Marx, Luther, Lessing und das „Opium des Volks“

Zwei religiös motivierte Selbstmordattentäterinnen sprengten sich beim Moskauer U-Bahnanschlag in die Luft und ermordeten dabei 39 Menschen. Der tschetschenische islamistische Gotteskrieger Doku Umarow sprach von der „Vernichtung von Ungläubigen“. Derzeit werden in der Öffentlichkeit die Missbrauchsfälle der katholischen Kirche diskutiert. Die katholische Kirche versucht so gut wie möglich die Fälle zu vertuschen. Sie ruft die Opfer dazu auf, für die Täter zu beten. Man ist an Richard Dawkins erinnert, der schrieb:“ Religionsunterricht ist Mord an der Kinderseele“. Karl Marx schreibt: „Die Kritik der Religion ist die Voraussetzung aller Kritik“. Gott wurde vom Menschen erschaffen und nicht umgekehrt. Religion ist Ideologie, sie ist falsches Bewusstsein. Sie lenkt als „Opium des Volks“ die Menschen von ihren existenziellen Problemen ab. Mit Hilfe der Religion werden die Menschen von der herrschenden Klasse unterdrückt. Die Abschaffung, zumindest die Zurückdrängung der Religion muss aus linker Sicht die logische Forderung sein. Die Bezeichnung „religiöse Kommunisten“ ist infolgedessen ein Paradoxon. Im Übrigen sind „religiöse Linke“ oft die irrationalsten Israelkritiker, was sicherlich mit der „Gottesmordtheorie“ zusammenhängen dürfte. Wie Kirchensteuer-zahlende Frauen beispielsweise mit einem Text wie Levitikus, Kapitel 15: …Hat eine Frau Blutfluss und ist solches Blut an ihrem Körper, soll sie sieben Tage lang in der Unreinheit ihrer Regel verbleiben. Wer sie berührt, ist unrein bis zum Abend. … Am achten Tag soll sie zwei Turteltauben oder zwei junge Tauben nehmen und sie dem Priester zum Eingang des Offenbarungszeltes bringen…., umgehen, wäre spannend zu erfahren. Wie gläubige evangelische Christinnen Aussagen wie, „Die größte Ehre, die das Weib hat, ist allzumal, dass die Männer durch sie geboren werden.“ … „Der Tod im Kindbett ist nichts weiter als ein Sterben im edlen Werk und Gehorsam Gottes. Ob die Frauen sich aber auch müde und zuletzt tot tragen, das schadet nichts. Lass sie nur tot tragen, sie sind darum da.“ … „Die Zauberinnen sollst du nicht leben lassen… Es ist ein gerechtes Gesetz, dass sie getötet werden, sie richten viel Schaden an.“ (Predigt von 1526, Weimarer Ausgabe 16, S. 551), ihres Religionsstifter Luther tolerieren können, ist bemerkenswert. Wie aufgeklärte evangelische Christen, 65 Jahre nach Auschwitz, Luthers Aussagen wie, „Ich will meinen treuen Rat geben. Erstlich, dass man ihre Synagoge oder Schule mit Feuer anstecke, und was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufe und beschütte, dass kein Mensch einen Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich… Zum andern, dass man auch ihre Häuser desgleichen zerbreche und zerstöre. Denn sie treiben eben dasselbige darin, was sie in ihren Schulen treiben …“(Luther: Handbuch der Judenfrage, S. 233-238), akzeptieren können, ist mir unverständlich. Wenn aus friedfertigen Moslems durch Koranverse wie z.B, Sure 2, Vers 191: „Und erschlagt sie (die Ungläubigen), wo immer ihr auf sie stoßt, und vertreibt sie, von wannen sie euch vertrieben; denn Verführung [zum Unglauben] ist schlimmer als Totschlag.“ , keine Ex-Muslime werden, dann ist dies wohl nur mit deren Todesangst (auf Apostasie steht die Todesstrafe) zu verstehen. 1933 schloss Hitler einen Pakt mit dem Vatikan (Reichskonkordat). Der Vatikan war die erste Regierung die Hitler zur Kanzlerschaft gratulierte. Bezüglich der „Judenfrage“ und bezüglich der „Gefahr des Kommunismus“ gab es gewisse Schnittmengen. Der deutsch-jüdische Philosoph Theodor Lessing floh 1933 aus Deutschland in die Tschechoslowakei. Mit seinen Büchern (Der jüdische Selbsthaß, Europa und Asien, u.a.), Artikeln, Essays, Glossen und Feuilletons in demokratischen Tageszeitungen, war er einer der bekanntesten politischen Schriftsteller der Weimarer Republik. Am 30. August 1933 wurde Theodor Lessing von nationalsozialistischen Attentätern, im Auftrag Hitlers, in Marienbad ermordet. Er war das erste Opfer Hitler-Deutschlands auf ausländischem Boden. Ob Lessings Gedicht “ DAS UNGLAUBENSBEKENNTNIS“, berechtigte Kritik der Religion oder Blasphemie ist, kann diskutiert werden.

DAS UNGLAUBENSBEKENNTNIS Von Theodor Lessing

Es gibt keinen Weihnachtsmann. Es gibt keinen Osterhasen. Es gibt keinen Gott. Der Klapperstorch bringt auch keine Kinder und Maria hat gefickt, sonst wäre sie nicht dick geworden. Jesus Christus ist nicht auferstanden von den Toten und all euer christliches Zeugnis ist eitel. Gott ist nur eine Maske die der Teufel trägt. Den Teufel aber gibt es wirklich, denn der Teufel, der bist Du! Der Teufel, das ist die Erbschaft des Neandertalers in uns allen. Der liebte seinen Nächsten in guter Butter gebraten zum Frühstück. Religion ist Reklame für den Tod, Religion ist die raffinierteste Mordmethode, mit der Menschen sich gegenseitig umbringen. Die Jäger reden ihr Jägerlatein, die Seeleute spinnen ihr Seemannsgarn, und die Pfaffen predigen ihren Glauben. Das es keinen Gott gibt wird schon dadurch bewiesen, dass nicht jeder Pfaffe vom Blitz erschlagen ist. „Pastor“ heißt „Hirte“. Jeder Hirte hat zwei Gründe, gut für seine Schäfchen zu sorgen: erstens, er will sie scheren. zweitens, er will sie fressen.

Erstmals veröffentlicht im Freitag, aufrufbar mit Kommentaren unter http://www.freitag.de/community/blogs/fidelche/marx-luther-lessing-und-das-opium-des-volks

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  1. #1 von Caruso am April 17, 2013 - 19:19

    Mit dem Neandertaler in uns bin ich mehr als einverstanden. Aber: Nicht alle
    Religionen sind Masken für den Tod. Nicht der Buddhismus, nicht der Judaismus. Diese beiden sind es, die ich ein wenig kenne. Auch wo es Gott war der Juden zu Mord aufrief, ging es um Geschichte. Nicht um Gebrauchsanwei- sung. Nicht um Religion, zumindest nicht bei anderen Völkern. (Bei sich selbst, also innerhalb der eigenen Gemeinschaft – da gab es viel Streit, auch Bruder-mord wegen der Religion), Es ging immer um konkrete Ereignisse, konkrete Völker, konkrete Situationen. Um Landnahme – wie bei anderen Völkern.
    lg
    caruso

    • #2 von fidelche am April 18, 2013 - 09:43

      Den Judaismus würde ich auch nicht in eine Reihe mit dem Christentum oder dem Islam setzen. Juden werden seit Jahrhunderten verfolgt. Lessing schreibt nicht „Religionen sind Masken für den Tod“, sondern „Religion ist Reklame für den Tod“. Soweit ich weiß wird im Judentum nicht das „Weiterleben nach dem Tod“ versprochen.

      Den tibetanischen Buddhismus lehne ich ab. Ich weiß aber, dass in anderen Regionen Buddhismus durchaus positive Einflüsse auf das Gemeinwohl ausüben kann.

  1. Theodor Lessing und der jüdische Selbsthass | ThinkTankBoy
  2. Theodor Lessing und der jüdische Selbsthass | Fidelches Cosmos

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