Deutschen (..), gilt Mao, seit seine Jünger zu seinen Scharfrichtern konvertiert sind, als einer der großen Verbrecher der Weltgeschichte, Hitler mindestens gleich, und mit ihm jeder, der an dem 1917 begonnenen und 1989 verlorenen Gefecht, dem vorerst letzten, irgend teilhatte: Lenin, Stalin, Thälmann, Ulbricht, Honecker, Castro, Ho Chi Minh, Meinhof. Sie alle waren nichts als gemeine Mörder und Menschenschinder, Revolution, Kommunismus bloß Vorwände fürs Ausleben ihrer defekten Charaktere. Der Aufwand, solche Nachricht in die Köpfe zu trichtern, ist beträchtlich. Heerscharen von Journalisten und Professoren waren auszuhalten, eine komplette Lumpenbourgeoisie, Hunderte Institute und Vereine zu gründen und zu alimentieren. Bei einem nur misslang die Aufnahme ins politische Verbrecheralbum: Ernesto Guevara, Che. Der Ernst der Lage, beschrieben von einem, der bei der »Taz« gelernt hat, was er bei Springers »Welt« braucht: Warum Che? Jetzt, wo jeder weiß, dass der Kommunismus ein Nebelreich der Armut und Unterdrückung war (und in Kuba noch immer ist). Jeder weiß, dass der lateinamerikanische Guerillakampf ein grausames Spiel ideologischer Phantasten war (und in Kolumbien noch immer ist). Und dennoch: Che, der Kommunist und Guerillakrieger, gilt als kuchengut wie der Dalai Lama. Während seine Geistesverwandten längst von ihren Betonsockeln gestoßen wurden, prangt Che weiter auf T-Shirts und Postern, eröffnen Bars und Cafés mit seinem Namen. (..)“

Wer Che Guevara einen „Massenmörder“ schimpft, sollte sein Geschichtsverständnis sowie seine eindimensionale Denkweise nochmals überprüfen. Während des zweiten Weltkrieges kamen durch die Sowjet- und  US-Armee viele unbeteiligte Menschen ums Leben. Durch das deutsche „Unternehmen Barbarossa“ wurden 27 Millionen Sowjetbürger zwischen 1941 und 1945 ermordet. Rotarmisten töteten auch aus Rache viele deutsche Zivilisten. US amerikanische Flieger bombardierten beispielsweise versehentlich Prag, allierte Streitkräfte füsilierten auch eigene Soldaten, sie bombardierten Dresden, Köln, Hamburg und viele andere deutsche Städte. War deshalb der Krieg der Alliierten unmoralisch? Hätten die Alliierten mit Lichterketten gegen die deutsche Barbarei protestieren sollen? Wie hätte Kuba seinen Diktator Batista entmachten können? Mit Sitzblockaden oder gemeinschaftlichen Gebeten und Bibelkreisen? Warum nun der Versuch des „irgendwie“ linken Citoyens, Che Guevaras Lebensleistung zu diskreditieren, den Jean Paul Sartre den perfektesten Menschen seiner Zeit nannte? Der Arzt aus Rosario, der als Guerilla-Kommandant, Minister und Schriftsteller und abermals Guerilla-Kämpfer sicherlich Fehler machte, zu viel von sich und seinen Mitmenschen erwartete und neben weitsichtigen Dingen, einiges schrieb, was nicht haltbar war und ist, deshalb Stalinisten und Massenmörder zu bezeichnen, hat nichts mit der Realität zu tun. Was läuft ab, im Kopf des linksliberalen „Che“-Kritikers, wenn er mit den Hinrichtungen Alfred Jodls oder Fritz Sauckels, mit der alliierten Bombardierung Dresdens inklusive der entsprechenden NPD-Empörung der „Kameraden“,  konfrontiert wird? Wenn Linke, Grüne, Sozialdemokraten, meist religiöse Friedensbewegte irgendwann begreifen, dass sie mit ihrem Engagement an unüberwindliche Grenzen stoßen, sie realisieren, dass sie mit ihrer Gesinnung politisch nicht viel, bis überhaupt nichts, erreicht haben, ist es nahe liegend eine gewisse Missgunst, beziehungsweise einen gewissen Hass auf Personen zu entwickeln, die sehr viel für ihre Mitmenschen erreicht haben. Ernesto Che Guevara, der alles riskierend, eben nicht am Schreibtisch, wirkungslose Artikel schreibend, das Elend der Welt beklagte, ist mit seiner Vita ein schmerzhafter Stachel in der wohlfeilen Ideologie, des im „warmen Wohnzimmer sitzenden“, linksliberalen Citoyens.

Quellen:
Paco Ignacio Taibo II – Che
David Horowitz- Kalter Krieg
Ernesto Che Guevara – Kubanisches Tagebuch
Ernesto Che Guevara – Politische Schriften – Eine Auswahl (Wagenbach Politik 8/9)
Ernesto Che Guevara – Bolivianisches Tagebuch
Ernesto Che Guevara – Schriften zum Internationalismus
Jon Lee Anderson – Che
Volker Skierka – Fidel Castro
E.F. Fürntratt-Kloep – Unsere Herren seid ihr nicht!

 

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Tibet, der Dalai Lama und die Menschenrechte

 „Ein Empfang des Dalai Lamas hat für die Gastgeberländer einem Bericht zufolge in der Regel zweistellige Exporteinbußen nach China zur Folge. Wie die „Wirtschaftswoche“ unter Berufung auf eine unveröffentlichte Studie der Universität Göttingen am Samstag berichtete, hält der Einbruch der Exporte in die Volksrepublik im Durchschnitt zwei Jahre nach einem Besuch des geistlichen Oberhauptes der Tibeter an.“, berichte Reuters am 27.10.2010. Der  Hype um den Dalai Lama birgt für die europäischen Wirtschaftmächte von daher gewisse Risiken. Nichts desto trotz wird, nicht nur von deutschen Esoterikern, der Dalai Lama mit seinem lamaistischen Gottesstaat verherrlicht. Vor allem in deutschen Medien wird der tibetanische „Gottkönig“ einmütig hofiert. Über die Unruhen im März 2008 berichteten die westlichen Medien ebenfalls relativ einheitlich. „China schießt auf trauernde Mönche“ und ähnliche Schlagzeiten beherrschten die westliche Medienwelt. Was war geschehen?

Angeführt von, mit Schlagstöcken bewaffneten Mönchen, verwüstete im März 2008  der buddhistische Mob die Straßen in Tibet. Sie skandierten antichinesische Parolen und schlugen Fensterscheiben ein. Busse, Polizei- und Feuerwehrfahrzeuge wurden umgeworfen und viele Geschäfte angezündet. Die Kaufleute, meist chinesischer Abstammung, in den Geschäften verbrannten qualvoll. Molotowcocktails flogen nicht nur in Polizeiwachen, sondern auch in Schulen, Kindergärten und Krankenhäuser. Die Polizei hatte große Mühe sich gegen den Mob durchzusetzen. Colin Goldner schreibt: “Außer Rand und Band geratene Mönchshorden brachen blutige Straßenkämpfe vom Zaun, an denen sich immer mehr tibetische Jugendliche beteiligten. Es gab zahlreiche teils schwer Verletzte sowohl auf tibetischer als auch auf chinesischer Seite. Noch bevor irgendwelche sicheren Informationen aus Lhasa vorlagen, wurde von Tibet-Unterstützergruppen weltweit die chinesische Führung für den Ausbruch der Gewalt verantwortlich gemacht. Die Rede war, gestützt auf TPUM-Verlautbarungen und Mitteilungen des US-Senders Radio Free Asia, vom absolut friedfertigen Protest des »tibetischen Volkes« gegen die chinesische Militärdiktatur. Der Protest sei brutal zusammengeknüppelt und niedergeschossen worden, was, beklagenswert, aber verständlich, im Einzelfall – TV-Bilder wild um sich schlagender, Steine und Brandbomben werfender Tibeter mussten schließlich gerechtfertigt werden – zu gewaltsamer Not- und Gegenwehr geführt habe.“ Was hätten die westlichen Medien geschrieben wenn deutsche Pfarrer nach dem Vorbild der buddhistischen Mönche ihre Vorstellungen mit Gewalt hier durchzusetzen versuchten? Hermann L. Gremliza fragte in Konkret:“ Was, wenn die mit der schwarz-grünen Koalition in der Hansestadt Unzufriedenen sich dadurch aufgefordert fühlten, ihren Protest bei einer Demonstration auf dem Jungfernstieg nach dem Vorbild der buddhistischen Mönche von Lhasa zu äußern? Und wie konnte ein meschugger Wanderprediger zum Tabernakel der Weltmoral avancieren?“

Bereits Heinrich Himmler, der Führer der SS, war der Meinung, dass die Juden in ihrer Vernichtung durch die Nationalsozialisten für schlechte Taten in früheren Epochen bestraft würden. Das SS Mitglied Heinrich Harrer, lebte von 1944 bis 1951 in Tibet, war lebenslang mit dem Dalai Lama befreundet. Der tibetische Buddhismus benutzt die Karma-Lehre sehr gezielt als individuelle und soziale Zuchtrute. Mit Bestrafungsphantasien, inklusive Teufel, Dämonen und Hölle, werden die Gläubigen vor dem Abweichen vom Pfad der Tugend gewarnt. Dazu kommt eine extreme negative Haltung des tibetischen Buddhismus zu Frauen. Für die spirituelle Vervollkommnung des Mannes  ist die Frau Mittel zum Zweck. Der tibetische Buddhismus zeichnet sich von daher, durch Dämonenglauben, den systematischen Missbrauch kleiner Kinder und frauenverachtende tantrische Rituale aus. Als China 1950 den lamaistischen Gottesstaat Tibet  befreite, waren die Lebensbedingungen der Tibeter entsetzlich. Die Chinesen fanden ein Land vor, das die letzten 200 Jahre „verpasst“ hatte. Für die große Masse der Tibeter bedeutete die Mönchsdiktatur die „Hölle auf Erden“, die erst mit dem Einmarsch der chinesischen Volksbefreiungsarmee endete.

Die überwiegende Mehrzahl der Tibeter lebte in extremer Armut. Die Bevölkerung wurde von den Mönchen bis aufs Letzte ausgebeutet. Kontrolliert wurde das Land von der Mönchspolizei (Zimzag) und den Mönchssoldaten (Dob-Dobs). Außerhalb der Klostermauern konnte niemand lesen, ein Sozial- oder Gesundheitswesen für die breite Masse der Bevölkerung gab es nicht. Gleichzeitig besaß die Mönchselite unermessliche Geld- und Sachwerte und brauchte auf keinerlei Luxus zu verzichten. Gesetzgebung, Gerichtsbarkeit, Polizei und Militär lagen ebenso in den Händen der „Gelbmützen-Mönche“, wie Bildungs- und Gesundheitswesen, sowie jede übrige Verwaltung.  Der relativ kleinen Ausbeuterschicht (ca. 2 Prozent) in den Klöstern und Palästen, stand die große Masse der „Leibeigenen“ und „unfreien Bauern“ gegenüber. Die Steuer- und Abgabenlasten, die diesen Menschen aufgebürdet wurden, nahmen ihnen jede Chance einer menschenwürdigen Existenz. Schuldknechtschaft und Sklaverei waren im  Tibet des Dalai Lama für 98 Prozent der Menschen „Normalität“. Es gab außerhalb der Klöster keine Schulen und keinerlei Gesundheitsversorgung, die Säuglingssterblichkeit lag bei 50 Prozent, die durchschnittliche Lebenserwartung der  Erwachsenen lag  bei 35 Jahren.   Tibeter, die beispielsweise aus Hunger etwas stahlen, wurden öffentlich abgeurteilt. Für Diebstahl wurden die Hände abgehackt. Jedes Kloster des Dalai Lama verfügte über eine eigene Folterkammer.  Zu den bis 1950 üblichen Strafmaßnahmen zählten öffentliche Auspeitschung, das Abschneiden von Gliedmaßen, Herausreißen der Zungen, Ausstechen der Augen, das Abziehen der Haut bei lebendigem Leibe und dergleichen. Im „alten Tibet“ durfte  eine Frau bei Ehebruch völlig legal von ihrem Ehemann getötet werden. In den stallähnlichen Behausungen, wo sich Menschen und Tiere in trauriger Gemeinschaft lebten und  in Fäkalien und Unrat lebten, gab es keine Fenster, der Boden bestand aus festgetretenen Kuhfladen. Die Tempel des Dalai Lama sahen natürlich völlig anders aus. Die in unglaublicher Pracht ausgestatteten Klöster, Tempel und Paläste (allein der Potala, Winterresidenz des Dalai Lama, verfügte über mehr als 1000 Prunkräume) des Dalai Lama erlaubten dem „Gottkönig“ und seinen Gelbmützen-Mönchen ein angenehmes Leben. Colin Goldner schreibt über die Zeit nach dem chinesischen Einmarsch:“ Im März 1959 rotteten sich in Lhasa an die 30.000 Menschen vor dem Sommerpalast des Dalai Lama zusammen, darunter Chusi-Gang-druk-Kämpfer sowie die komplette Mönchskoterie der Großklöster Drepung, Sera und Ganden. Die Führungsschicht der feudal-klerikalen Ausbeuterklasse fühlte sich durch die angekündigten Bodenreformen der chinesischen Kommunisten in ihren Privilegien bedroht: Wie in östlichen Landesteilen bereits praktiziert, war auch für die Provinz Ü-Tsang mit ihrer Hauptstadt Lhasa vorgesehen, den Grundbesitz der Adelsfamilien und der Großklöster zu enteignen und an bisherige Sklaven, Leibeigene und unfreie Bauern zu verteilen. Noch bevor die Truppen der Volksbefreiungsarmee eingriffen, machte sich der Dalai Lama, unterstützt von der CIA, mit drei Dutzend seiner engsten Mitarbeiter und mehreren Familienmitgliedern aus dem Staub. Begleitet von rund 350 Soldaten der tibetischen Armee und 50 Chusi-Gangdruk-Kämpfern begab er sich in die Klosterfestung Lhüntse Dzong unweit der indischen Grenze und von dort aus ins indische Exil. Vorausgeschickt hatte er rund 60 mit Goldstaub und Silberbarren gefüllte Kisten aus den Schatzkammern des Potala. Das Edelmetall wurde auf dem Devisenmarkt in Kalkutta verkauft, wo es den für die damalige Zeit ungeheuren Ertrag von rund acht Millionen US-Dollar – nach heutiger Kaufkraft etwa 55 Millionen US-Dollar – erzielte, wobei, wie sich später herausstellte, die Tibeter noch ordentlich über den Tisch gezogen worden waren.  In Tibet ging der Terror der Chusi Gangdruk unvermindert weiter. Erst zehn Jahre später, als die USA in der Ära Nixon/Kissinger ihr Handelsinteresse an China entdeckten, stellte die CIA die Unterstützung des tibetischen Untergrundkampfes ein. Nach dem Ausstieg des US-Geheimdienstes übernahm ab Anfang der Achtziger eine andere US-Organisation die Finanzierung der antichinesischen Aktivitäten des Dalai Lama: die sogenannte National Endowment for Democracy (NED), die ihm seither jährlich einen Betrag von zwei Millionen US-Dollar überweist. Die NED, begründet unter Ronald Reagan als »halbstaatlicher Arm der US-Außenpolitik«, ermöglicht der Regierung beziehungsweise dem Kongress die indirekte Weitergabe von Mitteln aus dem US-Haushaltsbudget an Nicht-US-Organisationen. Auch aus anderen US-Töpfen fließen »Seiner Heiligkeit« seit je Millionen zu, zudem steht er auf der payroll des milliardenschweren US-Investmentbrokers und selbsternannten Philanthropen George Soros, der auch die Solidarnosc oder die Charta 77 finanziert hatte. „

Die Verbrechen und der Irrsinn des Dalai Lama und seines Gelbmützen-Regimes sind keine Entschuldigung für die vergangenen und aktuellen Menschenrechtsverletzungen Chinas. China hat  im Jahr 2009 knapp 90% aller Hinrichtungen weltweit vollzogen. Bezüglich der Menschenrechtsfrage hat der Dalai Lama allerdings kaum einen Grund  mit dem Finger auf China zu zeigen. Das „alte Tibet“, das die antichinesischen Aktivisten  und westlichen Esoteriker so gern wiederhaben möchten, war keineswegs „friedvoll und harmonisch“, wie der Dalai Lama und seine Anhänger ständig behaupten. Das der Dalai Lama weltweit höchstes Ansehen genießt und der von ihm vertretene Buddhismus mit absoluter Gewaltfreiheit und Toleranz in Verbindung gebracht wird, passt schlecht zusammen mit diktatorischen Maßnahmen, Beamtenwillkür, Gehirnwäsche und paranoidem Dämonenglauben und kriecherischer Servilität, Sklaverei, Leibeigenschaft, Hunger, Krankheiten, Mangel an jeglicher Hygiene, grausamen Strafen, Folter, Angst und Gewalt. Religiöse EsoterikerInnen werden dies allerdings nie begreifen, da sie in einer „anderen Welt“ leben.

Quelle: Colin Goldner: Dalai Lama – Fall eines Gottkönigs, Alibri Verlag Aschaffenburg
M. Hammerschmitt: Dalai Lama – Colin Goldner

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Adorno, die „Große Göttin“ und der feministische Antisemitismus

femininAdorno und Horkheimer entwickelten mit der Kritischen Theorie, auf Grundlage der Psychoanalyse von Freud die subjektive Seite und die psychische Dynamik des Antisemitismus. Der autoritäre Charakter ist gekennzeichnet durch eine ausgeprägte Ich-Schwäche, ein externalisiertes Über-Ich und ein ich-fremdes Es. In der sogenannten F-Skala erfasst Adorno verschiedene Denkmuster die prädestiniert sind für antidemokratische, faschistische, antisemitische Tendenzen. Mangelnde emotionale Zuwendung in patriarchalischen Familien mit strenger Disziplinierung ist laut Freud verantwortlich für die misslungene Überichintegration der Kinder, die nicht in der Lage sind, ein festes „Ich“ herauszubilden. Typische Merkmale sind starre Konventionalität, Konformismus, Angst vor sozialer Abweichung, autoritäre Aggression, verkitschte Pseudoemotionalität, Stereotypie, Destruktivität und Zynismus, Aberglaube, Unfähigkeit zur Selbstreflektion, Anfälligkeit für Vorurteile, Fixierung auf Sexuelles (Beleidigungen auf sexueller Grundlage). In der kritischen Theorie heißt es, dass sich der moderne Antisemitismus zwar nicht von seinen religiös geprägten Vorformen trennen lässt, es aber trotzdem einen Unterschied zwischen dem religiösen Antijudaismus und dem modernen Antisemitismus gibt. Else Frenkel-Brunswik schreibt über die antisemitische Persönlichkeit in einer klinischen Untersuchung und bezieht sich dabei auf eine entsprechende Antisemitismusskala: Bei den Probandinnen mit extrem hohen Werten auf der Antisemitismusscala finden sich ferner Momente, die auf mögliche paranoide Züge hinweisen. Signifikant häufiger als Personen mit niedrigen Skalenwerten bejahen sie die folgenden Behauptungen: “Unser Leben wird in einem größeren Ausmaß, als das den meisten Menschen klar ist, durch Intrigen bestimmt, die die Politiker im geheimen anstecken“, und: „Heutzutage, wo so viele verschiedene Arten von Menschen sich so frei bewegen und mischen, muss man besonders vorsichtig sein, um sich vor Ansteckung und Krankheit zu schützen“. Interessant ist auch, dass die antisemitischen Probandinnen, aufgefordert, verwerfliche Praktiken aufzulisten, häufig das „neugierig sein“ an erster Stelle nennen. In ihren Geschichten hören wir von der „Stimme des Verdachts“ und von verhexten Häusern. Ausnahmezustände wie Wahnsinn, Trance, Bann, Verbindung mit den Toten und dergleichen werden oft erwähnt.“

Unter Sekundärem Antisemitismus ist ein Antisemitismus wegen Auschwitz zu verstehen, der sich gegen die Opfer von Auschwitz wendet. Es ist ein Antisemitismus nicht trotz, sondern wegen Auschwitz. Die Täter des Nationalsozialismus und deren Erben werden permanent an ihre Untaten und zugleich an ihr Versagen erinnert. Jeder lebende und überlebende Jude ist Zeuge und Vorwurf zugleich. Der sekundäre Antisemitismus beginnt mit der Verdrängung der Vergangenheit, dem leugnen oder dem relativieren der Verbrechen, im Versuch der Schuldumkehr, in der Ignoranz gegenüber dem Holocaust und endet mit der Renationalisierung die speziell nach 1989 in Deutschland stattgefunden hat. Die Täter-Opfer-Umkehr manifestiert sich in Aussagen, wie, die Deutschen sind die eigentlichen Opfer, von Krieg, Vertreibung, Bombardierung der deutschen Großstätte und so fort. Die Juden stehen diesen Antisemiten, für einen Schlussstrich unter die Vergangenheit, im Wege. Die nach Auschwitz zerstörte positive Identifikation mit „deutsch-nationaler Identität mit seinen kollektiv-narzistischen Beschädigungen“ soll überwunden werden. „Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen“, dieser Satz von Zwi Rex, einem jüdischen Arzt, ist der zentrale Punkt für die Beschreibung des Sekundären Antisemitismus. Das Zusammenspiel des DDR-Antizionismus mit dem Vorwurf der finanziellen „Ausbeutung“ der BRD prägte den sekundären Antisemitismus im geeinten Deutschland. Die massenhaften Vergleiche des Vorgehens der israelischen Armee mit Vokabeln aus der NS-Zeit lassen erkennen, dass der Wunsch besteht , auch die „Juden“ als Täter zu identifizieren, um damit Auschwitz zu relativieren, um die deutschen Verbrechen der NS-Zeit als „ein Verbrechen unter vielen anderen“ zu subsumieren. „Voraussetzung für die „Erlösung“, „der Befreiung des deutschen Nationalgefühls vom Judenmord“, ist aber eine Schuld der Juden, bzw. Israels. Die Opferfunktion der Juden muss für den Antisemiten außer Kraft gesetzt werden. Juden (Israelis), die als Täter denunziert  werden, erlauben es, das Schuldbewusstseins, das eigene Unbehagens durch Parteinahme gegen die Juden zu ersetzen. Die Dämonisierung und Delegitimierung des Staates Israels war und  ist zur „Wiedergutwerdung“ Deutschlands für Antisemiten deshalb nötig.

Sekundärer Antisemitismus ist gleichfalls in den esoterischen Zirkeln der Frauenbewegung zu beobachten. Diese Esoterikszene mit Ökofeministinnen, Matriarchatsforscherinnen und feministischen Theologinnen, praktizieren laut eigenen Angaben matriarchale Spiritualität, gehen von ehemaligen matriarchalen Zuständen, mit einem „sinnfrohen Polytheismus“ auf dieser Erde aus, in dessen Rahmen eine übergeordnete „Große Göttin“ verehrt wird. Diese feministische Szene ist davon überzeugt, dass es zu früheren Zeiten in vielen Kulturen Matriarchate gegeben hat. Johann Jacob Bachofens „Mutterrecht“ ist für die feministische Matriarchatsforschung von großer Bedeutung. Die Symbolik Bachofens, allem voran die Vorstellung von der „Großen Muttergottheit“ hat unter anderem auch die völkische und nationalsozialistische Rezeption der Matriarchatsidee geprägt. Verfolgt man die Genese der Matriarchatsidee von Bachofen bis heute, so liegt die These nahe, dass sie jeweils in Zeiten Konjunktur bekommt, in denen das Rollenverständnis der Geschlechter zur Diskussion steht. „In matriarchalen oder mutterrechtlichen Kulturen, „meint“ Christa Mulack, bildet die Frauengemeinschaft mit ihren Kindern den Mittelpunkt der Sippe. Die Verantwortung für die erniedrigte Stellung der Frau und somit für das Patriarchat der Einführung des Monotheismus, wird konkret dem Judentum zugeschrieben.“ Nebenbei sei erwähnt, dass in dieser „Große Göttin-Szene“ das Judentum für die Globalisierung verantwortlich gemacht wird. Die katholische Theologin Gerda Weiler ist davon überzeugt, dass das „vor 5000 Jahren noch weltumspannende Matriarchat vom Judentum vernichtet worden wäre“. Auch die evangelische Theologin Christa Mulack ist von dieser Matriarchatsthese überzeugt und nennt Jahwe den „Mörder der Göttinnen“. Christa Mulack vergleicht Judentum und Nazismus und schreibt in der Zeitschrift Schlangenbrut: “Sie sehe keinen Unterschied, ob der Gottvater im Buch Ezekiel die Ausrottung von Frauen, Kindern und alten Leuten aufgrund ihrer unterschiedlichen Religion befiehlt oder ob Hitler und seine Handlanger die Ermordung der Juden fordern. Ihr Anliegen sei es, die Analogie der Denkstrukturen aufzuzeigen. Schließlich sei der Holocaust nur eine von zahllosen Auswirkungen patriarchaler Denkstrukturen, die man nicht nur in der hebräischen Bibel finde und der nicht nur Juden zum Opfer gefallen seien, sondern vor allem Frauen. Sie alle seien in gleicher Weise tragische Opfer des Patriarchats“. Die, mit Sicherheit von vielen „Fundamentalfeministinnen“ verehrte, Matriarchatsforscherin Gerda Weiler schreibt in ihrem Buch, „Das verborgene Matriarchat im Alten Testament“: “Für unsere moderne Problematik hat die Geschichte des ‚auserwählten Volkes‘ exemplarischen Charakter: Herausgelöst aus seinem Urgrund, verlässt dieses Volk die tolerante Weltanschauung seiner Mütter, verteufelt die alles durchdringende Liebe der matriarchalen Religion, spaltet zerstörerische Aggressionen ab und erkämpft mit einem brutalen ‚Ausmordungsprogramm‘ die Vormacht im Vorderen Orient. Auf der Kehrseite der Macht wartet die Ohnmacht. Israel wird verwüstet und hört als Staat auf zu existieren. Wir können diesen Weg als ein Lehrstück begreifen, das zeigt, wie der totale Machtanspruch zu Un-Heil und zu völliger Vernichtung führen muss.“ Die antisemitischen Stereotype und Projektionen sind unübersehbar: „Die Juden seien aus ihrem Urgrund herausgelöst, also wurzellos; nicht die Antisemiten, sondern die Juden spalteten zerstörerische Aggressionen ab und seien selbst schuld an ihrer Vernichtung.“  Hierbei handelt es sich sozusagen um einen genuin feministischen Antisemitismus.

Die generelle Abwertung des Männlichen durch die beschriebenen Feministinnen ist der Versuch für Machtzuwachs und um die angebliche moralische Überlegenheit zu demonstrieren. Hinter dem leidenschaftlichen Anspruch, dass Frauen das bessere Geschlecht seien, trat in Deutschland unter Feministinnen der Versuch zutage, die Mitwirkung der Frauen im Nationalsozialismus der kritischen Betrachtung zu entziehen. Gewisse Kreise innerhalb der Szene versuchen, jede Beteiligung der Frauen am Nationalsozialismus und der Shoah zu verleugnen. Im Gegensatz dazu waren in nahezu allen Bereichen des nationalsozialistischen Staates Frauen nicht nur als Täterinnen aktiv, sondern zählten zugleich auch zu den Profiteurinnen der Vernichtung: Mehrere Tausend Frauen arbeiteten als KZ-Aufseherinnen. Sie werden durchgehend als unvorstellbar sadistisch und grausam beschrieben und standen ihren männlichen Kollegen bei der Vernichtung hunderttausender Menschen in nichts nach – was die These von der friedfertigen Frau, die bloß für Aufseherinnendienste instrumentalisiert wurde, widerlegt. Innerhalb nur weniger Wochen wurden Frauen zu jeder nur erdenklichen Grausamkeit bereit. Auch bei den völlig eigeninitiativen Todesmärschen in der Endphase des NS-Regimes, als keine Befehle mehr von oben kamen, handelten die Aufseherinnen nach der antisemitischen Devise, noch möglichst viele Jüdinnen umzubringen. Frauen beteiligten sich als Ärztinnen an medizinischen Menschenversuchen und Zwangssterilisationen, sie nahmen als SS-Ehefrauen an den Raubzügen durch die Ghettos in den besetzten Gebieten teil und bereicherten sich an den Häftlingen, sie trugen als Pflegerinnen in den diversen Tötungsanstalten die Verantwortung für die Vernichtung „unwerten Lebens“, sie exekutierten als Fürsorgerinnen das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ und sie lieferten als Denunziantinnen Juden, Roma, Homosexuelle dem Zugriff der Gestapo aus. „Im Gegensatz zu der weit verbreiteten Ansicht, die Frauenbewegung hätte 1933 zu existieren aufgehört, kommt Claudia Koonz zu folgendem Ergebnis: „Im NS-Deutschland hatten Frauen die Möglichkeit gehabt, die größte Frauenorganisation der Geschichte aufzubauen, und zwar mit dem Segen der so offensichtlich männlich-chauvinistischen NSDAP. Die Vision vieler Frauenrechtlerinnen des 19. Jahrhunderts war hier auf eine alptraumhafte Weise Realität geworden.„, schreibt Ljiljana Radonic in „Deutscher Feminismus und Antisemitismus“. All dies hören die Anhängerinnen der „Großen Göttin“ nicht gerne, mit ihrer Verweigerung von Einfühlung den wirklichen Opfern des Nationalsozialismus gegenüber, hängt mit der Verleugnung jeglicher eigener Schuld des weiblichen Geschlechts an Nationalsozialismus und Antisemitismus zusammen.

In linksliberalen Foren, wie „Zeit-Online“ oder „derFreitag“ sind viele dieser „Betonfeministinnen“ aktiv. Eine dieser Bloggerinnen, laut eigenen Angaben eine Juristin, leidet scheinbar unter der von Freud beschriebenen „Ich-Schwäche“ und der beschriebenen Fixierung auf Sexualität. Diese Schreiberin, die oft von ihren  „Weiblichen Göttlichen“ referiert, sich der „feministischen Exegese“ verschrieben hat, vergleicht Israel mit dem Apartheidstaat Südafrika und versucht mit Kommentaren wie, „…männer stehen auf nem balkon und holen sich einen runter“ oder „dass du deinen schwengel für die einzig wahre gesetzesquelle hältst“ oder du „Ziegenficker“ usw., ihre religiösen Ansichten, nebst ihrer Israelfeindschaft, durchzusetzen. Eine mit ihr befreundete Schreiberin die neben ihrer Israelgegnerschaft, die Menschenzuchttheorien von Silvio Gesell verehrt, meint beispielsweise im „Freitagsforum“: “Israel hat sich die Hamas gezüchtet“ oder “Ich wäre stolz Felicia Langer zu sein„ oder „Zu demselben Ergebnis kommt man, wenn man das Naturweib, das wie eine Königin über die Natur ringsum verfügt, mit unseren armseligen Fabrikarbeiterinnen vergleicht. Diesen Ansatz würde ich zu den mutterrechtlichen Strömungen, die sich auf  Bachofen berufen, zurückführen“ oder „Was heute reaktionär erscheint, war damals emanzipatorisch, [..] Bei Gesell hat er ja sogar den ausgesprochen emanzipatorischen Aspekt, in Liebesdingen von der ewigen Geldabhängkeit weg zu kommen. Die Schrift Bachofens über das Mutterrecht, gab dazu Impulse“. Eine dritte dieser „feministischen Theologinnen“ schreibt beispielshalber: “Scharia-konforme ‘Finanzprodukte’ sind ausgesprochen interessant, waren von der Finanzkrise relativ wenig betroffen und werfen ein weiteres kleines Lichtlein auf das sehr weite Feld Scharia“. Diese „Betonfeministinnen“, die einerseits Israel das Verteidigungsrecht absprechen, Israel mit dem Apartheidstaat Südafrika vergleichen, Boykottaufrufe gegen Israel fordern, aber andererseits das iranische Regime sehr wohlwollend beurteilen und gar Teile der Scharia in Deutschland gerne eingeführt sähen, belegen mit ihrem sekundären Antisemitismus die Thesen  der  „Frankfurter Schule“. Ihr Glaube an das Mutterrecht Bachofens, an das Matriarchat, an die „Weiblichen Göttlichen“, ihr Hass gegen Israel verbindet sie, quasi als unsichtbares Band, in ihren meist gemeinsamen „Auftritten“. Bemerkenswert dabei sind die mitdiskutierenden Männer, die scheinbar den Wahn dieser Frauen nicht erkennend, nur durch die gemeinsame Gegnerschaft zu Israel ein freundschaftliches Verhältnis zu ihren „Geschlechtsgegnerinnen“ pflegen. Während die Moderation von „Zeit-Online“ gewisse Grenzen für die beschriebenen „Betonfeministinnen“ absteckt, können diese scheinbar in der Community des „Freitag„, im Widerspruch zu den eigenen AGB, nach Belieben schalten und walten.

Quellen: Ljiljana Radonic – Deutscher Feminismus und Antisemitismus

Theodor W. Adorno – Studien zum autoritären Charakter

Else Frenkel-Brunswik – Die antisemitische Persönlichkeit

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