Archiv für August 2010

Der deutsche linke Antisemitismus

1973: „Der Konflikt im Nahen Osten kann nicht anders gelöst werden als durch die Zerschlagung, des Zionistischen Staates“ (AK)
1974: Israel – „die blutrünstige und machtgierige Bastion gegen die Völker“ (Roter Morgen (KPD/ML), 23.11.1974)
1989: Der Zionismus –„der Feind aller Menschen“ (Autonome Nahostgruppe Hamburg,2)
1992: „Sieg im Volkskrieg“; Israel muss weg! (Interim,6)
06.03.2010: „ Es gibt keinen linken Antisemitismus.“ (Freitags-Publizist Uwe Theel)

Am 08.01.2009 fordern Sahra Wagenknecht, Ellen Brombacher und andere Linksparteimitglieder das Ende der israelischen Aggression und einen gerechten Frieden im Nahen Osten: „Im Gaza-Streifen herrschen Tod, Qual und Angst. Die durch nichts zu rechtfertigende Aggression der israelischen Armee, die Blockade-Haltung der USA im UN-Sicherheitsrat, die die israelischen Kriegshandlungen tolerierende EU und auch die faktische Gleichgültigkeit der Herrschenden in den meisten arabischen Staaten zeichnen verantwortlich für das unvorstellbare Grauen. […] Nichts rechtfertigte und rechtfertigt die grausame Blockade gegen 1,5 Millionen Menschen, nichts rechtfertigt den mörderischen, schon jetzt mehr als siebenhundert Opfer und Tausende Verwundete fordernden Krieg. […]Unsere uneingeschränkte Solidarität gehört dem geschundenen palästinensischen Volk, der israelischen Friedensbewegung und den ungezählten Menschen in aller Welt, die das Ende der israelischen Aggression fordern. Fest an ihrer Seite, verlangen wir einen gerechten Frieden im Nahen Osten.“

Am 27. Januar 2010, 65 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz sprach Schimon Peres im Deutschen Bundestag. Sahra Wagenknecht verweigerte nach Peres Rede die stehenden Ovationen und begründete dies unter anderem damit, „weil dieser Staatsmann, selbst für Krieg verantwortlich ist.“ Sie verneige sich zwar vor den Opfern des Holocaust aber nicht vor dem „kriegsverantwortlichen“ Peres. Wenn Frau W. ihr Auftreten im Bundestag zu erklären versucht, ist der interessierte Beobachter, unangenehm an den „Leitspruch“: “Tote Juden sind gute Juden – lebende Juden sind böse Juden“ erinnert. Welchen Nah-Ost-Krieg meinte tatsächlich Sarah Wagenknecht? Den Arabisch-Israelischen Krieg 1948, den 6 Tage-Krieg 1968, den Yom-Kippur Krieg 1973 oder den Gaza Krieg 2009. Oder meinte Wagenknecht die Befreiung der jüdischen Geiseln in Entebbe 1976, die Oberstleutnant Jonathan Netanyahu (der Bruder des jetzigen Ministerpräsidenten), der an der Spitze der Aktion stand mit seinem Leben bezahlte. Der damalige Verteidigungsminister Schimon Peres gehörte zu den Hauptverantwortlichen für die damalige Befreiungsaktion. Falls Sarah Wagenknecht an den Gaza-Krieg dachte, ist Shimon Peres dann deshalb verantwortlich für den Gaza-Krieg, weil er Staatspräsident von Israel ist? Shimon Peres, sprach in Davos zum Gaza-Krieg, den er als richtig verteidigt und betonte Israel wolle Frieden und hätte nicht einseitig die Initiative aufgenommen sondern wurde vorher beschossen. Er richtete an Erdogan die Frage: „Was hätten Sie getan, wenn jeden Abend Raketen auf Istanbul niedergegangen wären“. Er betonte, die Schuld allein trägt die Hamas die Schulen und Kindergärten zu Kriegsschauplätzen machen würde. Haben Frau Wagenknecht diese Aussagen von Peres nicht zugesagt, war er deshalb verantwortlich für den Gaza-Krieg? Der Linksparteiabgeordnete Lederer kritisierte Wagenknecht scharf für ihr Verhalten. Der NPD Landtagsabgeordnete Gansel lobte hingegen Frau Wagenknecht. Wem steht Frau Wagenknecht außenpolitisch näher? Dem Nationalisten Gansel oder dem Sozialisten Lederer? Man müsste Frau Wagenknecht fragen: Welcher Staat, dieser Welt würde nicht auf die Kassam-Raketen reagieren? Wie hätte Israel reagieren sollen? Wäre es Einsatz verhältnismäßiger Mittel gewesen, wenn Israel mit selbstgebastelten Kassam-Raketen zurückgeschossen hätte? Oder hätte Israel Selbstmordattentäter auf einen belebten Markt in Gaza-Stadt schicken sollen?  Sind doppelte Standards in den Aussagen bezüglich der Israelkritik Wagenknechts zu erkennen? Gibt es eine Ungleichbehandlung des Staates Israel gegenüber anderen Staaten bei Wagenknecht?
Beide Fragen sind meines Erachtens eindeutig zu bejahen. Sind die Aussagen Wagenknechts, sekundärer oder struktureller Antisemitismus oder ist es Antizionismus? Ist ihr Antizionismus mit dem Flugblatt des Antisemiten Möllemann vergleichbar? Diese Fragen sollten die Links-Parteifreunde mit Frau W. diskutieren.  Im Spanischen Bürgerkrieg war der Kampfruf der Falangisten „Viva la Muerte“ (Es lebe der Tod). Der spanische Philosoph Unamuno nannte diese Haltung im Jahre 1936 Nekrophilie. Eindeutig gilt Erich Fromm der Ruf „Es lebe der Tod!“ als Hinweis auf und Ausdruck für den nekrophilen Charakter, der von allem Toten, Unlebendigen fasziniert ist. Wenn im Jahre 2010 die Hamas ruft:“ Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod“, würde Fromm sehr wahrscheinlich Vergleichbares diagnostizieren.

Linker Antisemitismus“ und Judenhass ist ebenso, sehr leicht nach dem Angriff, am 31.5.2010, der israelischen Spezialeinheit auf  die sogenannte Gaza „Solidaritätsflotte“ und den Toten auf der „Mavi Marmara“ zu diagnostizieren.  Die selbst ernannten Kämpfer für Menschenrechte pochten und pochen auf ihr „legitimes“ Recht, Israel zu kritisieren, und tarnen ihren Antisemitismus, indem sie sich als Kämpfer für Frieden, Fortschritt und Gerechtigkeit gerieren. „Ich habe nichts gegen Juden, einige meiner besten Freunde sind Juden.“ Mit diesem Satz verriet sich, in den ersten Jahrzehnten nach Auschwitz, der deutsche Antisemit. In der aktuellen Form funktioniert dieser Satz so: „Man wird ja wohl noch Kritik an Israel üben dürfen, ohne gleich als Antisemit zu gelten.“ Wer genau liest, erkennt zwischen den Zeilen, dass da eine Macht ist, jeden zu strafen, der etwas gegen Israel sagt. Diese Macht dürfte, nach Ansicht dieser Antisemiten,  die jüdische Lobby sein, oder das Weltjudentum mit seinen Agenten. Unter den Teilnehmern der „Free-Gaza-Solidaritätsflotte“ waren die deutschen Linkspartei-Parlamentarier Paech, Höger und Groth und islamfaschistische Djihadisten, die sich bereits in der Türkei von ihren Familien verabschiedeten, da sie als Selbstmordattentäter in ihr Paradies einkehren wollten. Paech, Höger und Groth haben die sich de facto als Kombattanten der Hamas betätigt. Die nachfolgende einseitige Diskussion in den Medien war ebenso abstoßend wie das Verhalten von Paech und Co. Einige linke Medien bilden die Speerspitze in diesem Kampf gegen Israel. Die islamistische Hamas strebt unverhüllt die Vernichtung Israels an und beweist dies eindrucksvoll, unter anderem, mit Raketenbeschuss und Selbstmordattentaten. Um „bessere“ Hamas-Raketen zu verhindern muss Israel den Weg nach Gaza kontrollieren. Wer Israel das verwehren möchte, spricht den dort lebenden Juden das universale Menschenrecht auf Selbstverteidigung ab, er oder sie will den „Tod des Juden.“

Die, angeblich linken, Friedensfreunde sind nicht in der Lage zu begreifen, dass Israel nicht Krieg führt wie imperialistische Staaten Krieg führen. Israel führt seine Kriege, nicht um Raum für ihr Volk ohne Raum, nicht um den Zugriff auf Rohstoffe oder um weltpolitische Bedeutung. Israel führt Krieg, um den Juden, also seiner Bevölkerung, endlich ein Leben in Sicherheit zu bieten. Israel versucht nicht, andere unter ihre Herrschaft zu zwingen oder zu ihrem Gott zu bekehren. Im Gegensatz dazu erklären die Feinde Israels im Nahen Osten ihren sehnlichsten Wunsch die Juden zu vernichten oder sie ins Meer zu treiben. „Die Fahne Allahs soll, laut der Hamas-Charta, über ganz Palästina wehen.“ Die „sogenannten friedlichen Lösungen“ der Palästinafrage, sagt die Charta der Hamas, stehen sämtlich im Widerspruch zu den Auffassungen der Islamischen Widerstandsbewegung. Denn auf irgendeinen Teil Palästinas zu verzichten bedeutet, auf einen Teil der Religion zu verzichten. Hätte die Hamas oder ein arabischer Nachbarstaat die Möglichkeit Israel zu vernichten, würde diese Möglichkeit sofort „genutzt“. Hätten die Juden vor dem zweiten Weltkrieg einen Staat und eine Armee gehabt, wäre der Holocaust so nicht möglich gewesen. Der Staat Israel ist ein Ort an dem Juden endlich frei von Angst vor Pogromen leben können. Solidarität mit den Palästinensern, spätestens nach 1990, bedeutet Solidarität mit den Gotteskriegern, mit der Hamas, mit der Hisbollah. Die Palästinenser haben sich verändert, von einer Bevölkerung  zu einem Volk, von einer säkularisierten Gesellschaft zum religiösen antisemitischen Mob. Von deutschen linken Friedensfreunden, sprich linken Antisemiten hörte und hört man immer wieder den Satz: “Ebenso wie den Israelis ist das deutsche Volk den arabischen Palästinensern verpflichtet!“

Wolfgang Pohrt schrieb seinerzeit zu identischem Schwachsinn: “Oder anders gesagt: Vormundschaft und Sorgerecht für das Opfer werden dem Täter zugesprochen. Mit den Verbrechen, die Deutschland an den Juden und an der Menschheit beging, hat es sich eigenem Selbstverständnis gemäß das Vorrecht, die Auszeichnung und die Ehre erworben, fortan besondere Verantwortung zu tragen. Der Massenmord an den Juden verpflichtete, so meint man, Deutschland dazu, Israel mit Lob und Tadel moralisch beizustehen, damit das Opfer nicht rückfällig werde. Zwei angezettelte Weltkriege böten, so meint man weiter, die besten Startbedingungen, wenn es um den ersten Platz unter der Weltfriedensrichtern und Weltfriedensstiftern geht, frei nach der jesuitischen Devise, das nur ein großer Sünder das Zeug zum großen Moralisten habe.“

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Ich bin ein "Gremlizaner"

Nachdem ich 144 Tage in der Freitags-Community, im „Hinterland des Feindes“ gegen Antisemitismus, Israelhass und völkischen Sozialdarwinismus angeschrieben habe, bekam ich einige eMails von Konkret Autoren.  Eines davon von Stefan Frank (1) am 17.6.2010 und eines von Herman L. Gremliza (3) am 29.6.2010. In der aktuellen Konkret 9/2010 ist der Briefwechsel von Freitag Herausgeber Jakob Augstein und Hermann L. Gremliza (3) auf Seite 66 im „Gremliza Express“ dokumentiert. Ich dokumentiere nun 3 Gründe von vielen, weshalb ich seit über 30 Jahren Konkret-Leser bin:

(1) “Was Sie schreiben, ist alles sehr richtig, und Ihr Kampf gegen den Antisemitismus sehr wichtig, insbesondere, weil sie die Gefechte ins Hinterland des Feindes tragen. Nun wundere ich mich allerdings, dass Sie sich darüber zu wundern scheinen, dass der Feind sich das nicht länger bieten lassen will. […] Das ist ja so, als würde man erwarten, in einem Blog der katholischen Kirche den Papst kritisieren zu dürfen, finden Sie nicht?“

(2) „Lieber  fidelche,
zurück von einer fernen Insel schnell einen Gruß, mit dem ich mich Stefan Franks Antwort anschließe.  Wer mit Paech oder Watzal diskutieren will, soll es tun. Ich geh solange Sarah Silverman gucken.
Ihr Gremliza“

(3) „Da schreibt man Monat für Monat fünfunddreißig Jahre lang diese Seite voll – und was ist der Dank? Das ist der Dank:

Lieber Hermann Gremliza,
wir haben eine Diskussionsreihe, den Freitag-Salon, zu der ich Sie gerne einmal einladen würde. Ab der kommenden Spielzeit findet das einmal im Monat im Gorki-Theater statt. Es geht um Gesellschaft und Kunst und Politik. Wir werden uns dabei an den Spielplan des Gorki-Theaters anlehnen, und ich moderiere. Eigentlich ein sehr schönes Format. Am 21.9. soll es um Helmut Kohl gehen, um die 80er Jahre, dann die Zeit der Wende und den deutschen Wandel.  Das Gorki hat dazu ein Theaterprojekt. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie an diesem Abend mit uns diskutieren würden. Aber ich will Ihnen nicht verheimlichen, wen ich da sonst noch einladen möchte: Gustav Seibt und Kai Diekmann. Diekmann kennt Kohl ja sehr gut, war damals ein Fan und ist seitdem ein Wegbereiter eines „neuen Deutschland“, das sich von der alten Bundesrepublik ja erheblich unterscheidet. Ich halte das für eine sehr spannende Kombination und wäre sehr froh, wenn Sie dabei wären. Melden Sie sich?
Herzliche Grüße Ihr Jakob Augstein

Lieber Herr Augstein,
haben Sie Dank für Ihre Anfrage, die mich erst heute erreicht hat, und sagen Sie mir, bitte, daß Sie nicht im Ernst gemeint haben, ich könnte mich mit einem Schmieranten wie dem Chefredakteur des größten Drecksblatts auch nur in einem Raum aufhalten, geschweige denn an einen Tisch setzen.
Mit freundlichen Grüßen H.L. Gremliza

Worauf das Trio sich den weiten Weg durchs neue Deutschland allein bereiten wird. Oder gibt’s Ersatz durch ein gemütlicheres Haus als mich? Durch Broder vielleicht? Oder den Geißler? Falls die Schwarzer ausgebucht ist.“

PS: Stefan Frank hat mich gebeten seine eMail nicht vollständig zu veröffentlichen. Eventuell frage ich nochmal bei ihm an und bitte ihn darum alle seine Sätze veröffentlichen zu dürfen. Es handelt sich dabei um einen, aus meiner Sicht, sehr schönen Satz.

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Das Blog fidelche

Gastbeitrag von thinktankboy:

1 Gott, der Herr, nahm also den Menschen und setzte ihn in die Community von Berlin, damit er ihn beblogge und hüte.
2 Dann gebot Gott, der Herr, dem Menschen: Von allen Seiten des Internets darfst du lesen und verlinken,
3 doch vom Blog des fidelche, das Blog der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht lesen; denn sobald du davon liest, wirst du deaktiviert.
4 Das Internet war schlauer als alle Bücher, die Gott, der Herr, gemacht hatte. Das Internet sagte zu der Frau: Hat Gott wirklich gesagt: Ihr dürft nicht vom Blog des fidelche lesen und verlinken?
5 Die Frau entgegnete dem Internet: Von allen Seiten des Internets dürfen wir lesen;
6 nur vom Blog des fidelche, der in der Mitte des Internets steht, hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht lesen und daran dürft ihr nicht verlinken, sonst werdet ihr deaktiviert.
7 Darauf sagte das Internet zur Frau: Nein, ihr werdet nicht deaktiviert, wenn doch, könnt ihr euch ein eigenes Blog machen.
8 fidelche weiß vielmehr: Sobald ihr davon lest, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie fidelche und erkennt Gut und Böse.
9 Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, vom Blog des fidelche zu lesen, dass das Blog eine Augenweide war und dazu verlockte, klug zu werden. Sie nahm von seinen Worten und las; sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und auch er las.
10 Da gingen beiden die Augen auf und sie erkannten, dass sie dumm waren. Sie hefteten ausgedruckte Blätter zusammen und machten sich einen Schnellhefter.
11 Als sie Gott, den Herrn, im Garten gegen den Tagwind einherschreiten hörten, versteckten sich Adam und seine Frau vor Gott, dem Herrn, hinter den Displays ihres Arbeitsplatzes.
12 Gott, der Herr, rief Adam zu und sprach: Wo bist du?
13 Er antwortete: Ich habe dich im Garten kommen hören; da geriet ich in Furcht, weil ich noch nicht genug gelesen hatte, und versteckte mich.
11 Darauf fragte er: Wer hat dir gesagt, dass du noch nicht genug gelesen hast? Hast du von fidelches Blog gelesen, von dem zu lesen ich dir verboten habe?
12 Adam antwortete: Die Frau, die du mir beigesellt hast, sie hat mir von fidelches Blog erzählt und so habe ich gelesen.
13 Gott, der Herr, sprach zu der Frau: Was hast du da getan? Die Frau antwortete: Das Internet hat mich verführt und so habe ich gelesen.
14 Da sprach Gott, der Herr, zum Internet: Weil du das getan hast, bist du verflucht / unter allem elektronischem Zeugs. / Auf dem Schreibtisch und in Rechenzentren sollst Du stehen / und Strom fressen alle Tage deines Lebens.
15 Feindschaft setze ich zwischen dich und die Frau, / zwischen deinen Nachwuchs und ihren Nachwuchs. / Er trifft dich am Kopf / und du triffst ihn an der Ferse.
16 Zur Frau sprach er: Viel Mühsal bereite ich dir, sooft du schwanger wirst. / Unter Schmerzen gebierst du Kinder. / Du hast Verlangen nach deinem Mann; / er aber wird über dich herrschen.
17 Zu Adam sprach er: Weil du auf deine Frau gehört und vom Blog des fidelche gelesen hast, von dem zu lesen ich dir verboten hatte: So ist verflucht das Internet deinetwegen. / Unter Mühsal wirst du von ihm lesen / alle Tage deines Lebens.
18 Blue Screens und hohe Stromkosten sollen dir erwachsen / und die Boulevard-Presse  musst du lesen.
19 Im Schweiße deines Angesichts / sollst du dein Blog lesen, / bis du zurückkehrst zum Comicheft; / von ihm bist du ja gekommen. / Denn Vernunft verbot ich dir, zur Unterwürfigkeit musst du zurück.
20 Dann sprach Gott, der Herr: Seht, der Mensch ist geworden wie wir; er erkennt Gut und Böse. Dass er jetzt die Hand ausstreckt, auch vom Blog des fidelche liest und ewig klug ist!
21 Die Menschen benutzten ihr Gehirn verabschiedeten sich freundlich von Gott, gingen weg, machten ihr eigenes Blog und waren klug, fortschrittlich, emanzipatorisch und glücklich.

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Für die Nicht-Freitags-Community-Leser zum Verständnis des Textes:
1.Die Kommentare auf Petra Pau kritisiert Free-Gaza, sind entscheidend, um den obigen Text zu verstehen. In der Freitags-Community ist es verboten Links auf „fidelches“ Blog zu setzen! Siehe Kommentare.
2. Zum Anderen muss man wissen, dass sich in der Freitags-Community viele BibelanhängerInnen befinden. Vor allem die vielen weiblichen Anhängerinnen (auch Betonbloggerinnen oder „Damen“ genannt) der alten „heiligen“ Schriften lassen keine Kritik an diesen zu. Laut dieser sogenannten Bibelexpertinnen (sie glauben an Göttinnen) haben die Religionen nichts Frauenfeindliches.

3. Vielen Dank für die Anregungen an den Schreiber des Textes „Das Buch Genesis, Kapitel 3“

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„Gottesstaat Iran“ : Regime Change statt Dialog!

AlQudAuf Mahmud Ahmadinedschad soll am 4.8.2010 ein Attentat per Handgranate verübt worden sein. Staatliche iranische Medien weisen entsprechende Berichte zurück. Eventuell ist der Widerstand gegen den Gottesstaat noch nicht völlig zum Erliegen gekommen. Andererseits hätte der Tod Ahmadinedschads die Politik des Irans nicht wirklich verändert. Die größte Macht im Staate liegt wohl in den Händen von Ali Chameini. In der Geschichte Irans gab es durchaus Möglichkeiten für eine menschenwürdigere Politik.  Irans Beziehungen zu Deutschland und dem „Westen“ standen diesem Weg oft entgegen. Eine große Hürde für einen „besseren Weg“ ist die iranische Staatsreligion. Fazlollah Nuris Sätze,“ Der Islam verlangt Gehorsam und nicht Freiheit, Ungleichheit und nicht Egalität“ und „Was ich will ist ein islamisches Parlament, das kein Gesetz verabschiedet, dessen Inhalt mit den Gesetzen des Koran nicht übereinstimmt.“ bestimmen bis heute die Politik. Gibt es aktuell politische Alternativen im Iran? Hatte Mossadegh 1953 eine Chance?  Ist der „Kritische Dialog“ Deutschlands mit dem Iran gescheitert? Würden die angeblichen Reformer  Hashemi Rafsandschani oder Hossein Mussawi das iranische Atomprogramm stoppen oder für eine menschenwürdige Innenpolitik eintreten? Diese Fragen versuche ich „anzureißen“.Hashemi Rafsandschani, von 1989 bis 1997 iranischer Präsident, gilt in Deutschland als gemäßigt. Am „Al-Quds-Tag“ 2009  sagte er: “Hitler sei dazu gezwungen gewesen, die europäischen Juden zu ermorden, da sie ein „Schmerz im Nacken“ gewesen seien und den europäischen Regierungen nur Probleme bereitet hätten, weil sie „viel Besitz“ und ein „Propagandaimperium“ besessen hätten. […] der Nationalsozialismus habe Europa vom Schrecken des Zionismus befreit.“ Wie er sich die Befreiung vom Zionismus heute vorstellt, hat er 2003 erklärt, als er sagte, eine einzige in Israel gezündete Atombombe würde „alles zerstören“.  Auch der vermeintliche Reformer Mussawi gehörte stets zur herrschenden islamischen Kaste im Iran. Mussawi war ein treuer Anhänger Khomeinis, war im Revolutionsrat, dem Vorgänger des Wächterrats. 1981 wurde Mussawi für knapp vier Monate iranischer Außenminister und verteidigte die Besetzung der amerikanischen Botschaft in Teheran durch regimetreue Studenten. In seine Amtszeit als Premierminister fielen zum einen der iranisch-irakische Krieg mit hunderttausenden Toten – darunter zahllose Kinder und Jugendliche, die als Minenräumer bei den Bassidschi-Milizen missbraucht wurden und zum anderen die Ermordung Zehntausender Oppositioneller und Regimekritiker. Mussawi begrüßte den Terror der Hisbollah im Libanon und lehnte jegliche Verhandlungen mit den USA ab. Die Entwicklung des Irans zu einem islamfaschistischen Gottesstaat war nicht „gottgegeben“. Es gab in der Geschichte Irans des Öfteren die Möglichkeit die vorhandenen Potentiale zu nutzen. Die wohl fortschrittlichste Regierung die der Iran in der Neuzeit hatte, war die Regierung von Mohammad Mossadegh in der Zeit von 1951 bis 1953.Am 29. April 1951 ernannte der Schah Mossadegh zum Premierminister, nachdem am 7. März 1951 ein tödliches Attentat auf Premierminister Haj Ali Razmara begangen worden war. Bereits am 15. März 1951, hatte das Parlament das Gesetz zur Verstaatlichung der Ölförder- und Raffinerieanlagen verabschiedet. In den folgenden zwei Jahren der Amtszeit Mossadeghs tobte diplomatischer Kampf zwischen den Briten, die die Verstaatlichung rückgängig machen wollten. Mossadegh ließ erfolgreich das Parlament über ein Referendum auflösen um weitreichende Befugnisse als Ministerpräsident zu erhalten. Damit schien der Schah die Kontrolle über den Iran zu verlieren. Mossadeghs wichtigste Stütze war der damals populärste Geistliche, Ayatolla Abdul-Quasem Kashani. Der 1882 geborene Kashani gehörte zu den schillerndsten Figuren im Iran. Im 2. Weltkieg war er Naziagent und von den Briten inhaftiert. Er unterstützte Fadayan-i Islam. Er war antiwestlich orientiert und propagierte die Rückkehr zur Sharia. Durch seine wiederholten Verhaftungen kam er zu großer Popularität in den Armenvierteln Teherans. Mit Mossadegh und Kashani war erstmals ein antiimperialistisches Bündnis an der Macht. Das Bündnis zwischen Navvab Safawi und Abdul-Kasim Kashani zerbrach. Kashani hatte Navvab Safawi als Religionsminister abgelehnt und damit die Fadayan gegen die Regierung aufgebracht. Als Mossadegh die Teheraner Verkehrsbetriebe verstaatlichen und das Frauenwahlrecht einführen wollte, zerbrach das Bündnis zwischen Kashani und Mossadegh. Die Religionsführer des Iran schlossen sich Kashani an und organisierten Demonstrationen gegen das Frauenwahlrecht. Aus Quom rief auch Khomeni zum Widerstand gegen Mossadegh auf. Am 19.8.1953 wurde Mossadegh gestürzt. Dafür gab es drei Gründe: Der innenpolitisch organisierte Aufstand, geführt von den religösen Kräften des Landes, Kashani, Navvab Safawi und Khomeini. Das Zentralorgan der Fayayan rühmte die Bewegung gegen Mossadegh als islamische  Revolution. Zum zweiten hatten die USA und England (Operation Ajax) einen Putsch gegen Mossadegh politisch, moralisch und finanziell unterstützt. Ohne diese Rückendeckung hätte General Zahedi die gewaltsame Absetzung Mossadeghs nicht riskiert. Der dritte Grund war das zögerliche Verhalten der Tudeh-Partei. Sie allein hätte den Ansturm der konservativen Geistlichkeit verhindern können. Dazu kam, dass Mossadegh sich eine Unterstützung der Tudeh-Partei ausdrücklich verbeten hat. Nach dem Putsch stand Mossadegh bis zu seinem Tod unter Hausarrest. Auf die Ermahnung des Schahs nicht mehr in die Politik einzugreifen, soll Mossadegh geantwortet haben: „Ich wäre ganz schön verrückt, mich um ein Volk zu kümmern, dass mich in der Not im Stich gelassen hat!“

Der Schah wollte mit seiner „Weißen Revolution“ aus dem feudal geprägten Agrarstaat Iran einen modernen Industriestaat machen. Es gab ein 1963 Referendum über das Reformprogramm gegen den Widerstand der Geistlichkeit. Trotz einer Fatwa gegen das Programm (u.a. aktives und passives Frauenwahlrecht) wurde es mit überwältigender Mehrheit angenommen. Am 3. Juni 1963 griff Khomeini während der Aschura-Feierlichkeiten den Schah in einer Rede in Qom persönlich an, indem er eine Rede gegen den Tyrannen unserer Zeit hielt: „Diese Regierung ist gegen den Islam gerichtet. Israel ist dagegen, dass im Iran die Gesetze des Korans gelten. Israel ist gegen die erleuchtete Geistlichkeit … Israel benutzt seine Agenten in diesem Land, um den gegen Israel gerichteten Widerstand zu beseitigen … der Koran, die Geistlichkeit … Oh Mr. Schah, oh erhabener Schah, ich gebe Ihnen den guten Rat nachzugeben und (von diesen Reformen) abzulassen. Ich will keine Freudentänze der Bevölkerung sehen, an dem Tag, an dem Sie das Land auf Befehl Eurer Meister verlassen werden, so wie alle jubelten, als Ihr Vater das Land einst verlassen hat.“ Nach dieser Rede wurde Khomeini am 5. Juni 1963 verhaftet. Der iranische Geheimdienst  des Schahs, SAVAK schreckte nicht vor Mordanschlägen und Folterungen zurück. So war der Schah unfähig, das autoritäre System im Gleichschritt mit der Modernisierung zu lockern und in freiere politische Formen zu überführen. Khomeini hatte vor der islamischen Revolution von hunderttausenden Toten gesprochen, die das Regime des Schahs zu verantworten habe. Während der Nationalist Mossadegh zumindest im Ansatz republikanische Forderungen verfocht, wollte Khomeini stets das Gegenteil: Er wollte die Herrschaft des Schah durch die Herrschaft der Scharia zu ersetzen. Khomeini hat sich bei der Entwicklung seiner politischen Konzepte  auf Fazlollah Nuri berufen. Khomeini hat Fazlollah Nuri Ziel, einen iranischen Staat zu gründen, dessen Parlament kein Gesetz verabschiedet, dessen Inhalt nicht mit dem Koran übereinstimmt, in die Realität umgesetzt. Eine der zentralen Themen Khomeinis war es, das die Revolte und besonders der Kampf des Märtyrers gegen Ungerechtigkeit und Tyrannei zentraler Bestandteil Teil des schiitischen Islam sei, und dass Muslime dem Islam und nicht dem Weg des westlichen Liberalismus und Kapitalismus noch dem des östlichen Kommunismus folgen sollten. Am 4. November 1979 begann der „Aufstand aus dem Geist der Religion“. Am Vormittag dieses Tages brechen 400 mit Schlagstöcken und Ketten bewaffnete Khomeini-Anhänger das Tor zur amerikanischen Botschaft in Teheran auf, stürmen das Gelände und nehmen die 66 anwesenden Botschaftsmitarbeiter als Geiseln. Die 444 tägige Geiselhaft, mit Scheinerschießungen und Schlägen, dauert bis Januar 1981. Man habe die Amerikaner „schon oft erniedrigt“, rief Ahmadinejad im Januar 2007 seinen Anhängern zu „und wir werden euch auch in Zukunft erniedrigen.“ Freies Geleit des Gesandten war schon immer die erste Form von Zivilisation. Khomeinis Iran zeigte von Anfang an, diese Zivilisation aufkündigen zu wollen. Die weitere Entwicklung des Irans  ist bekannt.

Von Anfang an war sich der Westen in der Behandlung des „Gottesstaates Iran“ uneinig. Seit 1890 hat Deutschland die besten Beziehungen zu Persien oder später zum Iran. Besonders eng waren die Beziehungen zwischen 1933 und 1945. Im Jahr 1940/41 stammten 80% aller nach Iran gelieferten Maschinen aus Nazideutschland. Im August 1941 mussten britische und sowjetische Truppen mit Waffengewalt den lebensnotwendigen „persischen Korridor“ durch den, mit NS-Deutschland „verbündeten“ Iran durchsetzen. Die iranische Regierung unterstützte Angriffe und Sabotageakte auf die britischen Waffen- und Warenlieferungen, die  durch den Iran an die kurz zuvor von NS-Deutschland angegriffene Sowjetunion geleitet wurden. Der ideologische Kitt zwischen Nazideutschland und dem damaligen Iran, war das gemeinsame „Ariertum“. Bereits im ersten Weltkrieg hatten einige schiitische Kleriker den deutschen Kaiser als Schutzpatron verehrt. Viele iranische „Geistliche“ sahen in Adolf Hitler die Gestalt, die von Gott als „Zwölfter Imam“ gesandt worden ist. Die guten Beziehungen blieben auch nach dem zweiten Weltkrieg bestehen.1984 hatte Hans-Dietrich Genscher als erster westlicher Außenminister dem Mullah-Regime seine Aufwartung gemacht. Seither sind die deutsche und die amerikanische Iranpolitik getrennte Wege gegangen. Während Washington sein nationales Embargo gegen die Sponsoren des Terrors immer weiter verschärfte, heizte Deutschland, dessen Diplomaten und Soldaten weder gekidnappt noch in die Luft gesprengt wurden, den Iranhandel mit immer großzügigeren Hermes-Bürgschaften an. Die rot-grüne Regierung setzte diese Politik nahtlos fort, steigerte sie sogar. In Deutschland wollte und will man den sogenannten kritischen Dialog mit Teheran nicht in Frage stellen. Denn der Exportweltmeister ist immer noch der wichtigste Handelspartner des Iran. Allein im Jahr 2008 betrug das Handelsvolumen annähernd vier Milliarden Euro. Rund 1.700 deutsche Firmen sind im Iran aktiv, 75 Prozent aller kleinen und mittelständischen Betriebe sind mit deutscher Technologie ausgestattet. Heute sind fünftausend deutsche Unternehmen im Iran-Geschäft engagiert, ein Drittel von ihnen mit eigenen Vertretern oder Niederlassungen im Land.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Regierung unter dem „republikanischen Nationalisten“ Mossadegh scheiterte  am religiösen Widerstand gegen notwendige Reformen, an der beiderseitigen mangelnden Kooperation von Mossagegh und der kommunistischen Tudeh-Partei und an der britisch-amerikanischen Unterstützung des Schahs durch die „Operation Ajax“. Ähnlich war es bei der  Machtübernahme des islamischen Gottesstaates. Die Tudeh-Partei kooperierte mit den islamischen Geistlichen um das verbrecherische Schah-Regime abzulösen. Für den „Westen“  war Khomeini fälschlicherweise das kleinere Übel. Die Angst vor dem sowjetischen Kommunismus „vernebelte“ die Wahrnehmung. Die islamische Revolution liegt nun über 30 Jahre zurück. Seitdem wurden und werden (linke) Oppositionelle tausendfach gefoltert und hingerichtet. Durch die islamische „Sharia“ wird die eigene Bevölkerung terrorisiert. Im Iran werden (minderjährige) „Ehebrecherinnen“  gesteinigt und erhängt, (minderjährige) Homosexuelle werden an Baukränen erhängt, beispielsweise bei Diebstählen werden Finger oder Hände amputiert usw. Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad will Israel von der Landkarte ausradieren. Im Iran werden sogenannte Holocaust – Konferenzen abgehalten mit „Referenten“ (Holocaustleugnern) aus der ganzen Welt. Bezeichnend ist, dass in der Zeit um 1980 große Teile der Grünen und der Linken Deutschlands die „islamische Revolution“ begrüßten und Teile dieser Gruppen dies nach über 30 Jahren Terrorherrschaft immer noch tun. Jürgen Elsässer bezeichnete 2009 die iranischen, demonstrierenden Frauen und Männer als „Discomiezen“, „Drogenjunkies“ und „Strichjungen des Finanzkapitals“, und gratulierte Ahmadinejad zu seiner Wiederwahl:“ Glückwunsch Ahmadinedschad! … „Gut, dass Ahmadinedschads Leute aufpassen und den einen oder anderen in einen Darkroom verfrachtet haben.“ Jürgen Elsässer ist leider nicht alleine mit seiner Meinung. Die „linke“ Publizistin Katajun Amirpur nahm  2008 wegen, vermeintlicher Übersetzungsfehler, eine berüchtigte Anti-Israel- Rede Ahmadinejads in Schutz. Im Jahre 2004 „bejubelte“ Amirpur die angekündigte Ablösung der Steinigung im Iran durch den Tod am Strang „als einen Schritt in die richtige Richtung„. Viele angeblich aufgeklärte Menschen, sehen trotz Rushdie-Affäre, Mykonos-Attentat, Terrorförderung, Disidentenverfolgung, Sharia-Gesetzgebung,  Holocaustleugnung und Israelhetze im Iran absurderweise ein Bollwerk gegen den Kapitalismus.  Obwohl die „grüne Bewegung“  heterogen zusammengesetzt ist, alle fortschrittlichen Kräfte im Iran dürften dort zu finden sein,  braucht die iranische Opposition die Unterstützung des Westens. Ein „kritischer Dialog“ mit dem islamfaschistischen iranischen Regime, der ausschließlich von wirtschaftlichen deutschen Interessen geleitet wird, ist  unmoralisch und reaktionär. Die frühmittelalterlichen Konzepte des Islams sind nicht emanzipatorisch. Die „Ahmadinedschad-Fans“ hierzulande sollten umdenken: Regime Change statt Dialog!

Quellen:
– Mathias Küntzel – Die Deutschen und der Iran
– Wikipedia

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Der Großmufti von Jerusalem

Amin al-Husseini (1893 – 1974) war eine der Schlüsselfiguren des 20. Jahrhunderts im „Nahen Osten“. Für die Ausbreitung des modernen Antisemitismus im arabischen Raum und die Zusammenarbeit  mit dem NS Regime in Deutschland spielte er eine entscheidende Rolle. Der extreme Antisemit Amin el-Husseini war 30 Jahre der politische Führer und 16 Jahre das religiöse Oberhaupt der palästinensischen Muslime. Zeitweilig war er der wichtigste Repräsentant der arabischen Welt. Er war Mitglied der „SS“ und betrieb NS-Propaganda für Deutschland in arabischer Sprache. Während des 2. Weltkrieges half der „Großmufti“ auf dem Balkan bei der Mobilisierung von Moslems für die Waffen-SS. Nach dem Krieg wurde al-Husseini in mehreren europäischen Staaten als Kriegsverbrecher gesucht, fand aber in Ägypten Asyl, wo er seine Ideen weiterverfolgte.Die türkische Herrschaft wurde durch die britische Herrschaft abgelöst. Laut Beschluss des Völkerbundsrates wurde Großbritannien 1922 zur Mandatsmacht über Palästina erklärt. Die faktische Übertragung des Mandats erfolgte bereits auf der Konferenz in San Remo 1920. Transjordanien (77% Palästinas) wurde am 15. Mai 1922 formal ein unabhängiger Staat unter britischer Kontrolle. Juden wurde nicht gestattet sich in Transjordanien aufzuhalten oder gar zu siedeln. Damit sahen viele Juden die Versprechungen der Briten an die Araber als erfüllt an. Amin el-Husseini gehörte zu denjenigen die eine völlig andere Position hatten und für eine Politik der Kompromisslosigkeit, der Unversöhnlichkeit und des „alles oder nichts“ stehen sollte. Amin al-Husseini wollte ein „judenreines“ Palästina.

al-Husseini und Hitler

Amin al-Husseini stammte aus einer reichen einflussreichen Großgrundbesitzerfamilie Palästinas. Bis 1920 leitete er den radikalen Arabischen Club in Jerusalem, der zur Verteidigung der arabisch-palästinensischen Interessen gegründet wurde. Zielsetzung war die Vereinigung mit Feisals Haschemitenregime in Damaskus.  In dieser Zeit wurde der Konflikt zwischen den beiden mächtigsten palästinensischen Familien, den Husseinis und  Nashashibis offensichtlich. 1921 starb Kamil el-Husseini der Mufti von Jerusalem, sein Nachfolger wurde nach vielen Konflikten mit den  Nashashibis Amin al-Husseini, 1922 wurde er zum Präsidenten des Moslemischen Oberrats bestimmt. Dem neuen Mufti diente die Religion nicht nur als Instrument der Massenmobilisierung gegen Juden und gegen die „Moderne“, sondern auch als Mittel der Repression. „Ein Vorfall an der Klagemauer wurde vom muslimischen Oberrat unter al-Husseini dermaßen aufgebauscht, dass es 1929 zu heftigen Ausschreitungen kam, die ihren Höhepunkt in der Ermordung von mehr als 130 Juden in Hebron erreichten“. Derartige Ausschreitungen stärkten seine Position. Im April 1936 wurde der Mufti von allen arabischen Clan-Parteien zum Präsidenten des Obersten Arabischen Komitees (AHC) ernannt. Er benützte diesen Posten in erster Linie dazu seine arabischen Gegner während der Unruhen 1936-39 auszuschalten. 1937 nach Auflösung des AHC durch die Briten musste der Mufti aus dem Land fliehen. Auch der Machtkampf zwischen den „Husseinis“ und  „Nashashibis“ erreichte zwischen 1936 und 1939 seinen Höhepunkt. Unter der Leitung des „Großmufti“ versuchten die nicht-jüdischen Araber mit einem Generalstreik die jüdische Einwanderung zu stoppen. Schrittweise wurde der Streik durch „institutionalisiertes Bandentum“ ersetzt. Der Mufti ging mit äußerster Härte gegen seine Gegner innerhalb des palästinensischen Lagers vor. Die „Muftibanden“ setzten mit Mord und Totschlag die neue Kleiderordnung durch. Unislamische Abweichler wurden massenhaft liquidiert. Unterstützt wurde Amin al-Husseini und seine Bewegung finanziell, politisch und mit Waffenlieferungen vom nationalsozialistischen Deutschland. Nach dem arabischen Aufstand wurde die Familie der Nashashibi, die den Ausgleich mit den jüdischen Nachbarn suchten,  mit ihren Gleichgesinnten entweder ermordet oder vertrieben.  So verließen in diesen Jahren zahllose christlichen Araber sowie fast der gesamte palästinensische Mittelstand das Land. Von diesem Exodus hat sich die palästinensische Gesellschaft bis heute nicht erholt. Der Mufti hat den Islam also auf dreierlei Weise instrumentalisiert: erstens als Basis für einen islamisch motivierten Judenhass, zweitens als Waffe gegen die Moderne und drittens als Vorwand für Terrorismus und Gewalt. Am Beispiel der Schlüsseljahre 1937 und 1947 lässt sich zeigen, wie sehr diese Instrumentalisierung die Geschichte des Nahost-Konflikts geprägt hatte und bis heute prägt. Es dauerte einige Jahrzehnte, bis sich der frühislamische Judenhass mit der antisemitischen Weltverschwörungstheorie verband. Erst zwischen 1937 und 1945 wurde diese Fusion besiegelt und die Ideologie des islamischen Antisemitismus massenhaft verankert. Das entscheidende Instrument hierfür war die nationalsozialistische Propaganda in der islamischen Welt. Diese Propaganda war  religiös orientiert. Der Nationalsozialismus öffnete sich für bestimmte Aspekte des Islam. Die Nazis versuchten ab 1937 mit ihrem Antisemitismus deutsche Überzeugungsarbeit in Palästina zu leisten. Es war jetzt aber ein Antisemitismus besonderer Art, welcher den antijüdischen Kampf Mohammeds aus dem siebten Jahrhundert mit der vermeintlichen jüdischen Weltverschwörung des 20. Jahrhunderts unmittelbar verknüpfte. Den Auftakt machte das 31-seitige Pamphlet „Islam-Judentum. Aufruf des Großmufti an die islamische Welt im Jahre 1937.“ Es wurde mit deutscher Hilfe erstellt, 1937 erstmals verbreitet und anschließend in der ganzen arabischen Welt wie auch unter den bosnischen Teilnehmern der muslimischen SS-Division verteilt. Himmler schwärmte von der „weltanschaulicher Verbundenheit“ zwischen dem Nationalsozialismus und dem Islam. „Aus den Muselmanen wurden „Muselgermanen“. Die „weltanschaulich geistige Erziehung“ der muselmanischen SS-Division wurde mit dem Mufti besprochen, und es wurde mit ihm vereinbart, dass der Nationalsozialismus als völkisch bedingte deutsche Weltanschauung und der Islam als völkisch bedingte arabische Weltanschauung unter Herausstellung der gemeinsamen Feinde (Judentum, Anglo-Amerikanismus, Kommunismus, Freimaurerei, Katholizismus) gelehrt werden sollten.

al-Husseini beim Abschreiten seiner „Handschar“ Waffen-SS

Der Mufti flüchtete 1937 in den Irak, wo er die Pro-Achsenpolitik unterstützte und auch dabei finanziell von Deutschland unterstützt wurde. Hitler machte intern im Sommer 1939 aus seinem Rassismus kein Geheimnis: „Wir werden weiterhin die Unruhe in Fernost und in Arabien schüren. Denken wir als Herren und sehen wir in diesen Völkern bestenfalls lackierte Halbaffen, die die Knute spüren wollen.“ Zur Politik der Unruhestiftung im Irak trug der Mufti erheblich bei. Im Irak kam es im Frühjahr 1941 zu einer Auseinandersetzung mit den Briten, die am 1. und 2. Juni mit einem Pogrom endete, dem 179 Juden zum Opfer fielen. Eine irakische Regierungskommission verurteilte den Mufti als einen der Mitschuldigen. Über Teheran, Istanbul und Rom gelangte der Mufti im November 1941 nach Berlin, wo er bis 1945 blieb. Der Antisemitismus des „Großmufti“ war ungebrochen. Im November 1943 sagte er im Berliner islamischen Zentralinstitut, wo er das nationalsozialistische Deutschland als Beispiel nahm: “…wusste, wie es sich von dem Unheil der Juden erretten konnte […] Es hat die Juden genau erkannt und sich entschlossen für die jüdische Gefahr eine endgültige Lösung zu finden, die ihr Unheil in der Welt beilegen wird.“ Zwischen 1939 und 1945 strahlte der deutsche Kurzwellensender Radio Zeesen allabendlich seine Programme mit  islamischen Antisemitismus, in arabisch, türkisch und persisch, aus. Ein Medium, dass auch die analphabetischen Massen in den Teehäusern und Basaren erreichte. Josef Goebbels zufolge waren 1943 etwa 80 Prozent der orientalischen Wortbeiträge von Radio Zeesen antijüdisch orientiert. Im April 1945 wurde Radio Zeesen stillgelegt, doch der Antisemitismus wirkte im Nahen und Mittleren Osten weiter nach. Nach dem Krieg wurde bekannt, dass, durch die Interventionen von Amin el-Husseini gegen die Ausreise von jüdischen Kindern aus Ungarn, Rumänien und Bulgarien nach Palästina, tausende Kinder in den deutschen Vernichtungslagern und deren „Gaskammern“ den Tod fanden. Zum Beispiel schlug er dem bulgarischen Außenminister vor: „Ich möchte mir erlauben, Ihre Aufmerksamkeit darauf zu lenken, dass es sehr angebracht und zweckmäßiger wäre, die Juden an der Auswanderung aus Ihrem Land zu verhindern, und sie dorthin zu schicken, wo sie unter starker Kontrolle stehen, z.B. nach Polen. Damit entgeht man ihrer Gefahr und vollbringt eine gute, dankbare Tat dem arabischen Volke gegenüber.“ Doch erst 1947 erhielt der unerhörte Umstand, dass der in Europa als Nazi-Kriegsverbrecher gesuchte al-Husseini erneut als Sprecher aller Palästinenser reüssieren konnte, historisches Gewicht: Sein Antisemitismus, der zuvor tausenden Menschen das Leben gekostet hatte, richtete sich Jahre später gegen Israel. Obwohl dieser Mann spätestens 1947 – nicht zuletzt wegen seines Judenhasses – auch in der Arabischen Liga isoliert war, fand kein arabischer Staatschef den Mut, dem populären Führer der Palästinenser zu widersprechen. 1947 bestand die Möglichkeit eines Palästinenserstaates. Diese Möglichkeit hat der „Großmufti von Jerusalem“ , Amin al-Husseini durch seine Intransigenz verspielt. Klaus Gensicke zeigt die Verbindung zur Charta der Hamas auf und resümiert: „Dieser zur Tradition gewordene fanatische Extremismus bleibt so virulent wie zur Zeit des „great uprising“ (1936-1939) und stellt eine gescheiterte Politik der Kompromisslosigkeit, der Unversöhnlichkeit und des „alles oder nichts“ dar. Indem diese Politik unnachgiebig weitergeführt wird, lässt sie auch das Schicksal der Palästinenser hoffnungslos erscheinen.“

Quellen:
Matthias Küntzel – Djihad und Judenhaß
Matthias Küntzel – Islamischer Antisemitismus und deutsche Politik
Klaus Gensicke – Der Mufti von Jerusalem und die Nationalsozialisten
K.M Mallmann/Martin Cüppers – Halbmond und Hakenkreuz

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